Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Gartenstadtsiedlung

Gebäude

Gartenstadt in Eickel


Die deutsche Gartenstadtbewegung bewarb in Reaktion auf die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse des 19. Jahrhunderts seit 1902 den in England geprägten Gedanken, der durchgrünten Kleinhaussiedlung. In Eickel wurde dieser Gedanke ab 1912 vom damaligen Amtmann Karl Berkermann übernommen, der von 1897 bis 1918 in Eickel wirkte.

Die Initiatoren der Gartenstadtsiedlung in Eickel, um 1920. In der Bildmitte, untere Reihe sitzend Amtmann Karl Berkermann.

Im Amt Eickel ging man 1912 daran, die ersten Wohnsiedlungen im grünen - als Gartenstadt zu errichten. Das Gelände im heutigen Eickel war als Kuhkamp bekannt. Der Kuhkamp war der Ort, an dem die Kühe auf eingefriedeten Grundstücken weideten. Im Jahre 1787 wird das "Gehöltz der Kuhkamp … nach dem Hause Nosthausen gehörig" genannt. Es war eine sumpfige, morastige Mulde, die bei jedem stärkeren Regenfall nahezu unwegsam war.

Blick auf die Ecke Veilchenweg und Kuhkampweg.

Blick auf den Dorneburger Mühlenbach vom Tulpenweg aus gesehen, im März 2015.

Plan von Wanne und Eickel im Jahre 1925. Die kartographische Darstellung zeigt in einem Ausschnitt die Gartenstadtsiedlung in Eickel.

Ansicht der Gartenstadtsiedlung in Eickel, um 1916.

Hochansicht der Gartenstadtsiedlung in Eickel, um 1920.

Bis 1912 war auch der untere Heisterkamp, damals noch Manteufelfelstraße genannt und ein Teil der Königsstraße, bei stark Regen überschwemmt und damit unpassierbar, das man für die Fußgänger Holzbrücken bauen musste, um sie trockenen Fußes passieren lassen zu können.

Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde das Wasser durch Rohre abgeleitet und in den nahen Dorneburger Mühlenbach gepumpt. Als Vorbereitung für die Schaffung einer Gartenstadtsiedlung legte man die Flächen später trocken.

Im Jahre 1912 gab Amtmann Berkermann den Startschuss zum Bau einer Siedlung im Grünen. In drei aufeinanderfolgende Bauabschnitte wurde die auf dem Kuhkamp liegende Siedlung errichtet. In den Tageszeitungen erschienen Aufrufe, Interessenten mit einem Eigenkapital von 1000 Mark, die ein Eigenheim bauen wollten, möchten sich melden. Zum Vergleich: 1000 Mark, damals eine immense Summe, verdiente doch ein Bergmann 4,90 Mark pro Schicht.

Da die Häuser in der Gartenstadtsiedlung mit 8500 bis 10 000 Mark veranschlagt waren, erbot sich die Amts-Sparkasse Eickel, die Differenzsumme zum Zinssatz von 3,5 v.H. als unkündbare Hypothek zur Verfügung zu stellen.

Das Echo der Eickeler Bevölkerung war überwältigend. Schon bald entstanden die ersten Häuser in der nördlichen Gartenstadt am heutigen Krokusweg der ehemaligen Jahnstraße, am Narzissenweg der ehemaligen Leipziger Straße, am Veilchenweg der ehemaligen Yorkstraß sowie am Nelkenweg der ehemaligen Tauroggenstraße. In den Jahren 1913/14 folgte die Bebauung in der Katzbachstraße dem heutigen Tulpenweg und der Kleiststraße dem heutigen Ahornweg sowie in der Hardenbergstraße, dem heutigen Gladiolenweg.

Alle Straßen erhielten am 11. April 1913 ihren "alten Namen". Erst im November 1947 wurden die Straßenbezeichnungen in der "Gartenstadt" nach Blumenarten umbenannt.


Blick in die ehemalige Jahnstraße, der heutige Krokusweg, um 1915 links und um 1920 rechts im Bild.

Der Krokusweg, aufgenommen im März 2015.

Blick in die ehemalige Jahnstraße, der heutige Krokusweg, um 1920 links und um 1925 rechts im Bild.

Der Umfang der Bautätigkeit in der Siedlung war beachtlich. So wurden allein in den Jahre 1913 und 1914 achtzig neue Häuser erbaut.

Blick in die ehemalige Lützowstraße, der heutige Asternweg, um 1920.

Blick in die Katzbachstraße, der heutige Tulpenweg, um 1920.

Der Erste Weltkrieg brachte für die "Häuslebauer" eine Zwangspause. Der Bauherr die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten, Abteilung Bergmannssiedlung Gelsenkirchen schloss sich 1921/22 im Süden an die schon vorhandene Planung an. Zu gleicher Zeit baute die Kriegsbeschädigten-Organisation an der Prälat-Schneider-Straße.

So entstanden zwei- und drei-Familienhäuser an der ehemaligen Bülowstraße dem heutigen Dahlienweg, in der Katzbachstraße dem heutigen Tulpenweg und wieder am Veilchenweg. Die geschifteten Walmdächer, die achsiale Anordnung der Fassaden erinnert an die Krupp'schen Steigerhäuser an der Eickeler Straße.

Während des Zweiten Weltkrieges blieben die Siedlungshäuser weitgehend erhalten. Im Jahre 1947 schlossen sich einige Wanne-Eickeler Bürger zu einer Siedler- und Aufbaugemeinschaft zusammen. Hieraus wurde im Jahre 1950 die Wohnungsbaugenossenschaft. Sie begann 1949 mit dem Bau der Eigenheime im Sonnenblumenweg. Im Jahre 1952 folgten die Häuser am Rosenring. Die Straße führt ringförmig um den westlichen Teil der Gartenstadt.

Neubauten im Sonnenblumenweg, im Mai 1950.

Vereinzelte Schäden die der Zweite Weltkrieg in der Gartenstadtsiedlung hinterließ, wurden mit den Jahren behoben, vorhandenen Baulücken wurden mit Ersatzneubauten geschlossen. Einzelne Häuser wurden von ihren Bewohnern individuell erweitert oder renoviert.

Im Jahre 1961 war die Bebauung in der Gartenstadt mit insgesamt 252 Häusern auf einer Fläche von 14,85 ha bei einer Geschoßhöhe von 1 bis 2 1/2 abgeschlossen.


Hochansicht auf die Kreuzung Holsterhauser Straße links, Narzissenweg rechts und in der Bildmitte der Rosenring, aufgenommen
im Oktober 1961.

Blick auf den Kreisverkehr der Dahlienstraße und dem Veilchenweg aufgenommen im März 2015.

Blick auf die Ecke Nelkenweg links und Asternweg rechts im Bild, aufgenommen im März 2015.


Blick auf die Ecke Dahlienweg links und Tulpenweg rechts im Bild, aufgenommen im März 2015.


zurück...


Quellennachweis:
Tagespresse aus dem Jahre 1950.
Bollerey, Franziska / Hartmann, Kristiana: Abgewandte Stadtforschung, Herne 1980.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit, Herne 1984.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten, Zaltbommel/Niederlande 1992.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.
Interview mit Frau Kleinert aus Eickel, im November 2014.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig. Plan von Wanne und Eickel 1925 - Verlag des Amtes Wanne, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü