Wanne-Eickel-Historie


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Gasanstalt Eickel Wanne

Gebäude

Als das Gas in die Gemeinden kam - Die Gasanstalt Eickel Wanne


Im Jahre 1850 sah es in den Gemeinden der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel buchstäblich zappenduster aus. In den Gassen und Straße konnten nur ortskundige Nachschwärmer ihren Weg sicher ins heimatliche Gefilde finden. Eine öffentliche Straßenbeleuchtung kannte man bis dahin noch nicht. Vor den Häusern brannte gelegentlich eine Öl- oder Petroleumlampe, die von den Anwohnern unter Eigenkosten betrieben wurde. Diese Privatlampen flackerten natürlich nur in den Wintermonaten - und das auch nur bis zu Beginn der Nachtruhe ab 22 Uhr. Wer im Gasthaus die Zeit verpasst hatte, dem gab der Wirt eine Stalllaterne mit auf dem Heimweg.

Die ersten Deutschen Städte mit Gaslaternen waren Hannover (1825) und Berlin (1826). Im Jahre 1828 folgten Dresden und Frankfurt, 1838 Aachen und Leipzig. Im Jahre 1850 verfügten bereits 26 deutsche Städte über Gasanstalten, darunter Stuttgart, Hamburg, Breslau, Düsseldorf, München und Mannheim.

Bereits im Jahre 1870 versuchten Eickeler Bürger unter Bezugnahme auf die Nachbarstadt Bochum, in der schon Straßenbeleuchtung (1856) vorhanden war, den Gemeinderat für die Einrichtung einer öffentlichen Beleuchtung zu gewinnen. Der Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, die Kosten wären zu hoch.

Erst 1872 wurde dieser Plan von den damals noch eigenständigen Gemeinden Eickel, Wanne und Röhlinghausen im Zusammenhang mit der Errichtung einer Gasanstalt in Angriff genommen. Das Gas sollte in einer zu errichtenden Anstalt an der Viktoriastraße, der heutigen Hauptstraße 89 hergestellt werden. Die Gasanstalt baute die Kommanditgesellschaft Brand & Co. aus Hamm, die auch für den Vertrieb jegliche Rechte für sich in Anspruch nahm. Der Vertrag wurde am 21. August 1872 mit dem Direktor und Gas-Ingenieur Brand und der Gemeinde Eickel abgeschlossen.

Ein Jahr später, im Jahre 1873 fiel der "Gas - Startschuss" für die Gemeinden. Davon profitierten vor allem die Zechen: Hannibal, Hannover, Königsgrube und Pluto. Die Abnahme der Privathaushalte blieb wegen fehlenden Rohrleitungen schwach, ebenso die Straßenbeleuchtung.

Der Betrieb der Gasanstalt wurde 25 Jahre von einem Gasmeister geleitet, bis am 1. Oktober 1898 die Eickeler Gasanstalt nebst dem vorhandenen Rohrnetz in den Besitz der Kölner Aktiengesellschaft für Gas und Elektrizität überging. Sie vergrößerte die Gasproduktion und baute neben den ersten Gasspeicher, Fassungsvermögen 6000 Kubikmeter, einen zweiten Gasspeicher von 18 000 Kubikmeter Fassungsvermögen.


Ansicht des ersten Gasbehälter mit einem Fassungsvermögen von 6000 Kubikmeter von der heutigen Harkortstraße aus gesehen, um 1920.

Ansicht der zwei Gasbehälter der Gasanstalt Eickel im Jahre 1932. Der linke Gasbehälter hatte ein Fassungsvermögen von 18 000 Kubikmeter Gas.

Am 19. August 1899 wurde zwischen den Gemeinden Wanne und Röhlinghausen und der Gesellschaft der erste Gaslieferungsvertrag abgeschlossen, der eine Gültigkeit bis zum 31. Dezember 1925 hatte. Vertraglich wurde den Gemeinden zugesichert den Vertrag, nach vorausgegangener einjähriger Kündigung am 1. Januar 1910, 1915, 1920 und 1926 käuflich zu erwerben.

Nach übernahm des Gasgeschäfts durch die Kölner Aktiengesellschaft für Gas und Elektrizität wurde das Rohrnetz bis 1903 auf 40 Kilometer Länge ausbaute und die Straßenbeleuchtung in Schwung brachte. Während der Gasverbrauch für das Jahr 1882 ca. 450 000 Kubikmeter betrug, lieferte die Gasanstalt im Jahre 1902 bereits 1,35 Millionen Kubikmeter Gas.

Durch die hohe Nachfrage seitens der Bürger nach Gas, wurde das Rohrnetz immer weiter ausgebaut. Im gleichen Jahr bekam die Gasanstalt einen neuen Retortenofen.

