Wanne-Eickel-Historie


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Die Zeche Unser Fritz

Bergbau

Vom Bergbau zur Kunst - Zeche Gewerkschaft Unser Fritz


In Wanne-Eickel heißt eine Straße, ein Bahnhof und ein ganzer Stadtteil nach einer Zeche, die das Leben in ihrem Umfeld geprägt und bestimmt hat: Unser Fritz.

Kronprinz Friedrich Wilhelm - später Kaiser Friedrich III. (1831-1888, der nur 99 Tage als deutscher Kaiser und König von Preußen regiert hat) - stand Pate für die Namensgebung.

Bereits um 1840 konnte man in Bickern, beiderseits der Emscher große Kohlevorräte nachweisen, die nur darauf warteten, abgebaut zu werden. Es waren ortsansässige Handwerker (Bäcker, Schreiner, ect.), die einen schnellen Gewinn witterten und ihr Geld in Grubenfelder investierten. Um mehrere Grubenfelder zu einer Größe zusammen zulegen, dann zwecks Kohleförderung Schächte abzuteufen, reicht aber die Finanzkraft der Anteilseigner (Gewerke) nicht aus.

Dies erkannte der erfolgreiche Essener Kaufmann Friedrich Grillo (1825-1888) und erwarb mit dem Bankier Ludwig von Born und Wilhelm Hagedorn, der die Erfahrung, ein Bergwerk zu gründen und zu bauen hatte, die Grubenfelder Liberia, Liberia I, Fleite und vereinigte Gregor, wobei sich letzteres wiederum aus den ehemaligen Feldern Gregor, Gregor I und Cyprian zusammensetzte.

Die Geburtsstunde der Zeche schlug am 18. September 1871 als sie die Bergrechtliche Gewerkschaft (Kapitalgesellschaft) gründeten. Im selben Jahr wurden die Felder Liberia, Liberia I und Vereinigte Gregor zur Zeche Vereinigte Gregor konsolidiert. Die Unterirdischen Kohlefelder umfassten 4,9 Quadratkilometer und reichten über die Ortsgrenze nach Herten und Gelsenkirchen.



Noch im selben Jahr wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 1, genannt Schacht Sophie, begonnen. Der Schacht hatte einen lichten Querschnitt von 4,07 Metern. Bei den Teufarbeiten traf man bereits nach wenigen Metern auf eine acht Meter mächtige Fließsandschicht.

Im Jahr 1872 erfolgte die Umbenennung in Unser Fritz. Der erste Grubenvorstand der Zeche Gewerkschaft Unser Fritz bestand aus den Gewerken Friedrich Grillo, Wilhelm Hagedorn, Ludwig von Born (einem Vetter seiner Frau) und Friedrich Funke (1821-1884).
Die Teufarbeiten wurden trotz der Schwierigkeiten durch den Fließsand und durch starke Wasserzuflüsse weiter fortgeführt. Um die Wasserzuflüsse zu stoppen, wurden im oberen Bereich Innenschalungen (Tübbinge) aus Gusseisen eingebaut. Der weitere Schachtausbau erfolgte mit einem Ziegelsteinmauerwerk. Am 15. März 1872 wurde bei 215 Metern Teufe das Karbon erreicht. Das erste abbauwürdige Flöz (FL. C.) wurde bei 271 Metern angetroffen, die 1. Sohle bei 254 Metern und die 2. Sohle bei 315 Metern Teufe angesetzt.

Der Malakowturm* über Schacht 1 Sophie setzte die Akzente zur ersten Kohleförderung, die im Jahr 1875 mit einer Belegschaft von 530 Mann bereits 93 162 Tonnen Kohle förderte. Darüber hinaus wurde der Malakowturm das Wahrzeichen des Stadtteils.





Bergleute der Zeche Unser Fritz, aufgenommen im Jahr 1898.

Zeche Unser Fritz mit dem Malakowturm über
Schacht 1 Sophie, um 1910.

Zeche Unser Fritz mit den Schächten 1
sowie Schacht 2 und 3, um 1915.

