Wanne-Eickel-Historie


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Hof Denis genannt Winkop

Höfe und Kotten

Winkop`s Hof


Der Winkop`s Hof lag in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur I, genannt Röhlinghausen. Der Hof des späteren Bauern Denis genannt Winkop lag an der Königsgruber Straße in Höhe der Hausnummer Nr. 1, vor den Toren der Zeche Königsgrube. Der Hof hatte eine Größe von 30 Morgen
* Land.

Alte Aufzeichnungen aus dem Jahre 1528 belegen, dass ein gewisser Albert op den Winkop dreieinhalb Malter
* an die Kirche zu Eickel abzuliefern hatte. In dem Jahr 1684 wird der Hof in einem Verzeichnis der Grundbesitzer, mit der Größe des Besitzes von acht Maltersaat*, zwei Scheffelsaat* und vier Ruten* erwähnt.

Der Hof gehörte zuletzt Theodor Denis, der im 19. Jahrhundert hier eingeheiratet hat. Der Hof behielt weiter seinen alten Namen
*. Denn erlosch die Geschlechtsreihe auf einem der Höfe im Mannesstamme, so nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Hofnamen an. Der "neue" Bauer Denis hieß nun: Denis, genannt Winkop.

Im Jahre 1856 begann man mit dem Abteufen der Schächte auf der Zeche Königsgrube, nachdem zuvor die Bauern große Stücke ihres Landes für "gutes Geld" verkauft hatten. Die Männer, die bei den ersten Bau- und Abteufarbeiten beteiligt waren lebten bei den Bauern und Köttern im Quartier. "Auf unserem Hof", so erzählte der alte Bauer Denis, genannt Winkop, wohnte 25 Jahre lang ein Holländer. Er teufte die Schächte mit ab und war ein arbeitsamer Mann. All seinen Verdienst, die Goldstücke, wie sie damals noch im Umlauf waren, tat er in einen Beutel, der mit der Zeit ein stattliches Gewicht annahm. In seiner Freizeit half er auf dem Hof und in der Ernte, wie es viele Bergleute ganz allgemein bei den Bauern und Köttern taten. Das Fachwerkhaus der Familie Denis-Winkop wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Röhlinghausen, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Winkop ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Flur I, genannt Röhlinghausen.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen* aus dem Jahre 1902. Der Hofname Denis genannt Wi(e)nkop ist rot unterlegt.

Der Hof Denis-Winkop um 1925, an der Königsgruber Straße Nr. 1, in der Nähe der Zeche Königsgrube.

„Gebehochzeit“ auf dem Winkop Hof in Röhlinghausen


Als ein Meesman aus Riemke auf den alten Winkop Hof (Denis) einheiratete, hielt der Hofbesitzer eine große "Gebehochzeit" ab, wohl die letzte in der Landgemeinde Röhlinghausen.

Bäuerliche Hochzeiten wurden meist Anfang des Frühjahrs oder aber nach Erntedank durchgeführt. Verpönt waren der Donnerstag und Freitag, denn der Aberglaube verhieß an den Tagen großes Unheil für die Jungvermählten. Doch bevor das Brautpaar heiratete, galt es zuerst einen Vertrag zu schließen. Zu diesem Zweck fand eine "Eheberedung" statt. Diese regelte unter anderem das Elternwohnrecht, die Krankenpflege im Alter sowie die Aussteuer für die Geschwister. Aber auch was die Braut mitzubringen hatte, wurde hier geregelt. War die Eheberedung erfolgreich verlaufen, wurde der Termin der Hochzeit festgelegt. Einige Tage vor dem Hochzeitstermin wurde ein Hochzeitsbitter beauftragt, die Gäste feierlich zu laden.

Der Hochzeitsbitter trug zu diesem Anlass einen langen Gehrock, weiße Strümpfe, eine Kniebundhose und einen hohen schwarzen Zylinderhut mit bunten Bändern. In der Hand hielt er einen langen Stab, an dessen oberem Ende, das etwas dicker war und "Kuse" hieß, lustige bunte Bänder flatterten.


In diesem Aufzug zog er von Hof zu Hof, um den geladenen Gästen feierlich seine reimgebundene Bitte vorzutragen:

"Godden Dag, Godden Dag. Hie sett ick minen Staff und die Kuse dobi, dat eck willkommen si."

