Wanne-Eickel-Historie


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Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Wanne-Eickel

Gebäude

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in Wanne-Eickel - Friedenskirche


Die Geschichte der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Wanne-Eickel ist eng mit dem Kohlenbergbau im Ruhrgebiet verbunden.

Am 2. Februar 1905 wurde die Gemeinde als "Baptistengemeinde Eickel" gegründet. Ihre Ursprünge gehen allerdings schon auf das Jahr 1878 zurück. Viele der Gemeindemitglieder arbeiteten als Bergleute auf den Zechen Hannover-Hannibal und Königsgrube.

Im Jahre 1883 hielt Prediger Röth in der Königsgruber Kolonie in Röhlinghausen, alle vierzehn Tage eine Versammlung ab. Zu Fuß ging man jeden Sonntag über die "Dröhe" oder über die "Kappskolonie" (Bochum-Hordel) nach Bochum-Hermannshöhe zum Gottesdienst, denn die kleine Gemeinschaft der Christen gehörte offiziell zur Gemeinde in Bochum.

Dies war ein langer Weg von Röhlinghausen bis zur Kapelle. Deshalb beschlossen die Geschwister Drescher, in ihrer damaligen Koloniewohnung eine Wochenbibelstunde ab zu halten. Zur Leitung der Bibelstunde kamen Prediger Röth und Prediger Kickstat von Bochum nach Röhlinghausen.


Da immer mehr Menschen die Veranstaltungen besuchten, zogen die Gemeindemitglieder 1896 nach Eickel in ein Haus mit einem Versammlungsraum in die Richard-Wagner-Straße. Hier fanden auch die Gründungsfeierlichkeiten am 02. Februar 1905 statt. Die Gemeinde wurde selbstständig und zählte zu dieser Zeit 73 Mitglieder.



Versammlungslokal im Hause Ortwig, in Eickel,
Richard-Wagner-Straße.







Die Gemeinde wuchs ständig, sodass die Räumlichkeiten im Hause Ortwig in Eickel zu klein wurden. Deshalb wurde 1907 eine Kapelle mit 300 Sitzplätzen auf dem Grundstück Gärtnerstraße 11, der späteren Reichsstraße 55 gebaut, in der die Gemeinde bis 1965 ihr Zuhause fand.

Die erste Kapelle wurde auf dem Grundstück Gärtnerstraße 11, der späteren Reichsstraße 55 erbaut.

Innenansicht der Baptisten-Kapelle nach der Renovierung.

Der Vorstand der Baptistengemeinde 1924.


Sitzend von links nach rechts:
Wilhelm Köster, August Ortwig, Karl Drescher, Hugo Ströch (Prediger), Paul Härtel (Ältester), August Pokorra.

Stehend von links nach rechts:
Wilhelm Berger, Johann Peschen, Friedrich Kischat, Paul Schulz, Martin Trautrims, Adam Janhoff, Otto Fiedler.

Die Sonntagsschule in Eickel, aufgenommen im Jahre 1934.

Nachdem am 01. April 1926 die Ämter Wanne und Eickel zur Stadt Wanne-Eickel zusammengelegt worden waren, nannte sich die Gemeinde nun "Baptistengemeinde Wanne-Eickel". Die Gemeindemitglieder waren im Jahre 1930 auf 230 Mitglieder angewachsen.

Die Zeit des Nationalsozialismus war auch in der Wanne-Eickeler Baptistengemeinde eine schwarze Zeit. Aufgrund diverser Differenzen, die wohl auch auf unterschiedliche politische Einstellungen zurückzuführen sind, verließ eine Gruppe von ca. 70 Mitgliedern die Gemeinde in Richtung Bochum-Hermannshöhe, bzw. Bochum-Hamme. Leider lassen sich die Ereignisse von damals nicht mehr recherchieren, weil die Protokolle und Unterlagen bei der Zerstörung der Kapelle durch Bomben am 29. September 1943 mit in Flammen aufgegangen sind.

Die nun mehr heimatlos gewordene Gemeinde traf sich ab 1945 in Privathäusern und Schulen, bis die Kapelle in der Reichsstraße 55, im März 1949 wieder notdürftig aufgebaut worden war. Offiziell eingeweiht wurde sie nach Fertigstellung am 11. Mai 1952. Sie trug den Namen "Friedenskapelle".

Die wiederhergestellte Kapelle 1947-1949, in der Reichsstraße 55.

Die "neue Kanzel", wurde nach einer Sammlung (1948)
von rund 1 000,- DM neu errichtet.

Im Jahre 1959 wurde über eine Erweiterung nachgedacht. Nach Prüfung der Boden- und Bauverhältnisse (Kriegseinflüsse und Bergschäden) des Gotteshauses wurde festgestellt, dass die Pläne nicht durchgeführt werden konnte. Nach einigem Hin und Her wurde dann an der Hauptstraße 127 mit dem Gebäude der Landeszentralbank (ehemals Reichsbank), die Frühjahr 1964 geschlossen worden war, ein geeignetes Haus und Grundstück gefunden. Das Bankgebäude wurde zum Gemeinde- und Wohnhaus umgebaut, der eigentliche Kirchenraum wurde angebaut. Am 03. Dezember 1966 - mit Beginn einer Gemeindewoche - wurde das neue Gemeindezentrum an der Hauptstraße in Wanne-Süd seiner Bestimmung übergeben.

Die ehemalige Reichsbank, später Landeszentralbank an der Hauptstraße 127.

Grundsteinlegung am 26. Dezember 1965.
Auf dem Bild von links zu sehen: Emil Cichowski und Paul Opitz.
Stehend: Erhard Rockel und Aribert Dill.

Der erste Träger des Gotteshauses wird gesetz.

Die Friedenskirche, die durch eine sehr geräumige Vorhalle (durch den Altbau) erreicht wird, bietet ca. 300 Personen Platz. Die hohen Seitenfenster aus Glassteinen sind so gestellt, dass das Licht zur Kreuzwand und zur Kanzel hin einfällt. Das schräg nach vorne abfallende Dach ist eine Holzkonstruktion, die ein kleines Gewölbe entstehen lässt.

Vor der Kreuzwand wird das Bild vom Abendmahlstisch beherrscht, flankieret von der Kanzel und dem Baptisterium. Die Konstruktion des Abendmahlstischs deutet ein Halbrund an. Damit soll ausgedrückt werden, dass alle an einem Tisch sitzen. Dieselbe Konstruktion fand auch bei der Kanzel Anwendung, dass auch der Prediger zu der Gemeinde gehört, wenn er seine Predigt hält. Weil der Grundriss ein Trapez ist, konnten die Bänke so gestellt werden, dass auch die Gemeinde im Halbrund um den Abendmahlstisch sitzt.

Innenansicht der Friedenskirche, aufgenommen im April 2011.

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Wanne-Eickel - Friedenskirche, Hauptstraße 127 in Wanne-Süd.

Die Eingangstür (Buntglasfenster) zum Gemeindezentrum. Sie stellt eine Szene aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn dar, der sein Vaterhaus verlassen hat und freiwillig zurückkehrt. Er kam mit der Einsicht: "Ich bin ein sündiger Mensch". Über dem Bild vom "verlorenen Sohn" der Bildtext: "UND VERGIB UNS UNSERE SCHULD - WIE WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN. Die Buntglasfenster aus dem Jahre 1966 sind eine Auftragsarbeit des heimischen Künstler Edmund Schuitz.

Mit großer Aufmerksamkeit tritt der Besucher durch das Portal des Gemeindezentrums, dass eine Szene aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, geschaffen durch den Wanne-Eickeler Künstler Edmund Schuitz (1913-1992) darstellt, der auch an allen weiteren Buntglasfenstern im Kirchenraum gestaltend mitgewirkt hat.

Suchet der Stadt das Beste: Dieses biblische Motto bestimmte in den Jahren die Arbeit der Baptistengemeinde, die inzwischen den Namen "Evangelisch- Freikirchliche Gemeinde" trägt. Dieses Motto ist den Mitgliedern der inzwischen über 100-jährigen Gemeinde auch heute noch ein Anliegen.


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Quellennachweis: Festschrift 65 Jahre Evangelische-Freikirchliche Gemeinde Wanne-Eickel - Friedenskirche, Februar 1970.
Fotoveröffentlichung: Mit Genehmigung durch: Evangelische-Freikirchliche Gemeinde Wanne-Eickel - Friedenskirche.
Fotonachweis: Heinrich Lührig.


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