Wanne-Eickel-Historie


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Evangelische Krankenhaus in Eickel

Gebäude

Das Evangelische Krankenhaus in Eickel


Das Evangelische Krankenhaus an der Hordeler Straße in Eickel kann auf ein 125jähriges Bestehen zurückblicken.

Der große Bevölkerungsanstieg in den 1880 Jahren machte den Bau eines eigenen Krankenhauses in der Gemeinde Eickel immer dringender. So ergriffen die Eickeler Bürger die Initiative und gründeten am 1. Oktober 1885 einen "Gemeinnützigen Krankenpflege-Verein" mit dem Ziel, Spenden für die Finanzierung eines Krankenhauses einzuwerben. Dank zahlreicher Spenden der Eickeler Bürger, Vereine und Industriebetriebe konnte am 7. August 1892 der Grundstein für das Evangelische Krankenhaus an der Hordeler Straße gelegt werden. Das im Gründerstil erbaute Gebäude wurde am 20. August 1893 eingeweiht. Die Baukosten betrugen etwa 50 000 Mark, davon waren 20 000 Mark durch eine Anleihe gedeckt, 18 000 Mark konnten durch Spenden von Bürgern sowie den Zechen Hannover, Königsgrube, Pluto und Shamrock aufgebracht werden. Das Gebäude, mit 20 Betten ausgestattet, war dreistöckig und hatte eine Größe von 20,51 Meter in der Länge und 16,49 Meter in der Tiefe.

Bereits im Jahre 1898 musste das Krankenhaus wegen der großen Nachfrage mit einem Kostenaufwand von 41 000 Mark erweitert werden, in dem ein Operationssaal und weitere Krankenzimmer Platz fanden. Die Baukosten wurden teils durch vorhandene Geldmittel, teils durch Anleihen bei den kirchlichen Fonds gedeckt.

In den Jahren 1907 und 1908 erhielt das Haus einen weiteren Anbau nach Osten hin. Desweiteren erfolgte eine vollständige Renovierung des ersten Bauabschnittes. Ein altes Nebengebäude wurde abgerissen und ein neues, größeres Gebäude mit Desinfektionszimmer, Obduktionsraum und Leichenhalle erbaut. Auch wurde im zweiten Stockwerk eine Kapelle für die sonntäglichen Gottesdienste errichtet. Das gesamte Grundstück mit Ausnahme der Südseite wurde mit einer Mauer umgeben.


Blick auf das Evangelische Krankenhaus der Gemeinde Eickel an der Hordeler Straße um 1910.

Im Evangelischen Krankenhaus wurde im Krieg 1914 - 1918 ein Reservelazarett eingerichtet. Hier wurden auch kostenlose Mittagsessen ausgegeben, denn der Erste Weltkrieg war eine Zeit wirtschaftlicher Not für die Familien, deren Haupternährer als Soldat eingezogen worden war.

Soldaten des Ersten Weltkrieges mit Diakonissen aus dem Mutterhaus Sarepta in Bielefeld-Bethel, im Reservelazarett des Evangelischen Krankenhaus in Eickel, aufgenommen im August 1918.

Am 29. Oktober 1920 wurde beschlossen, dass sämtliche niedergelassenen Ärzte in Eickel und Umgebung im Krankenhaus operieren dürfen. Zudem durften Gemeindemitglieder gegen eine Gebühr im Krankenhaus baden (siehe auch: Das Hallenbad ein "Haus der Wasserfreuden").

Der nächste Erweiterungsbau lässt nicht lange auf sich warten. So wird am 3. Mai 1930 ein weiterer Anbau eingeweiht. Das Haus verfügt nun über 170 Betten.


Blick auf das Evangelische Krankenhaus der Gemeinde Eickel, aufgenommen um 1930.

In den Kriegsjahren 1943 bis 1944 wird das Krankenhaus durch Bomben zu 80 Prozent zerstört, so dass es den stationären Betrieb einstellen musste. Die WAZ schrieb in der Reihe: "Nacht über Wanne-Eickel" im Jahre 1962 folgendes:

"Am 12. September 1944 fielen erste Fliegerbomben am helllichten Tage mit Schwerpunkt Eickel. Hierbei wurde das Evangelische Krankenhaus in Eickel zerstört".

"Das Krankenhaus an der Hordeler Straße war schon öfter getroffen worden. Anfangs hatte man die Schwerkranken bei Alarm in den Keller geschleppt. Bei den häufigen Angriffen war das nicht mehr möglich. Also wurde für sie ein Raum im Keller eingerichtet, in dem sie Tag und Nacht bleiben konnten. Dieser Raum nahm auch operierte Patienten auf. Gleich daneben gab es auch einen Luftschutzraum für die Schwestern.

Allein im Jahre 1943 wurden fünf Schadensfälle registriert: Am 30. März durch Sprengbomben und Flakblindgänger, am 14. Mai und am 28. Mai durch je eine Sprengbombe, am 26 Juni durch Sprengbomben und Brandbomben. Am 29. September war es besonders schlimm. An diesem Tag brannte der Vorsprung des alten Gebäudeteils ganz aus. Nach dem 11. Januar 1944 wurden Schäden im Krankenhaus nicht mehr beim Kriegsschädenamt gemeldet. Dennoch gingen die Reparaturarbeiten weiter.

Im September 1944 war das Krankenhaus gerade wieder hergestellt worden. Neben dem Hospital war mit dem Bau eines stabilen Bunkers begonnen worden. Der Angriff der an diesem Tage erfolgte bedeutete für das Krankenhaus das Ende. Zusammen mit dem Mittelstück und dem Ostflügel hatte auch die Heizungsanlage einen Treffer erhalten. Die Schäden konnten bis Kriegsende nicht mehr instand gesetzt werden. Man konnte auch keine Patienten mehr aufnehmen. Die Schwestern wurden vom Mutterhaus abberufen, nur zwei blieben in den Kellerräumen zurück und hüteten die Restbestände an Inventar. Das waren ganze zwölf Krankenbetten".

In den Kriegsjahren 1943 bis 1944 wird das Krankenhaus durch Bomben zu 80 Prozent zerstört, so dass es den stationären Betrieb einstellen musste. (Foto: EvK. Eickel)

Nach Kriegsende wurden einige Räume für ambulante Behandlungen notdürftig hergerichtet. Am 15. März 1948 konnte die Evangelische Kirchengemeinde die Wiedereröffnung ihres Krankenhauses feiern, das zunächst mit 31 Krankenbetten auskommen musste.

In den Jahren 1948 bis 1950 wurde ein Teil des Hauses um ein Stockwerk erhöht und der Haupteingang neu errichtet. (Foto: EvK. Eickel)

Die finanziellen Schwierigkeiten, in die das Haus durch den Erweiterungsbau von 1927 und zusätzlich durch die Kriegsschäden gekommen war, erwiesen sich für die Gemeinde Eickel weiterhin als unüberwindbar. Schließlich fand man jedoch Hilfe: Am 1. Oktober 1948 übernahm das Johanneswerk, der Evangelische Hilfsverein Bielefeld, die Trägerschaft.

In den Jahren 1948 bis 1950 wurde ein Teil des Hauses um ein Stockwerk erhöht. Im Jahre 1952 galt der Wiederaufbau mit drei Abteilungen und 260 Betten als vollendet.

Der Ausbau Schritt weiter voran. Am 1. April 1952 nahm eine Krankenpflegeschule ihren Betrieb auf. Im Jahre 1957 wurde ein Schwesternwohnheim mit 65 Plätzen in Betrieb genommen, drei Jahre später konnte die neue Wäscherei in der ehemaligen Schweinemästerei ihre Arbeit aufnehmen und 1961 stockte man das Schwesternwohnheim um 20 Einzelzimmer auf.


Ansicht des Evangelisches Krankenhaus, Südansicht mit Schwesternwohnheim, aufgenommen um 1960.

Blick auf das Schwesternwohnheim mit Innenansicht, aufgenommen um 1960.

Im Jahre 1968 gerät das Krankenhaus in Eickel in Turbulenzen, nachdem das Johanneswerk das Haus schließen wollte. Tatsächlich aber sucht das Johanneswerk aber einen neuen Träger, den zu finden aber nicht leicht war. Die Stadt Wanne-Eickel sah sich selbst nicht in der Lage, das Haus zu übernehmen, wollte aber nachdrücklich mitwirken, es zu erhalten. So fällt die Feier zum 75jährigen Bestehen aus. Am 1. Januar 1970 wird das Evangelische Krankenhaus zusammen mit den Evangelischen Krankenhäusern Castrop-Rauxel und Herne in die Krankenhausgemeinschaft des Kirchenkreises Herne eingegliedert.

Nachdem das Land Nordrhein Westfalen finanzielle Zusagen erteilt, kann am 1. Oktober 1983 der erste Spatenstich für ein 40- Bettenhaus, das vom Architekten Martin Düker aus Hannover geplant wurde erfolgen. Während der Bauarbeiten musste eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden - nach Evakuierung der Anwohner und Verlegung der Patienten. Der Anbau konnte 364 Tage nach dem Spatenstich mit einem "Tag der Begegnung" in Betrieb genommen werden.

Es folgen weitere Abteilungen:
Im September 1988 erfolgt die Intensivabteilung. Seit 1989 liegt der Eingangsbereich nicht mehr an der Straße, aus dem alten Haupteingang wurde die Liegendanfahrt.


Blick auf das Evangelische Krankenhaus mit Haupteingang von der Hordeler Straße aus gesehen um 1987. (Foto: EvK. Eickel)

Die Physikalische Therapie wird im März 1991 eingeweiht. Im Juni 1992 erfolgt die Diät- und Getränkeküche. Im Oktober 1992 ging die Gynäkologische Abteilung mit 16 Betten in Betrieb.

Am 1. Januar 2006 fusionierten das Evangelische Krankenhaus Herne und das Evangelische Krankenhaus Wanne-Eickel zum Evangelischen Krankenhaus Herne, Betriebsstelle Herne-Mitte und Herne Eickel.


Das Evangelisches Krankenhaus in Eickel an der Hordeler Straße 7-9, aufgenommen im Oktober 2016.

Seit 1989 liegt der Eingangsbereich nicht mehr an der Straße, aus dem alten Haupteingang wurde die Liegendanfahrt.

Blick auf den alten Gebäudetrakt des Evangelischen Krankenhauses von der Hordeler Straße aus gesehen, sowie von der Gebäuderückseite, aufgenommen im Oktober 2016.

Ansicht der neuerrichteten Seitenflügel des Evangelischen Krankenhauses, aufgenommen im Oktober 2016.

Daten und Fakten:

Die Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne, Castrop-Rauxel GmbH betreibt das Evangelische Krankenhaus Castrop-Rauxel und das Evangelische Krankenhaus Herne mit den Standorten Herne-Mitte und Herne-Eickel sowie das Evangelische Krankenhaus Witten.
Alle Einrichtungen sind zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2008 und DIN EN 15224. Sie verfügen gemeinsam über 1 123 Betten, 28 Kliniken, 3 Tageskliniken und 3 Kurzzeitbehandlungszentren.

Für die unterstützenden Dienstleistungen betreibt die Evangelische Krankenhausgemeinschaft 6 Tochterunternehmen. Als einer der größten Evangelischen Arbeitgeber im Ruhrgebiet beschäftigt die Evangelische Krankenhausgemeinschaft 2 871 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz beträgt rund 176 Millionen Euro.

Die Evangelische Krankenhausgemeinschaft und die Diakonie Ruhr sind Unternehmen im Evangelischen Verbund Ruhr (EVK). Beide arbeiten in allen Geschäftsfeldern eng zusammen.
(Stand Oktober 2016)


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Quellennachweis:
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Wanne-Eickel 1927.
Aus der Reihe: "Nacht über Wanne-Eickel", WAZ 1962.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten, S.24 f. Zaltbommel / Niederlande, 1992.
Festschrift: 125 Jahre Evangelisches Krankenhaus Herne. Herne Dezember 2011.
Krankenhausbrief: Mitteilungen für Patienten, Besucher und Mitarbeiter der Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne / Castrop-Rauxel.
Weitere Infos unter: www.evk-herne.de

Fotonachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Evangelisches Krankenhaus Herne-Eickel.



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