Wanne-Eickel-Historie


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Die Zeche Pluto Wilhelm

Bergbau

Zeche Pluto Wilhelm


Die Zeche Pluto Wilhelm erstreckte sich nördlich des Dorneburger Mühlenbaches an der Wilhelmstraße. Hier wurde am 3. Mai 1873 mit dem abteufen von Schacht II und im Jahr 1893 mit dem abteufen von Schacht III der Zeche Pluto begonnen.

Zu Ehren des deutschen Kaisers und zugleich Königs von Preußen, Wilhelm I. aus dem Hause Hohenzollern (1797 - 1888) erhielten die Schächte den Namen Wilhelm wie auch die vorbeiführende Straße.

Der Schacht Wilhelm wurde im Nordfeld 1,3 Kilometer von Schacht Thies angesetzt. Im Jahr darauf erreichte der Schacht bei einer Teufe von 180 Metern das Karbon. Noch im selben Jahr wurden bei einer Teufe von 203 Metern die 1. Sohle und bei einer Teufe von 230 Metern die 2. Sohle angesetzt. Im Oktober 1875 wurde die Förderung auf Pluto Wilhelm aufgenommen. Im Jahr 1877 wurde zwischen den Schächten Thies und Wilhelm ein Durchschlag erstellt. Im Juli 1878 wurde bei einer Teufe von 307 Metern die 3. Sohle und 1886 wurde die 4. Sohle bei 392 Metern Teufe angesetzt. Das Abteufen bis zur 5. Sohle bei 494 Metern erfolgte im Jahr 1895. Im folgenden Jahr erfolgte das Abteufen bis zur 6. Sohle bei 595 Metern. Nach dem Ansetzen der Füllörter begann auf den Sohlen das Auffahren der nördlichen und südlichen Hauptquerschläge.


Ansicht der Zeche Pluto Wilhelm mit den Schächten II und III um 1903 von der heutigen Wilhelmstraße aus gesehen.

Im Jahr 1902 wurde auf der Zeche Pluto Wilhelm der Schacht III von der 6. zur 5. Sohle aufgebrochen und mit einem eisernen Seilscheibengerüst versehen. Im gleichen Jahr wurde die Waschkaue erneuert, ein neuer Kompressor aufgestellt, die Wäsche und Verladung vergrößert und der Zechenbahnhof erweitert. Ab 1904 wurden Untertage anstelle der Grubenpferde Benzinlokomotiven in der Hauptstreckenförderung eingeführt.

Die Zeche Pluto Wilhelm von der Straßenecke Emscherstraße - Thiesstraße aus gesehen, um 1910. Die vorderen Bahngleise sind heute durch eine Brücke höher gelegt. Es bestanden Bahnanschlüsse zum Bahnhof Wanne und den Hafenanlagen am Rhein-Herne-Kanal.

Ansicht der Wilhelmschächte II und III mit der Markenkontrolle um 1930.

Innenansicht der Markenkontrolle um 1920.

Zeche Pluto Wilhelm vom Bahnübergang Thiesstraße aus gesehen mit den Schächten II, III und VII, um 1925.

Übersicht über die Standorte der Schächte von Pluto Wilhelm.
Quellennachweis: Kartongraphie Auszug des Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Herne.

Die Bezeichnung Pluto stammt aus der griechischen Götterwelt. Es war der Name des Gottes der Unterwelt und Spenders des Wirtschaftssegens, beides Bezugspunkte zum Bergbau mit seiner Untertagearbeit und dem Gewinnstreben auch bei dieser wirtschaftlichen Betätigung.

Gründer der Zeche Pluto war der vormalige Essener Bergamtassessor Heinrich Thies (1808-1870), der dazu im Jahr 1856 zwecks Kapitalbeschaffung die Bergbau-Aktiengesellschaft Pluto gegründet hatte. Von der Gründung bis zum Jahr 1869 war Thies Verwaltungsratsmitglied dieser Gesellschaft. ( siehe auch Zeche Pluto Thies)

Nach ihm sind auch die früheren Schächte I und IV an der Plutostraße benannt, während der vormalige Schacht V an der Heinrich-Imbusch-Straße und der ehemalige Schacht VI an der Plutostraße in Höhe der Güterzugstrecke keine Namen bekamen.

Der Name des erdsonnen-entferntesten Planeten Pluto hat im Unterschied zu den Planetennamen manch anderer Zeche keine Bedeutung für die Namensgebung gehabt, da dieser Planet erst 1930 entdeckt worden ist. Die Tagesanlagen der Zeche Pluto sind sehr umfangreich. Sie umfassten natürlich auch noch einen so genannten Holzplatz für den früher im Bergbau verwendeten hölzernen Grubenausbau.

