Wanne-Eickel-Historie


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Hallenbad Wanne

Gebäude

Das Hallenbad ein „Haus der Wasserfreuden“


Wer sich heute das Wanner Hallenbad am Solbad anschaut, kann dem Bauwerk keinen großen Charme abgewinnen. Das sah bei der Einweihung ganz anders aus.

Aus Gründen der Sicherheit und der Hygiene wurde es erbaut. Denn dem beliebten, aber gefährlichen Baden im Rhein-Herne-Kanal musste vorgebeugt werden. Außerdem hatten nicht alle Familien ein eigenes Bad. Auch mussten die Schulklassen zum Schwimmunterricht bis nach Gelsenkirchen fahren. Ein eigenes Stadtbad war also dringend erforderlich.

Im Sommer 1952 wandte man sich daher ernsthaft dem Plan für den Bau eines Hallenbades zu. Nach Überwindung der schwierigen Finanz- und Grundstücksfrage sowie der Klärung der baulichen Erfordernisse wurde der Bau eines modernen Hallenbades in der Sitzung des Aufsichtsrates am 10. März 1953 beschlossen, nachdem in einer vorhergehenden Stadtvertretersitzung ebenfalls ein gleicher einstimmiger Beschluss gefasst worden war. Das Bad sollte ein sportgerechtes Schwimmbassin in einer Größe von 25 Meter Länge und 12,5 Meter Breite, gesonderte Wannen- und Brausebäder und eine Werkswohnung erhalten.

Mit den Ausschachtungsarbeiten wurde am 11. April 1953 begonnen. Am 2. September wurde Richtfest gefeiert und am 11. März 1954 war der Innenausbau fertig. Elf Monate später, für ein solches Objekt eine ungewöhnlich kurze Bauzeit, entstanden durch 460 000 Ziegelsteine und 5 700 Sack Zement ein "Haus der Wasserfreuden". "Was hier in zügigem Tempo entstand, wird für immer als ein Markstein in der Geschichte unseres der Großstadt nahen Gemeinwesens verzeichnet bleiben", also ein Meilenstein auf dem Weg zur Großstadt. So überschwänglich beschrieb der Wanne-Eickeler Anzeiger den Neubau des Stadtbades, das mit rund 1 015 000 Mark Baukosten vergleichsweise billig war. Entwurf und Bauleitung lagen in den Händen von Stadtbaurat Neuhaus und Baumeister Hase aus Wanne-Eickel. Für den technischen Ausbau zeichnete Oberingenieur Frey aus Wuppertal verantwortlich. "Das zweckmäßigste Bad im Bundesgebiet" titelte der Wanne-Eickeler Anzeiger.

(Bildarchiv der Stadt Herne)
Der Rohbau des Stadtbades im Herbst 1953.


Als die Stadt Wanne-Eickel im März 1954 ein eigenes Stadtbad bekam, war das ein großes Ereignis. Als eines der modernsten und zweckmäßigsten Bäder der Bundesrepublik wurde es angepriesen. „Ein Musterbeispiel einer erstklassigen Schwimmhalle“, schrieb der Wanne-Eickeler Anzeiger anlässlich der Eröffnung am 13. März 1954. Die Lokalpolitiker und die Besucher schwärmten vom „Kleinod, auf das alle Wanne-Eickeler stolz sein können“. Bei der Eröffnungsansprache hob Oberbürgermeister Edmund Weber hervor, dass die Stadt Wanne-Eickel nach über dreißigjährigem Bemühen endlich über ein Stadtbad verfügt. Für die Jugend sei die Badeanstalt ein „Hort schwimmender Betätigung“.


Vorderansicht des am 15. März 1954 eröffneten Hallenbades.

Blick in die Schwimmhalle.

Das zweckmäßigste Bad im Bundesgebiet, aufgenommen im April 1959.


Als überregionales Großereignis wurden im neu erbauten Hallenbad Ende März 1954 die westdeutschen Hallenschwimmmeisterschaften ausgetragen. Hier fand auch der 1948 gegründete Schwimmverein SC Hellas seine neue Heimat. Fortan fanden hier zur körperlichen Ertüchtigung Schulkassen eine neue Bleibe. Die Schwimmabzeichen Frei - Fahrten - Jugend war bald das aktuelle Statussymbol eines jeden Schülers. Wie viele Kinder hier das Schwimmen gelernt haben, ist wohl nicht gezählt worden.

Das Hallenbad zeigte sich sittenstreng, schließlich waren alle Umkleideabteilungen „vollständig nach Geschlechtern getrennt“ – Mädchen rechter Eingang, Jungen linker Eingang.

Wer zu Haus kein eigenes Bad besaß kam einmal die Woche ins Stadtbad. 25 Pfennig kostete das Wannenbad, dazu gab es ein kleines Stück Seife. Für Schulkinder betrug der Schwimmpreis für die Stunde 30 Pfennig.


Schwimmunterricht für Schulklassen in der Schwimmhalle, aufgenommen um 1960.
An der Stirnseite, durch drei Glasfenster getrennt befinden sich zwei Mosaikwandbilder der griechischen Mythologie.


An der Stirnseite, befinden sich zwei Mosaikwandbilder der griechischen Mythologie des heimischen Künstlers Edmund Schuitz aus dem Jahre 1954. Das linke Bild zeigt Amphitrite als Meernymphe. Sie gilt als Beherrscherin der Meere. Das rechte Bild zeigt Poseidon der Gott des Meeres und Bruder des Zeus mit einem Dreizack (Wenn er ergrimmte, stach er mit seinem Dreizack in die Erde, verursachte so Erdbeben, Überschwemmungen und brachte Schiffe zum sinken).


Heute ist das Hallenbad nur noch Schulklassen und Vereinen zugänglich.


Das „erste Hallenbad“ der Stadt Wanne-Eickel, aufgenommen im Herbst 2010.



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Quellennachweis: Wanne-Eickeler Anzeiger vom 15. März 1954.
Fotonachweis: Heinrich Lührig.



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