Wanne-Eickel-Historie


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Hof Kampmann

Höfe und Kotten

Hof Kampmann


Der Hof Kampmann lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann, an der ehemaligen Hibernia- später Gavegstraße, heutige Koniner Straße, Ecke Lindenallee in Höhe des Katholischen Pfarramt St. Franziskus in Holsterhausen.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Kampmann ist rot unterlegt. Er befand sich in der alten Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark* von 1486, werden in Bezug auf "Holsterhuysen" (Holsterhausen) 18 Hofbesitzer zur Steuer veranlagt. In der Türkensteuerliste von 1542* werden in "Holsterhuisen" 10 Höfe und 6 Kotten zu Steuern herangezogen. Im Feuerstättenverzeichnis* aus dem Jahre 1664 gab es in "Holsterhaussen" 2 Höfe, 2 halbe Höfe und 12 Kötter.

Die Größe des Hofes von Johann Heinrich Kampmann finden wir in der Steuerveranlagung
* zur Zeit Napoleons vom 16. Juni 1810, als Holsterhausen zur Mairie (Bürgermeisterei) Herne gehörte, nach dem der Hof 5 holländische Morgen umfasste. Nach den heutigen Maßen des preußischen Morgen gerechnet war der damalige Landbesitz über 15 Morgen* groß. Von den Franzosen wurde dieser Besitz mit 89 Franken* und 75 Centimen* steuerlich veranlagt.

In einem Verzeichnis der Cranger Heide, Ende des 16. Jahrhunderts sind 47 Markgenossen
* aufgezeichnet, darunter auch ein Kampmann aus Holsterhausen. Eine weitere Erwähnung finden wir vom 19. März 1823, nachdem nach dem Johann Friedrich Kampmann die rückständige Grundsteuer der Cranger Heide aus dem Jahre 1822 von 8 Stüber* dem Schulten zu Holsterhausen schuldig geblieben ist. Diese Schuld musste bis zum 22. März 1823, morgens 9 Uhr beim Gastwirt Cranen-Hülsmann zu Holsterhausen bezahlt werden.

Am 3. September 1831 wird auf dem Anwesen Kampmann in Holsterhausen Friedrich Georg Dietrich Kampmann geboren. Im Jahre 1858 trat er das Amt des Gemeindevorstehers an, welches er mit einer kurzen Unterbrechung von 6 Jahren (1870-1876) 44 Jahre innehatte.

Die Westfälische Rundschau berichtet über ihn wie folgt:

"Friedrich Kampmann war ein arbeitsamer Landmann, als Gemeindevorsteher ein ebenso umsichtiger wie korrekter Ehrenbeamter und, was die, die ihn kannten, am höchsten bei ihm schätzten, ein Mann mit Herz. Wenn wir hören, dass er selbst das Portogeld für die Gemeindepost aus eigener Tasche bestritt, können wir Auffassung und Haltung dieses edlen Menschen nur loben. Von dem vielen Guten, das Kampmann während seiner 44jährigen Amtstätigkeit für die Allgemeinheit leistete, seien vor allem seine uneigennützige Zurverfügungstellung von Grund und Boden für gemeindliche und kirchliche Zwecke erwähnt. So schenkte er Gelände für die evangelische Kirche an der Holsterhauser/Hiberniastraße, deren Errichtung seiner Initiative zu verdanken war, und den Grund für das Holsterhauser Kriegerehrenmal".

Aus der Chronik der Evangelischen Stephanus-Kirchengemeinde Holsterhausen ist folgendes zu lesen:

"Anfang 1898 wurde der inzwischen gegründete Kirchbauverein tätig, der an die Kirchenvertretung Herne den Antrag zur Errichtung eines kirchlichen Gebäudes stellte. Nach Genehmigung baute der Bauer Kampmann von seinem Geld und auf seinem Grund und Boden einen Kirchenraum einfachster Art, der am 19. November 1899 von den Herner Geistlichen eingeweiht wurde".

Ausschnitt eines Stadtplans der Stadt Herne vom 19. Mai 1928. Der Hof Kampmann ist rot unterlegt. Er befand sich an der ehemaligen Hiberniastraße in Holsterhausen.

Der Kampmannsche Hof wurde im Mai 1953 von Heinrich Kampmann an die Stickstoffwerke der Hibernia AG. "Gaveg" verkauft. Auf dem Anwesen entstand ein Werksbauhof mit Gleisanschluss. Das Hofgebäude war bis um 1969 noch bewohnt, bis es dann für den Abriss frei gegeben wurde.

Der Hof Kampmann aufgenommen um 1930.

*Anmerkung:
Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Grundsteuerveranlagung von 1810. Am 27. Oktober 1810 wurde eine Verordnung zur Grundlage für die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer festgelegt. Nach dieser Absichtserklärung wurde mit den Gesetzen vom 21. Mai 1861 die gesetzliche Grundlage für die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer geschaffen. Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahlder Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. 1 Morgen = 0,25 Hektar = 2.500 Quadratmeter. Am 1. Januar 1808 wurde im Königreich Westphalen der "Code Napoleon" als bürgerliches Gesetzbuch eingeführt. Gleichzeitig wird der französische Franken Landeswährung. Seit dem 1. Januar 1809 war die Dezimalrechnung und das metrische System eingeführt worden. Der französische Franken war zwar Landeswährung, jedoch blieben die im Lande vorhandenen Münzen anderer Währungen im Gebrauch. 1 Taler = 24 Groschen = 3 Westphälischer Franken und 70 Centimen. Markgenossen ist die Genossenschaft mehrerer Berechtigte von bestimmten Nutzungsrechten an einer landwirtschaftlich genutzten Mark im Sinne eines mehr oder weniger fest abgegrenzten Gebiets. Stüber ist die Bezeichnung für Kleingroschenmünzen, die im Nordwesten Deutschlands (also besonders in den Territorien des heutigen Nordrhein-Westfalen) etwa vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt wurden, der Wert der Münze betrug 4 Pfennige.

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Quellennachweis:
Grundsteuer-Veranlagung der Gemeinde Holsterhausen zur Zeit der Fremdherrschaft (1810), Ruhrdepartment, Kanton Bochum, Mairie Herne. Mutterrolle für die Grundsteuer der Gemeinde Holsterhausen. In Gefolge des Beschlusses Seiner Exzellenz des Herrn Finanzministers vom 16. Juni 1810 (Original im Katasteramt Wanne).
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Eduard Schulte: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel). Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Chronik der Evangelischen Stephanus-Kirchengemeinde Holsterhausen.
Tagespresse aus dem Jahre 1954.
Interview mit Albert Fischer aus Holsterhausen, November 1990.
Bundesfinanzministerium.


Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig. Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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