Wanne-Eickel-Historie


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Feuerlöschwesen in Wanne

Gebäude

Das Feuerlöschesen in Wanne


Die „Freiwillige Feuerwehr Wanne-Bickern“ wurde 1878 gegründet und bestand bis 1896. Am 17. April desselben Jahres trafen sich rund 50 Bickerner Bürger im Saal der Gaststätte Schulte-Berge (ehemaliges Union Theater), um über die Gründung einer neuen Feuerwehr nördlich der Eisenbahn zu beraten. Dazu wurde die bereits seit August 1881 bestehende Feuerwehr Wanne-Bickern, die bis dahin für den Schutz des gesamten Gebietes der Gemeinde Wanne zuständig war, geteilt.

Die neue Wehr übernahm den Feuerschutz im nördlichen Teil der Gemeinde Wanne unter dem Namen Freiwillige Gemeinde-Feuerwehr Wanne - Leitung der Wehr Amtsbaumeisters Otto Zahn, während die alte Wehr als Freiwillige Bürger-Feuerwehr Wanne - Leiter der Wehr Bauunternehmer August Franke den südlichen Teil abdeckte.

Infolge des sich rasch ausbreitenden Bergbaus und dem damit verbundenen rasanten Anstieg der Einwohnerzahlen, von 326 im Jahre 1830 auf 43 500 im Jahre 1913, tat sich auch im Feuerwehrwesen einiges. Am 1. Januar 1907 wurden die beiden Wehren (erste Abteilung "Bickern-Crange", zweite Abteilung "In der Wanne") unter dem Namen "Freiwillige Feuerwehr Wanne" wieder vereinigt. Sie gliederte sich in die erste Abteilung, einschließlich Hafenwehr und zweiten Abteilung. Die Führung übernahm mit der Bezeichnung "Branddirektor" Amtmann Friedrich Weinberg. Die Abteilungen behielten jede für sich ihre Selbständigkeit.

Um im Norden der Gemeinde Wanne - Bezirk Unser Fritz ebenfalls eine Abteilung zu haben, wurde im Jahre 1907 im Saal der Gaststätte Friedrich Schulte-Nover, Dorstener Straße 35 (Gebäude fiel den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer) ein dritter Löschzug gebildet. Im Ersten Weltkrieg wurde dieser aber mit der ersten Abteilung wieder vereint.

Ansicht des Feuerwehrgeräteschuppen der Hafenwehr, erste Abteilung der "Freiwilligen Feuerwehr Wanne", um 1920. Neben dem Geräteschuppen, im Bild rechts, ist deutlich ein Portalkran zu erkennen.

Nach Erteilung der Bauerlaubnis am 11. August 1906 wurde an der Friedrichstraße, heute Stöckstraße ein Feuerwehrgerätehaus errichtet. Bauherr war das Amt Wanne, die Entwurfsausarbeitung erfolgte auf dem Bauamt Wanne unter dem Amtsbaumeister Otto Zahn. Am 21. Juli 1907 wurde das Gebäude eingeweiht.

Durch die Einrichtung des Flugplatzes Wanne-Herten (siehe auch: Der Traum vom großen Airport) und die Aufnahme des Flugbetriebes im Jahre 1911 mit dem Luftschiff "Charlotte", kam nun ein weiterer Löschbezirk der Freiwilligen Feuerwehr hinzu. Im Jahre 1912 wurde Franz Burckhardt zum Oberbrandmeister berufen. Im Jahre 1919 legte dieser seine Führung nieder. An seiner Stelle wurde Schreinermeister Franz Linkamp als Nachfolger gewählt.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges zogen eine große Anzahl der Feuerwehrmänner ins Feld; dadurch wurde die Einsatzfähigkeit der Abteilungen sehr geschwächt.

Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehaus zum 25 jährigen Bestehens der Freiwillige Gemeinde-Feuerwehr Wanne, mit dem Feuerwehrgerätehaus und Steigerturm auch Schlauchturm genannt an der Friedrichstraße, heute Stöckstraße, aufgenommen im Jahre 1907.

Ansicht der Freiwillige Gemeinde-Feuerwehr Wanne an der Friedrichstraße, heute Stöckstraße, aufgenommen um 1920 und 1925.

Mit der Stadtwerdung Wanne-Eickel im Jahre 1926, als aus der ersten Abteilung wieder eine selbständige Wehr wurde, erfolgte eine neuerliche Umbenennung mit dem Namen Freiwillige Feuerwehr "Bickern-Crange". Die zweite Abteilung erhält den Namen Freiwillige Feuerwehr "In der Wanne".

Durch die Beschaffung neuer und moderner Geräte - Drehleiter und Motorspritzen - wurde die Einsatzfähigkeit der Wehr erheblich gesteigert.

