Wanne-Eickel-Historie


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Gut Nosthausen

Herrenhäuser

Gut Nosthausen


Über das Gut Nosthausen ist in den Geschichts- und Heimatbüchern wenig festgehalten. Zum Teil mag die Lage des Gutes daran schuld sein. Während die übrigen adligen Güter in der Mitte von Eickel lagen, wurde Gut Nosthausen, das im Osten Eickels an der Dorstener Straße auf dem heutigen Gelände der GEA- Luftkühler Verwaltungszentrale lag, von zwei Gemeinden, Hofstede und Eickel in Anspruch genommen.

Ausschnitt einer Übersichtskarte der Städte Gelsenkirchen und Herne aus den Jahre 1842. Das Gut Nosthausen ist rot unterlegt.

Haus Nosthausen, auch Haus Oysthusen, Haus Osthausen, war ein adelige Gut im Kirchspiel Eickel. Dies geht aus schriftlichen Urkunden (Lehnsbriefe) hervor. So heißt es unter anderem:

"Am 10. Marty 1288 meldet der untertänige, gehorsame Heinrich von Dorneburg gen. Aschenbroich zu Osthausen seinen Fürsten, dass sein Vatter an der gräßlichen Krankheit Pest in Gott verstorben sei und bittet um Belehnung des Gutes".

Aber auch von Nosthausen - wahrscheinlich Teil des Gutes - mit all seinen zugehörigen Gütern ist hier schon die Rede, das anscheinend seinem älteren Bruder, Johann Aschebroick then Oysthusen zugefallen ist. In den Schreiben von Rüter von Dorneburg aus dem Jahren 1390, 1400 und 1429 an den Herzog Adolf von der Mark wird nur das Gut Osthausen erwähnt.

Von 1518 bis 1530 gehörte ein Aschebrock als Vertreter der der Eickeler Kirche dem Kirchenvorstand in Bochum an. Die Familie Aschebrock gehört zu den wenigen Familien, die in der Reformationszeit katholisch geblieben war. Da die Eickeler Katholiken keine Kirche mehr hatten, stellten die Aschebrocks die Kapelle des Guts zur Verfügung und förderten den Bau einer neuen Kirche an der Herzogstraße (siehe auch: Die Entstehungsgeschichte der katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Eickel).

Im Jahre 1632 sitzt Philipp Otto von Aschebrock auf Gut Nosthausen. Seine Söhne sind Otto Heinrich und Wennemer Dietrich. Im Juli 1689 erhielt Wennemer Dietrich von Aschebrock von dem Kurfürsten Friedrich III. durch einen Lehnsbrief die Übertragung des Guts.

Mehr und mehr verarmten die Herren von Aschebrock. Den Anlass dazu gab die jahrzehntelange schwere Kriegszeit des 17. Jahrhunderts. Durch die Kipper- und Wipperzeit
* (Münzentwertung) und den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) waren die Vorfahren von Wennemer Dietrich von Aschebrock so schwer in Schulden geraten, dass zu deren Tilgung das Gut Nosthausen versteigert werden sollte. In seiner Not wandte sich Wennemer Dietrich von Aschebrock an den Großen Kurfürsten und teilte ihm untertänigst mit, dass seine Vorfahren in den "bösen Zeiten" und Kriegsjahren dermaßen in Schulden geraten seien, dass alle zum Hause Nosthausen gehörigen Ländereien, Höfe, Wiesen öffentlich versteigert werden sollten.

Bittbrief des Wennemer Dietrich von Aschebrock an seinen Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Jahre 1660.

Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm erkannte die Gründe, die zu diesem Verhängnis geführt hatten an und verbat mit Urkunde vom 27. Oktober 1666 diesen Verkauf. So hieß es unter anderem:

"Also befehlen wir auch unserem Clever Statthalter, Regierung und Hofgericht, sich nach dieser Unserer Verordnung und Declaration (Erklärung) eigentlich zu achten, und nicht zu verstatten, dass gedachter der von Aschenbrock bei erfolgter Discusion der Nosthäuserischen allodial-Stücken (Eigentum ohne Lasten) gegen diese Unsere Erklärung und Verordnung veräußert werden. Urkundlich Unserer eigenhändischen Unterschriften und vorgedrucktem Churfürstlichen Gnadensiegls. Gegeben in Unserer Residenz. Cleve, 27. Oktober 1666 - Friedrich Wilhelm".

