Wanne-Eickel-Historie


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Gottesacker-Leichenzug

Gebäude

Gottesacker – Leichenzug


Friedhöfe sind heutzutage keinesfalls nur Orte der Trauer, sondern vielmehr Orte der Erinnerung. Orte, an dem sich die Geschichte, aber auch die Kultur einer Stadt auf eindrucksvolle Art und Weise widerspiegelt. Historische Grabstätten sind nicht nur Zeugnisse vergangener Zeiten, sondern auch gesellschaftlichen Wandels und aktueller Entwicklungen. Ein Besuch über einen Friedhof in unserer Stadt kann mit unter zu einem Erlebnis werden und Recht spannend sein. Viele Namen die sie bisher nur von Straßennamen in der Stadt kannten begegnen ihnen hier. Dass diese Personen hier ihre letzte Ruhestätte fanden, haben die wenigsten gewusst. Die eindrucksvollen Grabstätten, der alte Baumbestand sowie die Stille und Ruhe dieses Ortes ziehen viele Besucher in ihren Bann.

Einer der ältesten Friedhöfe auf Wanne-Eickeler Gebiet ist der an der Lohofstraße in Eickel. Ältere Bürger bezeichnen ihn heute noch als „Alter Friedhof“. Vor über 180 Jahren, im Mai 1827, wurde die Nutzung des Gottesackers erstmals urkundlich erwähnt. Vor jener Zeit gab es lediglich den Friedhof um die alte Johann-Baptist- Kirche am Eickeler Markt.


Der "alte" Freidhof an der Lohofstraße in Eickel.

Der "neue" Friedhof an der Edmund-Weber-Straße in Eickel.

Der „Alte Friedhof“ war einer der üblichen „Dorffriedhöfe“, die nur mit einer Hecke umgeben waren. Weil die Bevölkerung des Dorfes Eickel rapide zunahm, mussten bereits frühzeitig, und zwar 1851, einige zusätzliche Grundstücke erworben werden. Im Jahre 1885 wurde der „Neue Friedhof“ der evangelischen Kirchengemeinde in Eickel an der heutigen Edmund-Weber-Straße eingeweiht. Seit 1975 steht hier eine Kapelle, in der die Trauerfeiern abgehalten werden. Das schlichte Holzkreuz am Eingang symbolisiert die Verbundenheit mit dem ehemaligen Bergbau. Es besteht aus Spurlatten, die von der 1973 geschlossenen Zechen Hannibal der Kirchengemeinde überlassen wurde.

Denkmäler und Grabsteine aus den Jahren 1833, 1840 und 1872, die Pfarrgräber Eickels, kunstvolle Grabsteine und mächtige Kastanien prägen das Bild des „Alte Friedhof“ an der Lohofstraße. Aus dem Jahre 1882 stammt das im südlichen Teil des Friedhofes stehende Denkmal der Zeche Pluto. Hier fanden 23 evangelische Männer, die bei einem Grubenunglück auf der Zeche Pluto-Thies ums Leben gekommen waren ihr letzte Ruhestätte. Im nordöstlichen Teil des Friedhofes befinden sich die Grabstätten ehemaliger Pfarrer der Eickeler Johannes-Kirchengemeinde. Für die in jüngerer Zeit verstorbenen Pfarrer des evangelischen Kirchengemeinde Eickel wurde ein neues Gräberfeld erstellt. Darüber hinaus errichtete man ein steinernes Kreuz, eine Stiftung des Wanne-Eickeler Steinbildhauer Alois Gockel.


Denkmäler und Grabsteine aus den Jahren 1833, 1840 und 1872 prägen das Bild des „Alte Friedhof“ an der Lohofstraße.

Das schlichte Holzkreuz am Eingang symbolisiert die Verbundenheit mit dem ehemaligen Bergbau. Es besteht aus Spurlatten, die von der 1973 geschlossenen Zechen Hannibal der Kirchengemeinde überlassen wurde.


Der Engel, ein Kunstobjekt von Jochen Schimpf-Andressen entstand im Oktober 2010. Er steht im zentralen Mittelpunkt eines Verweilplatzes am Rande eines Rasenurnengräberfeldes.

Trauer- und Bestattungskultur in Wanne-Eickel


Die Trauer- und Bestattungskultur in Wanne-Eickel hat sich seit jener Zeit wesentlich geändert. War die Bestattung lange Zeit allein Sache der Hinterbliebenen oder des sozialen Verbandes, sei es das Dorf, die Zunft oder ähnliche berufliche Verbände, kam im späten 19. Jahrhundert jenes Gewerbe auf, das bis heute den Ablauf einer Bestattung maßgeblich in seinen Händen hat - das Bestattungsunternehmen.

Die ersten kommerziellen Bestattungsunternehmen gingen meist aus Sargtischlereien oder Fuhrbetrieben hervor – also jenen Handwerken, die die Bestattungen zuvor als Nebengeschäft betrieben. Auslöser der Spezialisierung waren nicht zuletzt die immer zeit- und kostenaufwendigeren Leichentransporte zu den Friedhöfen. Neben der rein logistischen Abwicklung übernahmen die Bestatter allmählich auch zeremonielle Funktionen, die zuvor von anderen gesellschaftlichen Gruppen - vor allem der Kirche, aber auch den ehemaligen Zünften oder anderen Berufsverbänden - ausgeübt worden waren.


Aufmarsch eines Trauerzuges in der Bochumer Straße (heute Plutostraße) vor der Adler-Drogerie von Otto Kleffmann um 1930. Die Angehörigen tragen den Kindersarg unter großer Teilnahme zur Beerdigung.

Trauerunzug in der Stöckstraße in Höhe der Gerichtstraße um 1955.

Beerdigung des Bergmanns Wilhelm Heller von der Westfalenstraße im Jahre 1933. Bergleute in Bergmannstracht tragen den Sarg aus dem Trauerhaus.

Spielmannszug der Zeche Königsgrube während eines Trauerzuges. Die Spitze des Zuges passiert das Haus Westfalenstraße 19. Die Aufnahme entstand 1939.


Klassische Orte der Trauer waren das Haus des Verstorbenen mit dem Aufbahrungszimmer. Von hieraus ging der Leichenzug der Trauernden mit einer Kapelle, die hinter dem Sarg mit dem Leichnam hergingen, auf seinem letzten Weg zum Friedhof, um ihn dort zu beerdigen. (Für viele Zeitgenossen bewegte sich der Leichenwagen wie von Geisterhand.)




Trauerzug auf der Dorneburger Straße im Jahre 1939.

Trauerzug in der Herzogstraße in Höhe der Chemischenwerke Hüls um 1953.

Die Trauerkultur befindet sich gegenwärtig wieder einmal im Umbruch. Alte Traditionen werden endgültig aufgegeben. Neue Ausdrucksformen der Trauer sind im Entstehen begriffen. Sie sind in der Regel individualistischer als die manchmal doch recht starren Muster, die wir gekannt haben. So wie heute, hat sich auch historisch gesehen die Trauerkultur immer wieder entscheidend gewandelt – um 1800 ebenso wie im späten 19. Jahrhundert.


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Quellennachweis: Broschüre der evangelischen Kirchengemeinde Eickel: Friedhöfe in Eickel, 1988.
Königsgruber Bote: Ausgabe November 2007, Friedhöfe – Ort der Geschichte.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.




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