Wanne-Eickel-Historie


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Evangelische Johanneskirche in Eickel

Gebäude

Die Geschichte der Johanneskirche in Eickel


Die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1321 berichtet von den "Rektoren der Kapelle zu Eyclo", und wird in der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel vom Pfarrer Johannes Daniels aufgezeichnet. Das auf dem Eickeler Markt errichtete Gotteshaus, wurde die Kapelle oder auch "Tochterkirche" genannt, denn die "Mutterkirche" befand sich in Bochum. Sie war dem Schutzpatron Johannes dem Täufer geweiht deren Anfänge auf das 14. oder 15. Jahrhundert zurückgehen. Nach der Reformation im Jahre 1577 soll es 600 bis 700 Bürger in Eickel gegeben haben, die, bis auf geringe Ausnahmen lutherisch geworden sind. Der Anstoß zum formellen Übertritt der Gemeinde zum Evangelischen Glauben soll von einer Predigt Johannes Lütgendorf (wirkte von 1577 bis 1613 als Pfarrer in Eickel) am Vorabend des Festes "Maria Geburt" (am 8. September 1577) ausgegangen sein.

Doch wie sah die alte Johanneskirche auf dem Eickeler Markt aus?
Das alte Kirchengebäude enthielt Stilelemente aus der Gotik und der Renaissance und hatte ein Mittelschiff mit zwei Seitenschiffen. Nachdem sich seit 1774 im Turmmauerwerk handbreite Risse gezeigt hatten, wurde der Kirchturm 1778 wegen Baufälligkeit abgetragen und 1781 neu errichtet. Hierbei haben die "Kirchspieleingessenen" unentgeltlich Spann- und Handdienste geleistet.


Das gotische Kreuzgewölbe der Sakristei wurde 1842 zu einer einfachen Balkendecke umgebaut. Im Jahre 1867 wurde der "stumpfe Kirchturm" durch einen "Spitzhelm" von 14 Meter mit einem Kreuz von 3 Meter Höhe ersetzt. Der Glockenturm besaß drei Glocken. Sie stammten aus den Jahren 1512, 1529 und aus dem Jahre 1672. Eine dieser Glocken, war dem heiligen Urban
(er war von 222 bis 230 Papst und Bischof von Rom - Schutzpatron des Weinbaus, gegen Unwetter und Blitzschlag. Er wird als Bischof mit Buch und Weintrauben dargestellt. Sein Gedenktag ist der 25. Mai, an dem er auch gestorben sein soll.) geweiht. Diese Glocke war die sogenannte Wetterglocke und wurde bei Hagelschlag und schweren Gewitter geläutet. Über dem Kircheneingang befand sich eine Turmuhr, diese wurde 1834 erneuert.

Die beiden Emporen im Inneren der Kirche waren bis 1866 für das Haus Dahlhausen und dem Haus Dorneburg reserviert, deren Besitz ein altes Privilegium, das des Patronatsrechts
*, besaßen. Auch die übrigen Sitzplätze in der Kirche befanden sich in Privatbesitz der Eickeler Familien. Im Jahre 1866 wurde die Bestuhlung so geändert, dass sämtliche Sitzplätze ohne Reservierung allen Gemeindemitgliedern zur Verfügung standen, mit Ausnahme einer Bank für das Haus Dahlhausen gegenüber den Presbytersitzen. Die Anzahl der Bestuhlung wird zu diesem Zeitpunkt auf etwa 700, sehr beengte Sitzplätze geschätzt.

Eine Besonderheit stellte die an der Nordseite der Kirche erbaute Dorneburger Grabkapelle da. Vom Chor aus gelangte man in die Kapelle hinein. Über dem Eingang war das Schwerin`sche Wappen angebracht.

Die Johann-Baptist-Kirche am Eickeler Markt um 1889.