Der erste Rückschlag traf die Zeche am 25. Juli 1875, als bei einer Schlagwetterexplosion sieben Bergleute getötet wurden. Ursache war die bis dahin noch betriebene natürliche Wetterführung. Um Abhilfe zu schaffen wurde im April 1876 der erste Grubenlüfter für die Bewetterung in Betrieb genommen.

Im Jahr 1875 wurde die Zeche an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Eine Verbindung zum Bahnhof nach Gelsenkirchen-Bismarck und ein Jahr später zum Bahnhof Wanne sicherte den Absatz der geförderten Kohle. Im Jahr 1876 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 weiter fortgeführt und der Schacht wurde tiefer geteuft. Im selben Jahr wurden für die Förderung in den Richtstrecken und Querschlägen Grubenpferde eingesetzt. In einer eigenen Ringofenziegelei wurden Ziegel für die entstehende Zechenkolonie Haverkamp (1874) und Dannekamp (1898), sowie die Häuser an der Unser-Fritz-Straße gebrannt. ( siehe auch "Emscherinsel")

Im Jahr 1877 wurde bei einer Teufe von 374 Metern die 3. Sohle angesetzt. Am 25. Oktober desselben Jahres entschloss sich der Vorstand dazu, mit der Verwaltung der Zeche Consolidation Verhandlungen über den Absatz der Kohlen der Zeche Unser Fritz aufzunehmen. Da die Zeche Unser Fritz noch keinen zweiten Ausgang aus der Grube hatte, wurden mit der Zeche Consolidation über die Genehmigung zur Erstellung eines Durchschlag zum Grubengebäude von Consolidation verhandelt. Da die Hauptgewerken von Unser Fritz auch Hauptgewerken von Consolidation waren, wurde dieser Durchschlag genehmigt.

Zeche Unser Fritz 1/4 aufgenommen um 1905 und um 1912.

Noch im Jahr 1877 wurde auf der 2. Sohle der Zeche Unser Fritz der Durchschlag mit dem Schacht 3 Consolidation erstellt. Im Jahr 1878 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Am 30. Januar desselben Jahres übernahm Consolidation die technische und kaufmännische Leitung von Unser Fritz. Im Jahr 1881 wurde auf der 3. Sohle ein Durchschlag mit Schacht Consolidation 3 erstellt. Da die Gewerken gegen den Vertrag mit Consolidation Einspruch erhoben hatten, trat die Zeche Consolidation in diesem Jahr von dem Vertrag zurück. Somit blieb die Zeche Unser Fritz selbstständig. Im September desselben Jahres wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 2 begonnen. Der Schacht wurde 700 Meter nördlich von Schacht 1 und unmittelbar nördlich der Emscher , die zu dieser Zeit noch in ihrem alten Bett verlief und später erst verlegt wurde, angesetzt. Die Arbeite liefen zügig und so wurde bei 228 Meter das Steinkohlegebiet erreicht.

Da das Bergwerk bis zu diesem Zeitpunkt nur mit Verlusten betrieben worden war, waren die Gewerken gezwungen sich das erforderliche Kapital von 1,2 Millionen Mark durch Anleihen zu beschaffen. Im darauffolgenden Jahr erreichte Schacht 2 bei einer Teufe von 228 Metern das Karbon. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 270 Metern die 1. Sohle angesetzt. Im Jahr 1885 erreichte Schacht 2 eine Teufe von 460 Metern. Noch im selben Jahr wurde die Förderung im Schacht 2 aufgenommen, die zum ersten Mal 227 383 Tonnen Steinkohle für beide Schächte zusammen erreichte. Die Belegschaftsstärke lag bei 931 Mitarbeitern.

Da Schacht 2 keinen eigenen Bahnanschluss besaß, wurden die hier geförderten Kohlen mittels einer Kettenbahn zum Schacht 1 transportiert. Die Kettenbahn wird heute noch vielen Bürgern aus Unser Fritz in Erinnerung sein. Sie wurde im Jahre 1962 abgebrochen.

Im Jahr 1886 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Bei einer Teufe von 450 Metern wurde in beiden Schächten die 4. Sohle angesetzt. Im darauffolgenden Jahr wurde auf der 4. Sohle ein Durchschlag zwischen Schacht 1 und Schacht 2 erstellt. In diesem Jahr erzielte das Bergwerk zum ersten Mal eine Ausbeute von 25 Mark pro Quartal und Kuxe.



Im Jahr 1889 wurde im Baufeld von Schacht 1 über einen Blindschacht bei einer Teufe von 546 Metern die 5. Sohle angesetzt. Im selben Jahr wurde das kleine Geviertfeld Fleute verliehen. Im Jahr 1890 wurde der Schacht 1 mit einem Fördergerüst aus Eisen ausgerüstet. Außerdem wurde der Schacht mit einer neuen Fördermaschine ausgerüstet. Die Fördermaschine wurde von der Friedrich Wilhelm-Hütte aus Mülheim erbaut. In diesem Jahr lag die Förderung bei 394 818 Tonnen Steinkohle, die Belegschaftsstärke betrug 1304 Beschäftigte.

Am 30. Juli desselben Jahres wurde die Betriebsabteilung von Schacht 2 von einer Schlagwetterexplosion betroffen. Bei dieser Schlagwetterexplosion, die sich im Flöz Zollverein 4 ereignete, wurden neun Bergleute getötet und zwei schwer Verletzt. Im Jahr 1891 umfassten die Kohlefelder eine Fläche von zehn Quadratkilometern. Im selben Jahr erhielt Schacht 1 den ersten Kompressor von der Firma Schüchtermann und Kremer, und unter Tage wurde der erste Lufthaspel in Betrieb genommen.




Kuxschein der Gewerkschaft Unser Fritz.
Kuxe sind Anteilsscheine an einem Bergwerk.










Wie sah die Belegschaft der Zeche 1889 aus: 55,3 Prozent der Belegschaft waren Arbeiter aus Oberschlesien, Ostpreußen, Polen, Westmasuren und Litauen.

Dem im Jahr 1892 gegründeten Rheinisch-Westfälischen Kohle-Syndikat trat die Zeche Unser Fritz mit seiner im Vorjahr erreichten Fördermenge von 475 000 Tonnen Steinkohle bei. Im Jahr 1893 wurde im Baufeld von Schacht 2 ein Blindschacht bis zur 5. Sohle geteuft, ein Jahr später wurde im Schacht 1 ein Aufbruch von der 5. Sohle erstellt. Im Jahr 1895 wurden mit 1602 Beschäftigten 465 097 Tonnen Steinkohle gefördert. Im Jahr 1896 war der Schacht 1 bis zur 5. Sohle durchschlägig. Im selben Jahr wurde die erste maschinelle Streckenförderung - eine Seilbahn eingebaut.


Übersicht über die Standorte der Unser Fritz Schächte.
Quellennachweis: Kartongraphie Auszug des Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Herne.

Im November des Jahres 1897 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 3 unmittelbar neben Schacht 2 begonnen. Die Abteufarbeiten wurden durch einen Fließsandeinbruch, bei dem ein Obersteiger sein Leben verlor, erheblich verzögert, so dass der Schacht durch weitere Schwierigkeiten bedingt, erst nach fast sechs Jahren (1903) als ausziehender Wetterschacht in Benutzung genommen werden konnte. Der Schacht 2 wurde zum einziehend Schacht.

Im Jahr 1898 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und der Schacht wurde bis zur 5. Sohle tiefer geteuft. Zu diesem Zeitpunkt waren im Baufeld von Schacht 1 insgesamt sechs Flöze im anstehenden Lagerstättenabschnitt, davon waren vier Flöze mit taubem Gestein, die anderen zwei Flöze waren aus reiner Kohle. Die Mächtigkeit der Flöze lag zwischen 0,8 und 2,5 Metern, bei den Flözen mit taubem Gestein lag die Mächtigkeit zwischen 0,1 und 0,4 Meter. Auf dem Baufeld von Schacht 2 waren insgesamt 13 Flöze mit einer Mächtigkeit von 0,6 bis 2,5 Metern im anstehenden Lagerstättenabschnitt, davon waren zehn Flöze mit taubem Gestein, die anderen drei Flöze waren aus reiner Kohle. Bei den Flözen mit taubem Gestein lag die Mächtigkeit des tauben Gesteins zwischen 0,1 und 0,6 Meter.