Als dann im Jahre 1909 in den Gemeinden Eickel, Wanne und Röhlinghausen die elektrische Glühbirne eingeführt wurde, übernahmen die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) mit Sitz in Bochum das Gasgeschäft. Die Produktion an der heutigen Hauptstraße wurde eingestellt. Das Gas kam fortan von der Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen. Zu diesem Zwecke wurde eine Rohrleitung von 7500 Metern Länge von der Kokereianlage zur Gasanstalt in Eickel gebaut.

Die zwei alten Gasspeicherbehälter blieben jedoch weiterhin in Betrieb und sorgten für den nötigen Druckausgleich. Erst als das Erdgas aus der Nordsee, aus Russland und aus Norwegen strömte, wurden sie abgebrochen.
























Eine ungewöhnliche Perspektive, die zwei Gasspeicherbehälter mit dem Kirchturm der Zwölf-Apostel-Kirche von der Harkortstraße aus gesehen im Jahre 1948.


Blick in die Hauptstraße in Richtung Wanne, um 1950. Am linken Bildrand befindet sich das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Wanne-Eickel.

Blick in die Hauptstraße von der Röhlinghauser Straße (links im Bild) aus in Richtung Wanne mit dem Verwaltungsgebäude der Stadtwerke (Hauptstraße 89) und den zwei Gasspeicherbehältern, aufgenommen um 1953.

Die Elektrizitäts- und Gasversorgung (VEW) Wanne-Eickel an der Hauptstraße 89, aufgenommen um 1955.

Die gleiche Perspektive, aufgenommen im März 2016 zeigt am rechten Bildrand das Gebäude der Polizeiwache Hauptstraße 99. Im Bildhintergrund der REWE Markt Mokanski.

Mitte der 1960er Jahre waren im ehemaligen Wanne-Eickel noch 10 000 Gaslaternen, ausgestattet mit einem Glühstrumpf im Einsatz. Sie wurden nach und nach auf energiesparendes Neonlicht umgerüstet. Eine weitere Umstellung erfolgte im Jahre 1975, die Kokereigasversorgung wurde durch Erdgas abgelöst.

Gaslaternen, ein Spiegelbild der Zeitgeschichte

Mit den Gaslaternen entstand ein neues Berufsbild: der Laternenanzünder. Bei Einbruch der Dunkelheit sah man die Laternenanzünder durch die Straßen der Gemeinden huschen. Mit Hilfe langer Stangen bzw. auf Leitern stehend entfachen sie Abend für Abend das Gaslicht. Später wurde das An- und Ausschalten der Laternen mit wechselndem Druck in den Leitungen und einem ausgefeilten Mechanismus in den Laternen geregelt.

Vor dem Schuhgeschäft Stengel, Eickeler Markt 7, befindet sich eine eckige Gaslaterne mit Werbeaufschrift des Herrenausstatters " Sally Baum", Eickeler Markt 6, aufgenommen um 1905.

Das Eckgebäude der heutigen Hauptstraße, Gerichtsstraße, zeigt den Gasthof "Zum Fürsten Bismarck", später Haus des Handwerks, heute Paracelsus-Apotheke, sowie eine eckige Gaslaterne, aufgenommen um 1906.

Blick in die Bahnhofstraße, die heutige Hauptstraße, in Höhe der heutigen Mozartstraße, um 1911.

Vor dem Eickeler Fachwerkhaus in der Marienstraße 15 eine runde Gaslaterne, aufgenommen im Jahre 1913.

Blick in die Stöckstraße in Richtung Gerichtsstraße, aufgenommen um 1930. Hier spendete die Gaslaterne den Bürgern ein helles, gold-gelbes, warmes Licht.

Alt und neu friedlich neben einander, aufgenommen in Crange, um 1965. Die dunkelgrüne Gastlaterne, im Hintergrund, die oben wie ein altmodischer Astronautenhelm aussah, wurde ersetzt durch die elektrische Leuchte im Vordergrund.

Die Elektrizitäts- und Gasversorgung Wanne-Eickel, ging im Zuge des Zusammenschlusses der Städte Wanne-Eickel und Herne am 1. Januar 1976 auf die Stadtwerke Herne AG. über.

Heute ist Herne an das leistungsfähige und weit verzweigte europäische Erdgas-Verbundnetz angeschlossen, das Gasnetz beträgt heute im gesamten Stadtgebiet ca. 400 Kilometer. Jeder Herner Bürger verbraucht heute ca. 7000 Kilowattstunden Gas im Jahr.

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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Amt Wanne: 50 Jahre Amt Wanne, Wanne 1925.
Stadt Wanne-Eickel: Fünfzig Jahre Stadtwerke Wanne-Eickel Aktiengesellschaft, 1905 - 1955.
Stadtwerke Herne: 100 Jahre Stadtwerke Herne AG. Herne 2002.
Siehe auch: http://www.stadtwerke-herne.de


Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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