Wanne-Eickel-Historie


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Exportbierbrauerei Theodor Zengerling

Firmen mit Tradition

Exportbierbrauerei Theodor Zengerling


Während im benachbarten Bochum urkundlich schon im Jahre 1321 Altbier gebraut wurde, standen in Eickel erst im Jahre 1664 urkundlich die Braukessel bei Mummenhoff, Middeldorf genannt Markmann und Stimmbeck, Bönninghausen und ein Brantweinkessel bei Böker.

Die damaligen Besitzer standen wie alle Bewohner des Ortes in einem abhängigen Verhältnis zu den Herren von Dorneburg. Die Erlaubnis zum Brauen musste jedes Mal von dort eingeholt und die leihweise Überlassung des Braukessels nachgesucht werden. Eigentliche Brauereien existierten in dieser Zeit sehr wenige. Die großen Gutsbesitzer und die Bauern brauten für den eigenen Hausbedarf, um für die Sommer- und Erntezeit einen kühlen Trunk für sich und ihre Helfer zu haben. Auch in Städten und Dörfern brauten Wirte und Bürger sich selbst das Bier. Ein gewerbsmäßiges Brauen lohnte sich nicht, denn hierfür fehlte noch der erforderliche Absatz. Der kupferne Braukessel wanderte dann bei den Interessenten herum. Die Stadt Bochum besaß deren mehrere. Der Historiker Professor Franz Darpe (1842-1911) berichtet dazu folgendes:

"Das Braukesselgeld wurde je nach den Maßen des Gebräu`s von den brauenden Wirten und allen übrigen Bürgern, welche die Kessel benutzten, erhoben. Jeder Bürger musste angeben, wie lange er den Kessel zu gebrauchen wünsche; behielt er ihn über diese Zeit, so verdoppelte sich die Pacht. Für einen Schaden am Braukessel war er haftbar."

Während im Laufe der Jahrhunderte das Brauen von Bier zum Selbstverbrauch eingestellt wurde, konnten sich zwei Brauereibetriebe; im Amt Eickel die Hülsmann Brauerei und im Amt Wanne die Zengerling Brauerei behaupten.

Konnte die Hülsmann Brauerei in Eickel, sich mit dem im benachbarten Bochum ansässigen Privatbrauerei Moritz Fiege vergleichen, so war die Bierbrauerei Zengerling in Wanne eine reine Hausbrauerei (vergleichbar mit der heutigen Erlebnisgastronomie) mit einer Schankwirtschaft.

Die Bierbrauerei Zengerling wurde im Jahre 1885 von den Brüdern Theodor und Hubert Zengerling gegründet. Das Gasthaus mit Hotel und Braustätte stand in der Blücherstraße, im heutigen Heitkampsfeld, Ecke Bahnhofstraße heute Hauptstraße.

Hubert Zengerling wohnte laut Adressbuch der Ämter Eickel und Wanne, in der Bahnhofstraße 35b und nannte sich Brauereibesitzer. In Gustav Hegler Aufzeichnungen taucht der Name Hubert Zengerling am 24. September 1884 erstmals auf, Hegler berichtet wie folgt:

"Am 24. September 1884 hielt an der Nordseite des Bahnhofs Wanne der Kaiserzug. Der Bahnsteig, die Fenster, selbst die Dächer waren mit dichten Menschenmassen besetzt und brausende Hochrufe erschollen immer wieder. Im Fenster des Salonwagens lehnte seine Majestät und vor demselben standen in Amtstracht die zur Vorstellung befohlenen Spitzen der Behörden, der Landrat von Bochum, der Amtmann von Wanne, die Pfarrer beider Konfessionen von Eickel und Crange. Bei dem Bahnhofsrestaurateur Zengerling waren von Brühl aus telegraphisch 50 Gedecke (Bouillon mit Koteletts) bestellt worden. Hubert Zengerling servierte selbst in dem kaiserlichen Wagen, in der sich außer seiner Majestät der Kronprinz und Generalarzt Dr. Leuthold befanden. In der Familie Zengerling wird (laut Hegler) eine Tasse zum Andenken an jenen denkwürdigen Tag aufbewahrt."

Sein Bruder Theodor nannte sich Hotel- und Brauereibesitzer, er wohnte in der Kaiser-Wilhelm-Straße 3, heute Am Alten Amt. Eine Postkarte aus dem Jahre 1903 zeigt oben rechts das Wohnhaus als "Villa". Im Jahre 1902 schied Hubert Zengerling aus dem Unternehmen aus. Das Unternehmen hieß fortan Exportbierbrauerei Theodor Zengerling.

Hochansicht der Exportbrauerei von Theodor Zengerling um 1902. Der Blick geht auf das Eckgebäude Bahnhofstraße 25, heute Hauptstraße 192. Die linke Straße war die Blücherstraße, die heutige Straße Am Bahndamm.

Werbeanzeige der Exportbierbrauerei Zengerling im Jahre 1906.

Blick von dem Hotel und Restaurant von Theodor Zengerling, Ecke Am Bahndamm auf die Kreuzung Hauptstraße - Am Alten Amt und Dürerstraße um 1904.

Sechs Jahre später, im Jahre 1908 erfolgte die Umbenennung in Wanner Bierbrauerei GmbH. Im Jahre 1912 erfolgte die Neugründung in Wanner Wirtebrauerei GmbH.. Bis 1914 florierte das Geschäft, bevor der Mangel an Braugerste im Ersten Weltkrieg die Brautätigkeit einschränkte. Im Jahre 1920 wurde aus der Wanner Wirtebrauerei die Vereinsbrauerei Wanne GmbH. Auch diese Gründung war nicht vom Erfolg gekrönt. Die Nachkriegszeit, die Franzosenbesetzung und die Inflation brachten eine vollständige Umwälzung des Wirtschaftslebens, wovon auch die Vereinsbrauerei Wanne (Zengerling) nicht verschont geblieben ist. Wie der Anfang, so war auch das Ende der Brauerei Zengerling typisch für die Entwicklung der kleinen Hausbrauereien in Westfalen, von denen nur sehr wenige den Krieg überstanden.

Blick auf das Eckgebäude von Theodor Zengerling, Am Bahndamm links und Hauptstraße rechts, um 1906.

Blieben von den Privatbrauereien Exponate wie Biergläser-, Deckel, Etiketten, Flaschen oder Kartenspiele der Nachwelt erhalten, so ist bis zum heutigen Tag als Nachweis der Exportbierbrauerei von Theodor Zengerling nur eine Werbeanzeige aus dem Jahre 1906 sowie eine Postkarte als Erinnerungsstück übrig geblieben.

Das Eckgebäude der ehemaligen Exportbierbrauerei Zengerling, Hauptstraße 192, aufgenommen im Februar 2012.

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Quellennachweis: Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Geschichte der beiden Ämter, Mai 1903, S. 156 ff. Amtsblatt-Druckerei Wanne: Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel, 1906, S. 14 f.
Fotonachweis: Heinrich Lührig
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