Im Jahr 1899 ging der Wetterschacht 3 bis zur 1. Sohle in Betrieb. Am 19. Dezember desselben Jahres kam es zu einem Grubenbrand, hierbei wurden drei Bergleute getötet. Im Jahr 1900 überstieg die Förderung die Marke von 0,5 Millionen Tonnen. Es wurden mit 2317 Beschäftigten 688 402 Tonnen Steinkohle gefördert.

Im Jahr 1901 wurde Schacht 3 mit der 4. Sohle und im Jahr darauf mit der 5. Sohle durchschlägig. Im Jahr 1902 wurde ein Feldertausch mit der Nachbarzeche Consolidation vorgenommen. Im selben Jahr wurde auf der 5. Sohle zwischen den Baufeldern 1 und 2/3 ein Durchschlag erstellt. Im Jahr 1904 erfolgte ein Feldertausch mit der Zeche Graf Bismarck. Die Kohleförderung betrug in diesem Jahr 820 000 Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1905 sank die Förderung auf 649 704 Tonnen Steinkohle, die Belegschaftsstärke betrug 2241 Beschäftigte.

Ab dem Jahr 1906 wurde im Baufeld Schacht 1 mit dem Aufschluss der 6. Sohle begonnen. Die 6. Sohle wurde über Blindschächte bei einer Teufe von 642 Metern aufgefahren.

Im Jahr 1907 wurden von den Schächten 2 und 3 die Funktionen getauscht. Schacht 2 wurde zum Wetterschacht und Schacht 3 zum Förderschacht umgebaut. Ab dem Jahr 1908 wurde das Grubenfeld weiter vorgetrieben. Übertage wurde mit dem Bau einer Kokerei und einer neuen Kohlenwäsche begonnen. Im selben Jahr wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 4 begonnen. Der Schacht wurde neben Schacht 1 angesetzt. Im Jahr 1910 erreichte der Schacht die vorgesehene Teufe. Noch im selben Jahr ging Schacht 4 bis zur 6. Sohle (594 Meter Teufe) in Förderung. Der Schacht bildete zusammen mit dem Schacht die Betriebsanlage 1/4.

Nachdem der Schacht 4 in Förderung gegangen war, nahm Schacht 1 die Funktion als Wetterschacht wahr. Noch im Jahr 1910 wurde auf der 6. Sohle ein Durchschlag zwischen den Betriebsteilen 1/4 und 2/3 erstellt. Im diesem Jahr stieg die Förderung auf 778 522 Tonnen Steinkohle, die Belegschaftsstärke betrug 2729 Beschäftigte.

Im Jahr 1911 wurde die Kokerei mit zwei Batterien in Betrieb genommen. Der Grund für den Bau der Kokerei waren die Absatzschwierigkeiten der anfallenden Feinkohle. Der Koks war zwar nicht besonders gut, aber großen Gewinn warfen die sehr begehrten Nebenprodukte ab. Der Beitritt zur Deutschen-Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung, zur Deutschen-Benzol- Vereinigung und zur Gesellschaft für Teerverwertung im Jahre 1912 ergab sich dadurch zwangsläufig.

Im Jahr 1912 wurde durch den Bau des Rhein-Herne-Kanals die Emscher um einige hundert Meter versetzt und fließt seither nördlich zwischen den Schächten 1/4 und 2/3 hindurch Im Jahr 1913 wurde im Baufeld 1/4 ein Blindschacht geteuft und bei einer Teufe von 744 Metern die 7. Sohle angesetzt. Im selben Jahr wurden eine zweite Kokerei und eine Benzolfabrik auf Unser Fritz in Betrieb genommen. Außerdem erhielt die Zeche einen eigenen Verladehafen mit Wende- und Liegeplatz für mehrere Kähne und eine Schienenverbindung zwischen den Hafen und der Verladung auf Schacht 1/4.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ein Drittel der Belegschaft von Unser Fritz zum Kriegsdienst eingezogen. Um den damit verbundenen Rückgang der Produktion wieder kompensieren zu können, wurden bereits pensionierte Bergleute wieder aktiviert, zusätzlich wurden Kriegsgefangene zur Arbeit im Bergwerk eingesetzt. Im Jahr 1915 lag die Förderung bei 697.724 Tonnen Steinkohle, die Belegschaftsstärke betrug 2271 Beschäftigte.

Bei der am 25. April 1918 stattfindenden Gewerkenversammlung wurden alle Aktiva und Passiva an die Mannesmannröhren-Werke AG in Düsseldorf-Rath übertragen. Es erfolgte der Übergang der Zeche Unser Fritz an die Mannesmannröhren-Werke AG. Nach dem Übergang an die Mannesmannröhren-Werke AG wurde das Bergwerk weiter ausgebaut. Im gleichen Jahr wurde durch ein Gesetz die Arbeitszeit unter Tage auf sieben, über Tage auf acht Stunden herabgesetzt.

Im Jahr 1920 wurde mit den Teufarbeiten von Schacht 5 in Crange begonnen. Der Schacht war als Wetterschacht für das Baufeld 2/3 vorgesehen und wurde im Südostfeld, 1,8 Kilometer nordöstlich von den Schächten 1 und 4, am Hafen Wanne angesetzt. Im selben Jahr stieg die Förderung auf 807 936 Tonnen Steinkohle, die Belegschaftsstärke lag bei 4026 Mitarbeitern. Im Jahr 1922 wurde Unser Fritz von der Zeche Consolidation erworben.

Ansichten der Zeche Unser Fritz um 1920
mit den Schächten 2 und 3.

Zeche Unser Fritz mit den Schächten 1 und 4
sowie 2 und 3, aufgenommen um 1920.

Im Jahr 1923 kam es zum Verbund der beiden Bergwerke Consolidation und Unser Fritz. Beide Bergwerke blieben aber trotzdem weiter als getrennte Anlagen in Betrieb. Am 11. Januar 1923 erfolgte der Einmarsch der Franzosen ins Ruhrgebiet. Die Besetzung der Zeche Unser Fritz durch französische Soldaten erfolgte am 22. Juni desselben Jahres und dauerte 74 Tage. Von der Kontrollkommission wurde im MICUM-Abkommen als Reparationsleistungen Kohlen, Koks und auch Grubenholz beschlagnahmt. Die Verladung erfolgte unter militärischer Bewachung. Widerstandsversuche und Nichtbefolgung der Befehle hatten Verhaftungen, oder Ausweisung der Werksleiter zur Folge. Die Lebensmittel wurden knapp, die Preise stiegen, die Stimmung war explosiv. Es spitzte sich zu und so kam es auch prompt zur "Entladung". "Radikale Elemente" stürmten am 8. November nach einer Belegschaftsversammlung die Zechenverwaltung, demolierten die Einrichtung und verbrannten die Akten; den Direktor und einige seiner Mitarbeiter wurden verprügelt. Hierdurch und durch den passiven Widerstand kam die Förderung fast ganz zum Erliegen. ( siehe auch: Notgeld aus Geldnot).

Im Geschäftsbericht von Mannesmann für das Jahr 1924 hieß es über die Verhältnisse im Ruhrgebiet:

"Der Verfall der deutschen Währung nahm 1923 seinen Fortgang, so dass die Mark keinen Wertmesser mehr bot; sie war auf weniger als den billionsten Teil ihres früheren Wertes gesunken… Diese unglückseligen Verhältnisse wurden noch verschlimmert durch die fortdauernde Besetzung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes und die Unmöglichkeit, Rohprodukte heranzubringen oder Fertigprodukte zu versenden. Die Stilllegung unserer Betriebe war die Folge."

Zwar gab es Ende 1923 durch Einführung der Rentenmark wieder eine halbwegs verlässliche Währung, aber der Wiederaufbau der Wirtschaft kam nicht voran. Höhere Löhne, Steuern und neue Sozialabgaben taten ein übliches.

Diese unguten wirtschaftlichen Voraussetzungen führte im Zuge der Rationalisierungsmaßnahmen im Kohlebergbau auch für die Zeche Unser Fritz zunächst im Juli 1925 zur Stilllegung des Kokereibetriebes und am 31. Dezember des gleichen Jahres zur Schließung der Betriebsabteilung 2/3 und der Schacht 5. Nach dem Jahr 1925 verschlechterte sich der Kohlenabsatz des Bergwerks. Im Jahr 1926 waren der Schacht 3 bis zur 6. Sohle und der Schacht 4 bis zur 7. Sohle in Betrieb.

