Wanne-Eickel-Historie


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Haus Dorneburg

Herrenhäuser

Das adelige Haus Dorneburg


Das ehemalige adelige Haus Dorneburg war mit dem Dorf Eickel durch eine Allee, der heutigen Königstraße verbunden. Die ältesten Besitzer waren die Herren von Dorneburg, Dorneburg genannt Aschebrock, Dorneburg von der Lage, auch kurz "Aschebrock" oder "von der Lage" genannt.

Das Haus Dorneburg lag in der Gemarkung Eickel, Flur II, genannt Dorneburg. Es war der Stammsitz der Familie von Dorneburg. Die Schreibweise des Familiennamens ist im Laufe weniger Jahre sehr unterschiedlich: Dorneburg (1243), Dorneborg (1279), Dorenborg (1286 / 1287), Dorrenburch (1295), Dorenborch (1299), Dorenborgh (1345).














Wappen der von der Dorneburg gen. Aschebrock.

Das Geschlecht führte als Wappen einen Quergeteilten Schild, unten in Blau drei silberne Mispeln, oben in Silber eine liegende schwarze Pferdepramme und auf dem zuweilen gekrönten Helm einen blauen Wedel.

Bereits 1243 wird Conradus de Dorenburg genannt, der in einer von Dornengestrüpp und Gräften umgebenden Wallanlage wohnte. Der Lehnsmann des Grafen von Mark wird als Zeuge in einer Urkunde im Zusammenhang mit den Rittern Gerlacus und Wezelius von Strünkede aufgeführt. Rutger von Dorneburg zündete 1322 bei einem Streit mit Bowo von Strünkede dessen Schloss an. Dieser Rutger nannte sich 1345 mit Beinamen Aschebrock und übte die Stelle des Drosten (Oberster Verwalter) von Bochum aus.

Im Jahre 1370 belehnte Elisabeht von Nassau, Äbtissin zu Essen, Conrad von Dorenburg mit dem Hof- und Schultenamt zu Ückendorf und allen dazu gehörenden Rechte. Die Dorneburger Linie ist im männlichen Stamm um die Mitte des 15. Jahrhunderts erloschen, während die Seitenlinie auf dem Allodiagut (Gesamtbesitz) Nosthausen noch bis 1749 lebte.

Die Erbtochter von der Dorneburg heiratete 1430 den Heinrich von der Brüggeney genannt Hasenkamp vom Rittergut in der Kirchengemeinde Stiepel. Deren Tochter heiratete 1445 Johann von Loe aus dem Veste Recklinghausen. Der zweite Sohn aus dieser Ehe, Walther, wurde Herr zur Dorneburg.

In der in der Türkensteuerliste von 1542 wird ein "Up ter Aldendorneburg" und im Türkensteuerregister von 1598 ein "Alte Dornenborg erwähnt. Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664 erscheint mehrfach als Grundherr Lo(h)e zu(r) Dorne(n)burg(h).

Haus Dorneburg mit den Wirtschaftsgebäuden um 1900.

Von 1630 bis 1655 war Hans Wilhelm von Loe Besitzer der Dorneburg, der die lutherische Religion annahm. Dessen zweiter Sohn fiel bei der Belagerung von Wien (1683). Sein älteste Sohn Goswin Christoph (geb. 1632) erbte die Dorneburg.

Seine Tochter Elisabeth Clara verheiratete sich 1669 mit Conrad von Strünkede. Nach dem Tode der Elisabeth Clara 1671 verheiratete sich Conrad in zweiter Ehe mit Elisabeth Sophie von Schwerin, Tochter des Reichsgrafen Otto von Schwerin, mit der er zehn Kinder hatte. Er brachte die Dorneburg zu hohem Ansehen.

Conrad von Strünkede hat zu Mehrum am Niederrhein einen Teil seines dort liegenden Besitzes eingebüßt, als sich der Rhein bei einer Überschwemmung ein neues Bett grub, so dass ca. 120 holländische Morgen verloren gingen. Der Große Kurfürst wollte dieses Fluß-Bett beibehalten und Conrad dafür entschädigen. Die Entschädigungssumme betrug 16 000 Taler. Die Verhandlungen scheiterten, aber Friedrich III. (später König Friedrich I. von Preußen) führte sie zu Ende, indem er Conrad dafür auf der Dorneburg entschädigte. Durch ein Edikt (Verordnung) von Kleve vom 6. März 1690 erhielt Conrad von Strünkede die "Cicil-Kriminal-Jurisdiktion" sowohl über seinen Burgbezirk als auch über Bickern, Eickel, Holsterhausen, Röhlinghausen (incl. Strathmanns Hof) und die Riemker Mark zu gesichert. Diesem den Conrad verliehene Gewalt hieß das "Gericht zu Eickel". Die Richter wohnten in Eickel. Durch die Teilung der Grafschaft Mark in vier Kreise gehörte das Gericht nach 1753 zum landrätlichen Kreis Hörde. Das Gericht verlor erst beim Einbruch der Franzosen im Anfang des 19. Jahrhunderts seine Existenz. Bis etwa 1850 erinnerte der Pranger oder Schandpfahl auf dem Eickeler Markt noch an die alte Gerichtsstätte. Durch geschicktes Taktieren gelang es Conrad, 1717 auch Gut Gosewinkel in den Dorneburger Besitz einzugliedern.


Haus Dorneburg, aufgenommen um 1925.

Haus Dorneburg aufgenommen um 1930.

