Wanne-Eickel-Historie


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Hof Röhlinghaus

Höfe und Kotten

Hof Röhlinghaus


Der Hof Röhlinghaus liegt in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur I, genannt Röhlinghausen in der Hofstraße 42.

Die erste Erwähnung des Hofes finden wir in der "Kleinen Vogteirolle
*" des Grafen Friedrich von Altena-Isenberg aus dem Jahre 1220. Die Liste besteht aus insgesamt 1440 Bauernhöfe in über 900 Orten, die in ganz Westfalen verteilt lagen. Hier wurde der Name "Rodelinchusen I" festgehalten. Im Verzeichnis der Güter des Offiziums Wattenscheid aus dem Jahre 1411 wird in "villa Boninchusen" ein zinspflichtiger "Herbertz tho Roelinchuisen" genannt, der 4 Gulden Steuer zu zahlen hatte. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark* von 1486, werden in Bezug auf Hordel, wozu auch Röhlinghausen gehörte, ein "Straitman to Rolinchusen, Erlemann to Rolinckhusen und ein Jan to Rolinchusen" erwähnt. In der Türkensteuerliste von 1542* wird ein "Gert to Relinghuisen" und im Feuerstättenverzeichnis* aus dem Jahre 1664 unter dem "Grundherr(n) Capitain Ommeren der "Herzrich zu Rölinghausen" mit einem Hof und einer Feuerstätte, genannt.

Der Grundherr Ommeren unterbrach nur für kurze Zeit die Herrschaft der von Düngelen, als Grundherren des Hofes Röhlinghaus. Der Hof fiel im Jahre 1685 wieder an die Dahlhausener zurück. Des Weiteren ist der erste Pachtvertrag aus dem Jahre 1690 überliefert. Er wurde zwischen einem Herrn zu Dahlhausen und den künftigen Eheleuten "Johann Rölinghaus" und der Witwe Erdelmann abgeschlossen. Der nächste Pachtvertrag - zwischen Moritz Goswin von Düngelen, Herr zu Dahlhausen und Havkenscheid, und den künftigen Eheleuten Heinrich auf der Horst und Gertrud Erdelmann, stammt aus dem Jahre 1708, sie erhielten den Hof lebenslänglich in Gewinn. Aus beiden Verträgen geht hervor, dass der 1690 genannte "Johann Rölinghaus" wohl keine Leibeserben hatte und den Hof seiner Stieftochter Gertrud aus der ersten Ehe seiner Frau übergab. Heinrich auf der Horst und Gertrud Erdelmann wurden zum Stammelternpaar der heutigen Familie Röhlinghaus.

Im Kirchspiel Eickel wir 1657 ein Wilhelm Röhlinghaus als Kirchmeister genannt. Im Jahre 1707 wird ein Johann Röhlinghaus unter den eingesessenen des Kirchspiels Eickel bei der Wahl eines Pfarrers unter 51 Wählern, unter der Nummer 29 aufgeführt. In einem Verzeichnis der Grundbesitzer vom Jahre 1684 wird Röhlinghaus als Vollbauer mit der Größe des Besitzes von 13 Maltersaat*, 2 Scheffelsaat* und 91 Ruten* genannt.

In Röhlinghausen gab es drei Vollbauern: Stratmann, Erlemann und Röhlinghaus. Sie waren wohl mit Abstand die reichsten der Gegend. Ihre Höfe lagen eng beieinander und in unmittelbarer Nähe des Hüller Baches.

Der alte Erbhof Röhlinghaus der im hinteren Teil des Sportplatzes der SpVg. Röhlinghausen lag, brannte im Jahre 1905 ab.

Was war geschehen?

Während der Drescharbeiten ging ein Knecht leichtsinnig mit Feuer um, so dass Stroh in Brand geriet. In kurzer Zeit brannte der gesamte Hof einschließlich Wohngebäude bis auf die Grundmauern nieder. Nur mit Mühe konnte das Vieh geborgen werden.

Im Jahre 1911 ließ Heinrich Wilhelm Röhlinghaus ein stattliches Bauernhaus vom Wattenscheider Architekten Beckmann an der Hofstraße errichten. Als Vorbild diente ein Hof in der Nachbarstadt Wattenscheid-Eppendorf.