Hatte der Erste Weltkrieg schon seine Spuren hinterlassen, stand die Wehr 1945 praktisch vor dem Nichts. Es fehlten fast sämtliche Gerätschaften, um einen ordnungsgemäßen Brandschutz zu gewährleisten, da sich die Angehörigen der Feuerwehr auf Anordnung der Polizei mit sämtlichen Fahrzeugen und Gerätschaften aus Wanne-Eickel ins Sauerland absetzten mussten, wo sie später unbeaufsichtigt zurückgelassen wurden.

Durch die Tatkraft einiger Feuerwehrleute, besonders des Stadtbrandmeisters Wilhelm Blumenstein konnten die evakuierten, zum Teil stark beschädigten Fahrzeuge unter großen Schwierigkeiten zurückgeholt und in mühevoller Kleinarbeit wieder instandgesetzt werden. Mit dem Neuaufbau des Löschzuges Bickern-Crange wurde der Kaufmann Alfred Voß betraut. Die erste Brandschutzübung wurde am 12. August 1945 unter Aufsicht der Besatzungsmacht - Einsatzort Deutsche Straße abgehalten.


Die Feuerwehr rückt am 12. August 1945 zur ersten Übung aus. Einsatzort war die Deutsche Straße. Im Bild links Wilhelm Hundertmark, Alfred Voß und ein dritter Feuerwehrmann rollen die Schläuche aus.

Wasser marsch! An der Spritze Hessling links, und Potstada rechts. Die Ruinen in der Deutschen Straße bildeten die makabre Kulisse.

Die Front schreiten Polizeioffizier Captain Cox links, und Stadtkommandant Major Fox nach der Übung ab, als die Männer auf den Feuerwehrplatz antraten. Von links: Voß, Blumenstein, Heitkämper, unbekannt und Herberholz.

Nach der kommunale Neugliederung im Lande Nordrhein-Westfalen die zur Auflösung der Stadt Wanne-Eickel und zur Bildung einer Städteehe mit der Stadt Herne im Jahre 1975 führte, erfolgte eine neuerliche Umbenennung der Wehr in "Freiwillige Feuerwehr Herne - 6. LZ-R In der Wanne", Anschrift: Löschzug Bickern-Crange und Löschzug In der Wanne.

Gruppenfoto zum 100jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Bickern-Wanne, aufgenommen im Jahre 1996. Foto: Klaus Wilbrandt.

Blick auf das im Jahre 2001 fertiggestellte Feuerwehrgerätehaus West, so die offizielle Bezeichnung, an der Wache Stöckstraße 32 bis 34.

Blick auf das Feuerwehrgerätehaus in Wanne, aufgenommen im Jahre 2011. Das im Rückraum der Hauptstraße und der Christuskirche gelegene Gebäude steht im Innenhof der Feuerwache II.

Das im Neugotischen Stil der Norddeutschen Klinkerarchitektur ausgeführte zweigeschossige Gerätehaus von sechs Achsen ist bei einer Breite von annähernd 22 und einer Tiefe von 11 Metern in sich symmetrisch gegliedert. Die beiden mittleren Achsen sind in der vertikalen als Risalit ausgebildet, der bis in das Dachgeschoss (Satteldach) hochgezogen ist und mit zinnenartigen Giebelreitern abgeschlossen wird. Die im Giebel des Risalits eingebrachte Sonnenuhr wurde aus Stuck hergestellt, das Kranzgesims und der Fries aus Ziegel und Putz.

Blick auf die im Giebel eingebrachte Sonnenuhr aus Stuck.

Ansicht des Feuerwehr-Signet, das symbolhaft die Tätigkeitsfelder der Feuerwehr dargestellt.

Das Erdgeschoss weist fünf hölzerne Spitzbogentore (vormals sechs) mit schmiedeeisernen Beschlägen auf. Während das ursprünglich rechts außen liegende bei Errichtung eines Anbaues vermauert wurde, stellte das ganz linke zugleich eine Durchfahrt zu den dahinterliegenden Hoftrakten dar. Die beiden mittleren werden seitlich durch Berufszeichen zur Feuerwehr verziert, mit der Inschrift in Stuck: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".

Die beiden Kartuschen mit der Inschrift in Stuck: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".

Das Feuerwehrgerätehaus in Wanne ist ein unter Denkmalschutz stehendes Baudenkmal. Der Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Herne erfolgte am 20. Juni 1988 unter der Denkmal Nr. 45.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
50 Jahre Amt Wanne. Selbstverlag, Wanne 1925.
Tagespresse aus dem Jahre 1956.
WAZ-Serie: Schicksalsjahre unserer Stadt, Wanne-Eickel 1965.
Stadt Herne: Herne Architektur im Ruhrgebiet. Hrsg. Oberstadtdirektor Herne und Bund deutscher Baumeister,
Bezirksgruppen Herne und Wanne-Eickel, Emschertal-Museum, Herne 1987.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.


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