"En freundlichen Gruß von as Brüdigam un as Brut, ink interladen op öhr Hochtied tau van Dage acht. Seß Musikanten sind met den Brummbaß bestellt. Doch den Leppel mögt git nicht vergeten, süs könnt mit de Finger öhr etten."

Am "Schinkenträgerabend", dies war am Vortage der Hochzeit, berichtete der Chronist vom Denishof:

"Von 17 eingeladenen Gästen wurden 254 Pfund Schinken, getrennt nach rohen oder geräucherten, auf den Hochzeitstisch gelegten, weiteren 28 Personen stifteten 240 Pfund Schweinefleisch, 107 Gäste sorgten für Milch und Butter in rauen Mengen. An Bargeld brachten weitere Hochzeitsgäste 350 Taler mit."

Dies alles wurde sorgfältig in einer Liste notiert. Mit der Führung wurde meist der Dorfschreiber beauftragt, einmal wegen seiner flüssigen Handschrift, zum anderen wegen seiner Kenntnis von Land und Leute.

Hochzeiten dieser Art nannte man "Gebehochzeiten", denn die eingeladenen Gäste wussten, dass man von ihnen eine Gabe erwartete, die ihrem Wohlstand und ihren Verhältnissen angepasst waren.

Dieser Brauch wurde von Generation zu Generation fortsetzt und die Liste von den Brautleuten sehr sorgfältig aufbewahrt. Dieses hatte einen guten Grund. Die nachrückende Generation wuchs heran und wenn in deren Kreise einmal eine Hochzeit stattfand, so konnte man sich an Hand der eigenen Spendenliste danach richten, wieviel und was zu geben war.

Aus allen umliegenden Bauerschaften wie Bickern, Eickel, Holsterhausen, Crange, Hordel, Günnigfeld und Hüllen kam die Verwandtschaft sowie Freunde und Bekannte. In den Listen finden wir alle, die damals an dieser Hochzeit in Röhlinghausen auf dem Denis-Hof teilnahmen.
Es waren:
Sandkühler, Knop, Vennebusch, Tönshof, Horstmann, Beisemann, Löns, Vedder, Schrör, Bickern, Endemann, Tillmann, Budde, König, Storp, Göddenhof, Büscher, Dudel, Ostwinkel, Düppe, Lechtappe, Funke, Scharpwinkel, Haverkamp, Blambach, Ader, Käseboom, Mummenhof, Bresing, Lennemann, Molle, Vietinghof, Buschmann, Dreiskamp, Riemann, Kleine, Venebusch, Schulte, Markmann, Vogelsang, Hülsmann, Leppler Ortmann, Knapp, Sonntag, Bönninghaus, Feldhege, Kütter, Möller, Altendorneburg, Küper, Walter, Stratmann, Freise, Sternberg, Grimberg, Weustenbusch, Büscher, Funke, Hagemann, Blanke, Beekeboom, Haltern, Pins, Muckenheim, Haslei, Winkop, Erlemann, Köper und Schuhmacher.

Dieser Brauch der Gebehochzeit wurde am 3. Mai 1829 durch eine Regierungsverordnung verboten, weil man darin eine zu hohe Verschuldung der Bevölkerung sah.

Am Hochzeitstag fuhren der Brautwagen, der reich geschmückt war und von mehreren Pferden gezogen wurde, alle bewegliche Habe und Hauseinrichtungen, welche die Braut mitbrachte, zum Hause des Bräutigams.


Der große Stolz jeder Braut war die Wäscheaussteuer, die sie mit in die Ehe brachte. Überliefert ist vom Denishof, dass die junge Braut den Vorrat an Barchent*, Leinen, Nesseln und Bändern im Wert von 200 Silbertaler* mitbrachte.

Es war Brauch, am Tag der Hochzeit Haus und Hof, Tür und Tor, Fenster und Erker mit Johanneskraut zu schmücken, denn nach dem Volksglauben half dieses gegen böse Blicke. Aufsehen erregte auch oft ein mit Reisern nach oben gestellter Reiserbesen, an dessen Reisern ein lebendiger Hahn befestigt war, der ein rotes Band um den Hals trug und wiederholt krähte. Um ihn dazu aufzumuntern, pflegte man, ihm vorher etwas Schnaps mit Zucker einzugeben; je mehr er krähte, desto größer war angeblich das Glück des neuen Paares.

