Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Hof Eickmann

Höfe und Kotten

Hof Eickmann


Der Hof Eickmann lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann, an der ehemaligen Herner Straße, der heutigen Holsterhauser Straße in Höhe der Holsterhauser Straße 200 - Decathlon Sportspezialvertriebs GmbH.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Eickmann ist rot unterlegt. Er befand sich in der alten Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann.

Im Jahre 1486 wurden in "Holsterhuysen" 18 Hofbesitzer zu Steuern veranlagt. Der Hof gehörte nach Aufzeichnungen aus dem Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum* aus dem Jahre 1664 zum "Mittelambt Baurschaft Holsterhausen". Nach dieser Aufzeichnung war der Hof Eickmann der zweitgrößte Hof in Holsterhausen.

Die Größe des Hofes von Engelbert Eickmann finden wir in der Steuerveranlagung
* zur Zeit Napoleons vom 16. Juni 1810, als Holsterhausen zur Mairie (Bürgermeisterei) Herne gehörte, nach dem der Hof 9,5 holländische Morgen umfasste. Nach den heutigen Maßen des preußischen Morgen* gerechnet war der damalige Landbesitz über 37 Morgen groß. Von den Franzosen wurde dieser Besitz mit 179 Franken* und 75 Centimen* steuerlich veranlagt.

In einem Verzeichnis der Cranger Heide, Ende des 16. Jahrhunderts sind 47 Markgenossen
* aufgezeichnet, darunter auch ein Eickmann aus Holsterhausen. Eine weitere Erwähnung finden wir vom 16. Juli 1726, nachdem Eickmann 20 Scharen* - 2 Fuderladungen* Holz aus der Cranger Heide zugewiesen wurde.

In der Mutterrolle von 1810 wird für Eickmann folgender Grundbesitz in den Fluren gelistet:

  • Ackerland - Lage "in den Röhnen"
  • Ackerland - Lage "Flachskuhle"
  • Ackerland - Lage "das Siepen"
  • Ackerland - Lage "Amwenne"
  • Ackerland - Lage "aufm Esch"
  • Ackerland - Lage "Wieskamp"
  • Niederwald - Lage "Backmanns Garten"


Eine weitere Erwähnung finden wir vom 19. März 1823, nachdem Eickmann die rückständige Grundsteuer der Cranger Heide aus dem Jahre 1822 von 13 Stüber
* dem Schulten zu Holsterhausen schuldig geblieben ist. Diese Schuld musste bis zum 22. März 1823, morgens 9 Uhr beim Gastwirt Cranen-Hülsmann zu Holsterhausen bezahlt werden.

Im Mai 1841 wird die Teilung der Riemker Mark und der Cranger Heide im Wohnhaus des Gastwirts Heinrich Funke in Crange verhandelt. In der Unterschriftsliste der Hauptausfertigung des Teilungs-Rezesses
* der Riemker Mark und der Cranger Heide befindet sich unter der Nr. 31 ein Wilhelm Eickmann aus Holsterhausen.

Die Herner Zeitung aus dem Jahre 1892 berichtet im November wie folgt:

"…in der am Donnerstag stattgefundenen Wahl zum Gemeindevertreter wurden gewählt von der 2 Abteilung Herr Heinrich Eickmann im ersten Wahlgang mit Majorität (Stimmenmehrheit)".

Der Hof Eickmann, aufgenommen um 1935. Im Hintergrund Türme der Gasverarbeitungs-GmbH (Gaveg).

Der Hof Eickmann aufgenommen um 1940.

Der Hof Eickmann später Gerwin an der ehemaligen Herner Straße, der heutigen Holsterhauser Straße, aufgenommen um 1930. Der Gasometer im Hintergrund gehörte zum ehemaligen Stickstoffwerk der Hibernia AG.

Nach 1910 verkaufte Heinrich Eickmann seinen Besitz an die Familie Gerwin, die das Anwesen bis 1935 bewirtschaftete. Um ihre Produktionsanlagen zu vergrößern, kauften die Stickstoffwerke der Hibernia AG. den Kotten auf und rissen ihn ab.

*Anmerkung:
Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Grundsteuerveranlagung von 1810. Am 27. Oktober 1810 wurde eine Verordnung zur Grundlage für die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer festgelegt. Nach dieser Absichtserklärung wurde mit den Gesetzen vom 21. Mai 1861 die gesetzliche Grundlage für die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer geschaffen. 1 Morgen = 0,25 Hektar = 2.500 Quadratmeter. Am 1. Januar 1808 wurde im Königreich Westphalen der "Code Napoleon" als bürgerliches Gesetzbuch eingeführt. Gleichzeitig wird der französische Franken Landeswährung. Seit dem 1. Januar 1809 war die Dezimalrechnung und das metrische System eingeführt worden. Der französische Franken war zwar Landeswährung, jedoch blieben die im Lande vorhandenen Münzen anderer Währungen im Gebrauch. 1 Taler = 24 Groschen = 3 Westphälischer Franken und 70 Centimen. Markgenossen ist die Genossenschaft mehrerer Berechtigte von bestimmten Nutzungsrechten an einer landwirtschaftlich genutzten Mark im Sinne eines mehr oder weniger fest abgegrenzten Gebiets. "Schar" ist die niederdeutsche Bezeichnung für einen ideellen Anteil am lokalen gemeinschaftlichen Wald- und Markenbesitz einer Siedlergruppe. Dieses rechtskräftig gesicherte Nutzrecht ("were"), welches an einer Siedelstätte klebte, nannte man, mit dem Schwerpunkt im Münsterland in Niedersachsen und Westfalen, auch "Echtwort" oder "Echtwert". Das Fuder abgeleitet von der "Fuhre" (Ladung), die ein ein- oder zweispänniger Wagen (auch Leiterwagen bei Korn, Heu und Holz) laden konnte. Stüber ist die Bezeichnung für Kleingroschenmünzen, die im Nordwesten Deutschlands (also besonders in den Territorien des heutigen Nordrhein-Westfalen) etwa vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt wurden, der Wert der Münze betrug 4 Pfennige. Rezess, auseinandergehen, zurückweichen, lat. recessus = Rücktritt, ist ein nicht mehr gebräuchlicher Ausdruck für einen landes- oder ortsrechtlichen Vergleich. Der Rezess stellt auch (historisch) den Abschluss eines Vertrages dar.


zurück...

Quellennachweis:
Grundsteuer-Veranlagung der Gemeinde Holsterhausen zur Zeit der Fremdherrschaft (1810), Ruhrdepartment, Kanton Bochum, Mairie Herne. Mutterrolle für die Grundsteuer der Gemeinde Holsterhausen. In Gefolge des Beschlusses Seiner Exzellenz des Herrn Finanzministers vom 16. Juni 1810 (Original im Katasteramt Wanne).
Tagespresse aus dem Jahre 1892.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Hauptausfertigung des Teilungs-Rezesses der Riemker Mark und der Cranger Heide. Original befindet sich in der Registratur des Landratsamtes zu Bochum o.J.
Interview mit Albert Fischer aus Holsterhausen, November 1990.
Bundesfinanzministerium.


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig. Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü