Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Helmut Bettenhausen

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Ein Leben im Umkreis der Künstlerzeche Unser Fritz


"In Herne, Stadtteil Wanne-Eickel, Ortsteil Unser Fritz, am Rhein-Herne-Kanal, an der Emscher, an der Bundesstraße 226, zweite Tür rechts…" So beschreibt der Künstler Helmut Bettenhausen den Ort seines Ateliers in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3.

Helmut Bettenhausen, 2008. Foto: Ortwin Horn.

Helmut Bettenhausen wurde am 23. Oktober 1935 in Wanne-Eickel, genauer gesagt im Stadtteil Unser Fritz in der Georgstraße geboren. Hier verbrachte er im Umkreis der Zeche sein ganzes Leben. Hier ging er zur Schule, spielte auf dem Platz von Schwarz-Weiß Unser Fritz Fußball, sprang im Sommer in den Rhein-Herne-Kanal und enterte Schiffe. Seine Kindheitserinnerungen sind geprägt von dieser Zeche. Als Jugendlicher spielte er mit den Jungbergleuten der Zeche Fußball. Anfangs als "Ballputzer" hinterm Tor, später als Rechtsaußen.

Sein Stiefvater - der leibliche war früh gestorben - arbeitete unter Tage, zum Schluss als "Wettermann". Bettenhausen wollte auch Bergmann werden, das Verbot aber der Vater: "Junge wenn du dich am Zechentor sehen lässt, schlag ich dir die Knochen kaputt!" Mit diesen Worten hielt er den 14-Jährigen nach Abschluss der Volksschule davon ab, die gleiche Laufbahn einzuschlagen.

Helmut Bettenhausen machte eine Ausbildung zum Maler- und Anstreicher: "Eisenwichser", sagt er auch heute noch ein wenig stolz. Das waren die mit einer "Knolle", einem großen runden unförmigen Pinsel mit langen runden Stiel, die Rohre und die Tragekonstruktionen aus Eisen, die zwischen den Zechen verliefen, mit einem Schutzanstrich versahen. Erst rote Bleimennige, dann der Zwischenanstrich und später der Deckanstrich. Den Gasbehälter auf dem heutigen Gelände des Gewerbeparks "Hibernia" habe er mit Kollegen gestrichen.

Dass er gut mit Pinsel und Farbe umgehen konnte, wusste er und so ließ er sich zum grafischen Zeichner umschulen, um im Jahre 1962 "Angewandte Grafik" an der Folkwang-Schule für Gestaltung in Essen zu studieren. Leben musste Bettenhausen von seiner Kunst nicht. Im Jahre 1963 begann er beim Planungsamt der Stadt Wanne-Eickel als Zeichner und Modellbauer. Hier entwarf er Modelle für Wohnungsbau und Stadtentwicklung.

Im Jahre 1964 richtete Helmut Bettenhausen ein Atelier in dem ehemaligen Kauengebäude der Zeche Unser Fritz 2/3 ein und war somit Pionier und Wegbereiter für die "Schacht Galerie 2/3", der späteren "Künstlerzeche". Im Jahre 1968 schloss er sich mit weiteren neun Künstlern zusammen, war Mitbegründer der Gruppe "B1", die die Bundesstraße in einen städteübergreifenden Kunstboulevard verwandeln wollte.


Helmut Bettenhausen mit Modulen, um 1970.

Als im Jahre 1972 im ehemaligen Kauengebäude mehr und mehr Räume frei wurden, holte er weitere Künstlerkollegen ins Haus, so dass sich der Ort zu einer festen Adresse der Kunst-Szene etablierte. In diesem Jahr wurde auch sein Auftrag (es war der Vorschlag mit der Registrienummer 5006, der 1970 den Zuschlag bekam) für die Stadt Wanne-Eickel fertig, ein Betonobjekt mit dem Namen: "Ordnungsgefüge". Das Eingangmarkierte schwarz-weiße Betonobjekt ziert den Eingangsbereich der Sporthalle in Wanne-Süd.

Im Jahre 1972 entwirft er als Mitarbeiter im Planungsamt der Stadt Wanne-Eickel sein erstes Plakat für die Cranger Kirmes. Es zeigt eine Windmühle, das heute als unverwechselbares Zeichen der Cranger Kirmes gilt.

Schwarzweiß Zeichen. Zeichen-Pflöcke der ersten Generation. Aktion: Am Zielort markanten Standpunkte suchen. Zeichen und Zielort fotografieren. Im Stadtplan Aktionsort kennzeichen. Zeichen-Pflock stehenlassen. Weggehen. Word Wide Artaction 1977.