Conrad von Strünkede starb im Jahre 1707 in Hamm am Schlagfluss (Schlaganfall). Conrad von Strünkede der als preußischer Regierungsrat von Kleve tätig war, erhielt nach seinem Tode von seiner Gemahlin für sich und seine Angehörigen ein großes Grabdenkmal in einer Seitenkapelle der Eickeler Johanniskirche (siehe auch: Die Evangelische Johanneskirche in Eickel), wo er beigesetzt wurde. Das gewaltige Monument aus Baumberger Sandstein zählt zu den bedeutendsten Grabdenkmälern Deutschlands des frühen 18. Jahrhunderts und wurde von Johann Mauritz Gröninger geschaffen. Diese zwölfköpfige Figurengruppe wurde 1890 an das Märkische Museum Witten zum Preis von 1.000 Goldmark verkauft.

Das Grabmal des Freiherrn Conrad von Strünkede zu Dorneburg.


Die Inschrift des Denkmals am Sockel lautete: Der Hochwohlgebohrene Herr Conrad von Strünkede, Herr zu Dorneburg, Eickel, Tholouse, Darbone, Büdingen, Sr. königl. Majestät in Preußen Clevischer und Märkischer geheimter Regierungsraht, Cämmerer und Droste des Ambts Bochum und Castrop ist im Jahre 1645, den 30. August gebohren, den 20. Mai 1707 gestorben und allhie beigesetzet. Hie nebst der Hochgebohrenen Frauen Elisabeht Sophie Freyfraun von Strünkede, Frau zu Dorneburg, Eickel, Tholouse, Darbone, Büdingen, gebohrene Gräfin Schwerin, so den 27. Dec. 1670 gebohren. Dieses Epithaphium zum steten Andenken verfertigt und aufrichten lassen im 1707-ten Jahre.


Der Dorneburger Besitz, der neben dem Strünkeder damals einer der bedeutendsten des Gebiets war, geriet in Konkurs.

Am Dienstag, 15. April 1749 zeigte der "Wöchentliche Duisburgische Addresse- und Intelligentz- Zettel Nr. XV" den Konkurs des Hauses Dorneburg an. Zur Konkursmasse gehörte unter anderem das "… adelige Haus Dorneburg nebst Wälle, Gräben, Gärten, Jagd, Fischerei, lebendem und totem Inventar und sonstigen Freiheiten…" an. Der Verkaufstermin war auf den 1. Mai 1749 im Rathaus Bochum morgens 8 Uhr festgesetzt. Das Angebot war auf 42 216 Reichstaler angesetzt. In dem Termin wurde das Gut Dorneburg von Freiherrn Friedrich Heinrich von Kuschinsky aus Danzig angekauft. Friedrich Heinrich von Kuschinsky war mit Anna Sophia von Gahlen bei Dorsten verheiratet.

Caspar Wirth erhielt am 21. November 1749 den Gosewinkelschen Hausplatz samt Graben, Wälle und Gärten als Meistbietender für 280 Reichstaler.

Auch von Kuschinsky, der kinderlos 1772 starb, wurde in der Grabkapelle in Eickel beigesetzt. Sein Neffe, der sächsische Hauptmann August Friedrich von Kuschinsky, beerbte ihn. Seine Tochter heiratete 1796 den Rittmeister Moritz von Untzer (1798-1862), später Landrat des Kreises Bochum.

Nach einem Brand im Jahre 1844 wurden das Haupthaus und die Ökonomie mit Mühle als klassizistische Bauten unter Verwendung des barocken Portals von Haus Gosewinkel neu errichtet.


Das barocke Portal von Haus Gosewinkel mit einem flachbogigen Vordach und über der rundbogigen Tür im Sturz die Inschrift des Umbaues: ANNO DOMINI MDCCXVII (1717).

Das monumentale Portal zeigt links und rechts in den eckigen Sockel der beiden flachornamentierten Säulen, Fratzen von bösen Hausgeistern (Lemuren).

Moritz von Untzer übertrug das Gut seinen beiden Söhnen, Gustav und Karl. Nach dem Tod beider Söhne wurde, da keine direkten Erben vorhanden waren, im Jahre 1866 die Dorneburg verkauft. Die Gebäude, Schloss, Ökonomiehaus und Mühle mit etwa 40 bis 50 Morgen Land kaufte der Bauer Heinrich Riemann aus Bickern, der es dann an die Zeche Shamrock verkaufte. Die übrigen Ländereien und Waldungen gingen in den Besitz von Landwirten und Bergleuten über.

Kriegsgefangenenlager-Geld der Zeche Shamrock III / IV, Ausgabe Oktober 1916.

Eingangsportal Haus Dorneburg, um 1925.

Der Mittelturm und die Überreste des ehemaligen Adelssitzes Dorneburg nach einem schweren Bombenangriff.

Im Ersten Weltkrieg wurde von der Zeche Shamrock auf dem Gelände der Dorneburg ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet. 1942 / 43 wurde der ehemalige Adelssitz von Bomben schwer getroffen, ehe Mitte der 1950er Jahre der Mittelturm und die übrigen Baureste einer Wohnsiedlung weichen mussten, die den Namen "Auf der Dorneburg" erhielt.

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Quellennachweis:
Hegeler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Hegeler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Hegeler, Gustav: Der Schultenhof zu Eickel, Witten 1918.
Darpe, Franz: Geschichte der Stadt Bochum. I. Bochum im Mittelalter (1888), II. Bochum in der Neuzeit (1893).
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel). Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664. Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Beckmann, Julius: Das Martinsbuch, Eickel 1769-1853, Eickel 1925.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Spießen, Max von: Westfälisches Wappenbuch Band II. Tafel 11 Nr. 5, 1903.
Keinhorst, Hermann: Eickel vom Jahre 774 bis zur Neuzeit. Wanne-Eickel 1965.
Stadtteilausstellung: Schloss Dorneburg ein Rittersitz der Strünkeder, Wanne-Eickel 1978.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.


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