Wanne-Eickel-Historie


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Hof Mummenhoff

Höfe und Kotten

Hof Mummenhoff


Der Hof Mummenhoff lag in der Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel, auf dem Grundstück der ehemaligen Marien Schule, in der Herzogstraße.

Faustzeichnung aus dem "Dorf Eickel" aus dem Jahre 1860. Der Hofname Mummenhoff ist mit einem-f geschrieben und rot unterlegt. Er befand sich in der alten Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel.

Im märkischen Schatzbuch von 1486* wird der Name Mummenhoff erstmals erwähnt. Im Feuerstättenverzeichnis* des Amtes Bochum von 1664 wird ein Johann Heinrich Mummenhoff zu Eickel genannt. In den Kirchbüchern zu Eickel aus dem Jahre 1689 wird ein Heinrich Mummenhoff erwähnt. Im Jahre 1708 wird eine Bitte um Erlassung von 20 Goldgulden von 50 Gemeindemitgliedern zu Eickel verfasst, darunter auch Friedrich Mummenhoff. Eine weitere Erwähnung finden wir in einem Protokoll zur Teilung des Eickeler Bruchs vom 17. Juni 1773 unter der Rubrik 4, wonach Freiherr von Dobbe als Besitzer des Hauses Nosthausen anzeigt, dass 9 Kötter, so auch Mummenhoff mit der Teilung des Eickeler Bruchs zufrieden wären.

In den Protokolle des Martinsbuchs
* vom 17. November 1773 wird ein Jobst Henrich Mummenhoff an die Nachbarschaftshilfe erinnert. Weiter ist hieraus zu ersehen, dass Mummenhoff an den jährlich wiederkehrenden Martinsabenden nur selten teilnahm. Am 27. November 1848 werden alle Restandten* der Bauerschaft Eickel in einer Liste aufgeführt, darunter auch Heinrich Mummenhoff der der Gemeinschaft im 19 Jahr abwesend blieb.

Der Besitz der Mummenhoffs, das Bauernhaus mit Nebengebäude und einem großen Obstgarten war etwa 15 Hektar
* groß war. Die Ländereien lagen südlich der Herzogstraße.

Der Eickeler Chronist Hermann Keinhorst berichtet über Mummenhoffs Ländereien wie folgt:

"Für die Bearbeitung seiner Landwirtschaft war die Haltung eines Pferdes zu wenig, zwei Pferde dagegen unrentabel".

Neben der Landwirtschaft betrieben die Mummenhoffs wie weiter 2 Eickeler Bauern je einen Braukessel. Es waren die Familien Johann Aschebrock und Middeldorf genannt Markmann. Gebraut wurde ausschließlich für den Eigenbedarf. Bauer Mummenhoff brauten hier, um im Sommer und während der Erntezeit für sich und seine Knechte einen kühlen und kräftigen Trunk zu haben.

Als Johann Mummenhoff im Frühjahr 1700 verstorben war, heiratete seine Witwe Katharina Mummenhoff, geborene Kupers am 18. Juli 1700 den aus dem Kirchspiel Wattenscheid stammenden Friedrich Grotenkamp. Nach westfälischer Sitte behielt der Hof durch die Einheirat weiter seinen alten Namen Mummenhoff. Friedrich Grotenkamp genannt Mummenhoff gilt als Stammvater von zahlreichen Nachfahren, zu denen auch Anna Katharina Angela Mummenhoff gehörte, die im Jahre 1758 die Ehefrau des Eickeler Küsters Dietrich Löns wurde.

Der letzte Namensträger der Familie Mummenhoff war der am 13. Dezember 1834 zu Eickel geborene Wilhelm Mummenhoff. Er heiratete am 12. September 1858 Josefine Geesmann, geborene am 21. Januar 1831, Tochter des Bauern Geesmann zu Pöppinghausen bei Recklinghausen. Die Hochzeit fand auf dem Hof des Bräutigams in Eickel statt. Einige Tage vor dem Hochzeitstag war bereits die Mitgift - bestehend aus Möbeln, Leinen, 2 Kühe und 1 Pferd - in Eickel angekommen.

Der Eickeler Chronist Hermann Keinhorst berichtet über die Hochzeit wie folgt:

"Früh am Hochzeitsmorgen wurden in Pöppinghausen dem Pferd des Nachbarn 2 Sättel, 1 Damensattel und 1 Herrensattel, aufgelegt. Der Nachbar ritt auf den elterlichen Hof der Braut und ritt nach alter Sitte dreimal um den Geesmannshof. Die Braut Josefine nahm Abschied von Eltern, Verwandtschaft und Bekannten, von Haus und Hof. Sie stieg auf das Pferd des Nachbarn und setzte sich in den Damensattel. Traditionsgemäß legte der Nachbar mit der Braut den weiten Weg von Pöppinghausen bis Eickel mit dem Pferd zurück. Die Angehörigen und Verwandten fuhren mit der Brautkutsche zur Trauung nach Eickel. Bei der Wirtschaft Löns in Eickel neben der katholischen Marienkirche, (siehe auch: St. Marien in Eickel) in der Herzogstraße, half Löns der Braut beim Absteigen vom Pferd. Der Hochzeitszug ging hierauf zur Trauung in die Kirche. Nach der Trauung holte der Schwiegervater, Heinrich Mummenhoff, die junge Frau ins Haus, damit erkannte er sie als Schwiegertochter und Hausfrau an".

Als Wilhelm Mummenhoff um 1870 für seinen Sohn Heinrich eine Gastwirtschaft mit Bäckerei an der Herzogstraße errichtete, war er durch den plötzlichen Konjunkturrückgang nicht mehr in der Lage, die erforderlichen Hypotheken aufzutreiben. Die Rechnungen der Handwerker beglich er durch Wechsel, die er später nicht einlösen konnte. Durch gerichtlichen Beschluss wurde der Hof mit seinen Ländereien versteigert und durch den Direktor Ruppel für die Zeche Hannibal aufgekauft.

Wilhelm Mummenhoff verließ darauf als gebrochener Mann Eickel; er verstarb am 22. August 1902 zu Bochum-Hofstede.


*Anmerkung:
Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Das Martinsbuch enthält die Protokolle, die im Martinshaus abgefasst wurden. Das Martinshaus war der Name für die Vereinigung der Eingesessenen der Bauerschaft Eickel. Diese kamen jährlich am Martini-Abend, 10 November, wenn das Zeichen mit der Glocke gegeben wurde zusammen. Dieses Martinshaus wird hin und wieder auch Nachbarhaus genannt. Die original Protokolle des Martinsbuchs befindet sich im Archiv der evangelischen Kirchengemeinde zu Eickel. Restant steht für Schuldner im Zahlungsverzug. Ein Hektar entspricht folgender Flächenangaben: 1ha = 100 a = 0,01 km2 = 10000 m2. Ein Hektar entspricht folglich 10.000 Quadratmetern. Anschaulich betrachtet ist ein Hektar eine Fläche, die 100 Meter lang und 100 Meter breit ist.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel, Eickel 1927.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664. Veröffentlichungen des Archives Wanne, Band I. Wattenscheid 1925. Beckmann, Julius: Das Martinsbuch, Eickel 1769-1853, Eickel 1925.
Keinhorst, Hermann: Mummenhoff - eine Eickeler Familie, erschienen im Emscherbrücher, Ausgabe 1969.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.



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