Wanne-Eickel-Historie


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Friedrich Steffen

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Verantwortlich für die Finanzen unserer Stadt – Friedrich Steffen


Friedrich Steffen wurde am 17. März 1919 im Amt Wanne geborene. Seine Schulzeit begann 1926 an der Ostschule, später folgte das heutige Gymnasium Eickeler.

Klassenfoto der Schüler der Ostschule in Wanne im ersten Schuljahr, aufgenommen im März 1926. In der oberen Reihe, dritter von rechts (X), Friedrich Steffen.

Nach Abitur im Jahre 1937 folgte sein Arbeits- und Wehrdienst, an den sich die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg anschloss.

Seine Laufbahn bei der Verwaltung der Stadt Wanne-Eickel begann in der Nachkriegszeit im Jahre 1945. In diesem Jahr trat er auch der SPD bei.

Im Jahre 1947 begann Friedrich Steffen berufsbegleitend ein Studium der Kommunalwissenschaften an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Bochum, das er 1951 nach sieben Semestern mit dem Kommunaldiplom abschloss. Gut 15 Jahre später studierte er Wirtschafts- und Politikwissenschaften an der neuen Ruhr-Universität in Bochum.

Von 1947 bis 1951 wurde ihm die Leitung des Städtischen Kultur- und Presseamtes übertragen. Ebenfalls 1947 übernahm er Leitung und Aufbau der Volkshochschule (VHS). Es ist bis 1964 sein Werk, dass die VHS eine Strahlkraft weit über die Grenzen von Wanne-Eickel hinaus hatte. Am 24. Mai 1955 wurde Friedrich Steffen durch den Rat der Stadt Wanne-Eickel einstimmig zum Stadtkämmerer gewählt.


Am 24. Mai 1955 wird Friedrich Steffen zum Stadtkämmerer durch den Rat der Stadt Wanne-Eickel einstimmig gewählt. Auf dem Bild von rechts nach links: Friedrich Steffen, Oberbürgermeister Edmund Weber und Oberstadtdirektor Dr. Wilhelm Elbers.

Im Jahr 1956 hat Friedrich Steffen bei der Bildung der NRW-Landesregierung die Bitte des designierten Ministerpräsidenten Fritz Steinhoff MdL (SPD, Hagen) das Amt des Finanzministers zu übernehmen mit den Worten: "In Wanne-Eickel, meiner Heimatstadt, bin ich tief verwurzelt und es gibt in meinen Ämtern für mich noch viel zu tun" nicht entsprochen. Finanzminister wurde danach Willi Weyer MdL (FDP).

(Weitere) Wichtige Stadtionen der Biographie von Friedrich Steffen:

  • 1951 bis 1974 Finanz- und Kulturdezernent.
  • 1956 bis 1973 Vorsitzender im Finanzausschuss des Landesverbandes der Volkshochulen in Nordrhein-Westfalen.
  • 1960 bis 1963 Landessozialrichter beim Landessozialgericht in Essen.
  • 1967 bis 1975 Jurymitglied für den Adolf-Grimme-Preis, der zu den renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehsendungen in Deutschland gehört.
  • 1966 Verleihung des Eisernen Steuergroschen vom Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen
  • 1971 bis 1976 Mitglied des Kulturausschusses des Städtetages in NRW.
  • 1972 bis 1984 Ehrenamtlicher Richter beim Bundessozialgericht in Kassel.
  • 1975 bis 1979 Stadtkämmerer der Stadt Herne nach dem Zusammenschluss mit Wanne-Eickel.


Als Kulturdezernent der Stadt Wanne-Eickel förderte Friedrich Steffen zahlreiche Kunstschaffende wie Bruno Unkoff, Edmund Schuitz, Günter Dworak, Helmut Bettenhausen usw. Als Leiter der VHS hatte er großen Anteil an der Platzierung des Kunstwerks "Zwiegespräch" von Bruno Unkoff im Innenhof der Stadtbücherei Wanne, das im Jahre 1958 aufgestellt wurde ( s. Film).
























