Wanne-Eickel-Historie


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Einleitung

Höfe und Kotten

Höfe und Kotten


Vor mehr als 150 Jahren gab es im heutigen Stadtgebiet von Wanne-Eickel etwa 50 Bauernhöfe und Kötterhäuser, die räumlich oft weit auseinander lagen.

Die Namen der Höfe und Kotten gehen weit in die Geschichte zurück. Sie sind aufgezeichnet in den Steuerlisten (Märkische Schatzbuch, Türkensteuerliste, Feuerstättenverzeichnis, Grundbesitzverzeichnis), da man noch kein Finanzamt kannte, sondern seine Verpflichtungen gegen den Landeigentümer hauptsächlich in Nahrungsmittel zu entrichten hatte.

Höfe und Kotten lagen in loser Streuung über die Feldmark verteilt. Zu einer Dorfbildung mit einer Kirche im Mittelpunkt kam es nur in Eickel. In Crange haben die dichtbeieinanderliegenden Kotten einen dorfähnlichen Charakter.

Die Fachwerkgebäude waren mit Inschriften im Giebel- Tor oder Deelenbalken reich geschmückt. In Crange geben diese "Zeitzeugen" heute noch Auskunft über den Namen des Hausherren und seiner Frau, oft auch den Heiratsantrag sowie in kleinerer Schrift den Namen des Baumeisters und das Jahr, in dem der Bau vollendet wurde.


Die Skizze eines Bauernhauses.

Jeder Hof hatte eine Deele, einen großen Innenraum und Stallungen sowie einen eigenen Brunnen, den Pütt, der die Bewohner mit Wasser versorgte. Das Leben der Familien und der dazu gehörigen Knechte und Mägde fand seinen Mittelpunkt in dem Deelenraum. Hier wurden auf einem Herdfeuer die Mahlzeiten zubereitet und auf dem wenige Meter von ihnen stehenden Tisch von sämtlichen Hausbewohnern, verzehrt.

Bezüglich der Größe der einzelnen Höfe unterschied man zwischen Vollbauer, Halbbauer, Kötter, Halbschulzen, Pferdekötter und Kuhkötter. Auf den größeren Höfen betrieb man die Landwirtschaft mit sechs und mehr Pferden. Auf den Halbbauernhöfen, vier bis fünf Pferde. Die kleineren "Höfe" hatten meist zwei Pferde oder auch Zugochsen. Man rechnete auf jeden Pflug und jedes Gespann 40 bis 60 Morgen, je nach Lage und Beschaffenheit des Bodens. Die Familien ohne Land, die Hand- und Spanndienste leisteten (Tagelöhner) wohnten in besonderen Häusern als sogenannte Heuerlinge.

Die bestehenden Straßen und Wege (Knüppeldamm mit Reiserbündel) zum Nachbarn oder in die nächste Bauerschaft waren schlecht und nur bei gutem Wetter zu begehen. Wegen der zum Teil schlammigen Wege musste man gutes, derbes Schuhwerk (Holzschuhe mit Stroheinlagen) tragen, wollte man nicht in der feuchten Jahreszeit in den tief ausgefahrenden schlammigen Wegen steckenbleiben.

Dieses Bild änderte sich mit Aufkommen des Bergbaues. In alten Aufzeichnungen ist zu lesen: "Im Amte Wanne ging der landwirtschaftlich genutzte Privatbesitz von fünf und mehr Hektar von 84 % der Gesamtfläche im Jahre 1826 auf 5,2 % im Jahre 1925 zurück". So zeigen die Bodennutzungserhebungen im Jahre 1926 einen unaufhaltsamen Rückgang der noch im Stadtgebiet betriebenen Landwirtschaft zu Gunsten der fortschreitenden Besiedelung und der Ausdehnung der Industrie. Vielfach wurden die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen durch die Bergwerksgesellschaften aufgekauft und (soweit sie nicht in landwirtschaftlicher Nutzung blieben) mit Wohnhäusern (Kolonien) zur Unterbringung ihrer Belegschaft bebaut. Somit verlor die Landwirtschaft mit fortschreitender Industriealisierung immer mehr an Boden.


Zeichnung eines Bauernhauses im Schatten der Zeche.

Nach Anfang des 20. Jahrhunderts verzeichnete die Statistik im heutigen Stadtgebiet mehr als 30 Höfe, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf 16 Höfe verringerten.

Wo einst wogende Kornfelder das ländliche Stadtgebiet prägte, befanden sich plötzlich rauchende Schlote der Industrie und Zechen mit ihren Seilscheiben. Diese wiederum mussten der Bergbaukrise und der Umstrukturierung mit den Jahren weichen. Nur wenige Fachwerkhäuser der einstigen Hofstelle sind heute noch im Stadtgebiet von Wanne-Eickel vorhanden. Von den anderen Höfen und Kotten finden sich heute nur vereinzelte Bilder - geblieben aber sind die Straßennamen die an die einstigen Bauern erinnern.

Doch wie sah unsere Heimat in vorindustrieller Zeit aus? Einen Eindruck gewinnt man heute am ehesten im nahe gelegen Münsterland. Stellt man sich hier zwischen Wiesen und Äckern, und sieht von weiten die verstreuten Hofstellen, bekommt man eine ungefähre Vorstellung wie es einst in unserer Heimatstadt ausgesehen hat.


Blick vom Sandberg auf den Hof Biltz (rechts im Bild, verdeckt durch Bäume)
an der heutigen Berliner Straße im Jahre 1955.

Gemarkungskarte aus dem Jahre 1824 mit Höfe und Kotten unserer Heimatstadt Wanne-Eickel.
Diese Karte stammt aus dem Buch: 75 Jahre Heitkamp 1892-1967, S. 632 ff.

Robert Heitkamp, beauftragte Anfang der 1960er Jahre den Kunstmaler Edmund Schuitz mit der Umsetzung dieser Karte unter Anwendung der speziellen Glasklebetechnik, die der Kunstmaler entwickelt hatte, diese auf eine Glasträgerscheibe zu übertragen. Die auf einen Glasträger aufgebrachte Karte hatte eine Größe von Höhe 1,68 Meter X Breite 2 Meter und wurde im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes der Bauunternehmung Heitkamp aufgestellt.

Im Jahre 1955 erteilte die Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. dem Kunstmaler Edmund Schuitz den Auftrag, die im Archiv der Stadt Wanne-Eickel vorhandene Karte mit den Gemeinden Röhlinghausen, Eickel, Bickern und Holsterhausen, grafisch zu gestalten. Der Kunstmaler setzte diesen Auftrag im Maßstab zu 1 : 10 000 um und es entstand eine schwarz/weiß Karte die eine Größe von Höhe 0,33 cm X Breite 0,41 cm hat. Die "Heimatkarte" wurde vom Künstler unten links Signiert und mit der Jahreszahl 55 (1955) versehen.

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Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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