Wanne-Eickel-Historie


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Gustav Hegler

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Ein Landpostbote, der die Heimatkunde zu seinem Hobby machte


Der Großvater von Gustav Hegler, ein Leinweber, stammte aus Holsterhausen und war mit der Erbtochter vom Stratenhoffs Kotten verheiratet. Darum setzte er hinter seinen Namen Hegler "genannt Stratenhoff". Der Vater Gregor Heinrich war Schneidermeister und Landbriefträger an der 1864 errichteten Postexpedition in Eickel.

Der Sohn Gustav Florenz wurde am 18. Juni 1853 geboren. Wo sein Geburtshaus genau stand, darüber gehen die Meinungen auseinander, ob nun an der Ecke Lohof und Burgstraße, an der einstigen Zwiebelgasse oder aber an der Klosterstraße, hier trug ein Kotten, der 1992 abgerissen wurde seine Namen, weiß niemand zu sagen.

Gustav Hegler erlernte nach seiner Schulzeit das Schuhmacherhandwerk und ließ sich nach 9jähriger Lehr- und Gesellenzeit im Jahre 1877 im Dorf Eickel als Meister nieder. Als sein Vater 1879 wegen Krankheit seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, übernahm sein Sohn Gustav den Vertrag seines Vaters als Landbriefträger. Tag für Tag bestellte er die Post in dem weiten Raum Eickel, Wanne, Holsterhausen, Röhlinghausen, Hordel, Provize, Marmelshagen und Dahlhauser Mühle.

Auf dem Rückwege nahm er Briefe und Pakete mit zur Post. Im Jahre 1886 wurde Hegler nach Wanne versetzt. Drei Jahre später kutschierte er als fahrender Landbriefträger den Postwagen mit einem Apfelschimmel davor.


In dieser Zeit wurde auch der Grundstock zu seinem Steckenpferd, das der Heimatkunde gelegt. Er, der als Landbriefträger von Haus zu Haus und von Hof zu Hof kam, sammelte so unermüdlich Urkunden über die Geschichte, schrieb mündliche Überlieferungen auf, die er auf seinen Botengängen hörte und ließ sich von Zechen und Werken kurze Berichte über ihre Entstehung geben. Das Ergebnis seiner jahrelang zusammengetragenen Werke, veröffentlichte er in drei heimatgeschichtlichen Büchern.

Eickel - Wanne einst und jetzt.
Geschichte der Gemeinden beider Aemter:
Wanne, Röhlinghausen, Crange, Eickel und Holsterhausen,
sowie der Gemeinde Hordel.
Westdeutsche Verlagsanstalt, Siegen in Westf. 1903

Aus den Väter Tagen.
Bilder zur Heimatkunde von Eickel und Wanne.
Verlag, Bouvet, Wanne 1911

Der Schulten Hof zu Eickel.
Beitrag zur Kulturgeschichte der Heimat
Verein für Orts- und Heimatkunde aus der Grafschaft Mark, Witten 1918


Foto: Familie Hegler 1898.

Bekannt war Gustav Hegler für sein außergewöhnliches Engagement zugunsten der Evangelischen Kirche. Hier war er Mitbegründer des Evangelischen Arbeitervereins Eickel von 1884, aus dem später der Evangelische Männerdienst Eickel wurde. Im Jahre 1883 heiratete er Anna Sophia Westerhoff aus Krefeld. Aus dieser Ehe stammen die Söhne Georg-Wilhelm und Ernst-Christian, die im Krieg 1915 und 1916 fielen.

Kurz vor der Jahrhundertwende verkaufte Gustav Hegler für 18 500 Goldmark sein Haus an der Ecke Victoriastraße und Füsilierstraße, heute Hauptstraße/Martinistraße. Das Grundstück hatte er einst vom Landwirt Otter, gegenüber Lechtapes Besitz erworben. Bei dem neuen Besitzer, dem Schreinermeister Beck wohnte Gustav Hegler mit seinem Bruder noch lange Jahre zur Miete.


Nach seiner Pensionierung zog Gustav Hegler nach Herdecke. Die heimatgeschichtliche Forschung zog ihn aber immer wieder nach Eickel zurück.

Die Hinterlassenschaften Gustav Heglers, die Tagebuchblätter über seine Reisen in den Harz, in die Schweiz, nach Holland und an die Ostsee, Bad Dahm, enthalten bemerkenswerte Aufzeichnungen. Davon zeugt eine 42teilige Fortsetzungsreihe, die 1910 mit dem Titel "Der Harzwanderer und sein Freund" in der Siegener Zeitung "Das Volk" erschien. Minutiös hält er für die Nachwelt in seinen Notizbüchern Ereignisse fest, wie zum Beispiel: vom Strandkorb, den er im Nordseebad Katweijk mietete, bis hin zu der Feststellung, dass er im Ostseebad Dahm die Kirchgänger gezählt und danach ein Glas Milch getrunken hat.

Am 27. November 1917, morgens um 6.30 Uhr verstirbt Gustav Hegler nach schwerer kurzer Krankheit im St. Josefs-Hospital in Hagen im Alter von 65 Jahren. Die Beisetzung fand am Samstag dem 1. Dezember 1917 auf dem evangelischen Friedhof in Eickel statt.

Im Jahre 1952 ließ die Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. einen Grabstein mit der Aufschrift "Heimatforscher Gustav Hegler 1853 - 1917" auf dem Friedhof an der Richard-Wagner-Straße enthüllen. Der Rat der Stadt Wanne-Eickel beschließt am 3. März 1953 "einem großen Sohn unserer Stadt" im Ortsteil Eickel eine Straße nach ihm zu benennen, den Gustav-Hegler-Ring.

Die Grabstätte des Heimatforschers Gustav Hegler befindet sich auf dem Ev. Friedhof in Eickel an der Edmund-Weber-Straße / Richard-Wagner-Straße. Der Gedenkstein wurde durch den Steinbildhauer Alois Gockel errichte.

Am 3. März 1953 beschließt der Rat der Stadt Wanne-Eickel eine Straße nach dem Heimatforscher zu benennen, den Gustav-Hegler-Ring.



Am 6. Mai 1992 bringt der Lokalhistoriker Heinrich Lührig eine Idee zu Papier, den Eickeler Marktplatz wieder zum historischen Stadtteilmittelpunkt werden zu lassen, mit einem Denkmal zur Erinnerung an Gustav Hegler. Dieser Idee wurde seitens der Bevölkerung Eickels und der Kaufmannschaft recht positiv aufgenommen. Bei einer Bürgeranhörung im Oktober 1996 zur Neugestaltung des Marktplatzes fand diese konkrete Idee aus Geldmangel jedoch keine Verwirklichung.



Nach den Vorstellungen des Lokalhistoriker Heinrich Lührig
sollte der Eickeler Markt einmal so aussehen.
















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Quellennachweis:
Wanne-Eickeler-Zeitung aus den Jahren 1951, 1952, 1953, 1992.
Vortragsveranstaltung: Vor 75 Jahren starb Gustav Hegler, vortragender Manfred Hildebrand, Leiter des Stadtarchivs.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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