*Anmerkung: Der Stifter einer Kirche hatte das Patronatsrecht, deshalb durfte er einen Bewerber um die erledigte Pfarrstelle ernennen oder in Vorschlag bringen. Dieses Recht nannte man Kollatur. Es musste innerhalb einer gewissen Frist, die Kollationszeit, ausgeübt werden. Der Verleiher einer Pfründe oder Würde wurde deshalb auch Kollator genannt. Das Wort hat dieselbe Bedeutung wie das Wort Kirchenpatron. Das Patronatsrecht (jus patronatus) umfasste Rechte und Pflichten, die dem Patron aus Dankbarkeit für die Kirche erwiesene Wohltaten zugebilligt wurden. Dazu gehörte zum Beispiel der Vortritt bei Prozessionen, ein besonderer Sitz in der Kirche (honor sedis), die Erwähnung im allgemeinen Kirchengebet (jus precum) und so weiter.

Hier befand sich das Grabmal des Freiherrn Conrad von Strünkede zu Dorneburg, dessen Familie das Patronat über die Kirche innehatte. Das gewaltige Monument aus Baumberger Sandstein zählt zu den bedeutendsten Grabdenkmälern Deutschlands des frühen 18. Jahrhunderts und wurde von Johann Wilhelm Gröninger geschaffen.



Das Grabmal des Freiherrn Conrad von Strünkede zu Dorneburg.


Die Inschrift des Denkmals am Sockel lautete: Der Hochwohlgebohrene Herr Conrad von Strünkede, Herr zu Dorneburg, Eickel, Tholouse, Darbone, Büdingen, Sr. königl. Majestät in Preußen Clevischer und Märkischer geheimter Regierungsraht, Cämmerer und Droste des Ambts Bochum und Castrop ist im Jahre 1645, den 30. August gebohren, den 20. Mai 1707 gestorben und allhie beigesetzet. Hie nebst der Hochgebohrenen Frauen Elisabeht Sophie Freyfraun von Strünkede, Frau zu Dorneburg, Eickel, Tholouse, Darbone, Büdingen, gebohrene Gräfin Schwerin, so den 27. Dec. 1670 gebohren. Dieses Epithaphium zum steten Andenken verfertigt und aufrichten lassen im 1707-ten Jahre.

Im Jahre 1887 beschloss der Kirchenvorstand den Bau einer neuen Kirche, da der alte Kirchenbau, bei steigender Anzahl von Gemeindegliedern zu klein geworden war. Auch die bauliche Beschaffenheit, infolge Bergbauschäden machte einen Abriss im Jahre 1890 notwendig.

Der letzte Gottesdienst in der alten Johanneskirche am Eickeler Markt fand am Himmelfahrtstag dem 5. Mai 1890 statt.

Das Grabdenkmal des Conrad von Strünkede wurde für 1.000 Mark an das Märkische Museum in Witten verkauft. Der Erlös wurde für den Kirchenneubau verwandt.


Der aus dem Jahre 1650 stammende Taufstein ist der Kirchengemeinde Wanne-Süd (heutige Matthäus-Kirchengemeinde Wanne) geschenkt worden und steht heute in der Zwölf-Apostel-Kirche.


Der Taufstein von 1650, links im Urzustand, rechts im Kirchraum der Kirchengemeinde Wanne-Süd, erschaffen von einem unbekannten Künstler.

Der alte Kirchplatz am heutigen Eickeler Markt wurde an die Gemeinde Eickel für 7.500 Mark veräußert.

Die Kirchengemeinde Eickel erwarb unmittelbar nach dem Beschluss, eine neue Kirche zu bauen, ein Grundstück an der Bismarckstraße, der heutigen Richard-Wagner-Straße, Einmündung Kaiser Straße, der heutigen Hauptstraße. Die neue Kirche konnte allerdings zunächst nicht gebaut werden, da dieser Platz von den Behörden wegen des darunter betriebenen Bergbaus als ungeeignet bezeichnet wurde.

Im Einvernehmen mit der Bergwerksgesellschaft Hannibal, stellte diese eine von ihr erbaute Notkirche unentgeltlich zur Verfügung und steuerte 8.000 Mark für den Bau der neuen Kirche bei. Dafür erklärte sich die Gemeinde bereit, mit dem Neubau der Kirche zu warten, bis der völlige Abbau der Kohle unter der Bismarckstraße vergangen sei. Sechs Jahre lang diente das im Fachwerkbau errichtete Gebäude der Gemeinde, als Notkirche.