Anna Wilhelmina Josina Francisa, Äbtissin des Hochadeligen Stifts in Köln, war die letzte des Geschlechts von Aschebrock. Der Preußenkönig Friedrich der Große belehnte sie 1748 mit der Wohnung zu Ost- oder Nosthausen. Aber nur kurze Zeit war sie die Herrin auf dem Gut. Sie verstarb am 27. März 1749 im Alter von 48 Jahren.


Todesanzeige aus dem Jahre 1749 der letzten Namensträgerin der Familie Aschebroch auf Gut Nosthausen.

Nachfolger wurde ihr Vetter Leutnant Johann Werner von Dobbe auf Haus Lyren bei Wattenscheid. Da dieser kinderlos starb, übernahm 1795 das Erbe seinem Neffen Alexander von Asbeck. Anfang des 19. Jahrhunderts übernahm Oberhofmeister Alexander von Asbeck, die Hinterlassenschaften des Guts Nosthausen. Auch er konnte das Gut nicht halten, da es überschuldet war. Um an Geld zu kommen hat man später viele Kotten verpfändet. Im Jahre 1842 erwarb Herzog von Ahrenberg das Gut Nosthausen. Als dieser im Jahre 1900 seinen Wohnsitz von Recklinghausen nach Belgien verlegte, verkaufte er seine Grundstücke, die an der König-, Holsterhauser-, Dorstener- und Herzogstraße lagen, an die Industrie und an das Amt Eickel und an die Stadt Bochum.

Auf Teilen der ehemaligen Grundstücke des Guts Nosthausen wurde die Zeche Hannibal, die nördlich des alten Bochumer Ortskern lag, errichtet. Die ersten Abbaufelder erhielten die Namen Nosthausen I. und Nosthausen II. Das Amt Eickel baute auf einem Teil der Grundstücke unter anderem die sogenannte Gartenstadtsiedlung.

Das Gut Nosthausen muss ein bedeutendes Gut gewesen sein. Noch um 1842 hatte das Gut eine Größe von 100 Hektar. Heute befindet sich auf dem Grundstück des Hauses Nosthausen die Verwaltungszentrale der GEA- Luftkühler Dorstener Straße 484.

Nördlich des Herrenhauses befand sich die Wassermühle des Guts am Dorneburger Bach; heute erinnert die Mühlenstraße an die ehemalige Mühle des Gutshofs (siehe auch: Nosthauser Mühle).


Anmerkung*
Kipper und Wipper (kippen = abschneiden, wippen = wägen) Geldfälscher während der Inflation von 1618-1623, die vor allem vollwertige Münzen aufkauften und durch Abkippen der Ränder und ungenauen Gebrauch der Goldwaage untergewichtige Münzen in Verkehr gaben und betrügerisch Legierungen des Goldes mit Kupfer und Silber bei der Herstellung des Münzgeldes in Umlauf brachten.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt. Geschichte der Gemeinden beider Ämter. Siegen 1903.
Daniels, Johannes, Beckmann, Julius: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Wanne-Eickel 1927.
Keinhorst, Hermann: Eickel. Vom Jahre 774 bis zur Neuzeit. Wanne-Eickel 1965.
Staatsarchiv Münster: Aktenstück Nr. 37, Cleve-Märkische Regierung, Lehnssachen.
Lührig, Heinrich, Zimmermann, Peter: Eickel. Ein Heimatbuch in Bildern. Herne-Eickel, Bochum 1982.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.

Fotonachweis:
Preußische Kartenaufnahme von 1842. Original im Besitz der Staatsbibliothek, Preußischer Kulturbesitz.
Sammlung Heinrich Lührig.



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