Wanne-Eickel-Historie


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Heimkehr

Kunst und Kultur

Heimkehr


Ich kam zurück nach vielen, langen Jahren,
nachdem ich fast die halbe Welt durchquert.
Gott grüße dich, du trautes Heimatdörflein,
zu kurzer Rast bin ich hier eingekehrt.




Ich such die alten, wohlbekannten Wege.
Die Kindheit wird mir plötzlich wieder wach.
Ich höre klappern noch wie einst die Mühle
und seh den Dorneburger Mühlenbach.

Im Geiste seh ich mich im Kuhkamp tummeln
bei frohem Spiel, mir ist's, als sei es heut,
reib unwillkürlich meinen Hosenboden,
den mir Herr Schmidt so oft verbleut!

Auch hier ist nichts mehr wie in früheren Tagen,
verstört schau ich das trockne Teichbett an.
Mir ist's wie Lohengrin: "Nie sollst du mich befragen."
Fort ist der Ritter Beckermann und auch der Schwan!

Doch Kolonien hat hervorgezaubert
aus Sumpf und Moor der Fortschritt der Kultur.
Verschwunden ist das alte Zwiebelgäßchen,
nur die Erinnerung deutet mir die Spur.

Es rühret mich der Anblick schier zu Tränen,
zum Wellblechhäuschen eil ich, weil es Zeit.
Von ferne winkt mir schon das Schild "Für Männer".
Auch dort schon waltet die Vergänglichkeit.

So lenk ich sinnend weiter meine Schritte
und schlendre langsam nun volksgartenwärts.
Das Paradies von Eickel soll ich sehen! -
Froh unter meinem Wams schlägt mir das Herz.

Man drückt verschämt sich scheu in einen Winkel,
kein'n Schutz vor Späherblicken man hier hat.
Durch alle Ritzen pfeifen hier die Winde.
Noch ungenierter wie'n Familienbad.

Verschwunden ist vom Markt die Bismarkeiche,
die Siegessäule - alles ist mir fremd!
Ein Jungfernbrunnen? - Was erspäht mein Auge?
In Eickel? - Ich bin sprachlos! - Ohne Hemd?!

So zieh ich heim auf unbekannten Wegen,
und unter schwerem Seufzer ruf ich aus:
"Mein Eickel, du, ich wünsch dir Heil und Segen,
dem Volksgarten ein neues Wellblechhaus!"

Der Eickeler Markt mit Siegessäule um 1900.

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Quellennachweis: Endrikat, Fred: Das große Endrikat Buch, München 1976, S. 82ff.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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