Wanne-Eickel-Historie


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Ernst Schröder

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Ein Leben für die Bühne


In der Eickeler Straße aufgewachsen, in Berlin, Zürich und München zu Ruhm gekommen, doch in seiner Heimatstadt Wanne-Eickel erinnert nichts an den großen Schauspieler Ernst Schröder.

Ernst Schröder wurde am 27. Januar 1915 als Sohn eines Schneidermeisters in Eickel geboren. Schon früh, als Primaner, hat Ernst Schröder schwer mit sich gerungen, ob er Schauspieler oder Maler werden sollte. Seine kleine Stube im Haus seiner Eltern in der Eickeler Straße 3 hat voll gehangen mit eigenen Bildern. Seine Schulzeit absolvierte er am Eickeler Gymnasium. Nach dem Abitur 1934 begann Ernst Schröder ein Studium der Germanistik, wand sich aber schnell der Architektur zu und entwarf Bühnenbilder für Professor Saladin Schmitt Leiter des Bochumer Schauspielhauses, der Schröder für das Theater begeistert. Nach Stationen in Bielefeld und Kiel gehörte er von 1938 bis 1944 dem Berliner Schillertheater an.

Während des Krieges war er Soldat (1941), wurde schon bald verwundet und kam 1942 nach seiner Genesung zurück ans Berliner Schillertheater. Als 1944 das Theater schloss, wurde er erneut zum Wehrdienst einberufen und geriet in Italien in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg leitete er zwischen 1946 und 1948 in Berlin die Städtische Hebbel-Theaterschule. Auch als Lehrbeauftragter für Regie an der Freien Universität in Berlin machte er sich einen Namen. Nach freien Engagements als Schauspieler und Regisseur war er in München und in Zürich zwischen 1958 und 1967 am Schauspielhaus tätig.



Autogrammkarte von Ernst Schröder.


Anfang der 70er Jahre gibt die Stadt Wanne-Eickel eine Neuauflage der Schallplatte, A - Seite: Der Mond von Wanne-Eickel, B - Seite: Ernst Schröder spricht Verse von Fred Endrikat, heraus.

Zu Ernst Schröders großen Charakterrollen zählten u.a. William Shakespeare „Richard III.“, Brechts Stück „Galileo Galilei“, „Wallenstein“, „Warten auf Godot“, „Biedermann und die Brandstifter“ und „Macbeth“. Er gehörte zu den ganz großen des deutschsprachigen Theaters. So inszenierte er 1975 in München Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“. Er arbeitete mit Filmregisseuren wie Bernhard Wicki, Robert Siodmak und Claus Peter Witt zusammen und lieh als Synchronsprecher Schauspieler wie James Cagney, William Conrad und Rex Harrison seine Stimme. Er war auf bedeutenden Bühnen zu Hause und oft Gast in TV-Serien wie „Derrick“ und „Der Alte“.

Auf der Höhe seines Ruhmes zog sich Ernst Schröder 1976 zurück und siedelte in dem italienischen Dörfchen Castelina über. Hier entstanden seine Memoiren: „Das Leben – verspielt“. Sein künstlerischer Erfolg steht dem persönlichen Schicksal entgegen: 1980 stürzt sich seine Tochter, die Schauspielerin Christiane Schröder, von der Golden-Gate-Brücke.


Im Herbst 1992 wurde Ernst Schröder – er war an Prostatakrebs erkrankt, in einer Privatklinik in Berlin behandelt. Am 17. Februar 1993 teilte er seinen alten Schulfreund, dem ehemaligen Oberstadtdirektor von Wanne-Eickel, Dr. Wilhelm Elberts in einem Brief mit: „Dass seine 3. Operation nichts gebracht habe“.

Eine Einladung zur 90-Jahr-Feier des Eickeler Gymnasiums, seiner alten Penne, am 6. Juli 1993 sagte er ab. Damals schrieb er so Dr. Elbers: „Es geht mir schlecht.“ Das Wort „schlecht“ war dick unterstrichen.

Aus dieser Aussichtslosigkeit nahm sich Ernst Schröder am 26. Juli 1994 durch einen Sprung aus dem Fenster der Berliner Privatklinik das Leben. Er wurde auf dem Waldfriedhof Berlin-Zehlendorf bestattet.

Ernst Schröder erhielt während seiner Karriere zahlreiche Ehrungen:
Seit 1974 war er Träger des großen Bundesverdienstkreuzes. 1979 verlieh man ihm in Zürich den Literaturpreis, 1986 zeichnete man ihm für seine Leistungen mit dem Bundesfilmpreis aus.

Sein ehemaliger Schulkollege und Freund Dr. Wilhelm Elberts sagte einmal über Ernst Schröder: „Er hat seine Heimat nie verleugnet, war stets stolz auf sein Wanne-Eickel.“

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Quellennachweis: Persönlichkeiten unserer Stadt, Vortrag durch Studenten der FH Gelsenkirchen Sommer 2005. WAZ vom 28. Juli 1994.
Fotoveröffentlichung: Mit Genehmigung durch: Gabriele Simon.



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