Wanne-Eickel-Historie


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Die Zeche Shamrock III/VI

Bergbau

Von Shamrock 3/4 zur Schachtanlage Blumenthal 11


Am 21. März 1856 wurde ein Vertrag geschlossen, in dem der irische Bergbaupionier William-Thomas Mulvany von neuen ausländischen Investoren ermächtigt wurde, die Ausbeutung und Leitung der in Herne erbohrten Kohlefelder zu übernehmen. Das war gleichzeitig das Signal zur Abteufung des ersten Shamrock-Schachtes. Der Name Shamrock
* wurde nach dem irischen Nationalsymbol, dem dreiblättrigen Kleeblatt, benannt. Von 1897 bis 1975 führte die Stadt Herne als Erinnerung an das Bergwerk ein Kleeblatt mit Schlägel und Eisen im Wappen.

Im Jahre 1860 begann die Förderung. Die Zeche war Teil der Hibernia AG, der größten Bergwerksgesellschaft des Ruhrgebiets mit Sitz in Herne.

Von der Herner Bergwerksgesellschaft Hibernia wurde 1890 die Schwesterzeche Shamrock 3/4 auf den Grubenfelder Nosthausen und Neuborbeck in Holsterhausen errichtet. Sie war unterirdisch über eine 2,5 Kilometer lange Strecke mit der Mutterstrecke Shamrock 1/2 in Herne verbunden. Im ersten Jahr des Vollbetriebes im Jahre 1893, betrug die durchschnittliche Tagesförderung 1054 Tonnen bei einer Belegschaftsstärke von 1126 Mann. Bis zum Jahre 1904 hatte sich die Förderung und Mannschaft mehr als verdoppelt.

Schachtanlage Shamrock III/IV an der Kastanienallee um 1905.

Blick auf die Zeche Shamrock III/IV von der Kastanienallee um 1910.

Die Schachtanlage Shamrock 3/4 erhielt im Jahre 1904 zu Ehren des Bergrats Karl Behrens (1854-1906) den Namen "Behrens-Schächte". Karl Behrens war vom 1. September 1889 bis zum 2. Juli 1906 Generaldirektor und alleiniger Vorstand der Bergwerksgesellschaft Hibernia. Ab 1887 war er stellvertretender Vorsitzender der Handelskammer in Bochum und an der Gründung der Emschergenossenschaft maßgeblich beteiligt. In Herne-Mitte erinnert heute die Behrensstraße an den einstigen Königlichen Bergrat.

Notgeld der Zeche Hibernia Juli 1923, Aufdruck: Zeche Shamrock III/IV, Eickel, Behrensschächte.

Prunkstück der Schachtanlage Shamrock 3/4 war die neue Kokerei, erbaut 1903/04 die im Jahre 1928 auch den Grundstein für das Stickstoffwerk an der Holsterhauser Straße legte. Im Jahre 1934 wurde hier sogar eine Gastankstelle errichtet, die in der Spitzenzeit bis zu 700 Kraftwagen mit Motor-Methan befüllt werden konnte. Die Kokerei wurde in den Jahren 1940 und 1944, als Gaslieferant des Stickstoffwerkes Hibernia, beträchtlich erweitert; ihre Erzeugung lag bis 1940 zwischen 140 000 und 210 000 Tonnen jährlich.

Die Gastankstelle des Stickstoffwerks der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG in Holsterhausen, um 1953.

Zeche Shamrock mit den Schächten III und VI von der Kastanienallee aus gesehen um 1954.

Zeche Shamrock III VI von der Bielefelder Straße aus gesehen um 1954.

Die der zwei Kühltürme des Steinkohlekraftwerks aufgenommen von der ehemaligen Hermann-Löns-Straße, der heutigen Sennestraße aus gesehen, um 1960.

Die der zwei Kühltürme des Steinkohlekraftwerks aufgenommen von der Kastanienallee, im Mai 2004.

Die der zwei Kühltürme des Eon-Steinkohlekraftwerks, die im Jahre 1957 in Betrieb genommen wurden, bei der Demontage im November und Dezember 2014.

Im alten Gemeinde-Dreieck von Wanne, Eickel und Holsterhausen erstreckte sich der große Kohlebahnhof, von der Kastanienallee bis hin zur Dorstener Straße. Hier hatte die Schachtanlage einen Anschluss an die angrenzende Güterstation Wanne. Mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals 1914, lief die meiste Kohle über das Privatgleis der Wanner-Herner- Hafenbahn zum Umschlagplatz aufs Schiff gegenüber von Crange.

Der große Kohlenbahnhof, er erstreckte sich von der Kastanienallee bis hin zur Dorstener Straße, aufgenommen um 1960.

Die Schachtanlage Shamrock 3/4 in Holsterhausen erlitt 1944/45 schwere Bombenschäden. Im Jahre 1948 wurde der Zechenbetrieb wieder aufgenommen. Anfang der 1950 Jahre wurde an der Ackerstraße ein Ledigenheim für zugereiste Bergleute und Berglehrlinge errichtet. Die Einrichtungen waren zu der damaligen Zeit die größte und modernste Einrichtung im gesamten Ruhrgebiet, offiziell "Barbara-Heim" genannt.

Das ehemalige Ledigenheim für zugereiste Bergleute und Berglehrlinge, offiziell "Barbara-Heim" genannt, an der Ackerstraße, aufgenommen im Oktober 2014. Im Giebel des Hauses befindet sich das Bergwerkszeichen von Shamrock, das dreiblättrige Kleeblatt mit Schlägel und Eisen.

Grubenfahrt auf der Zeche Shamrock III/IV unter der Leitung von Willi Kirchberg im Jahre 1965.