Die Bronzebüste von Friedrich Steffen vom Künstler
Bruno Unkoff. Die Büste befindet sich
heute im Emschertalmuseum.

Als Diskussionsleiter ging Friedrich Steffen 1968 in die Politische Geschichte ein mit dem legendären Streitgespräch zwischen dem Studentenführer Rudi Dutschke und Johannes Rau, damals Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der SPD Landtagsfraktion.

Rudi Dutschke (1940-1979) eine der charismatischsten Führungspersonen der 1968er Studentenbewegung und der Anti-Vietnam-Proteste, nahm als Soziologiestudent und Führungskraft des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) an zahlreichen Podiumsdiskussionen teil, um für die Politik der APO (Außerparlamentarische Opposition) zu werben.

In Wanne-Eickel hatte Helmut Hellwig (1933-2016), Landesgeschäftsführer der SJD "Die Falken", die Idee, Dutschke in das "Aktuelle Forum" für Politik und Bildung zu holen, das er in den 1960er Jahren ins Leben gerufen hatte. Die Veranstaltung sollte im Städtischen Saalbau stattfinden. Den Kartenvorverkauf übernahm die Westfälische Rundschau Wanne-Eickel, Eintrittspreis 1,- DM.
























Das Plakat für die Veranstaltungsreihe "aktuelles forum", im städtischen Saalbau Wanne-Eickel, Sonntag, den 4. Februar 1968, 11 Uhr.

Das aber verhinderte der damalige Oberstadtdirektor Alfred Hufeld (1910-2009) mit den Worten: "Der Saalbau ist eine kulturelle Einrichtung, wohingegen es sich beim Dutschke-Rau-Streitgespräch offensichtlich um eine politische Veranstaltung handelt."

Als der Protest gegen Alfred Hufeld in Wanne-Eickel hohe Wellen schlug, bot dieser schließlich das Volkshaus Röhlinghausen an. Helmut Hellwig lehnte ab und buchte die Wattenscheider Stadthalle. Entgegen der allseits geschürten Befürchtungen verlief die Veranstaltung absolut friedlich. 1.700 Menschen drängten sich in die Stadthalle, darunter viele Hunderte Wanne-Eickeler, und lauschten einer äußerst engagierten, dreistündigen Diskussion unter der Leitung von Kulturdezernent Friedrich Steffen.


Dieses Foto zeigt das legendäre Streitgespräch zwischen dem Studentenführer Rudi Dutschke und dem jungen Johannes Rau. In der Bildmitte, als Moderator der Diskussion der Wanne-Eickeler Stadtkämmerer und Kulturdezernent Friedrich Steffen.

Friedrich Steffen war Ehrenvorsitzender der Verkehrswacht Herne und Mitglied verschiedener Vereine; so übernahm er wichtige Aufgaben im erweiterten Vorstand der 1925 gegründeten Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel.





















Stadtkämmerer der Stadt Herne, Friedrich Steffen im Oktober 1978 in seinem Dienstzimmer. Im Hintergrund Werke von Marc Chagall und Bruno Unkoff.

Für viele unerwartet verstarb Friedrich Steffen im Alter von 81 Jahren am 10 September 2000. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem evangelischen Friedhof in Wanne-Mitte.



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Quellennachweis:
Tagepresse aus dem Jahre 1951, 1956 und 1968.
Wer Ist wer? Das deutsche Who`s who. Bundesrepublik Deutschland und West Berlin. Schmidt, Römhild,
Ausgabe 1994/95, Verlag: Lübeck 1994.
Interview mit dem ehemaligen Landtagsabgeordneten Frank Sichau aus Wanne, Juli 2017.

Fotoveröffentlichung:
Mit freundlicher Genehmigung durch: Frank Sichau.



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