Im Jahre 1994 fand Friedhelm bei Reparaturarbeiten in einer Wand seines früheren Kuhstalles zwei Sandsteintafeln aus dem Jahre 1799. Es ist anzunehmen, dass sie vom Erbhof stammen, der im Jahre 1905 abbrannte. Die zwei Sandsteintafeln haben die Maße 50 x 50 cm und 50 x 80 cm und sind 12 cm stark. Ihre Inschrift lautet:

"Anno 1799 JOHAN HENDRICH RÖLINGHAUS - WER AUF GOTT VERTRAUT HAT WOLL GEBAUHT"
"DEN 16. MEI CATRIENA ELISABETH SCHULTE ZU HÜLLEN GENANDT RÖLINGHAUSZ L (= 50 oder EL= Eheleute). AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN"


Es ist anzunehmen, dass diese Sandsteintafeln für die Hofübergabe am 16 Mai 1799 angefertigt wurden.


Die zwei Sandsteintafeln aus dem Jahre 1799.

Heinrich Wilhelm Röhlinghaus bewirtschaftete den Hof bis zu seinem Tod im Jahre 1911. Da Heinrich Wilhelm Röhlinghaus unverheiratet geblieben war, übertrug er bereits im Jahre 1909 den Hof an dem ältesten Sohn seines Bruders, Wilhelm Röhlinghaus. Sein Nachfolger wurde im Jahre 1950 sein am 22. März 1922 geborener Sohn Friedhelm Röhlinghaus. "Der letzte Bauer im früheren Wanne-Eickeler Stadtgebiet", wie sich Friedhelm Röhlinghaus oft nannte, verstarb am 6. Mai 2004. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem evangelischen Friedhof, Auf der Wilbe. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 16 Hektar beiderseits der Hofstraße zwischen Hüller Bach und dem Bahndamm am Röhlinghauser Kommunalfriedhof ist zur Zeit verpachtet. Die Stallungen des Hofes sind von dem Reiterbetrieb Schumacher aus Gelsenkirchen angemietet.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Röhlinghausen, aufgenommen vom Geometer Carl Krause, im Juni 1823. Der Hofname Röhlinghaus ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Flur I, genannt Röhlinghausen. Der Name des Hofes wird als "Rolinghaus" geschrieben.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Röhlinghaus ist rot unterlegt.

Der Hof Röhlinghaus an der Hoststraße 42. aufgenommen 1930 und 1970.

Der Hof Röhlinghaus an der Hoststraße 42. aufgenommen im März 2014.



*
Anmerkung:

Isenberger Vogteirollen sind zwei Lehnsverzeichnisse aus dem 13. Jahrhundert. Sie enthalten die Güter, über die Friedrich von Isenberg die Rechte als Vogt besaß. Viele Höfe und Ortschaften im heutigen Nordrhein-Westfalen können heute eine frühe urkundliche Erwähnung auf diese Verzeichnisse zurückführen. Die "Kleine Vogteirolle" ist die ältere, sie stammt aus der Zeit vor 1220. Die "Große Vogteirolle" stammt aus dem Jahr 1221. Hintergrund war der Streit mit Engelbert I. von Köln, Erzbischof von Köln, insbesondere um die Vogteirechte am Stift Essen. Die Rolle weist in der Präambel auf den Zweck hin: "Damit nicht irgendeiner dem Grafen oder seinen Erben Unrecht zufügen könnte, hat er dieses aufschreiben lassen." Beide Rollen sind nach den Hofverbänden (Villikationen) der Stifte Essen und Werden gegliedert, über die Vogteirechte bestanden und nennen die Ortschaften mit der entsprechenden Anzahl von Höfen. Die kleine und die große Vogteirolle wurden im Original 1952 im Fürstlichen Archiv Rheda bei Aufräumarbeiten durch den pensionierten Reichsarchivrat Moritz Graf zu Bentheim entdeckt. Die große Rolle ist etwa 1,70 m lang und etwa 28 cm breit. Dem Archivamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Münster liegt eine Kopie der kleinen Rolle vor. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahlder Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.


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Quellennachweis:
Isenberger Vogteirollen der freien Enzyklopädie Wikipedia.
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangel. Kirchengemeinde Eickel, Wanne-Eickel 1927.
Interview mit Friedhelm Röhlinghaus am 6. April 1994.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt, Herne 1995.
Stadtarchiv der Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Herne 1995. Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen in alten Ansichten, Zaltbommel/Niederlande 1998.
Tagespresse aus den Jahren 1962 und 2004.


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig,
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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