Wanne-Eickel-Historie


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Flugzeugteile regnen auf Röhlinghausen

Geschichte

"Opfer hängen in den Bäumen am Sportplatz"


In der Nacht zum 7. September 1941 wurde Röhlinghausen erneut ein unvergessenes Ereignis beschert. Es war ein Samstag. Der Alarm kam gegen 22.45 Uhr. Bald darauf feuerte die Flak aus allen Rohren. Englische Flugzeuge flogen ostwärts, aber im Gegensatz zu anderen tagen in geringer Höhe, so dass auch die leichte Flak mitmischte. Über Röhlinghausen geschah es dann, dass eine Maschine einen Volltreffer erhielt und in der Luft explodierte. Die Trümmer lagen anschließend weit verstreut umher. Der Rumpf des Flugzeugs landete auf einer Mauer an der Ecke Barbarastraße und Bochumer Straße, unmittelbar neben der Eisenbahnbrücke. Flügel lagen in mehrere Teile aufgelöst in einem Umkreis von vielen hundert Metern. Ein Motor hatte das Dach eines Hauses durchschlagen, ein zweiter Motor ging auf den Feldern des Bauern Röhlinghaus nieder. Die Besatzung überlebte den Abschuss nicht. Sie bot das erschütterndste Bild. Einige Flieger hingen in den Bäumen des Röhlinghauser Parks, andere fand man in den Trümmern. Spuren waren selbst auf der Mauer des Schulhofes an der Görresschule, auf dem Bürgersteig vor der Schule und am Pfeiler der Eisenbahnbrücke zu sehen. Einer der Flieger war auf der Bahnstraße heruntergekommen. Er saß da, als ob er sich selbst an die Schulmauer gelehnt hätte. In seiner Tasche fand man ein Bild von seiner Hochzeit.

Als man die Namen der Opfer feststellte, fand man auch Papiere eines Polen. Dazu einen Zettel, auf dem in polnischer Sprache niedergeschrieben worden war: "Falls es mich einmal erwischen sollte, dann bitte ich um ein christliches Begräbnis mit einem Pfarrer.´ Nach dem Krieg mit Polen, 1939, waren viele junge Männer aus Polen samt Regierung ins Exil gegangen, um von dort aus gegen Deutschland weiterzukämpfen. Einer davon hatte in diesem Flugzeug gesessen.

Die Maschine war beim Anflug auf die Scholven-Chemie abgedrängt worden und hatte in Richtung Eickel abgedreht. Bei der Explosion detonierten nicht alle Bomben. Einige fielen auf das freie Feld zwischen Bochumer Straße und Dietrichstraße (heute Göddenhof) und explodierten dort beim Aufschlag.









Die Überreste des abgeschossenen Flugzeugs vom 7. September 1941, Ecke Barbarastraße - Bochumer Straße.


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Quelle: Auszüge aus der WAZ vom 8. März 1962 Lührig, Heinrich Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt. S. 172 ff.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig



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