Wanne-Eickel-Historie


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Hof Bönninghaus

Höfe und Kotten

Hof Bönninghaus


Der Hof Bönninghaus lag in der Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel, an der heutigen Reichsstraße.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* von 1486 wird ein "Jan to Bonynchusen" erwähnt. In der Türkensteuerliste von 1542* wird "Bonynchuiß", im Türkensteuerregister von 1598* ein "Boeninckhaus" genannt. Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664* werden unter dem Grundherrn "Doctor Kumpstoff" die Pächterin "via Bönninckhauss" mit einem Hof und eine Feuerstätte, aufgezeichnet. Eine weitere Erwähnung finden wir in einem Grundbesitzverzeichnis aus dem Jahre 1684, wonach der Besitz Bönninghaus 14 Maltersaat*, 3 Scheffelsaat* und 58 Ruten* groß war.

Im Jahre 1636 hatten die Eheleute Dr. Georg Kumpthoff und Helene Clara von Plonnies ihr Gut und ihren Hof Bönninghaus zu Eickel verpfändet.

Das Martinsbuch berichtet am 27. Februar 1797 von einem Brand auf dem Hof Bönninghaus, wonach das Wohnhaus abgebrannt ist. Der Chronist berichtet weiter:
"Der Brand ist zwischen 9 und 10 Uhr erst bemerkt worden, als die Balken schon in vollen Flammen standen und das Strohdach herunter gestürzt war. Das gesamte Mobiliar des Hauses konnte gerettet werden. Die übrigen Gebäude des Hofes blieben unbeschädigt."

Der Name Bönninghaus im Lohof wird im Martinsbuch als Vollbauer beschrieben, der alljährlich zur Abgabe ein Viertel Scheffel Roggen beim Pflichthaus
* abzugeben hatte.

Zum Gut Bönninghausen mit 30 Morgen
* Land zählte auch der Hof Bönninghausen. Im Jahre 1824, als Freiherr vom Stein die Lehnsherrschaft aufhob, wurde Johann Springob aus Bochum-Riemke Gutspächter. Einige Jahre später wurden Teile des Landbesitzes vom Gut abgetrennt und dem eigenständigen Hof zugeschlagen.

Die Scheunentorinschrift lautete:
"Geht Deiner Zukunft froh entgegen, und bei Dein Glück auf Redlichkeit, Dein längstes Leben sei nur Segen, Dein Trost sei nur Zufriedenheit". Heinrich Bönninghaus und Anna Maria Bußmann.

Der letzte Besitzer von Hof Bönninghaus starb im Jahre 1927. Seine Frau Anna, geborene Bußmann, übernahm die Leitung des Hofes. Sie verstarb am 24. März 1944 im katholischen Krankenhaus zu Eickel. Wegen der kinderlosen Ehe erbten die Neffen und Nichten den Hof. Einige Morgen Land wurden laut Testament an die katholische St. Marienkirche in Eickel vererbt.

Am 17. Januar 1945 wurde bei einem Großangriff mit Schwerpunkt Röhlinghausen, Wanne-Süd und Eickel der Hof Bönninghaus schwer getroffen und später abgerissen. Der letzte Bauer auf dem Anwesen war bis Ende 1958 ein gewisser Wilhelm Langen. Im Jahre 1955 kaufte die Stadt Wanne-Eickel die Ruinen des Hofes samt Ländereien auf. Wo sich einst wogende Kornfelder zwischen dem Hof Bönninghaus und dem ev. Friedhof Wanne-Süd befanden, entstand im Jahre 1960 ein neues Wohnviertel der "Selbsthilfe" mit sechs Seitenstraßen (
siehe auch: Adelssitze und Herrenhäuser - die Geschichte vom Herrenhaus Bönninghausen).


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Eickel, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Bönninghaus ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Bönninghaus ist rot unterlegt. Der Hof befand sich an der Reichsstraße Straße.

Blick auf die Höfe Vogelsang links und Bönninghaus rechts im Bild, aufgenommen um 1928. Beide Höfe blieben bis nach den Zweiten Weltkrieg in Familienbesitz.

Ansicht des ehemaligen Hof Bönninghaus um 1935.

*Anmerkung:

Türkensteuerliste war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Das Pflichthaus oder auch Martinshaus, war der Name für die Vereinigung der Eingesessenen der Bauerschaft Eickel. Diese kamen jährlich am Martinsabend 10. November, wenn das Zeichen mit der Glocke gegeben wurde, anfangs auf Schulten Hof, später in einem eigens erwählten Hause zusammen. Die Eingesessenen der Bauerschaft bildeten eine Nachbarschaft im weiteren Sinne. So war es in hiesiger Gegend auch bei den anderen Bauerschaften der Fall. Innerhalb dieser großen Nachbarschaft gab es verschiedene Nachbarschaften. Die Glieder hießen Notnachbarn, denn sie waren verpflichtet in Not und Tod einander beizustehen. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.

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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Beckmann, Franz: Das Martinsbuch. Eickel 1769-1853. Eickel 1925.
Tagespresse: 1949, 1950, 1954, 1957und 1961.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Keinhorst, Hermann: Eickel vom Jahre 774 bis zur Neuzeit. Wanne-Eickel 1965.
Lührig, Heinrich, Zimmerman, Peter: Eickel, ein Heimatbuch in Bildern. Herne 1982. Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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