Wanne-Eickel-Historie


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Druckerei MC Wolf

Firmen mit Tradition

Die Entwicklung eines Unternehmens MC Wolf


Aus der ländlichen Idylle von Rheinbreitbach (bei Bonn) war 1881 der 14jährige Michael Carl Wolf nach Eickel gekommen, um eine Lehrstelle in der kleinen Buchbinderei und Buchhandlung Hermann Klein anzutreten. Arbeitstage von zwölf und mehr Stunden waren an der Tagesordnung. Selbst an Sonn- und Feiertagen, nach dem Besuch der nahen Kirche, wünschten Kunden, bedient zu werden.

Kohle hatte Konjunktur, die gesamte Wirtschaft der Region expandierte, die Bevölkerung wuchs. Der Betrieb vollzog die Entwicklung mit: 1889 wurde ein neues Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Herzog- Eickeler Straße gebaut, das noch im gleichen Jahr bezogen werden konnte.



Nach Lehrzeit und einigen Wanderjahren übernahm Michael Carl Wolf immer mehr Aufgaben und größere Verantwortung im Betrieb; Hermann Klein, ohne Nachkommen alt geworden, verkaufte die Firma 1901 an Wolf.

Der ehemalige Lehrling Wolf heiratete im gleichen Jahr Anna Rind aus Wuppertal-Barmen. Die ersten Druckmaschinen wurden angeschafft – damit war der Grundstock für die Druckerei gelegt.

Im Jahre 1911 verstarb der Gründer des Geschäfts, Hermann Klein.


Der Gründervater, Hermann Klein.


Stammhaus MC Wolf, Herzogstraße 2 in Eickel (links 1905, rechts 1910).


Der Tatendrang des neuen, jungen Chefs war erheblich: Aufbau einer Schnelldruckpresse mit Selbstanleger und Falzapparat wurde gekauft, Vergrößerung des Hauses, 1912 Gründung der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ für das Amt Eickel – ein mutiges Unterfangen; Kritiker erwarteten, „MCW“ werde sich mit der Tageszeitung ruinieren. Trotz aller Unkenrufe wurde sie ein Erfolg: mit annähernd 4000 Abonnenten.

Als während des ersten Weltkrieges die wehrtauglichen Männer eingezogen wurden, blieb Wolf und sein Redakteur Willibert Buhs nur mit ein paar Lehrlingen zurück: Doch bei 16 und mehr Arbeitsstunden am Tag erschien das Blatt pünktlich und aktuell, oft mit zusätzlichen Extrablättern; Straßenbahnschaffner, die zwischen Bochum und Eickel pendelten, zogen den großstädtischen Zeitungen das Wolf-Blatt vor: Es war meist aktueller.

Das Gründerehepaar Anna und Michael Carl Wolf (links).


Die extreme Arbeitsbelastung forderte ihren Preis: Nach dem Krieg war Michael Carl Wolf ein kranker Mann. Ärzte drängten ihn, kürzer zu treten. Nur widerstrebend verkaufte er die Tageszeitung 1920 und brachte fortan das neue kirchliche Mitteilungsblatt für das Dekanat Wanne, Eickel und Bochum-Hordel mit einer Auflage von 8000 Stück heraus.

Langsam wurde Wolf wieder gesund, er kehrte zu seiner expansiven Geschäftspolitik zurück: Die Setzerei, Druckerei, Verarbeitung, Buchbinderei wurden ständig modernisiert. „MCW“ stellte jede Art Druckwerke her, von Werbedrucksachen über Bücher bis zum Geldschein (Notgeld während des Inflationsjahres 1914).

Ein schwerer Schicksalsschlag traf MC Wolf 1930. Durch den Tod verlor er seine Frau Anna, eine treue Lebensgefährtin und Mutter von sieben Kindern.

MC Wolf war aktiv in der katholischen Kirche und der christlichen Arbeiterbewegung; - er war nicht bereit, sich von den Nationalsozialisten „vereinnahmen“ zu lassen. 1941 wurde das katholische Mitteilungsblatt verboten.

Regelmäßige, kleinliche Behinderungen musste der Betrieb über sich ergehen lassen. Die öffentliche Hand und andere von der NSDAP beeinflussten Stellen gaben Wolf keine Druckaufträge mehr. Die Söhne des Inhabers, Hermann und Karl, waren im Krieg. Mit seinen Töchtern und ein paar Invaliden führte der Senior den geschrumpften Betrieb fort: In erster Linie stellten sie Drucksachen für Bergwerkunternehmen her.

Bei einem Luftangriff am 29. September 1943 brannten die Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Die Familie wurde evakuiert. Oft unter Lebensgefahr, arbeitete Wolf senior zeitweise mit vier Invaliden in einem gepachteten kleinen Betrieb in Wanne.


Das althergebrachte Prinzip – keine Kredite, ausreichende Rücklagen – sollte sich nach dem Krieg bewähren: Mit den beiden aus dem Krieg heimgekehrten Söhnen konnte der Senior sofort den Wiederaufbau beginnen. Am 15. November 1945 wurde das Geschäft wiedereröffnet. Auf roh zusammengezimmerten Regalen standen Bücher, die im „tausendjährigen Reich“ verboten gewesen waren; christliche, kritische Literatur.

Im Jahre 1946 gründete MC Wolf mit seinen Töchtern und Söhnen eine Kommanditgesellschaft – die MC Wolf KG.


Auf dem Trümmergrundstück Herzogstraße 2, die Familie MC Wolf, Oktober 1943.

Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne


Unter teils abenteuerlichen Umständen „organisierten“ die Söhne Satz- und Druckmaschinen, Papier und anderes Material; MC Wolf zählte nicht zu den NS-belasteten Verlagen und erhielt von den Besatzern die Erlaubnis, am Aufbau der Ruhr-Nachrichten mitzuwirken.

Von 1948 an übernahm MC Wolf die Gesamtherstellung der wöchentlich erschienenden Fachzeitschrift für den Internationalen Frucht-Import- und Großhandel „Der Früchte- und Gemüsemarkt“ (heute „Fruchthandel).

Nach dem Tod des Seniorchefs im Jahre 1956 übernahmen die beiden Söhne und die beiden Töchter die Verantwortung, freilich ohne den intensiven Expansionsdrang des Gründers. Langsames Wachstum, ständige Konsolidierung wurden Unternehmensprinzipien – im Gegensatz zur damaligen Branchenphilosophie.

Im Jahre 1965 wird die Verlagsabteilung in der MC Wolf KG. gegründet. Ihr erstes Verlagsobjekt ist die Fachzeitung “Der Frauenarzt“.

Als Ende der siebziger Jahre im Druckgewerbe die Folgen der Überkapazitäten und Fremdfinanzierungen spürbar wurden, immer mehr Betriebe in Schwierigkeiten gerieten, zählte MC Wolf auch weiterhin zu den krisenfesten Unternehmen.


Die Druckerei mit Bleisatz, Fotosatz, Reproduktion, Buch- und Offsetdruck, in den Räumen der Herzogstraße 2.
Aufgenommen im Jahre 1975.

Da die Räume in Eickel für die Druckerei zu klein geworden waren, kaufte MC Wolf 1978 in Herne 1 an der Fabrikstraße das Gebäude einer ehemaligen Textilfirma und richtet dort die Technik nach rationellen Gesichtspunkten neu ein.

Im Jahre 1979 übernimmt Klaus-Michael Wolf, Sohn von Karl Wolf, die Firma als Geschäftsführer.




Die Belegschaft der Firma MC Wolf im Jahre 1975. Im Vordergrund links, die 2. Generation, rechts die 3. Generation der Familie Wolf.

Die Buch- und Schreibwaren-Handlung in Eickel wurde später modernisiert und 1983 in den ehemaligen Druckereibetrieb hinein erweitert.

Die Räume der Buchhandlung MC Wolf in Eickel, Herzogstraße 2, im Jahre 1976.

Im Jahre 1988/89 gibt das Unternehmen MC Wolf sein Buch- und Schreibwarenhandlung an der Herzogstraße in Eickel auf.

Nach 112 Jahren kam dann das plötzliche "Aus" der einstmals großen MC Wolf Verlags- und Druckbetriebe an der Fabrikstraße in Herne, als Ende Juni 1989 das Konkursverfahren durch den Dr. Wulf-Gerd Joneleit eröffnet wurde.


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Das ehemalige Stammhaus MC Wolf, heute befinden sich in den Geschäftsräumen Freak Kajaks, aufgenommen im Herbst 2009.

Ein Relikt vergangener Tage, das Werbesymbol der Wolf im Buch, vielen Eickeler Bürger auch nach 20 Jahren bestens bekannt.

Quellennachweis: 100 Jahre MC Wolf, 1876-1976.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit, S. 143 ff.
WAZ vom 15. Februar 1989, WAZ vom 22. Juni 1989.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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