Wanne-Eickel-Historie


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Hof Erlemann

Höfe und Kotten

Hof Erlemann


Der Hof Erlemann lag in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur I, genannt Röhlinghausen an der früheren Roonstraße, der heutigen Rheinischen Straße in Höhe der Hausnummer 8 bis 10.

Der Hof gehörte nach Aufzeichnungen vom 15. September 1416 zum "Mittelambt Hordell". Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* von 1486, werden in Bezug auf Hordel, wozu auch Röhlinghausen gehörte, ein "Erdelmann*" genannt. Der Hof "Erdelmann" (Erlemann) war im 15. Jahrhundert einer der größten Höfe mit in der Bauernschaft Röhlinghausen.

Im Jahre 1528 wird ein Erlemann in der Horlburschop zur Kirchsteuer in Eickel bzw. Bochum veranlagt. Im Jahre 1616 leistete Erlemann an den Kirchenfonds in Eickel eine Jahresrente von 2 Pfund Wachs
*. Diese Rente tritt später als Geldrente von 22 ½ Stüber* auf. Schon vor 1769 hat Erlemann an den Armenfonds der evangelischen Kirchengemeinde Eickel 1 ½ Scheffel* Roggen zu liefern, als Ersatz für Zinsen. Zur gleichen Zeit hat Erlemann 1 Scheffel Gerste an den Pfarrfond zu entrichten. Von 1721 bis 1723 war der Bauer Erlemann Kirchmeister, von 1807 bis 1808 Provisor* der evangelischen Kirchengemeinde in Eickel. Im Jahre 1816 musste Erlemann zwei Stiegen Roggen, 32 Brote zu je 20 Pfund dem evangelischen Lehrer in Eickel liefern.

In einem Verzeichnis der Grundbesitzer vom Jahre 1810 wird Erlemann als Vollbauer mit der Größe des Besitzes von 33 holländischen Morgen
* und 1734 Ruten* genannt.

Der Hof Erlemann sowie die Länderein wurden im Jahre 1875 von der Zeche Königsgrube für den späteren Bau von Zechensiedlungen für Bergmannsfamilien der Zeche Königsgrube aufgekauft. Der Hof selber bestand nach Auskunft von Wilhelm Röhlinghaus noch bis zum 29. September 1944, als in Röhlinghausen und Gelsenkirchen-Hüllen acht Bauernhöfe durch einen Bombenangriff in Flammen standen und zerstört wurden.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Röhlinghausen, aufgenommen vom Geometer Carl Krause, im Juni 1823. Der Hofname Erdelmann ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Flur I, genannt Röhlinghausen.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Erlemann ist rot unterlegt.

Der Hof Erlemann vor seiner Zerstörung. Er lag an der früheren Roonstraße, der heutigen Rheinischen Straße in Höhe der Hausnummer 8 bis 10.

*Anmerkung:

Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Erdelmann, den Familiennamen findet man auch als Erlemann geschrieben. Wachszins heißt: sie mussten alljährlich einen Zins in Form von Wachs oder Wachskerzen liefern, den sogenannten Wachszins, dass sie als Mitglied der Gemeinschaft auswies. Stüber ist die Bezeichnung für Kleingroschenmünzen, die im heutigen Nordrhein-Westfalen etwa vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt wurden. Scheffel ist ein Raummaß oder auch Getreide Maß. Seine Größenordnung lag zwischen 40 und 230 Litern. Der Rauminhalt des Scheffels schwankte jedoch von Region zu Region. Provisor ist ein alter Begriff für einen Verwalter in geistlichen Einrichtungen meist einer Armenstiftung oder eines Armenfonds. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.

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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Beckmann, F: Das Martinsbuch, Eickel 1769-1853, Eickel 1925.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Wanne-Eickel, 1927.
Tagespresse Wanne-Eickeler aus dem Jahre 1955.
http://www.staatliche-muenzsammlung.de


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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