Wanne-Eickel-Historie


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Glas Grönegräs

Firmen mit Tradition

Mit Glas vertraut - Grönegräs


Im Jahre 1873 macht sich Wilhelm Grönegräs als Glaser, Maler und Anstreicher in Eickel an der Kaiserstraße, der heutigen Hauptstraße, Ecke Kanonierstraße, der heutigen Hirtenstraße selbständig. Eine ausgesprochen guter Zeitpunkt, denn damals nahmen im Ruhrgebiet viele Zechen ihren Betrieb auf. Verglasungen von Zechenbauten und Siedlungen stehen für den jungen Betrieb im Mittelpunkt. Rund 30 Mitarbeiter beschäftigt Wilhelm Grönegräs zu jener Zeit, einige Gehilfen wohnten sogar im Hause des Chefs an der Kaiserstraße 31, der heutigen Hauptstraße.


Die um 1890 entstandene Aufnahme zeigt die Familie Grönegräs aus Eickel vor einer Werbewand. Das Unternehmen zählte zu den ältesten der Stadt.















Sein Sohn, Maler- und Glasermeister Fritz Grönegräs, erweitert die Werkstätten an der Königstraße 8 und richtet es ganz auf Flachglasbe- und Verarbeitung aus.

Im Zweiten Weltkrieg werden die Werkstätten zerstört. Der Wiederaufbau wird 1948, zum 75jährigen Firmen Jubiläum fertig. Ein Jahr später wird ein Filialbetrieb in Herne angemietet.


Firmenlogo von 1971 und 2010.

Im Jahre 1953 beschäftigte das Glasunternehmen folgende Mitarbeiter:


Herr Quickels der Meister des Betriebs, feierte 1951
sein 40jähriges Arbeitsjubiläum.


Herr Bednarski, seit 17 Jahre Glasermeister, zuständig für den Glaszuschnitt und die Lagerhaltung.


Herr Blömeken, seit 22 Jahre Kunstglasermeister, er leitet
die Bleiglaserei.


Herr Kaczmarek, seit 24 Jahre im Betrieb, zuständig für
den Facettenschliff.


Herr Verweyst, seit 13 Jahren im Betrieb, zuständig für
den Glasschliff, ging bei Grönegräs in die Lehre.


Frau Wittenhorst, seit 11 Jahren im kaufmännischen Dienst des Unternehmens, Leiterin des Herner Büros.

Herr Wittland, der Spezialist für Glasversicherungen.

Im Jahre 1957 baute die Firma auf den alten Feuerwehrplatz an der Friedgrasstraße einen neuen Betrieb. Doch der Neuanfang war schwer. Bevor die neuen Geschäftsräume fertig waren, machte die Baufirma pleite. Fritz Grönegräs stellte kurzentschlossen Polier und Maurer ein, damit es ohne Verzögerung weiterging.

Um das zentrale Glaslager gruppierten sich: Glasschleiferei, Spiegelbelegerei, Sandmattieranlage, Schildermalerei, Bleischleiferei mit Glasmalerei, Reparaturstand, Büro und Verkauf.


Werbeanzeigen der Firma Grönegräs:


Werbeanzeige aus dem Jahre 1955.

Werbeanzeige aus dem Jahre 1959.

"Grönegräs repariert jede Scheibe", so warb der Betrieb lange Zeit. Doch die klassischen Verglasungen sind mit den Jahren in den Hintergrund getreten berichtete Wolf Grönegräs in einem Interview im Oktober 1995: "Heute stellen wir Produkte her, die man zur Urgroßvaters Zeiten noch gar nicht kannte." Dennoch wurde die Techniken von anno dazumal von den Mitarbeitern perfekt beherrscht.

Blick in den Handwerksbetrieb, aufgenommen im Oktober 1995, von links nach rechts im Bild: Markus Born, Wolf Grönegräs, Osman Türker und Katarina Goebel.

Für fachliche Tradition und modere Leistungsfähigkeit war der Eickeler Glasbetrieb weit über die Stadtgrenzen bekannt. Im Jahre 1994 erhielt die letzte Glasätzerei in Deutschland, die Firma Grönegräs, die laut eigenen Angaben 7 Mitarbeiter beschäftigte, für ihr außergewöhnliches Glastürdesign einen Preis bei der Fachmesse "Glastec".





















Musterschau in klassischer Handwerkskunst
in den Ausstellungsräumen Friedgrasstraße 18.

Im Jahre 2011 kam dann dass plötzliche "Aus". Nach 138 Jahren schloss das Glasunternehmen in der Friedgrasstraße 18 in Eickel seine Pforten. Der letzte Firmeninhaber Wolf Grönegräs verstarb am 3. April 2017 im Alter von 67 Jahren.

Blick auf die Werkshalle in der Friedgrasstraße 18 im Stadtteil Eickel, aufgenommen im Juni 2017.


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Quellennachweis:
Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel, 1906.
Einwohnerbuch für die Stadt Wanne-Eickel, 1937.
Bühn, Josef: Kultur- und Wirtschafts-Chronik für Wanne-Eickel, Kunstverlag München 1971. Tageszeitung aus dem Jahre 1953 und 1995.
Interview mit Sonja Grönegräs im Juni 2017.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig, Walther Müller, Sonja Grönegräs.



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