Wanne-Eickel-Historie


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Franz Hüppmeier

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Die Wanne-Eickeler Catcherlegende Franz Hüppmeier


Catch-as-catch-can", die brutal-grotesken Ringkämpfe der männlichen Kolosse auf den Brettern der Schaubuden waren die Publikumsmagnete vibrierender Nachkriegshektik vor den Augen illusterer Gäste. Und je barbarischer die Catcher sich gebärdeten, umso höher schäumte die Begeisterung und kletterte die Gage.

Einer dieser brutal-grotesken Ringkämpfer, eingeweiht in der hohen Kunst des Knochenbrechers, war kein geringerer als das Wanne-Eickeler Catcher As Franz Hüppmeier.

Er war einer der schillerndsten Persönlichkeiten des Cranger Kirmes-Milieus. Franz Hüppmeier oder "Iwan Romanow der Schreckliche", der "Russische Catchmeister", aus der Magdeburger Straße in Eickel, gehörte zu Wanne-Eickel wie das Emscherpferd. Ohne ihn wären 21 Jahre Cranger Kirmes-Geschichte - von 1953 bis 1974 - langweilig und ohne Pep verlaufen.

Im Jahre 1947 begann Franz Hüppmeier (Jahrgang 1929) seine Ringer-Karriere beim 1928 gegründeten KSAV (Kraftsport- und Artistenverein) Olympia Wanne im Kneipensaal der Gaststätte "Meistertrunk" in Eickel. Nach dem Gewinn verschiedener Meisterehren im griechisch-römischen Stil auf Kreis-, Bezirks und Bundesebene ging der damalige Bergmann 1953 das erste Mal in die Catcherbude der Cranger Kirmes und legte prompt "Sandor Nagy Budapest" aufs Kreuz - einen Catcher der Superklasse. Hüppmeier wurde auf der Stelle als Catcher engagiert.

"Gleich holte ich meine Papiere vom Pütt ab", erzählt er. "Ich verdiente in einer Woche auf dem Rummel mehr als in einem Monat auf der Zeche!"

Der Wanne-Eickeler machte Karriere. Im Jahre 1956 bereiste er mit seinem "Schüler" Friedhelm Zolnowski (Gastwirt bis 1979 im Igel, Am Alten Amt) Asien und kämpfte für harte Dollar gegen die schwergewichtigen japanischen Sumo-Ringer.

"Als meine Kumpel noch im Freibad Grimberg ihren Urlaub verbrachten, war ich schon in Singapur, Karatschi, Kairo und Bangkok. Ich bin rund um die halbe Welt gefahren."


Der Catcher König Franz Hüppmeier, aufgenommen im November 1985.

21 Jahre als Berufs-Catcher mit rund 17 000 Kämpfen sind es geworden. Als Kampfgewicht hatte Hüppmeier immer seine 220 Pfund und war dabei gelenkig wie ein Schlangenmensch.

Hüppmeier war der "schwarze Teufel", der seine Gegner bespuckte, trat, an den Haaren riss und mit Kopfnüssen traktierte, sie aus dem Ring ins Publikum warf, ihnen reihenweise zu einem Krankenhausaufenthalt verhalf. Er war aber auch der "weiße Engel", dem das Publikum die schweißnasse Brust abwischte und auf den Schultern aus der "Arena" trug.




Franz Hüppmeier war ein Lebenskünstler, wie wir im Ruhrgebiet sagen. Er liebte großkrempige Hüte, dunkle Nadelstreifenanzüge, Hemden mit goldenem Kragenbeschlag, schwarz-weiße Lackschuhe und seinen gepflegte geschnittenen graumelierten Rauschebart. Auffällig auch, sein kleiner linker Ringfinger mit einem goldenen ca. 100 Gramm-Ring. Um den Hals trug er eine goldene Halskette mit einem Drudenfuß (…ist dem gleichnamigen Zeichen einem Pentagramm nachempfunden. Es ist ein Stern mit fünf Spitzen, ein uraltes Schutzsymbol, das für Urkraft, Instinkt und Leidenschaften steht).












Franz Hüppmeier liebte dunkle Nadelstreifenanzüge und großkrempige Hüte.

Was aus der einstmals großen Wanne-Eickeler Catcherlegende geworden ist weiß die Nachwelt nicht zu sagen. Nach Aussagen von Zeitzeugen, soll sich Franz Hüppmeier nach dem aktiven Kampfsport in seiner Heimatstadt Wanne-Eickel zu Ruhe gesetzt haben.


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Quellennachweis: Tagespresse aus 1963, 1968 und 1985.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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