Wanne-Eickel-Historie


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Hof Middeldorf

Höfe und Kotten

Hof Middeldorf


Der Hof Middeldorf lag in der Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel, im Lohof
* auf der Stelle des jetzigen Volksgartens (s. Volksgarten in Eickel).

Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Eickel, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Middeldorf ist mit Doppel-t geschrieben und rot unterlegt. Er befand sich in der alten Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel, im Lohof.

Middeldorfs Hof gehörte zu dem größten Höfe im Ort. Der Hof war ein Freihof, von Hand- und Spanndiensten sowie Abgaben befreit. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark* von 1486 werden unter der Eintragung in der "Eickelburschop" 24 Bauern namentlich genannt, darunter auch ein Herman Middeldorp. In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1540 des Pfarrarchiv`s Eickel sind alle Eickeler Hofbesitzer aufgezeichnet, darunter auch ein Middeldorf. In einem Verzeichnis der Grundbesitzer vom Jahre 1684 wird ein Middeldorf namentlich erwähnt. Im Jahre 1770 macht ein Middeldorf Eigentumsrechte an einem trocken liegenden Lohdeich* gelten.

In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1773 werden 31 Bauern, die "Auftreibenden" Markgenossen
* der Vöde* im "Eickelerbruch" genannt. Zum "Aufdrifft" (Auftrieb) kamen 35 Kühe und 22 Rinder. Seit dem Jahre 1743 musste jeder der davon Gebrauch machte, an den "Aufheber" (Kontrolleur) für ein Pferd 1 Reichstaler*, für eine Kuh 30 Stüber*, für ein Rind 15 Stüber jährlich zahlen, so auch Middeldorf.

Die Middeldorfs übernahmen in der evangelischen Kirchengemeinde Eickel wichtige Ämter. Es werden genannt: 1620 Jost Middeldorf, 1725 Johann Middeldorf als Kirchmeister, 1635 Wilhelm Middeldorf und 1638 Johann Middeldorf als Provisoren
*, 1677 Heinrich Middeldorf Organist, 1820 Friedrich Middeldorf als Kirchmeister. Am 19. März 1858 wird Wilhelm Middeldorf (s. Emscherregulierung) geboren.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Middeldorf ist rot unterlegt. Das Anwesen befand sich an der Kreuzung Hordeler- und Blücherstraße.

Der Landwirt Middeldorf bot im Jahre 1899 der Gemeinde Eickel für den Bau eines Volksgartens, sein im Lohof liegendes Gelände von 4,45 Hektar der Gemeinde zum Kauf an. Im gleichen Jahr begannen die Erdarbeiten für den Volksgarten. Die noch stehengebliebenen Gebäude des Hofes wurden zeitnah abgerissen.

Nach 1900 baut Middeldorf einen neuen massiven Hof, im Volksmund als "Bergmannshof" bezeichnet, im Eickeler Feld an der Kreuzung Hordeler- und Blücherstraße, ab 1974 Edmund-Weber-Straße. Eine starke Mauer umschloss das Anwesen. Das Wohnhaus glich einer Villa, im Stall standen 27 Kühe. Da der Sohn Fritz im Ersten Weltkrieg gefallen war, verkaufte Friedrich Middeldorf seinen Besitz an die Zeche Hannover und zog ins Hessenland. Aus den ehemaligen Stallungen wurde ein weiteres Wohnhaus. Wie die Ruhrnachrichten berichten, hatten 18 Familien hier einen Platz gefunden. Im Jahre 1983 wurden die Gebäude abgebrochen und das Grundstück als Bauplatz verkauft.


Der Hof Middeldorf, an der Kreuzung Hordeler- und Blücherstraße. (Zeichnung Herbert Raddatz)


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*Anmerkung:
Lohof ist benannt nach der alten Gewannbezeichnung in der Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel. Bereits im Jahre 1590 wird urkundlich ein Grundstück Verkauf im Lohof erwähnt. Der Name Lohof besteht aus zwei Teilen, das mittelhochdeutsche Wort "Loh" bedeutet Gehölz, lichter Wald oder Hain. Das mittelhochdeutsche Wort "Hof" steht für einen landwirtschaftlichen Hof. Ein weiterer Deutungsversuch des Namens Lohof stammt von Pfarrer Johannes Daniels aus Eickel. Nach seiner Meinung erinnert der Lohof an einen Hof, auf dem die heilige Lohe nicht verlöschen durfte. Es war eine Opferstätte, an dem ein heidnischer Priester wohnte. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Der Lohdeich lag an der Ecke Lohof- und Burgstraße und ist später in eine Wiese, die sogenannte "Sassenburg" umgewandelt worden. Wie sich später herausstellte befand sie sich tatsächlich im Besitz Middeldorfs, der sie an die Firma Krupp verkaufte; von dieser gelangte sie im Besitz der Gemeinde Eickel, welche darauf die Lohofstraße (Urkatasterkarter der Gemeinde Eickel vom Juni 1823 verzeichnet - siehe Karte 1) zwecks Vergrößerung des Volksgarten im Jahre 1902 verlegte. Markgenossen ist die Genossenschaft mehrerer Berechtigte von bestimmten Nutzungsrechten an einer landwirtschaftlich genutzten Mark im Sinne eines mehr oder weniger fest abgegrenzten Gebiets. Unter Vöde verstand man Ländereien, die eine Reihe von Jahren unter Flurzwang beackert wurden, dann aber eine gleiche Anzahl von Jahren für die gemeinsame Weide brach (dreisch) liegen bleiben mussten. Diese primitive Form der Bodennutzung ist wohl schon mit der ältesten Besiedlung eingeführt worden. Die Vöden waren Gemeinheitsgründe, bei denen die an ihnen haftenden Eigentums- und Nutzungsrechte zeitlich miteinander wechselten. Der Reichstaler war eine große Silbermünze und wurde im Jahre 1750 von Friedrich dem Großen in Preußen - hierzu gehörte auch die Provinz Westfalen bzw. die Rheinprovinz - eingeführt, der Wert der Münze betrug 3 Mark. Stüber ist die Bezeichnung für Kleingroschenmünzen, die im Nordwesten Deutschlands (also besonders in den Territorien des heutigen Nordrhein-Westfalen) etwa vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt wurden, der Wert der Münze betrug 4 Pfennige. Provisor bedeutet Verwalter, Betreuer, in den Städten meist Vorsteher einer Armenstiftung oder eines Armenfonds, auf dem Lande Vorsteher, Kirchenältester einer geistlichen Einrichtung (Pfarre).

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel, Eickel 1927.
Dr. Höfken, Günther: Zur Geschichte der Vöde, Bochum 1954.
Tagespresse aus dem Jahre 1949 und 1951.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig. Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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