Am 30. November des Jahres 1928 wurde der Grubenbetrieb der Zeche Unser Fritz durch starke Verringerung der Belegschaft stillgelegt. Lediglich der Hafen Unser Fritz blieb weiterhin in Betrieb, weil ihn die Zeche Consolidation über eine Zechenbahn für die Kohleversendung nutzen konnte. Auch das Grubengebäude blieb für die Bewetterung von Consolidation weiter offen. Außerdem wurden erforderliche Instandhaltungen durchgeführt. Im Jahr 1929 kam das Grubenfeld von Unser Fritz zur Zeche Consolidation.

Am 1. Januar des Jahres 1936 wurde die Zechenanlage wieder in Betrieb gesetzt und mit der Schachtanlage Consolidation 3/4/9 zusammengelegt. Die Tagesanlage Unser Fritz 1/4 diente der Zeche Consolidation zur Seilfahrt und Materialförderung. Die Kohlenförderung blieb für das Gesamtfeld auf die beiden Anlagen Consol 1/6 und 3/4/9 beschränkt.

Auf dem Baufeld Unser Fritz wurden in den Folgejahren neue Bergbautechnologien getestet und weiterentwickelt. So wurde Ende der 1930er Jahre unter anderem für die Förderung in den Streben die Schüttelrutsche im Flöz Gustav auf der 7. Sohle eingeführt. Die Förderung betrug in den Jahren 1939 und 1940 715 000 Tonnen Steinkohle.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges sank die Förderung dann wieder unter den ständig anwachsenden Luftangriffen bis zur zeitweiligen Einstellung des Betriebes. Nach Zerstörung der Tagesanlagen durch Bombenangriffe wird im Jahre 1945 eine reduzierte Kohleförderung wieder aufgenommen. Ab dem Jahr 1952 bildeten die Zechen Unser Fritz und Consolidation eine Bergbau AG.


Ansichten der Zeche Unser Fritz mit den
Schächten 1 und 4 um 1955.

Zeche Unser Fritz um 1955 mit den Schächten 2 und 3.

Baden am Rhein-Herne-Kanal, im Hintergrund die Zeche Unser Fritz mit den Schachtanlagen 2 und 3, aufgenommen im Sommer 1958.
Foto: Wilhelm Baumann.

Gruppenbild Untertage auf der Zeche Unser Fritz, 9. Sohle, Richtstrecke Consol, 1. Durchschlag, im Jahre 1962 zwischen den Zeche Unser Fritz und Consolidation, bei einer Temperatur von 38 Grad Celsius. Bergleute von links nach rechts: Oskar Ruhland, Renz Randolf, Heinz Klingberg, Karl Pinol, Günter Piotrowski und Hans Quickels.

Foto: Martina Ruhland.

Bergleute der Zeche Unser Fritz vor Kohle auf der 9. Sohle, aufgenommen im Jahre 1962.

Foto: Martina Ruhland.

Im Zuge der Bergbaukrise in den 1960er Jahren wurden die Förderung und der Übertagebetrieb am 1. Oktober 1967 auf Unser Fritz eingestellt. Nach Gründung der Ruhrkohle AG (27. November 1968) wurde die Schachtanlage Consolidation/Unser Fritz und Pluto Wilhelm 1969 zu einer Werksdirektion zusammengefasst und die Seilfahrt wieder aufgenommen. Im Jahre 1987 wurde Schacht 1 verfüllt. Am 2. Oktober 1993 erfolgte die endgültig letzte Seilfahrt. Damit stellten die Wanne-Eickeler Schachtanlagen ihren Betrieb ein.

Grubenfahrt auf der Zeche Unser Fritz am 28. Mai 1991 unter der Führung von Obersteiger Peter-Klaus May.

Das einzige Gebäude auf dem brachliegenden Gelände der ehemaligen Zeche Unser Fritz, der Malakowturm, befindet sich heute in der Obhut der Dortmunder Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Auf dem geräumten Zechenareal soll in Zukunft eine gewerbliche Nutzfläche entstehen.

Der Malakowturm der Zeche Unser Fritz, er befindet sich heute in der Obhut der Dortmunder Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, aufgenommen im Mai 2014.

Seitenansichten des Malakowturm der Zeche Unser Fritz, aufgenommen Oktober 2015.

Die Protegohaube der Zeche Unser Fritz 2/3,
vor der Maschinenhalle.

Standort von Schacht 5 (Wetterschacht 1920-1990)
auf dem Cranger Kirmesplatz.

Seit 1964 werden erstmals Teile des ehemaligen Kauengebäudes als Künstleratelier durch Helmut Bettenhausen genutzt. Im Jahre 1972 wurden weitere Räume angemietet und für viele Aktivitäten notdürftig instand gesetzt. Einzel- und Gruppenausstellungen, Symposien, Musikveranstaltungen der Sparte Rock, Jazz, Klassik sowie Dichterlesungen, Diskussionen und Vorträge, Schachtfeste und zahlreiche andere Veranstaltungen machten die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 schnell zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Als dieses Bild im Oktober 1990 entstand hieß die Künstlerzeche Unser Fritz noch Schacht Galerie 2/3.

In den Jahren 1998 - 2002 konnte mit Mitteln des Landes NRW, der EU und Eigenmitteln der Stadt Herne die lange geplante und dringend notwendige Sanierung des Beamten- und Kauengebäudes realisiert werden. Durch Umbau und Modernisierung wurde die Zahl der verfügbaren Künstlerateliers auf 11 Atelierräume erweitert. Beide Hallen (ehemals Schwarz- und Weißkaue) sind heute primär Ausstellungshalle für Bildende Kunst, die Schwarzkaue zusätzlich eine mietbare Halle mit vielfältiger Nutzungsmöglichkeit.

Ansicht der Gebäude der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 aufgenommen im September 2014.

Eingang zur Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, Alleestraße 50, aufgenommen im Juni 2007.

Zur Erweiterung der Künstlerzeche konnte im Rahmen des Stadtteilprojektes 2008 die Maschinenhalle als Ausstellungs- und Veranstaltungshalle umgebaut werden. Seit der Eröffnung im Januar 2009 wird diese Halle vom Förderverein Unser Fritz genutzt.

* Anmerkung:
Malakowturm, im Ruhrgebiet stehen heute noch 14 Bauwerke dieser Art. Benannt wurden sie aufgrund ihrer massiven Bauweise nach dem Fort Malakow, einer Befestigung bei Sewastopol in Russland, die 1855 im Krim-Krieg belagert wurde. Diese Festung mussten die Truppen (Franzosen, Türken und Engländer) derart beeindruckt haben, dass der Name "Malakowturm" später im Ruhrgebiet zum Innbegriff der Unbezwingbarkeit wurde. Das Wehrhafte aussehen dieser Wachturm ähnlichen Gebäude, sind Turmformen, die im Bergbau in einem Zeitraum von 1855 bis 1897 für den Bau von Fördertürmen benutzt wurden. Ein solcher Turm wurde aus meterdickem Ziegelmauerwerk erbaut und war bis zu 30 Meter hoch. Die Gebäude waren mit Ecktürmen, Zinnen und Rundbogenfenstern ausstaffiert. Die Ecktürme mit ihren Treppen waren jedoch nicht nur Verzierung und Dekoration, sie boten im Falle eines Brandes sichere Fluchtwege. Im Inneren war der Malakowturm mit einer Stahlkonstruktion für die Seilscheibengerüste und Verstrebungen ausgestattet.

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Quellennachweis:
Veröffentlichung der Mannesmannröhren-Werke, Düsseldorf: 50 Jahre "Unser Fritz", 1871-1921, Geschichte der Abteilung "Unser Fritz".
Vortrag anlässlich der Gedenkstunde zum 100 jährigen Bestehen des Steinkohlebergwerk Unser Fritz 1871-1971, am 26. November 1971 durch Festredner Markscheider Heinz Brüntgens.
Tageszeitung 1992, 1993, 1997, 2010.
Interview mit Obersteiger Peter-Klaus May Mai 1991.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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