Eine Gebehochzeit dauerte meist drei Tage. Eingeladen im Brauthaus Denis waren 287 Gäste mit ihren Familienangehörigen. Man kann aber davon ausgehen, dass rund 800 Personen an der Feier teilnahmen.

Nach dem Kirchgang nahmen alle Gäste an der reichlich gedeckten Festtafel teil. Ganze Schweine sowie ein Ochse und viel Geflügel kamen gebraten auf den Tisch. Aber auch Kuchen, Stuten, Hausbrot und "Selbstgeschlachtetes" wurden reichlich gereicht. Die Getränke waren im allgemeinen Branntwein und Bier, und das in erheblicher Menge. Die Honoratiorentafel, an deren Spitze der Pfarrer saß, bekamen Wein vorgesetzt.

Im Volksmund hieß diese Hochzeit, auf der eine solche Menge Fleisch verzehrt wurde "Fleischhochzeit". Zum Nachtisch gab es oft dicken Reis mit Zimt und Zucker, der aus einem großen Gefäß gemeinsam gegessen wurde, wozu jeder seinen Löffel mitbrachte.

Gefeiert wurde bei Musik, Tanz und Spiel meist im Freien. Das beliebteste Spiel war der "Brautlauf" (die "brutloft" oder "bruitloft"), ein Scherzspiel, ein Lauf der Braut oder nach der Braut, ein letzter Versuch der Braut, dem Bräutigam auszureißen. Wenn dann spät abends der Brautkranz, der aus Myrtenzweigen bestand und Lebenskraft symbolisierte, abgenommen und die Brautschuhe verlost waren, übergab man der Braut den Kochlöffel und die Hausschlüssel, womit sie in ihrem Hausrecht eingesetzt wurde.


"Gebehochzeit" auf den alten Winkops Hof vor den Toren der Zeche Königsgrube in Röhlinghausen.

*Anmerkung:

Malter war ein altes Volumenmaß und wurde Hauptsächlich als Getreidemaß genutzt. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte.
Scheffel ist ein Raummaß oder auch Getreide Maß. Seine Größenordnung lag zwischen 40 und 230 Litern. Der Rauminhalt des Scheffels schwankte jedoch von Region zu Region. Der Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen.
Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt.
Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.
Am 1. Juli 1875 wurde das Amt Wanne mit den Gemeinden Bickern, Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen vom Amt Herne abgetrennt und in den neugebildeten Kreis Gelsenkirchen eingegliedert. Am 1. November 1891 wurde das Amt Wanne seinerseits geteilt und zwar in die Ämter Wanne mit den Gemeinden Bickern, Crange und Röhlinghausen und Eickel mit den Gemeinden Eickel und Holsterhausen. Beide Ämter verblieben im Kreis Gelsenkirchen bis dieser bei Gründung der kreisfreien Stadt Wanne-Eickel am 1. April 1926 aufgelöst wurde.
Der
Hof vererbte sich vom Vater auf den Sohn, und wenn die männliche Geschlechterreihe erloschen war, nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Namen des Hofes an.
Barchent (arabisch barrakan) ist ein baumwollener Körper- oder Atlasstoff, Bettbarchent, Futterbarchent, Pelzbarchent.
Reichstaler, Abkürzung: Rthlr., Rthl., rthl., Thl., eine weitverbreitete Silbermünze von 1566 bis ins 19. Jahrhundert. Neben dem Gulden offizielles Zahlungsmittel.

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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Jubiläumsausgabe zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Magdeburger Bergwerks-Aktien-Gesellschaft 1855-1905 der Zeche Königsgrube Röhlinghausen i.W. Magdeburg 1905.
Straßen und Hausnummer-Verzeichnis der Gemeinde Röhlinghausen. Wanne 1909.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911. Tagespresse aus dem Jahre 1942.
Schmitz, Gerhard: Entwicklung des Ruhrbergbaus, dargestellt am Beispiel der Zeche Königsgrube in Wanne-Eickel, Examensarbeit, Pädagogische Hochschule Essen 1963.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt. Herne 1995.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen in alten Ansichten,Zaltbommel/Niederlande 1998.


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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