Im Jahre 1960 wurde der neue Zentralschacht 11 in Betrieb genommen, der die Förderung von Shamrock 1/2 in Herne übernahm. Sieben Jahre später, im Jahre 1967 wurden die Grubenfelder stillgelegt. Im gleichen Jahr erfolgte am Schacht 3/4/11, der Querschlag zur Zeche General Blumenthal in Recklinghausen, der bis zur Schachteinfahrt in Haltern reichte. Von hier aus lief ab 1968 durch eine automatische, mannlose Lokomotivförderung eine 18 Kilometer lange unterirdische Gleisstrecke, auf der 700 Meter Sohle, zwischen den drei Ladestellen der Baufelder Haltern, Haard und Blumenthal und dem Förderschacht in Holsterhausen. Hier wurde die Kohle hoch geholt, in der Kohlenwäsche gereinigt und sortiert.

Eingangsportal zum Bergwerk Blumental/Haard von der Kastanienallee aus. Schacht 11, aufgenommen im Mai 2010.

Der Schacht 8 wurde als reiner Wetterschacht abgeteuft. Die Protegohaube befindet sich auf dem Parkplatz der Baufirma Heitkamp an der Langekampstraße.

Ein weiterer Wetterschacht war der Schacht 10. Er lag nördlich in einem Wäldchen des Freibad Wananas, erkennbar am Schachtdeckel.

Am 30. Juni 2001 wurde schließlich auch im Schacht 11 der letzte Förderwagen zu Tage gehoben. Mit der Sprengung der alten, 56 Meter hohen, 25 Meter breiten und 15 Meter tiefen Kohlenverladung auf dem Areal der ehemaligen Schachtanlage Blumenthal 11, am 26. August 2012 vollzog der Bergbau aus Wanne-Eickel seinen Abschied. Der weithin sichtbare 76 Meter hohe und 36000 Tonnen schwere ummauerte Schacht 11 wurde ein Jahr später abgetragen. Im November 2014 erfolgten die Demontage der zwei Kühltürme des Eon-Steinkohlekraftwerks sowie das Ammoniaklager. Ab 2015 steht das 35 Hektar große Areal zur Nutzung für gewerbliche Logikunternehmen und kleinteiliges Gewerbe zur Verfügung.



William-Thomas Mulvany
gilt als einer der "Gründer" des Ruhrbergbaus. Am 11. März 1806 erblickte er in Sandymount einem Vorort von Dublin das Licht der Welt. Schon recht früh entschloss er sich, Ingenieur zu werden und sich für den britisch-irischen Staatsdienst zu bewerben. Mulvany kam 1855 ins Ruhrgebiet und gründete die Zechen Shamrock, Erin und Hibernia. Als Fachmann für Binnenwasserstraßen setzte er sich für den Bau eines Kanals zum Rhein ein, dass mit dem Rhein-Herne-Kanal 1914 verwirklicht wurde. Er ist Ehrenbürger der Stadt Gelsenkirchen. In Herne erinnert die Mulvanystraße an den Zechenbaron und Gründer des Ruhrbergbaus. Am 30. Oktober 1885 im Alter von 79 Jahren verstarb William-Thomas Mulvany in Düsseldorf. Er wurde auf den "Millionenhügel" des Düsseldorfer Nordfriedhofs neben seiner Frau Alicia beigesetzt.





Karl Behrens
war einer der Spitzenrepräsentanten des deutschen Steinkohlebergbaus im Deutschen Kaiserreich. Behrens wurde am 14. Februar 1894 in Tribsees, einer Stadt in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Seine berufliche Erfolge waren: Ernennung zum Bergreferendar am 15. Januar 1878, Ernennung zum Bergassessor am 8. April 1882, Ernennung zum Bergrat im Jahre 1887. Als Nachfolger von Bergassessor a. D. Leo Gräff wurde er vom 1. September 1889 bis zum 2. Juli 1906 Generaldirektor und alleiniger Vorstand der Bergwerksgesellschaft Hibernia. Am 25. Mai 1908 benannte die Stadt Herne zu seinen Ehren, die Behrensstraße in Herne-Mitte nach ihm.

















Am 2. Juli 1906 verstarb Karl Behrens in Halberstadt, einer Stadt in Sachsen-Anhalt. Eine Gedenktafel auf dem Südfriedhof, Wiescherstraße in Herne (Abt. 21, Grab 1-2) erinnert heute noch an den Königlichen Bergrat Karl Behrens. Der Standort der Grabstelle ist unbekannt.



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Anmerkung:

Shamrock ist das inoffizielle Nationalsymbol Irlands; ein dreiblättriges Exemplar der Klee-Arten Weißklee. Es ist eines der Attribute des Heiligen Patrick, der im Rahmen seiner Missionstätigkeit den Iren anhand des Shamrocks die Dreifaltigkeit erklärt haben soll. Weitere Infos unter:
Auf welche Legende geht das nationale Symbol Irlands - das dreiblättrige Kleeblatt - zurück?


Quellennachweis:
Stein und Kamp: Heimatkunde der Kreise Bochum Stadt und Land, Gelsenkirchen Stadt und Land, Hattingen und Witten, Bochum 1899.
Hegeler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Fünfundzwanzig Jahre Stadt Wanne-Eickel, Wanne-Eickel 1955.
"Unser Hibernia" Festschrift 100 Jahre Shamrock, 30. März 1957.
Vom schwarzen Gold zur grünen Zukunft, Herne o.J.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.
Stadt Herne: Der Friedhofswegweiser, Herne 2009.
Tagespresse von 1957, 1998, 2005, 2012 und 2014.
wikipedia.org/Shamrock.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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