Wanne-Eickel-Historie


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Hof Feldhege

Höfe und Kotten

Hof Feldhege


Der Erbhof Feldhege lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann. Von der Feldkampstraße, der heutigen Südstraße aus, in Richtung Riemker Straße, liegt nördlich davon die Flur "Hauge Löchte
*" (Hohe Luft), südlich davon die Flur "Dübelskamp" (Teufelsfeld)*. Etwa 300 Meter westlich der Eisenbahnstrecke der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn, im heutigen Gewerbepark Hibernia lag der Erbhof Feldhege.

Ausschnitt einer Karte der Burgemeisterey Herne, Kreis Bochum aus den Jahre 1823 des Genometer Carl Krause. Der Hofname Feldhege ist rot unterlegt.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Feldhege ist rot unterlegt. Der Hof Feldhege befand sich etwa 300 Meter westlich der Eisenbahnstrecke der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn, im heutigen Gewerbepark Hibernia.

Der Hof gehörte nach Aufzeichnungen aus dem Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum* aus dem Jahre 1664 zum "Mittelambt Baurschaft Holsterhausen". Hier wird bereits ein "Velthiege, Pfächtigr, ein halber Hof, eine Feuerstette", dessen Grundherr Loe zu Dorneburg ist", genannt.

Nach dieser Aufzeichnung hatte der Hof die drittgrößte Landpachtung in Holsterhausen und musste 1 Reichstaler, 9 Stüber, 9 Pfennig Feuerstättensteuern zahlen.

Die Größe des Besitzes des Hofes von Georg Feldhege finden wir in der Steuerveranlagung zur Zeit Napoleons vom 16. Juni 1810, als Holsterhausen zur Mairie (Bürgermeisterei) Herne gehörte, nach der der Hof 5 holländische Morgen umfasste. Nach den heutigen Maßen des preußischen Morgen gerechnet war der damalige Landbesitz über 17 Morgen
* groß. Von den Franzosen wurde dieser Besitz mit 76 Franken* 10 Centimen* steuerlich veranlagt.

Nach der Erhebung Preußens, als das Steinsche Reformwerk
* eingesetzt wurde, dauerte es in unserer Heimat etwas länger, ehe die Bauern sich auf die Vorteile der Reform besannen. Wie in allen Dingen, hatten es die Westfalen mit der Neuerung nicht so eilig. Außerdem war das Einvernehmen mit dem Grundherrn sehr harmonisch. Der Feldhegesche Hof war den Strünkeder in Herne lehnspflichtig. In jedem Herbst, wenn Georg Feldhege Korn, Hafer, Schweine und Kühe nach Herne bringen musste, um seinen Verpflichtungen nachzukommen, fiel ihm dieses nicht leicht. Wenn die Lehnsherren es auch nicht mehr so genau mit der Ablieferung hielten, so wollten sie diese doch wenigstens zu einem Teil durchgeführt wissen. Im Jahre 1825 hatte Georg Feldhege schon damit gezögert, und nachdem er mehrere Male durch Boten zur Ablieferung seines Zehnten* im Verlauf des Winters und Frühjahrs aufgefordert war, lud er im April 1826 die erste Fuhre auf. Als er losfahren wollte, brach der alte Wagen zusammen. Feldhege sah darin eine Fügung und sagte kurzentschlossen:

"Alles wier rinn inne Schüer. De Strünkeder sall seihn, wi hä de Stüer krigget. Eck bruk nix mähr awtogierb`n".

(
auf Hochdeutsch: "Alles wieder rein in die Remise. Der Strünkeder soll sehen, wie er die Steuern kriegt. Ich muss nichts mehr abgeben.)

Das sprach sich schnell in Holsterhausen und Eickel herum, und sofort erklärten sich die anderen Bauern und Kötter solidarisch. Unter Führung von Feldhege wurde man auf der Dorneburg, Dahlhausen und Strünkede vorstellig und machte mit den Schlossherren entsprechende Verträge, dass der Hof jetzt in den Besitz des bisherigen Pächters übergegangen sei und setzte den Kaufpreis fest, wobei der größte Teil in Naturalien zu bezahlen war. So wurde auch Feldheges Hof von der Lehnsherrschaft befreit.

Das alte strohgedeckte Feldhegesche Wohnhaus wurde 1858 abgebrochen, und durch eine Neubebauung im westfälischen Fachwerkstil ersetzt. Bis ins Jahr 1951 war der Hof Feldhege in Familienbesitz.

Aus alten Aufzeichnungen werden folgende Personen unter den Namen "Velthiege, Velthege und Feldhege" genannt, es sind am 27. April 1693 Elisabeth Velthiege in Holsterhausen geboren; gestorben am 3. Februar 1758 in Nosthausen, am 16. Juni 1810, Georg Velthege und am 22. Januar 1879 Heinrich Feldhege, als Vertreter der Gemeinde Holsterhausen.


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*Anmerkung:
Furbezeichnung
Hauge Löchte und Dübelskamp. Die vielen Kieselsteine die die Ruhr in der Eiszeit dort abgelagert hatte und den Bauern das Pflügen in alter Zeit erschwerte, brachte der Flur diesen Namen ein. Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. 1 Morgen = 0,25 Hektar = 2.500 Quadratmeter. Franken - Centimen. Am 1. Januar 1808 wurde im Königreich Westphalen der "Code Napoleon" als bürgerliches Gesetzbuch eingeführt. Gleichzeitig wird der französische Franken Landeswährung. Seit dem 1. Januar 1809 war die Dezimalrechnung und das metrische System eingeführt worden. Der französische Franken war zwar Landeswährung, jedoch blieben die im Lande vorhandenen Münzen anderer Währungen im Gebrauch. 1 Taler = 24 Groschen = 3 Westphälischer Franken und 70 Centimen. Steinsches-Reformwerk: Durch die Karl Freiherr vom und zum Stein (1757-1831) und Karl August von Hardenberg (1750-1822) Reformen, 1807 und 1809 erfolgte die Aufhebung der Erbuntertänigkeit. Nach dem Gesetz konnte der Bauer zu Martini 1810 nicht nur seine und seiner Familie persönliche Freiheit erhalten, sondern auch von allen Abgaben und Dienstleistungen für seinen ehemaligen Grundherren befreit werden, wenn er den 25-fachen Betrag der jährlichen Abgaben auf einmal in Geld zahlte. Dieses Gesetz wirkte sich seiner Zeit nicht voll aus, weil den befreiten Bauern Stützungskredite versagt blieben und erst festgestellt werden musste, ob es sich um eine Erb- oder Zeitpacht handelte. In vielen Fällen war die Entscheidung äußerst schwierig und konnte nur durch die Gerichte erledigt werden. Mit der Ablösung der Gerechtsame (wurde bis in das 19. Jahrhundert das Recht oder Vorrecht, die "Gerechtigkeit", bezeichnet, mit der man etwas tat, besaß oder nutzte. Nach Adelung ist die Gerechtsame "die in einem Rechte oder Gesetze gegründete Befugniß") war gleichzeitig auch die Markenteilung verbunden, nämlich die Aufteilung der bisher von den Bewohnern der Gemeinden gemeinschaftlich genutzten Wiesen-, Weiden- und Waldflächen. Diese Markenteilung (Flurbereinigung) zog sich bis in das Jahr 1846 hin. Der Zehnt wurde seit 585 von der Kirche beansprucht. Karl der Große erließ 779 ein staatliches Zehntgebot. Auf der Seite mit dem sog. Zehntkalender sind die Termine angegeben, an denen diese Abgaben fällig waren. Es waren jeweils Tage, an denen bestimmte Heilige gefeiert wurden. Diese Heiligen sind mit ihren typischen Attributen dargestellt. Daneben sind die zu leistenden Abgaben abgebildet. Der Zehnt, eigentlich der "Zehnte Teil", bezeichnete ursprünglich eine Abgabe in Höhe von 10% des erwirtschafteten Ertrages eines Hofes oder Kotten. Mit ihnen verbunden waren zahlreiche Rechte, u.a. auf die Leistung der hergebrachten Frondienste durch die abhängigen Bauern. Die vielfältigen Zehntabgaben ließen sich in zwei Hauptarten einteilen: den Feldzehnt (Fruchtzehnt) und den Tierzehnt. Der Feldzehnt gliederte sich auf in den großen Zehnt (insbesondere Halmfrüchte) und den kleinen Zehnt (insbesondere Gemüse). Der Tierzehnt bestand in der Ablieferung von Vieh (Blutzehnt) oder von tierischen Produkten (z.B. Butterzehnt). Die Französische Revolution von 1789 leitete das Ende der Zehnten in Europa ein. In Deutschland wurden sie zumeist im Zuge der Bauernbefreiung des 19. Jh. beseitigt.

Quellennachweis:
Grundsteuer-Veranlagung der Gemeinde Holsterhausen zur Zeit der Fremdherrschaft (1810), Ruhrdepartment, Kanton Bochum, Mairie Herne. Mutterrolle für die Grundsteuer der Gemeinde Holsterhausen. In Gefolge des Beschlusses Seiner Exzellenz des Herrn Finanzministers vom 16. Juni 1810 (Original im Katasteramt Wanne).
Eduard Schulte: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Tagespresse aus dem Jahre 1951.
Bundesfinanzministerium.

Bildnachweis: Kartenauszug, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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