Wanne-Eickel-Historie


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Dorfschule in Crange

Gebäude

Pfarrhaus, Schule, Küsterhaus und dann Abriss - die Dorfschule in Crange


Das erste Cranger Pfarrhaus stand auf dem Grundstück Cranger Straße 5. Pfarrer Johann Rothaupt ließ es, weil es baufällig war, abreißen.

Das zweite Pfarrhaus wurde 1616 in der Flur "Der Hagen" gebaut. - Grundstück Schuhmachers Haus. - Pfarrer Albernhausen erhielt als Pfand vom Gutsherrn Gert von Eickel für geliehene 100 Gulden den Bauplatz im Hagen für ein neues Pfarrhaus. Im Jahre 1618 brannte dieses Pfarrhaus ab. Die Pfarrer wurden umschichtig bei den Köttern einquartiert. Am 19. Juni 1648 wurden in der Ruine im Hagen zwei Zimmer für den Pfarrer Victor eingerichtet.

Im Jahre 1669 wurde in der Kirchengemeinde Crange an der Emscher ein drittes, einstöckiges Fachwerkhaus als Pfarrhaus errichtet, das bis 1843 Pfarrwohnung war. Die Balkeninschrift dieses Hauses lautete:

MISERICORDIA ET SAPTIENTIAE STUDIO (Barmherzigkeit und der Weisheit Eifer)


Die alte Dorfschule, die in unmittelbarer Nähe des Pfarrhauses stand, war verfallen und wurde 1849 abgebrochen. Der Schulraum der alten Dorfschule bestand aus zwei mittleren Räumen, die mit 82 Schulkindern belegt waren. Der Dorfschulmeister Friedrich Brockhoff berichtet hierzu wie folgt:

"Erst als die Zwischenwand entfernt wurde und alle Kinder einigermaßen Platz hatten, war der Schulbetrieb gewährleistet".

Friedrich Brockhoff berichtet weiter:

"Schüler erzählten, die alten löchrigen Lehmwände seien ausgefallen und später durch Schilfmatten ersetzt worden. Sie hätten das genutzt, zeitweise unbemerkt zu verschwinden, um auf dem Schulhof zu knickern. Sobald der Lehrer Wiefel ihr Fehlen bemerkte und sie hätten hereinholen wollen, seien sie von einem Mitschüler verständigt worden und der zurückkehrende Lehrer hätte sie dann an ihren Plätzen gefunden".

Friedrich Brockhoff übernahm am 15. Juli 1866 das Amt des Dorfschulmeister in Crange. Nach 55 Jahren ununterbrochenem Schuldienst ging er am 31. März 1921 in den Ruhestand.

In den Jahren 1842 bis 1845 wurden mit der königlichen Regierung zu Arnsberg Verhandlungen geführt, die einen Schulneubau zum Zweck hatte. Die Regierung hatte aber einen anderen Plan. Sie wollte die alte Schule mit der zu Grimberg vereinigen und für die Kinder aus Crange, vom Bleck (Gelsenkirchen-Bismarck) und Bickerndörne eine neue Schule bauen. Dagegen wehrten sich die Cranger und führten als Gegenargument die schlechten Wege und die häufige Überschwemmung an.

Ein glücklicher Zufall kam ihnen zu Hilfe. Die Wahl des Pfarrers Wilhelm Meisner, der Hauslehrer bei dem damaligen Gemeindevorsteher Freiherrn von Elverfeld auf Haus Hörstgen war, war mit der Bedingung verbunden, dass für den neuen Pfarrer ein neues Pfarrhaus gebaut würde. Der Freiherr gab zum Bau eine Summe Geld und der fehlende Restbetrag kam von der Gustav-Adolf-Stiftung. Am 26. März 1845 genehmigte die Königliche Regierung zu Arnsberg die Umwandlung des 1669 erbauten Pfarrhauses zur Schule.


Der Dorfschullehrer Friedrich Brockhoff vor seiner Cranger Schule, aufgenommen um 1905.

Die alte Cranger Dorfschule, aufgenommen um 1900. Sie lag in unmittelbarer Nähe an der heutigen Spinnbahn.

Das den Kindern als Schule dienende Gebäude lag in unmittelbarer Nähe an der Spinnbahn, gegenüber der Wirtschaft Becker. Es wurde mit einem Kostenaufwand von 1 135 Taler zu einer zweiklassigen Schule mit Lehrerwohnung ausgebaut. Im Erdgeschoß lag die Schulstube für 60 Kinder. Ebenfalls im Erdgeschoß lagen die zur Lehrerwohnung gehörende Küche sowie ein Kuh- und ein Schweinestall. Im Obergeschoß befanden sich 4 Stuben und der Futterboden. Im Jahre 1846 bezog der Lehrer Wiefel das Haus.

Blick vom heutigen Cranger Festplatz auf die Laurentius Kirche, links im Bild und die Cranger Schule rechts im Bild, aufgenommen um 1910.

Ansicht der Emscher mit der Deigelbrücke und der Cranger Schule, um 1905. Links die Straßenbahn der Linie 1 von Wanne nach Recklinghausen.

Dietrich Rodenbeck verzeichnet über das Diensteinkommen des Lehrers zu Crange vom 6. Mai 1843 folgendes:
Es wird unterschieden zwischen den Natural-Nutzungen, den sonstigen Einnahmen, die der Lehrer selbst erhebt, und den Einnahmen aus der Schulkasse. Daraus ist zu entnehmen, dass der Lehrer mietfrei im Schulgebäude wohnte. Zu seinen Einnahmen zählten außer Pacht- und Erbpachtbeträgen Zinseinkünfte, Erträge aus Kollekten, die an den Kommuniontagen eingenommen wurden, die Zahlung eines Stübers (Kleingroschenmünze, Wert 4 Pfennige) "aus jedem Hause um die Fastnachtszeit" sowie ein Silbergroschen "von jedem Kinde, welches zuerst die Schule besucht". Die Gesamteinnahme des Cranger Lehrers betrug 81 Taler, 11 Silbergroschen und 4 Pfennige. Schließlich heißt es in dem Verzeichnis: "Der Lehrer ist zugleich Küster und bezieht als solcher 4 Taler, 10 Silbergroschen, 9 Pfennige."

Im Juli 1866 trat der Dorfschullehrer Friedrich Brockhoff, ein Sohn der Gemeinde Crange, das Amt des Lehrers an. Über den Zustand der Dorfschule schrieb Brockhoff 1877:

"Ich habe zehn Jahre lang in einem überfüllten Schulzimmer gewirkt. Türen und Fenster seien stets defekt, der Fußboden sei zum Teil verfault gewesen. Die dünnen Wände seien mit der angrenzenden Stallung in so enger Berührung gewesen, dass es niemand zu wundern brauchte, dass seine Gesundheit im Schuldienst arg erschüttert wurde".

Die Räumlichkeiten in dem alten Schulgebäude reichte bald nicht mehr aus, so zogen im Jahre 1883 die Cranger Schüler ins neue Dreiklassige Schulgebäude an der Dorstener Straße 476 um. Die alte Dorfschule wurde sodann als Küsterhaus genutzt (siehe auch: Der Dorfschullehrer Friedrich Brockhoff).


Blick auf die Cranger Dorfschule an der Spinnbahn, um 1940 und 1960.

Das alte Fachwerkhaus, zuletzt im städtischen Besitz, sollte durch Ausbau und notwendige Restaurierungen als Heimatmuseum und als Baudenkmal für die Zukunft erhalten bleiben.

Übersichtsplan der mit Cranger Dorfschule, rot unterlegt.

Vor dem Hintergrund eines erarbeiteten Flächennutzungsplanes für Wanne-Eickel war der Landeskonservator von Westfalen-Lippe bereits im Februar 1967 anlässlich einer Ortsbesichtigung zu dem Ergebnis gekommen:

"Durch diesen neuen Gesichtspunkt kamen alle Anwesenden zu der Erkenntnis, dass die historischen Reste der Cranger Schule durch ihre ungünstige Lage auf die Dauer nicht gehalten werden können. Daher wurde vorgeschlagen, die alte Schule nach sorgsamem Aufmaß zu gegebener Zeit abzubauen und das Fachwerk einzulagern, damit das Haus später an geeigneter Stelle in einem Erholungsgebiet der Stadt eine neue Aufstellung finden kann. Besonders sinnvoll wäre die Neuaufstellung in Verbindung mit einem neuen Platz für die Cranger Kirmes."

Leider wurde dieses Vorhaben nicht umgesetzt, da das Gebäude seitens der Stadt als ungeeignet und baufällig angesehen wurde. Aus diesem Grunde fielen die historischen Fachwerkmauern am 22. Juli 1968 dem Abbruch zum Opfer.


Foto: Walther Müller
Vorbereitungen und Abbruch der Cranger Dorfschule im Juli 1968.

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Quellennachweis:
Rodenbeck, Dietrich: Manuskript zum Thema, Heimatgeschichte unserer Stadt. Wanne-Eickel, Ostern 1950.
Brockhoff, Friedrich: Meine Lebenserinnerungen. Aus der Feder eines Dorfschulmeisters 1924.
Auszüge veröffentlicht in, der Emscherbrücher 1/1971, herausgegeben von der Gesellschaft für Heimatkunde e.V., Wanne-Eickel 1971.
Zienius, Rudolf: Unterlagen zum Thema, Dorfschule - Heimatmuseum, o.J.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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