Wanne-Eickel-Historie


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Heinz Oelmann

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Heinz Oelmann oder die Geschichte der legendären Jazz-Wanne


Heinz Oelmann wurde am 28. Juni 1938 in Wanne-Eickel als Sohn eines Bergmannes geboren. Weil er mit den Söhnen eines Studienrates befreundet war, hatte er Zugang zu einem Flügel, der ihm begeisterte und nicht mehr loslassen sollte. Sein künstlerisches Talent wurde früh erkannt und gefördert

Auf die Frage, wie Heinz Oelmann zur Jazz-Musik gekommen ist, antwortete er: "Ich habe einmal Charlie Parker im Radio gehört. Das war zur Fußballweltmeisterschaft 1954. Die Musik hat mich so fasziniert, und das war damals mein Einstieg."

Wie er es erklärt, dass die Begeisterung für die Jazz-Musik während der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auch hier im Revier mit seinem proletarischen Milieu entstand, antwortete er: "Das ist ganz einfach, weil Jazz die erste echte Abenteuermusik war. Die Nazi-Zeit brachte das totale Jazz-Verbot. Die Leute schmachteten nach Jazz-Musik."

Der junge Heinz Oelmann war die treibende Kraft für die erste Jazz-Gruppe in Wanne-Eickel. Die Gruppe hieß "New Jazz Group" oder "Modern Rhythm Quartett". Sie spielten in Jugendheimen, mussten aber um 22 Uhr ihre Instrumente einpacken und so entstand im Jahre 1960 eine geniale Idee hatte: Wir brauchen einen eigenen Treffpunkt.

"Die kleine trübe Lampe über einer Eisentreppe im Hinterhof des Hauses `Am Bahndamm 3´ glimmt im Verborgenen. Nur wer das Geheimnis der weißen Hand kennt, die entlang den Wänden den Weg weist, findet zur Jazz-Wanne, dem Hoch-Paterre-Quartier der Wanne-Eickeler Jazzfreunde. Hier pulsiert das Leben im stampfenden Rhythmus des Schlagzeuges, im harten Stakkato des Pianos", so beschrieb die Tagespresse 1960 das neue Jazz-Domizil, dass schon bald über die Stadtgrenzen hinaus die erste Adresse der Jazz-Musik im Ruhrgebiet werden sollte.


Der erste Jazz-Club im Revier, die Jazz-Wanne, Am Bahndamm 3.

Gemeinsam mit dem musikalischen Allrounder Conny Wyludda, Schlagzeuger Horst Offergeld, Ernst Dittke (1936-2006) Saxophon, Hannes Beckmann Trompete und Bassist Hartmut Krowarz spielte Heinz Oelmann in der legendären Jazz-Wanne, einem Jazz-Club am Bahndamm, am Heitkamps Feld im Wanner Süden.

Heinz Oelmann in der Bildmitte, aufgenommen in der "Jazz-Wanne" um 1960.

Heinz Oelmann und seine Weggefährten besuchten die Jazz-Klubs im Ruhrgebiet und holten die Jazz-Größen nach Wanne-Eickel in die Jazz-Wanne. Leider hatte die offizielle Kulturpolitik im damaligen Wanne-Eickel wenig Verständnis für diese Jugendkultur.

In der Zeit von 1960 bis 1967 erlebten die Wanne-Eickeler Jazz-Freunde viele international bekannte "Stars": u.a. Albert Mangelsdorff ("Europas Jazzposaunist Nr. 1") und Jan Wroblewski. Zahlreiche Prominente, darunter Günter Grass, besuchten die Konzerte.

Nach den jähen Ende der Jazz-Wanne - das Gebäude, eine ehemalige Bierniederlassung, wurde 1967 abgerissen - machten die Musiker um Heinz Oelmann weiter, beteiligten sich in Dortmund an der Gründung des Jazz-Clubs "Domicil" und geben bis in die 1970er Jahre Konzerte.

In den letzten Jahren waren die Auftritte des Pianisten Heinz Oelmann seltener geworden, aber wenn er auftrat, begeisterte er seine Zuhörer.


Heinz Oelmann am Piano 2009 beim Bossa Nova Abend in der Tanzschule Diel an der Hauptstraße.

Am Dienstag den 18. Oktober 2011, im Alter von 73 Jahren, hörte das Herz des Piano-Spielers Heinz Oelmann auf zu schlagen. Er wurde auf den Wanne-Eickeler Waldfriedhof an der Ewaldstraße beigesetz.


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Quellennachweis: Tagespresse 1960 und 2011.
Bourree, Manfred: Herne, Grosser Kultur- und Freizeitführer Ruhrgebiet, Band 9, 1985, S. 13 ff.
Kozicki, Norbert: Now's the time, die Jazz-Wanne, zur Geschichte eines Jazzclubs im Ruhrgebiet 1992.
Textauszug mit Genehmigung durch Norbert Kozicki.
Fotoweis: Sammlung Norbert Kozicki und Heinrich Lührig.


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