Nachdem der Boden unter dem neuen Standort Zeit gehabt hatte, sich zu setzen, konnte mit dem Bauarbeiten begonnen werden, so dass am 23. Mai 1895 der Grundstein der neuen Kirche gelegt werden konnte.

Die Kirche, im frühgotischem Stil aus Ziegelsteinen mit Bruchsteinverblendungen an der Süd- und Westseite, wurde nach den Plänen des Architekten Gerhard August Fischer aus Barmen und von dem Bauunternehmer Garthmann aus Eickel, in knapp anderthalb Jahren gebaut und am 10. Dezember 1896 durch den Generalsuperintendenten Gustav Nebe aus Münster eingeweiht.


Die "neue" Johanneskirche um 1900.

Innenansicht der Johanneskirche im Jahre 1927.



Er überbrachte eine prachtvolle Altarbibel von Kaiserin Auguste Viktoria, der Ehefrau von Kaiser Wilhelm II. als Geschenk. Sie enthält ein biblisches Votum: Markus 13, Vers 31
(Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen), das Auguste Viktoria eigenhändig eingetragen hat. Die kostbare Bibel ist in geprägtem Leder gebunden und mit einer Metallschließe versehen.






Die Altarbibel, ein Geschenk der Kaiserin Auguste Viktoria.

Die Kosten des Kirchengebäudes und des Inventars beliefen sich auf rund 210.000 Mark. Die äußeren Abmessungen des Kirchenneubaus nach Fertigstellung betrugen: 34 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite, und bot für 1.200 Gemeindemitglieder Platz. Der Innenraum ist mit Emporen und einer Holzdecke versehen. Die Turmfassade wurde mit acht Rundbogenfenstern erbaut. Vier Seitentürme schließen den Turmaufsatz mit Spitzhelm, bei einer Höhe von 52 Metern ab. Das Kirchendach und der Turmaufsatz mit Spitzhelm waren mit Schiefer gedeckt.

Das Kircheninnere zierte ein Altarbild von Erwin Küsthardt (1867- 1901), mit einer Darstellung, in dem der auferstehende Jesus seinen hinter verschlossenen Türen versammelten Jüngern erscheint und sie mit den Worten begrüßt: "Friede sei mit Euch!" (Johannes 20, Vers 11). Das Kirchenfenster über dem Altar zeigte die Himmelfahrt Christi. Auf den beiden Wänden links und rechts vom Altarraum befanden sich zwei Gemälde des Kirchenmalers Otto Berg (1861-1944) aus Dortmund, die die Kreuzigung und die Auferstehung Christi darstellten.


Linkes Bild: Ansicht der ev. Johanneskirche um 1910. Rechtes Bild: Aufmarsch der Gemeindemitglieder zur Amtseinführung von Pfarrer Martin Gottschalk (Amtszeit 1916-1931) durch Pfarrer Hans Maennel 8Amtszeit 1909-1938) und Pfarrer Julius Beckmann (Amtszeit 1900-1909), im Jahre 1916.



Die Kanzel der Johanneskirche wurde von der Familie Gustav Hülsmann, dem ehemaligen Eigentümer der gleichnamigen Brauerei am Eickeler Mark, im Jahre 1896 gestiftet.

An den Seiten der Kanzel befinden sich fünf Felder mit folgenden Abbildungen, von links nach rechts: drei Tafeln mit der Inschrift: Ps. 22 u. Ps. 23, "Ich will Deinen Namen Predigen meinen Brüdern", zwei Tafeln mit den 10 Geboten, das Lamm Gottes, ein aufgeschlagenes Buch mit den Zeichen Alpha und Omega, für Anfang und Ende und das Eickeler Wappen mit den drei Rauten. Am Fußende der Kanzel befindet sich folgender Eintrag: Gestiftet, v. Eheleuten Gustav Hülsmann u. Emilie geb. Hackert. i. J. 1896.




Der Grundstein der Johanneskirche, er
befindet sich am Aufgang zur Kanzel.





Gegenüber der Kanzel befand sich der Taufstein. In die silberne Taufschale, die 1876 von der ehemaligen Pfarrfamilie Friedrich Engeling gestiftet wurde, ist der Wortlaut des Evangeliums Markus 10, Vers 14 (Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes), eingraviert. Auf der Rückseite der Taufschale wurden der Name des Stifters und die Jahreszahl eingraviert.

Die Orgel mit zwei Manualen und 34 Stimmen, ist von Hoforgelmeister Wilhelm Sauer (1831-1916) aus Frankfurt an der Oder erbaut worden. Die Kosten betrugen rund 12.000 Mark. 1911 erhielt sie einen elektrischen Antrieb.

Im Jahre 1896 wurden drei Bronzeglocken für die neue Johanneskirche von der Glockengießerei Munte in Witten gegossenen:

Die erste Glocke war 1891 kg. schwer und hatte einen Durchmesser von 1542 mm; sie trug die Inschrift: "O Land, Land, Land, höre des Herren Wort!"

Die zweite Glocke war 1328 kg. schwer und hatte einen Durchmesser von 1370 mm; sie trug die Inschrift: "Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und sei stark!"

Die dritte Glocke war 968 kg. schwer und hatte einen Durchmesser von 1233 mm; sie trug die Inschrift: "Ehre sei Gott in der Höhe!"

Die beiden ersten Bronzeglocken mussten zur Herstellung von Munition abgeliefert werden. Die dritte Bronzeglocke, die die Gemeinde behalten durfte, wurde an die Gemeinde Langschede-Dellwig für 8.000 Mark verkauft.

Im Jahre 1919 wurden vom Bochumer Verein drei gußstählerne Turmglocken, angeschafft. Sie sind wie folgt beschaffen:

Die erste Glocke ist 2250 kg. schwer und hat einen Durchmesser von 1773 mm; sie trägt die Inschrift: "O Land, Land, Land, höre des Herren Wort!"

Die zweite Glocke ist 1350 kg. schwer und hat einen Durchmesser von 1490 mm; sie trägt die Inschrift: "Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und sei stark!"

Die dritte Glocke ist 1010 kg. schwer und hat einen Durchmesser von 1333 mm; sie trägt die Inschrift: "Ehre sei Gott in der Höhe!"

1914 erhielt die Johanneskirche eine elektrische Lichtanlage anstelle der veralteten Gasanlage. Nach dem Krieg wurde 1926 eine neue Heizungsanlage eingebaut. Ein Jahr später wurde die Kirche renoviert und von Kirchenmaler Otto Berg (1861-1944) aus Dortmund ausgemalt.

Im Zweiten Weltkrieg gerät das Gemeindeleben in Eickel ins Stocken und später zum Erliegen, als am 12. September 1944 um 13.50 Uhr, der erste Fliegerangriff am helllichten Tag die Johanneskirche zerstörte. Der Luftangriff dauerte gerade mal zwanzig Minuten und forderte 37 Todesopfer. Die Bombenlast war für das Krupp'sche Treibstoffwerk an der Herzogstraße gedacht. Hierbei traf eine Bombe den Turm und die nördlichen Außenmauern der Johanneskirche, die bis auf die Grundmauern niedergerissen wurde. Im Kirchenschiff klaffte ein riesiges Loch; mit dem Glockenstuhl waren auch die drei Glocken in die Tiefe gestürzt. Die Orgel auf der Empore war ebenfalls total zerstört.

Aus den Trümmern wurden ein paar Tage später mit einer Baggerschaufel zwei der drei Glocken geborgen, die der Pfarrer Herbert von Stockum an der westlichen Kirchenseite niedersetzen ließ. Die dritte Glocke hat man später ebenfalls bei Aufräumarbeiten bergen können.


Bergung der Stahlglocken aus den Trümmern der Johanneskirche mit einer Baggerschaufel, im September 1944.

Die drei Stahlglocken wurden an der westlichen Seite der Kirche aufbewahrt. Sie mahnten lange Zeit mit der Inschrift: "O Land, Land, Land, höre des Herren Wort!" die Bürger.

Bei Kriegsende war die Zahl der Gemeindemitglieder auf etwa 6.100 gesunken. Ein Teil war zu Tode gekommen, (viele Opfer sind auf den Ehrenfriedhof im Eickeler Park beigesetzt) andere kehrten erst nach jahrelanger Evakuierung nach Eickel zurück. So halfen vor allem junge Gemeindemitglieder beim Wegräumen der Trümmer.

Trümmerbeseitigung an der Johanneskirche im Jahre 1945.



In einem notdürftig hergestellten Kirchenschiff konnte dann am Sonntag, dem 14. April 1946, der erste Gottesdienst mit Konfirmation durch Pfarrer Hans Mühle in der Johanneskirche, stattfinden.

In einem notdürftig hergestellten Kirchenschiff der Johanneskirche konnte am Sonntag, dem 14. April 1946, der erste Gottesdienst mit Konfirmation durch Pfarrer Hans Mühle stattfinden.


Am 1. November 1952 konnte die Gemeinde einen Festgottesdienst anlässlich des Wiederaufbaus des Kirchturms feiern. Die Festpredigt hielt der spätere Präses der Rheinischen Landeskirche Joachim Beckmann, (1901-1987) dessen Vater, Julius August Wilhelm von 1900 bis 1934 Pfarrer in Eickel war.

Linkes Bild: Blick von der Hauptstraße auf die Johanneskirche im Jahre 1954. Rechtes Bild: Blick von der Richard-Wagner-Straße auf die Johanneskirche im Jahre 1956.


Der neue Kirchturm mit seinem unverkennbaren Zwiebelhelm, wurde von dem Architekten Willi Wallmeier aus Eickel entworfen und durch das Bauunternehmen Robert Heitkamp aus Wanne-Süd ausgeführt. Die Spitze des Turmes ziert ein Kreuz. Unter dem Zwiebelhelm befindet sich ein aus 14 bronzene Glocken umfassendes Turmglockenspiel (Carillon), das der Gemeinde vom "Verein der Förderer des Glockenspiels Eickel" (gegründet im Jahre 1953 durch: Willi Wallmeier, Dr. Wilhelm Elbers, Robert Heitkamp, Fritz Panhorst, Walter Wiemer, Wilhelm Iwanek, Rudolf Bresser und Werner Groll), geschenkt wurde. Das Glockenspiel wurde von der Firma Friedrich Korflage & Söhne aus Buer bei Osnabrück für 30.000 DM gefertigt. Jede Bronzeglocke ist 40 kg. schwer. Das Spiel, das seit dem Advent 1957, über eine Walze mechanisch betrieben wird, erklingt zweimal täglich um 12.30 Uhr und um 19.30 Uhr. 1986 vererbte der "Verein der Förderer des Glockenspiels Eickel" seinen klingenden Besitz der Kirchengemeinde.


Das Glockenspiel befindet sich unterhalb der Kirchturmspitze, dass zweimal täglich erklingt. Das Geläut lässt sich manuell und automatisch bedienen. Die Töne werden heute am Spieltisch von einer lochgestanzten Rolle "abgelesen". Die Walzen werden nach dem liturgischen Kalender (das Kirchenjahr beginnt hier am ersten Advent) gewechselt.

Im oberen Teil des Turmes befinden sich Schallöffnungen für die drei Turmglocken. Bis zum Wiederaufbau des Turmes wurden die drei an der Westseite der Kirche gelagerten Stahlglocken dort wieder installiert. Unterhalb des Glockengehäuses befindet sich an den Turmseiten die Turmuhr, sie erklingt viertelstündlich. Auf den darunterliegenden begehbaren Außenemporen ist in der Adventszeit der Eickeler Posaunenchor zu hören. Die Kirche ist mit Ruhrsandstein verkleidet. An der westlichen Turmseite befindet sich der Grundstein von 1952 und seit Dezember 1988 eine Halbplastik aus Bronze. Sie zeigt die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Das Relief ist eine Arbeit des Künstlers Heinrich Brockmeier aus Recklinghausen ( siehe auch Kunst-Objekte-Verzeichnis).













An der westlichen Turmseite befindet sich
der Grundstein von 1952.






















Seit Dezember 1988 befindet sich hier eine Halbplastik aus Bronze. Sie zeigt die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Das Relief ist eine Arbeit des Künstlers Heinrich Brockmeier aus Recklinghausen.

Der Innenraum der Kirche ist wie folgt aufgegliedert:

Das Mittelschiff befindet sich rechts und links des Hauptganges. Unter den beiden Seitenemporen, sie werden von jeweils drei mächtigen Steinsäulen getragen, befindet sind jeweils das linke und rechte Seitenschiff mit den Seitengängen. Ihnen schließt sich an beiden Seiten ein Querschiff an und bildet so im Grundriss eine Kreuzform. Nach Süden ausgerichtet befindet sich der Altarraum. Auf der linken und rechten Seite des Altarraumes befinden sich je zwei Nebenräume, die Sakristei, mit Ausgang. In der linken Sakristei befindet sich an der Wand eine Gedenktafel aus Gußeisen mit den Namen der gefallenen Söhne der Gemeinde.

Die Decke und die Emporen sind mit Holz vertäfelt. Über dem Eingangsportal befindet sich eine Empore für den Posaunenchor und die Orgel, die durch zwei Säulen gestützt wird.

Für die Wiederbeschaffung der im Krieg zerstörten Orgel trugen sich viele Gemeindemitglieder in eine Haussammlungsliste ein. So konnte gegen Ende der 1950er Jahre für 80.000 DM eine neue Orgel finanziert werden. Die von der Firma (
Eberhard Friedrich) E.F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg erbaute Orgel mit zwei Manuale und 33 Register erklang am 4. Advent 1959 das erste Mal im Gottesdienst. Seitdem fanden regelmäßig Orgelkonzerte in der Johanneskirche statt. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die baulichen Voraussetzungen für eine Erweiterung um ein Rückpositiv getroffen worden. 30 Jahre später entschloss sich das Presbyterium, diesen Ausbau in Angriff zu nehmen. Neben der Erweiterung um ein Rückpositiv war auch eine technische und klangliche Aufarbeitung der gesamten Orgel notwendig geworden.

Mit den Arbeiten wurde die Firma Hinrich Paschen aus Kiel beauftragt. Die Orgel bekam einen neuen Spieltisch, die Traktur wurde überarbeitet, alte Register neu intoniert, die Zungenregister ersetzt, der Prospekt umgestaltet und schließlich das Rückpositiv neu hinzugefügt. Im Februar 1994 wurden die Arbeiten an der Orgel, die nun über 35 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal verfügt, abgeschlossen.



Über dem Eingangsportal befindet sich die Empore für den Posaunenchor und der Orgel.



Der Altarraum mit seinen drei Säulenelementen auf jeder Seite ist im Jahre 1964 neugestaltet worden. Dabei wurde ein neues Bildfenster (gestaltet von Monika Hübner) über dem Altar eingebaut. Dieses von der Firma Grönegräs aus Eickel (gegründet 1873), eingebaute Bildfenster im Spitzbogenstil aus Bleiglas (Freie Komposition) zeigt recht abstrakt das "Licht aus der Höhe". Da das neue Altarbild tiefer in den Altarraum hineingezogen und ein neuer Altartisch aus Marmor aufgestellt wurde, brachte man das alte Altargemälde von Erwin Küsthardt (1867-1901) an der rechten Seitenwand an.



Im Jahr 2011 wurde die Johanneskirche durch die Eickeler Architektin Ellen Klingelhöfer aufwändig renoviert und umfassend modernisiert. In neun Monaten wurden Innenraumgestaltung, Beleuchtung, Wärmeversorgung und Wärmedämmung der Kirche auf einen zeitgemäßen Stand gebracht.

Viele ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde wurden bei den Arbeiten eingesetzt. So lagerte der Eickeler Männerdienst (er wurde am 29. Mai 1882 gegründet) die Kirchbänke in eine stillgelegte Kirche nach Bochum-Hordel aus, entfernten den freigelegten Holzboden, strichen das Konstruktionsholz an und erledigten viele weitere schweißtreibende Tätigkeiten.

Innenansicht der Johannes Kirche mit Blick auf den Altarraum und dem Bildfenster mit Spitzbogen, aufgenommen im Jahre 2001.

Im Jahr 2011 wurde die Johanneskirche durch die Eickeler Architektin Ellen Klingelhöfer aufwändig renoviert und umfassend modernisiert.

Das Kirchenschiff wurde in einer hellen Farbgebung neu gestaltet. Die prägenden Säulen wurden im Terrakotta-Ton gestrichen, die mit horizontalen Linien versehen wurden. Sie verleihen den tragenden Elementen der Architektur eine freundliche Leichtigkeit. Auch die florale Kapitellverzierung im Eichenlaubschmuck wurde plastisch ausgearbeitet. Ein helles Taubenblau im Kirchraum rundet die Gestaltung ab.


Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2011, präsentiert sich die neu renovierte Johanneskirche ihren Besuchern.


Ein neues Beleuchtungskonzept auf Basis von LED-Lampen wurde durch die Firma Lichtmanufaktur von Gisbert Bröker aus Eickel Entworfen und installiert.


Die neue Beleuchtung der LED-Lampen, installiert durch die Firma Lichtmanufaktur von Gisbert Bröker aus Eickel.


Desweiteren wurde die Dämmung der Außenwände verstärkt und die Wärmeversorgung erneuert. Das technische Konzept für Umbau und Erneuerung wurde von dem Ingenieur- und Planungsbüro Gertec aus Essen erarbeitet. Die Beheizung der Kirche erfolgt mittels einer Kraft-Wärme-Kopplung. Neben diesen Maßnahmen, von denen sich die Gemeinde einen niedrigeren Energieverbrauch erwartet, wurde auch in die Veranstaltungstechnik investiert.

Eine weitere Erneuerung ist eine vier Meter breite Motorleinwand, die in der Parkposition hinter dem Altar auf dem Boden liegt, und bei Bedarf hochgezogen und ausgefahren werden kann. Auch die Tontechnik, die gerade älteren Menschen optimales Hören ermöglichen soll, wurde verbessert. Neben konventionelle Lautsprecher wurde ein auf den Raum-Hall der Kirche abgestimmtes digitales Klangsystem eingebaut.
Auch der Taufstein fand einen neuen Platz. Er stand vor der Modernisierung noch links vom Altar (
vom Eingang aus gesehen) unter dem bronzenen Johannes-Relief. Im Zuge der Arbeiten wurde der Taufstein in die Nähe des Altars versetzt.

Im Zuge der Modernisierung wurde das Kirchenschiff unter der Orgelempore durch eine Glaswand mit Sichtverbindung zum Gottesdienstraum abgetrennt. Hier ist ein Ort der Begegnung der Gemeinde nach dem Gottesdienst entstanden.

An den beiden Seiten der Haupteingangshalle befinden sich seit den 1950er Jahren zwei verwitterte Grabplatten. Sie befanden sich bis zur Zerstörung des Kirchturms im Jahre 1944 an der Außenwand des alten Turms. Die Grabplatten stammen von den Gräbern aus der alten Johanneskirche auf dem Eickeler Markt. Die linke Grabplatte zeigt den Tod von Elisabeht Loe-Düngelen am 6. November 1643 an. Unter der Wappenkatusche stehen folgende Zeilen: "Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Der Name des Herren sei gelobt.". Die rechte Grabplatte zeigt den Tod von Johann von Hugenpoth zum Gosewinkel und Horst am 17. September 1677 an. In der Mitte der Grabplatte sind neun Wappendarstellungen als Ahnennachweis sichtbar.


Auf der linken Seite zum Ausgand: die Grabplatte der Elisabeth von Loe-Düngelen.
Auf der rechten Seite zum Ausgang: die Grabplatte des Johann von Hugenpoth zum Gosewinkel und Horst.


Die Johanneskirche die in Sicht- und Achsbezug zur Hauptstraße steht, ist der städtebauliche Blickfang in Eickel. Aus diesem Grund hat nach Prüfung des Kultur- und Planungsausschusses am 18. Februar 1988 die Bezirksvertretung Eickel den Antrag, die evangelische Johanneskirche in Eickel, Richard-Wagner-Straße 5, in die Liste der Herner Baudenkmäler mit der Nr. 30 einzutragen und unter Denkmalschutz zu stellen, stattgegeben.


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Johannes Kirche von der Hauptstraße aus gesehen. Die Johannes Kirche von Nordosten aus gesehen. Die Aufnahmen entstanden zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2011.


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Quellennachweis:

Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt. Geschichte der Gemeinden beider Ämter. Siegen 1903, S. 67 f.
Hegler, Gustav: Beitrag zur Kulturgeschichte der Heimat, Witten 1908, S. 127 f.
Daniels, Johannes, Beckmann, Julius: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Wanne-Eickel 1927, S. 163 ff.
Evangelische Kirchengemeinde Eickel: 350 jährigen Jubelfeier der evangelischen Kirchengemeinde Eickel.
Festschrift. Wanne-Eickel 29-31. Oktober 1927, S. 17 ff.
Stadtarchiv Herne : Archiv Haus Dahlhausen, mit 81 Urkunden (1361 - 1801 und 1.277 Akten (1526 - 1908).
Stadt Wanne-Eickel: 25 Jahre Stadt Wanne-Eickel, Wanne-Eickel 1955, S.81 ff.
Evangelische Kirchengemeinde Eickel: 75 Jahre Evangelisch-Kirchlicher Männerdienst Eickel. 1884-1959. Festschrift. Wanne-Eickel 1959.
Hausmitteilungen der Firma EF Walcker & Cie. Nr. 26. April 1960, S. 50 f.
Keinhorst, Hermann: Eickel. Vom Jahre 774 bis zur Neuzeit. Wanne-Eickel 1965, S. 39 f.
Evangelische Kirchengemeinde Eickel: Broschüre, Herzlich willkommen in der Johanneskirche Eickel, Wanne-Eickel, ohne Jahrzahl.
Evangelische Kirchengemeinde Eickel: 400 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Eickel. 1577-1977. Festschrift. Herne 1977.
Lührig, Heinrich, Zimmermann, Peter: Eickel. Ein Heimatbuch in Bildern. Herne-Eickel, Bochum 1982, S. 24 f.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit. Herne 1984, S. 37 f.
von Knorre, Alexander: Das Familiengrabdenkmal Conrad von Strünkede zu Dorneburg in Witten und sein Vorbild, das Grabdenkmal
des Jobst von Strünkede in Herne. Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark 88. Witten 1990, S. 20 f.
Sonderausstellung, Heimatmuseum Wanne-Eickel, "Kirche in Wanne-Eickel", Juni 1991.
Evangelische Kirchengemeinde Eickel: Broschüre, 100 Jahre Johanneskirche, 1996. Johannes-Brief, Eickel 1996.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten. Zaltbommel/Niederlande1992.
Lührig, Heinrich: DVD, Geschichte vor Ort. Schauplatz Eickeler Markt. Herne 2006.
Broschüre: Evangelische Kirche Eickel. Renovierung und Neugestaltung der Johanneskirche. Herne-Eickel 2011.
Tagespresse WAZ aus den Jahren: 1962, 1986, 1988, 1995, 1996, 2000, 2002, 2011.
Führung: "Tag des offenen Denkmals", 11. September 2011 durch Pfarrer Arno Wittekind.


Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.








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