Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Hof Monstadt

Höfe und Kotten

Hof Monstadt


Der Hof Monstadt lag in der Gemarkung Hordel und gehört seit 1926 zur Gemeinde Röhlinghausen. Er lag südlich des jetzigen Tierheim Herne Wanne an der Hofstraße 51.

Die erste Erwähnung des Hofes finden wir in der "Kleinen Vogteirolle
*" des Grafen Friedrich von Altena-Isenberg aus dem Jahre 1220. Die Liste besteht aus insgesamt 1440 Bauernhöfe in über 900 Orten, die in ganz Westfalen verteilt lagen. Hier wurde der Name "Mottenstadt" festgehalten. In einem Mitgliederverzeichnis der Eickeler "Nachbarschaft" von 1763 wird ein Monstadt im Langenkamp als Kötter erwähnt. Im Martinsbuch von 1769 wird ein Johann Monstadt als Kötter zu einer Abgabe von jährlich 1/8 Scheffel* Korn aufgeführt.

Um 1900 wurde von der Zechengesellschaft der Zeche Königsgrube der Hof Monstadt und alle dazu gehörigen Ländereien aufgekauft und an den Landwirt Friedhelm May verpachtet. Im Jahre 1926 tritt die kommunale Grenzregulierung in Kraft und der ehemals in Wattenscheid-Günnigfeld liegende Hof May wird Röhlinghausen zugeschlagen. (siehe:
Wanne-Eickel in seinen Grenzen).

Der Landwirt Ernst May, der den Hof jahrelang bewirtschaftete verstarb im Jahre 1971. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem katholischen Friedhof St. Barbara an der Günnigfelder Straße, wo ein weißer Marmorstein auf die Grabstelle hinwies.

Ende der 1960 Jahre wurden sämtliche Gebäude am Hüller Bach für die erweiterte Müllkippe der Stadt Wanne-Eickel abgerissen. Im Jahre 1984 wurden auf Teile dieser Fläche das Tierheim Herne Wanne an der Hofstraße 51 errichtet.


Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen, bearbeitet im Auftrage des Kreistages von A. Hofacker, Landvermesser in Düsseldorf aus dem Jahre 1889. Der Hofname Monstadt ist rot unterlegt.

Ausschnitt aus der Karte der Ämter Wanne und Eickel aus dem Jahre 1904. Der Hofname Monstadt ist rot unterlegt.

Die Hofanlage des Landwirts Ernst May zu Beginn der 1950 Jahre.

Blick in den Hof zu Beginn der 1950 Jahre.

Zur Geschichte des Familiennamen Monstadt


Bei diesem Familiennamen ist ohne weiteres der zweite Teil -stadt klar, -stadt ist gleich -stedt, -stätte, niederdeutsch -sted, dann auch -stetten, -stätten. Mit all diesen Worten bezeichnet man die Stelle, die Stätte, den Ort, den Platz für irgendetwas. In dem vorliegenden Familiennamen wird der zweite Teil auch -staidt (hier ist das i nur Zeichen für die gedehnte Aussprache des a), -stade oder -statt geschrieben. -staidt und -stade weisen deutlich auf niederdeutsche Herkunft dieser Familie hin. Nun bleibt bei den früheren Schreibungen Moedenstaidt, Modenstade, Monstade, Monstatt, Mostatt das geheimnisvolle Moeden (hier ist das e wiederum Zeichen der Dehnung wie bei Soest) Moden oder Mon noch übrig. Ich möchte vermuten, dass dieser erste Teil mit Muten nach Erz suchen und schürfen zusammenhängt. U und O, T und D werden in alten Zeiten oft miteinander vertauscht. Modenstade (= MONSTADT) ist also die Stelle, wo gemutet wird. Der Name führt uns also in die Geschichte des Bergbaus
.

*Anmerkung:

Isenberger Vogteirollen sind zwei Lehnsverzeichnisse aus dem 13. Jahrhundert. Sie enthalten die Güter, über die Friedrich von Isenberg die Rechte als Vogt besaß. Viele Höfe und Ortschaften im heutigen Nordrhein-Westfalen können heute eine frühe urkundliche Erwähnung auf diese Verzeichnisse zurückführen. Die "Kleine Vogteirolle" ist die ältere, sie stammt aus der Zeit vor 1220. Die "Große Vogteirolle" stammt aus dem Jahr 1221. Hintergrund war der Streit mit Engelbert I. von Köln, Erzbischof von Köln, insbesondere um die Vogteirechte am Stift Essen. Die Rolle weist in der Präambel auf den Zweck hin: "Damit nicht irgendeiner dem Grafen oder seinen Erben Unrecht zufügen könnte, hat er dieses aufschreiben lassen." Beide Rollen sind nach den Hofverbänden (Villikationen) der Stifte Essen und Werden gegliedert, über die Vogteirechte bestanden und nennen die Ortschaften mit der entsprechenden Anzahl von Höfen. Die kleine und die große Vogteirolle wurden im Original 1952 im Fürstlichen Archiv Rheda bei Aufräumarbeiten durch den pensionierten Reichsarchivrat Moritz Graf zu Bentheim entdeckt. Die große Rolle ist etwa 1,70 m lang und etwa 28 cm breit. Dem Archivamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Münster liegt eine Kopie der kleinen Rolle vor. Scheffel ist ein Raummaß oder auch Getreide Maß. Seine Größenordnung lag zwischen 40 und 230 Litern. Der Rauminhalt des Scheffels schwankte jedoch von Region zu Region.


zurück...

Quellennachweis:
Isenberger Vogteirollen der freien Enzyklopädie Wikipedia.
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Hegler, Gustav: Beitrag zur Kulturgeschichte der Heimat, Witten 1918.
Beckmann, F: Das Martinsbuch, Eickel 1769-1853, Eickel 1925.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangel. Kirchengemeinde Eickel, Wanne-Eickel 1927.
Höfken, Günther: Westfälische Familiennamen, Bochum 1954.
Tagespresse Wanne-Eickeler Zeitung aus dem Jahre 1961.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt, Herne 1995.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü