Wanne-Eickel-Historie


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Dorf Crange

Höfe und Kotten

Dorf Crange


Die ehemalige Freiheit Crange lag auf einer in der Emscherniederung liegenden Insel und hatte eine Größe von etwa 15 Morgen
*. Die gesamte Gemeindefläche Cranges betrug 153 Hektar*. Im Jahr 1555 sind hier zwanzig Häuser nachgewiesen.

Crange war ein Reihendorf im "Krang" (gleich "Kring", gleich "Ring") der Emscher, die hier einen eingedrückten, unregelmäßigen Bogen bildete. Im Jahre 1484 wird die Freiheit Crange erstmals urkundlich erwähnt. Das Türkensteuerregister für das Amt Bochum von 1598
* nennt in der "Freiheit Krange" neun Abgabepflichtige. Dem Feuerstättenverzeichnis* des Amtes Bochum zufolge lebten im Jahre 1664 26 Kötter in der Freiheit Crange. Im Jahre 1798 wohnten in Crange 107 Einwohner, davon 94 im Dorf und 13 im Schloss Crange.

Die Freiheit Crange nach einer Handzeichnung eines Unbekannten, aufgezeichnet um 1750.

In der Straße Altcrange, die nach der Bauernschaft Crange benannt wurde, stehen heute noch Kötterhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In dieser malerischen Straße ist das alte Crange heute noch spürbar. Die stummen Zeugen einer untergegangenen Zeit geben dem Betrachter heute noch folgende Auskunft.

So sah es in Alt-Crange um 1920 aus; heute erinnert noch die gleichnamige Straße an die dörfliche Beschaulichkeit.

Blick auf Alt-Crange von Osten nach Westen ausgesehen, aufgenommen um 1920.

Altcrange Nr. 3


Das östliche der noch erhaltenen Fachwerkhäuser, nördlich der Burg und direkt an der Gräfte gelegen, ist ein 2 1/2- geschossiges Querdeelenhaus. Von der Deele zeugt heute nur noch der Torbalken. Ein typisches Acker-Bürger-Haus, links Wohnteil, rechts Stallteil. Die alte zweiteilige Giebelverbretterung ist noch gut erhalten. Die Funktion des Dachraumes als Erntespeicher ist noch leicht ablesbar. Die Ständerbauweise und Ankerbalkenzimmerung sind typisch für den Haustyp der Zeit. Das Haus wurde am 6. Juli 1784 erbaut und im Oktober 1985 unter Denkmalschutz gestellt.

Das Haus Altcrange Nr. 3, aufgenommen im März 2016.

Die Torinschrift lautet:
"GOTTES FURCHT UND WEISHEIT GABEN WOLLEN DIESEN BAU BEWAREN. ANNO 1784 JOHAN WILHELM SCHULTE D I L, DEN 6 JULY, N A DRÖGEN. KAMP, R I U F I, M R."

Hier wohnte der Schmied Schulte, der das Unglück hatte, von einem Ochsen auf die Hörner genommen zu werden. Seine Witwe heiratete später einen Mann namens Möller, und die Besitzung wurde von Volksmund "Schulte-Möller" genannt.

Über der Wohntür liest man die Inschrift:
"GLÜCK AUS, GLÜCK EIN, SO UM DIE THÜR MUS OFFEN SEIN. A 1784 JOHAN BERNHART SCHULTE D. 6 JULI, ANNA MARIA F. B, ROMBERG."

Das Haus wurde nicht unter Denkmalschutz gestellt.

Anmerkung:
Die Familien Romberg und Schulte sind laut Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664 in Crange ansässig gewesen.


Altcrange Nr. 4


An der Nordseite der Straße, am östlichen Ende der Freiheit liegt dieses 4-Ständer-Ankerbalkenhaus. Der Torbalken verrät noch die alte Deeleneinfahrt von der Dorfstraße her, dahinter befand sich der Wohnbereich. Das 2 1/2- geschossige Haus ist in einer Konstruktion typisch für die Häuser in Crange, wie uns Bilder aus der Vergangenheit zeigen. Das 1784 erbaute Fachwerkhaus lag jahrelang hinter einer Plattenverkleidung versteckt, bis das Haus im September 1984 unter Denkmalschutz gestellt und saniert wurde
.

Das Haus Altcrange Nr. 4, aufgenommen im März 2016.

Der Deelentorbalken trägt eine im Raum Emscher-Lippe oft vorkommende Inschrift:
"DIS HAUS IST GEMACHT KOMPT EIN SPÖTTER DER ES VERACHT - DER SOL SEIN EHER GEKOMMEN DAN HÄTE ICH IHM IM RAHT GENOMMEN. JAN WIELHELM FUNCKE UND MARIA ELISABET HE HASEL MANS. V.B.K.E.H. M.L.H.H.S. ANNO 1748 D. 18. JUNIUS" (5. Moses 28, 6).

Im rechten Balkenteil erscheint eine hebräische Inschrift*, deren Übersetzung wie folgt lautet:
"Gesegnet seist du. Wenn du kommst; gesegnet seist du, wenn du hinausziehst."

Altcrange Nr. 6


Dieses Haus wurde im Jahre 1747 gebaut und wechselte mehrfach den Besitzer. Von 1779 bis 1866 war eine Familie Koch
* die Besitzer. Nach Koch wurde Spickermann Besitzer, nach ihm kam Gerdes.

Das Haus Altcrange Nr. 6, aufgenommen im März 2016.

Von diesem Fachwerkhaus ist heute noch der Torbalken erhalten, auf dem folgende Inschrift zu lesen ist:
"WOHL DEM, DER DEN HERN FÜRCHTET, DER GROSE LUST HAT ZU SEINEN GEBOTEN, DES SAME WIRD GEWALTIG SEIN AUF ERDEN, DAS GESCHLECHT DER FROMEN WIRD GESEGNET SEIN, REICHTUM UND DIE FÜLE WIRD IN IHREM HAUSE SEIN UND IHRE GERECHTIGKEIT BLEIBET EWIGLICH. BERND RUSCHE UND ANNA MARIA BRAUCKHOF. EHELEUTE. 1747. H.T.H.H.S. D. 17. IUNI."
Das Haus wurde nicht unter Denkmalschutz gestellt.

Altcrange Nr. 7


Dieses Haus ist ein auf der Südseite der Dorfstraße gelegenes Querdeelenhaus - rechts die Einfahrt zur Deele, links die Tür zum Wohnteil, wie alle alten Häuser des Dorfes wurde auch dieses in Ankerbalken-Konstruktion errichtet. Die Köpfe der Ankerbalken sind hier noch sichtbar. Das alte Deelentor, das gesamte Fachwerk und die Giebelverbretterung sind noch gut erhalten. Von diesem Haus ist bekannt, dass es 1804 von Diedrich Beisemann erneuert wurde. Sein Vorbesitzer war ein Reilmann, der in Crange seit 1680 hier ansässig war. Das Haus wurde bis im Jahre 2004 vom ehemaligen Stadtarchivar Rudolf Zienius bewohnt. Das Haus wurde im Oktober 1985 unter Denkmalschutz gestellt.

Das Haus Altcrange Nr. 7, aufgenommen im März 2016.

Über dem Torbalken links ist zu lesen:
"GIB VON DEN GÜTERN DISER WELT SOVIEL MIR NÜTZT UND DIR GEFÄLT, BEI WENIGEM ZUFRIEDEN HEIT, ZU MEINEM FLEISSE HEITERKEIT. DIDERICH BEISEMAN, CATRINA GADDRT, BRAUCKHOF BAULEIT".

Über dem Torbalken rechts ist zu lesen:
"SCHENKST DU MIR ABER ÜBERFLUSZ, SO LASZ MICH MÄSZIG IM GENUSZ UND DÜRFTGE BRÜDER ZU ERFEUN, MICH EINEN FROHEN GEBER SEIN. ANNO 1804 DEN 17. IUNI". M I H B".

Über dem Türbalken ist zu lesen:
"BEFOFF GOTT WOHNT AN JEDER STÄTE IN KEINER MINDER ODER MEHR DENK NICHT WENN ICH MIT VIELEN BETE SO FIND ICH EH BEI GOTT GEHÖR IST NUN DEIN WUNSCH GERECHT UND GUT SO SEI GEWISS DAS GOTT IHN THUT." I H. D R. B M. C N. G. D. B T.

Altcrange Nr. 10


Das etwas zurückgesetzte Haus, an der Nordseite der Straße, hat das gleiche Schicksal erlitten wie das Haus Nr. 12: Die Hölzer im Erdgeschossbereich wurden durch Feuchtigkeit zerstört und zum Teil durch verputztes Mauerwerk ersetzt.

Gut ablesbar ist noch die alte Funktion des Querdeelenhauses, die Trennung von Stall- und Wohnteil, darüber der große Speicher, dessen Giebelverbretterung noch erhalten ist.

Die Anordnung zweier Türen an diesem Haustyp - Stalltür und Wohnungstür, ist hier etwas unsanft vollzogen worden, indem ein Teil des Deelentores mit zugemauert und eine Eingangstür integriert wurde. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz.


Das Haus Altcrange Nr. 7, aufgenommen im Jahre 1960 und März 2016.

Der Spruch über dem Deelentor lautet:
"RUVET DEN HERRN, WEIHL ER ZU FINDEN IST, RUVET IHN AN WEIHL ER NAHE IST. DEN 18. JUNI 1825. JOHAN HEINRICH DREWWERMANN UND CATHARINA BEEKERS E.L., M H B"

Altcrange Nr. 11


Dieses Haus wurde im Jahre 1794 gebaut. Die ursprüngliche Form des Hauses lässt sich noch erahnen. Sicher war auch dieses früher einmal ein Querdeelenhaus. Die Deelentür ist inzwischen Mauerwerk und Fenster gewichen. An der Straßenseite das gesamte Fachwerk im Erdgeschoss ausgebaut und durch Mauerwerk ersetzt.

Die äußere Form, die Giebelverbretterung, das Fachwerk der übrigen Wände und die Ankerbalkenzimmerung lassen ein hohes Alter des Hauses vermuten. Der sonst so aussagekräftige Torbalken ist hier leider dem Umbau zum Opfer gefallen. Das Haus wurde nicht unter Denkmalschutz gestellt.


Das Haus Altcrange Nr. 11.

Altcrange Nr. 12


Das Haus Altcrange Nr. 12 ist das älteste Haus im Dorf. Seine Vorbesitzer waren: Loe, Nölle (seit 1682 in Crange bekannt) und im Jahre 1858 Hagemeier. Es ist ein 2 1/2- geschossiges Querdeelenhaus in Ankerbalkenzimmerung. Zur Straßenseite wurde das Fachwerk ab Erdgeschossdecke durch geputztes Mauerwerk ersetzt. Schöne geschweifte Streben und Andreaskreuze zeigen die typische heimische Zimmermannskunst. Das Deelentor ist in abgeänderter Form noch erhalten. Die Torbalken und die Kopfbänder sind mit Rosen verziert. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz.

Das Haus Altcrange Nr. 12, aufgenommen im März 2016.

Der Spruch im Torbalken lautet:
"FORCHTE GOTT UND HALTE SEIN GEBOTT, ANNO 1746 UND AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN, DEN 26. JULIUS M I + T M"



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Anmerkung
Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.
Ein
Hektar ist eine Maßeinheit der Fläche und entspricht 10.000 Quadratmetern oder auch 100 Ar.
Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden."
Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden.
Jüdische Händler gehörten traditionell zu den Teilnehmern an allen größeren Viehmärkten, so auch auf dem Pferdemarkt in Crange. Wie groß ihr Anteil in Crange war, verdeutlicht eine Bekanntmachung in den "Nachrichten des Ruhrdepartements" vom 29. August 1811. Darin gab der damalige Bürgermeister Steelmann bekannt, dass der traditionell am 10. August stattfindende Pferdemarkt "wegen des jüdischen Sabbath- Tages bis auf den nächsten Montag, den 12. August des Jahres, verlegt werde".
Der Bauer
Heinrich Koch (1814-1905) war es, der 1885 mit dem Verfasser Friedrich Karl Devens das Werk: "Das deutsche Roß in der Geschichte, in Sitte Sang und Sage. Die Wildpferdezucht im Emscherbruch" und dem Tiermaler Theodor Rocholl durch das Emscherbruch ging und ihnen die Plätze zeigte, wo das Rudel der Emscherbrücher stand, wo es seinen Wechsel hatte, und wie er als Bursche mit auf den Wildpferdefang ging. Bauer Koch erzählte, Devens schrieb und Rocholl zeichnete das Emscherbrücher Wildpferd.



Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Eduard Schulte: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925. Eduard Schulte: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Das Türkensteuerregister von 1598 für das Amt Bochum, herausgegeben von J. Bauermann, Wittener Jahrbuch 1937.
500 Jahre Dorf Crange und Cranger Kirmes, Wanne-Eickel 1935.
Rodenbeck, Dietrich: Manuskript zum Thema, Heimatgeschichte unserer Stadt. Wanne-Eickel, Ostern 1950.
Prof. Frerk, Erich: Ausstellung Heimatmuseum Wanne-Eickel zum Thema: Fachwerkhäuser unserer Stadt, Wanne-Eickel Frühjahr 1990.
Förderverein Haus Crange: Das Dorf und seine Fachwerkhäuser, Herne 2001.

Fotonachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.




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