Standort Parkstadion Gelsenkirchen am 3. August 1977, 15.30 Uhr. Helmut Bettenhausen hat vom "geheiligten" Rasen des FC Schalke 04 Besitz ergriffen. Die Okkupation dauerte eine Stunde. Das schwarzweiße Zeichen wurde im Zentrum des Spielfeldes eingeschlagen.

Helmut Bettenhausen rückt das Möbelstück, blendend weiß, in eine überwiegend "schwarze", graue fast farblose, industriell geprägte Umwelt. Die erste Aktion wurde am Güterbahnhof Wanne-Eickel am 19. Juni 1980 gestartet. Eine weitere Station war der Kohlehafen in Unser Fritz, im August 1980. Weitere Stationen folgten.

Im Jahre 1983 wurde Helmut Bettenhausen Gründungsmitglied der Gruppe "gerade". Hier entwickelte er an verantwortlicher Stelle das Projekt "Grenzüberschreitung R" (Essen).

Der Erfolg seines Schaffens ließ nicht lange auf sich warten. Im Jahre 1982 wird er mit dem Sonderpreis beim Internationalen Plakatwettbewerb zum Thema "Frieden" in Moskau ausgezeichnet. Am 4. Juli 1990 wird eine eingereichte Plakatarbeit in der Stadtbibliothek Berlin durch den Verband Grafik-Designer, als einer der 100 besten Plakate des Jahres 1989 ausgezeichnet. Dieser Erfolg wiederholte sich auch im Jahre 1993. Seine Plakatkunst befindet sich in vielen internationalen Sammlungen: u.a. Israel-Museum in Jerusalem, Warschau Plakatmuseum Wilano`wa, Berlin Stadtbibliothek, Art Department Connecticut, Ogaki Deutsche Poster nach 1989 und Deutsches Plakatmuseum Essen.

Helmut Bettenhausen wechselte nach der "Städteehe" in die Öffentlichkeitsarbeit der neuen Stadt Herne. Viele seiner dort entworfenen Plakate wurden ausgezeichnet.

Eine Arbeit von Helmut Bettenhausen, Deutsch-Französische Gemeinschaftsausstellung 1988.

Beim IBA-Wettbewerb Gestaltung Halde Rungenberg in Gelsenkirchen wird Bettenhausen mit Glasmeier und Hilmar mit dem zweiten Preis des Wettbewerbs ausgezeichnet. Andere Auszeichnungen folgten.

Von 2007 bis 2011 schuf er: die goldene Bischofsmütze in Röhlinghausen, Kreuz und Halbmond auf dem Cranger Kirmes Platz, Triumphbogen der Kohle auf dem Gelände des Kulturparks an der Dorstener Straße, Brücke über die Emscher auf dem Gelände des Kulturparks an der Dorstener Straße.

Vom 10. Mai bis zum 29. Juni 2014 war zeitgleich an vier großen Herner Stätten (Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Flottmann-Hallen, VHS-Galerie in Wanne und Städtische Galerie im Schlosspark Strünkede) eine Ausstellung zu sehen, die einem einzigen Künstler gewidmet war: Helmut Bettenhausen. Er war der erste Künstler, der für 50 Jahre Schaffenskraft, auf diese Weise geehrt wurde. "innen - außen - unten", hieß der Titel der Ausstellung.

Helmut Bettenhausen zählt zu einem der bedeutendsten Konzept-Künstler des Ruhrgebiets. Er sagt heute noch stolz: "In meinem Atelier werden seit einem halben Jahrhundert keine Kohlen mehr gefördert. Sondern Kunst".



Ein Plakate Querschnitt von 1973-1993, Kultur, Sport, Politik.


zurück...

VollbildZurückPlayWeiter


Quellennachweis:
"B 1" 1969 / 1989, Herne 1989.
Bettenhausen, Helmut: Word Wide Artaction, Kohle statt Kunst, Wanne-Eickel 1977.
Loskill, Jörg: Revier Atelier, Helmut Bettenhausen, Essen 2010.
Dr. Herlemann, Falko: Helmut Bettenhausen: innen, außen, unten. 50 Jahre Atelier Zeche Unser Fritz 2/3, Herne 2014.
Dr. Herlemann, Falko: Helmut Bettenhausen: Plakate. Kultur, Sport, Politik 1973-1993, Herne 2015.
Textauszug mit Genehmigung durch Helmut Bettenhausen.
Interview mit Helmut Bettenhausen im April 2016.


Bildnachweis:
Die abgebildeten Kunstwerke und Plakate wurden mit Genehmigung durch Helmut Bettenhausen verwendet.
Ortwin Horn.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü