Wanne-Eickel-Historie


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Evangelische Auferstehungs-Kirche in Wanne-West

Gebäude

Evangelische Auferstehungs-Kirche in Wanne-West


Der stark wachsende Bergbau der Nachkriegszeit und die damit einhergehende steigende Einwohnerzahl und die religiöse Entwicklung vor Ort in den Siedlungen, machten eine Gemeinde-Neugründung und den Aufbau eines Gemeindezentrums notwendig. Denn nicht nur Wohnraum für die Bevölkerung, sondern auch Gottesdienstraum für die Christen musste geschaffen werden.

So entstand das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Wanne-West an der Gelsenkircher Straße 73, in dem sich heute die Tageseinrichtung "Nimmersatt" für Kinder befindet.

Das ehemalige Gemeindehaus der ev. Kirchengemeinde Wanne-West an der Gelsenkircher Straße 73.

Im Laufe der Jahre wurde innerhalb der Gemeinde festgestellt, dass ein nachhaltiger Bedarf für einen Kirchenneubau bestand. So war der Gemeinde und architektonische Wille für einen zukunftweisenden modernen Sakralbau geboren.

Nun wurde eine wirkungsvolle Lage für den Kirchenneubau gesucht und mit dem Standort Bickernstraße 46-48 gefunden. Mit dem Bau wurde der protestantische Baumeister Friedrich Wilhelm Kölsch (1922-2009) aus Dortmund, ein Vertreter der Modernen, beauftragt. Friedrich Wilhelm Kölsch baute 22 neue Kirchen im Ruhrgebiet, Sauerland und Siegerland und war somit der erfolgreichste Baumeister der Modernen.

Im Jahre 1961 wurde seitlich der späteren Kirche das Pfarrhaus erbaut. Es umfasst Wohnräume, Pfarrbüro und Garage, die sich um drei Seiten eines Atriums reihen. Der Kirchenbau selber entstand im Jahre 1963. Diese Jahreszahl weist ein Grundstein links vom Kircheneingang aus.

Das 1961 erbaute Pfarrhaus seitlich der Kirche.

Der Grundstein links vom Kircheneingang.

Die Konstruktion der Kirche besteht aus einem Stahlbetonskelett, das mit Gitterziegel ausgefüllt und mit roten Klinkersteinen verblendet ist. Der rund 30 Meter hohe quadratische Kirchturm aus Ziegelmauerwerk ist mit ebenfalls roten Klinkersteinen verblendet. Der Glockenturm ist durch Beton- und Schallgitter abgesetzt und mit metallenen Zifferelementen der Uhr und bekrönendem Kreuz versehen. Im inneren des Kreuzes befindet sich ein Antennenmast mit drei D2 Antennen und drei D1 Antennen. Der Kirchturm steht frei vom Kirchgebäude und ist durch einen offenen Gang mit ihr verbunden.

Der rund 30 Meter hohe quadratische Kirchturm. Im inneren des Kreuzes befindet sich ein Antennenmast.

Die moderne Kirchen-Konstruktion erhebt sich in der Art eines Zentralbaus stützungsfrei auf quadratischem Grundriss unter einem flachgeneigtem Dach. Der quadratisch, hohe Saal mit der um zwei Stufen erhöhten nordöstlich gelegenen Orgel und Empore ist durch eine gestaltete Brüstungswand aus Beton von 1,50 Meter vom Kirchenraum getrennt. Die Brüstungswand wird durch geometrische und plastische Formen bestehend aus Bahnen, Streifen und Kreisen dargestellt. Der Ebenenunterschied ist wenige Stufen hoch und wird durch die Brüstungswand verdeckt und nahezu aufgehoben.

Innenansicht der Auferstehungskirche mit den jeweils 17 kunstvollen Kirchenfenstern.

Innenansicht der Auferstehungskirche mit Orgel und Empore.

Die Kirchenfenster des Gotteshauses sind durch weiße Stahlbetonstützen unterteilt, die die Wandflächen in je 17 Fenster aufteilen. Die Wandfläche an der Südwestseite wird durch eine großflächige kunstvolle Bleiverglasung durchbrochen. Auf der Gegenseite befindet sich ein schmales als Oberlicht angeordnetes Fensterband, das somit die einzige Lichtquelle des Sakralbaus darstellt.

Die kunstvolle und farbenfrohe Bleiverglasung der Glasfensterfronten des Künstlers Rudolf Vombek.

Die Glasfenster entwarf der aus Maribor / Jugoslawien stammende Rudolf Vombek (1930-2008). Vombek Studierte von 1954-1957 an der Werkkunstschule in Wuppertal. Er war von 1970-1971 Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Dortmund und von 1977-1984 an der Universität Essen. Desweiteren war er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und des Westdeutschen Künstlerbundes. Viele seiner Werke sind in der Region zu sehen. Im Jahre 1961 erhielt er den Förderpreis zum Karl-Ernst-Osthaus-Preis. In seinen Werken geht es in erster Linie um die physischen und psychischen Qualitäten der Farbe, also um die Möglichkeit, mit ihrer Hilfe Flächen und Räume herzustellen, die nicht selten die Form einer optischen Täuschung annehmen und unsere Sehgewohnheiten dadurch auf ihre Korrektheit hin befragen.

Für die künstlerische Inneneinrichtung: Orgel, Altar, Altarleuchter, Altarkreuz, Türgriff am Haupteingang sowie die vier Bronzereliefs "Auferstehung" die in Kreuzform angeordnet sind, die Kanzel (Ambo - Tisch des Wortes) und der Taufstein sowie die skulpturale Brüstungswand vor der Empore, war der aus Remscheid stammende Bildhauer Max Kratz (1921-2000) verantwortlich. Kratz hat ab den 1950er Jahren (erste öffentliche Auftragsarbeit - Türgriffe für die neue Sparkasse Düsseldorf) über 100 Kunstwerke für den öffentlichen Raum angefertigt. Als freischaffender Künstler, Bildhauer und Hochschullehrer schuf er auch Werke für zahlreiche Kirchen in Nordrhein-Westfalen. Er arbeitete häufig mit dem Bauassessor Kölsch bei der Ausgestaltung vieler Sakralbauten in Nordrhein-Westfalen zusammen. Seine wohl berühmteste Skulptur befindet sich in Essen - das Bergarbeiterdenkmal "Steile Lagerung".


Die evangelische Auferstehungskirche samt Ausstattungsstücke, wie oben beschrieben und das 1961 erbaute Pfarrhaus wurden am 10. Februar 2010 als Nr. 711 in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne aufgenommen. Der Denkmalwert wurde darin gesehen, dass sie gestalterisch der Modernen der 1960er Jahre (Glas, Stahl, Beton) anzusehen ist.

Am 1. Januar 2009 wurden die bislang selbstständigen Gemeinden Wanne-Mitte, Wanne-Süd und Wanne-West zu einer großen evangelischen Kirchengemeinde mit rund 7300 Gemeindemitgliedern zusammengelegt. In der Christuskirche, in der Zwölf-Apostel-Kirche und in der Auferstehungskirche finden weiterhin Gottesdienste statt. Die Gemeindearbeit verteilt sich auf zwei Pfarrbezirke und wurde von Pfarrer Dr. Frank Weyen (Süd) und Pfarrer Kurt Blecher (West) übernommen. Nach der Neustrukturierung der Kirchenkreise wurde Anfang 2010 eine neue Matthäus-Kirchengemeinde-Wanne gegründet und umgewandelt.


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Quellennachweis: Literatur: Rudolf Vombek. Form und Wahrnehmung, hrsg. v. Bochumer Kunstverein anlässlich der Ausstellung 1985.
WAZ vom 19. April 2008. Evangelischer Kirchenkreis Herne: Inspiration, Bewegung, Kultur. Der Bildhauer Max Kratz in Castrop-Rauxel und Wanne-Eickel, 2010. Unterlagen der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne, 2012.
Fotonachweis: Heinrich Lührig.



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