Wanne-Eickel-Historie


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Gedenkstein für Gustav Werner

Denkmäler

Geschichte eines Gedenksteins


In der Zeit der Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen wurde am 17. August 1923 der Gründungssenior des katholischen Gesellenvereins Röhlinghausen, Gustav Werner an der Unterführung Friedrichstraße – Rolandstraße, der Köln-Mindener Bahnstrecke, von der Kugel eines französischen Wachpostens tödlich getroffen. Der damals 34 jährige Schreiner Gustav Werner trug in Begleitung seiner Schwester in den Abendstunden, wie vorgeschrieben, ein brennendes Licht (Laterne). Der französische Posten auf der Eisenbahnbrücke rief Gustav Werner an. Dieser hatte den Halteruf wohl nicht verstanden und ging weiter. Daraufhin schoss der Soldat, und sein Schuss war tödlich. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde Gustav Werner ein paar Tage später auf dem Friedhof an der Parkstraße, heute Günnigfelder Straße, beigesetzt. In einem Zeitungsbericht vom 26. August 1923 heißt es u. a.:

Noch nie hat der Ort eine Beteiligung solchen Umfangs gesehen. Alle Konfessionen, alle Berufe, jung und alt, alle kirchlichen und weltlichen Vereine mit ungefähr 30 Fahnen, die Gemeindeverwaltung, die Geistlichkeit beider Konfessionen hatte sich eingefunden. Die umliegenden Werke und Zechen waren durch Abordnungen vertreten, voran schritt geschlossen die Belegschaft der Zeche Pluto, Schacht Thies, deren Mitglied der Verstorbene war…

Während der lange Zug sich durch die Straße bewegt, läuteten die Glocken beider Kirchen. Auf dem Weg bildete eine große Menschenmenge Spalier. Der alte katholische Friedhof konnte die Teilnehmer nicht fassen.“














Der katholische Gesellenverein Röhlinghausen marschierte am Sonntag, dem 9. September 1934, nachmittags zu dem Gedenkstein an der Friedrichstraße, um dort einen Kranz zu ehren von Gustav Werner niederzulegen.


Anlässlich des 10. Todestages von Gustav Werner wurde am 13. August 1933 an der Unglücksstelle Friedrichstraße ein Gedenkstein, ein Findling aus schwedischem Granit, enthüllt. Der katholische Gesellenverein, der diesen Stein gekauft hatte, wollte damit seine Treue und Verbundenheit zu seinem ersten Senior ausdrücken (Gustav Werner hatte den katholischen Gesellenverein Röhlinghausen bis 1920 geleitet). Als die Parteiführung der NSDAP in Wanne-Eickel von dem Vorhaben der Röhlinghauser Gesellen Nachricht erhielten, schalteten sie sich ein. Sie bestimmten jetzt die die Inschrift auf dem Gedenkstein und stellten den Festredner bei der Enthüllung des Steins am 13. August 1933. Der katholische Gesellenverein durfte in Reih` und Glied mitmarschieren. Die erste Inschrift lautete:


„Hier wurde am 17. 8. 1923 Gustav Werner
Von der Kugel eines französischen Wachpostens
Meuchlings erschossen.“

Als der Krieg zu Ende war, wollte die Kolpingfamilie St. Barbara in Röhlinghausen die Gedenkstätte ihres ersten Seniors wieder herrichten. Die Verwaltung der Stadt Wanne-Eickel gab aber dazu keine Erlaubnis, weil der Platz zum Bauen benötigt wurde. Der Gedenkstein wurde jedoch von der Kolpingfamilie aufbewahrt und die alte Inschrift entfernt. Am 30. August 1959 wurde dann der Gedenkstein anlässlich des 50jährigen Bestehens der Kolpingfamilie St. Barbara Röhlinghausen auf dem katholischen Gemeindefriedhof neu enthüllt. Dieser Gedenkstein, der auch heute noch an einer markanten Stelle des Friedhofs steht, gilt dem Gedenken aller Verstorbenen der Kolpingfamilie. Die Inschrift der Tafel lautet:

Zum stillen Gedenken an den I. Senior G. Werner
und alle Verstorbenen der Kolpingsfamilie St. „Barbara.“


Der 1959 errichtete Gedenkstein der Kolpingfamilie St. Barbara in Röhlinghausen auf dem katholischen Friedhof an der Günnigfelder Straße.

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Die Inschrift der Tafel.


Quellennachweis: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, 2. erweiterte Auflage, Herne 1997, S. 163 ff und 198 ff. Wanne-Eickeler General Anzeiger vom 26. August 1923.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig



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