Im Jahr 1951 wurde der Schacht III bis zur 8. Sohle in Betrieb genommen. Im darauffolgenden Jahr wurde mit dem Abbau auf der 8. Sohle begonnen. Im Jahr 1953 wurde nach Plänen des Industriearchitekten Fritz Schupp (1896-1974) und Martin Kremmer (1894-1945) auf Pluto Wilhelm ein neues Doppelstrebengerüst (Bock-Gerüst) mit einer Höhe von 56 Metern über Schacht III errichtet, das fortan als Wahrzeichen der Schachtanlage galt. (Vergleichbare Gerüste: Zollverein, Essen; Bergbaumuseum Bochum.) Das Doppelstrebengerüst wurde am 23. Februar 1999 mit der Denkmalnummer 638 in der Denkmalliste der Stadt Herne eingetragen.


Zeche Pluto Wilhelm mit dem neuen Doppelstrebengerüst vom Bahnübergang Thiesstraße aus gesehen um 1958. In der ehemaligen Gastwirtschaft Kluge auf der linken Seite befand sich später das Heim der Falken, Thiesstraße 54. Zwischen dem Haus und der Bahnschranke liegt heute die Kleingartenanlage "Sorgenfrei".

Die gleiche Ansicht ein paar Meter weiter, vor der Thiesstraße aus gesehen, um 1958.

Blick von der Straße Im Erlenkamp auf die Schachtanlage Pluto Wilhelm um 1960.

Im Jahr 1953 wurde im Schacht III bei einer Teufe von 940 Metern die 9. Sohle angesetzt und weiter zum Zentralförderschacht ausgebaut. 1954 wurde der Zentralförderschacht in Betrieb genommen.

Kohleabbau auf der 9. Sohle, bei einer Temperatur von 38 Grad Celsius.

Blick in die Hauptstrecke (meistbefahrenen Transportwege unter Tage) auf Pluto Wilhelm, aufgenommen um 1960.

Blick in die Hauptstrecke zum Schacht (Füllort), aufgenommen um 1960.

Blick auf den Anschlag (Einmündung eines söhligen Grubenbaus -Stollen oder Strecke - im Schacht unter Tage) mit Signaltafel rechts im Bild, aufgenommen um 1960.

Blick auf den Anschlag mit Seilfahrt, aufgenommen um 1960.

Die Zeche war sowohl mit dem Güterbahnhof Wanne-Eickel Hauptbahnhof über den Abzweig Pluto an der Michaelstraße als auch mit dem Hafen Grimberg über die Erzbahn längs des Hüller Baches verbunden.

Zufahrt zur Schachtanlage Pluto Wilhelm mit dem Doppelstrebengerüst von der Wilhelmstraße ausgesehen, aufgenommen im September 2007.

Nordwestlich der Schachtanlage schließt sich die Plutohalde ("Berge" tauben Gesteins) an und nordöstlich befinden sich die früheren Chemischen Betriebe Pluto GmbH, heute Octel Deutschland GmbH.

Zu Pluto Wilhelm gehören eine Reihe von Wohnhäusern und Zechenkolonien:
Die im Volksmund so genannte "Hühnerleiter" ist eine ältere, nunmehr modernisierte Siedlung zwischen Glückauf- und Hüttenstraße im Nordosten des Bergwerks. ( siehe auch die Geschichte der Hühnerleitersiedlung). Die so genannten Beamtenhäuser stehen an der Südseite der Wilhelmstraße in der Nähe der Schachtanlage. Ältere Zechenhäuser befinden sich außerdem in der Thiesstraße sowie in den Straßen Am Berg und Am Mühlenbach. In den fünfziger Jahren dazugekommen sind auch Eigenheime am Moßkampweg sowie die Siedlung um die Königsberger Straße herum, auch hier mit Reiheneigenheimen für Bergleute.

In den Anfangsjahren wurden 1885 im gesamten Plutofeld 518 893 Tonnen Steinkohle mit 2 052 Beschäftigten gefördert. Im Jahr 1970 förderte man mit 2 102 Beschäftigten insgesamt 977 000 Tonnen Steinkohle.

1971 ist eine Werksdirektion mit der benachbarten Schachtanlage Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck gebildet worden. Nach Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) wurde zum 31. März 1976 die Kohleförderung eingestellt und das Baufeld sowie die Schächte vom Bergwerk Consolidation übernommen, das schließlich in das Bergwerk Ewald Hugo eingebracht worden ist. Dieses Bergwerk ist Mitte des Jahres 2000 geschlossen worden.

Die letzten Kohlenloren von Pluto Wilhelm, aufgenommen im Sommer 2007.

Ein Teil der Tagesanlagen wird nunmehr vom Technischen Sonderdienst der neuen Deutschen Steinkohle AG (DSK) genutzt, welcher insbesondere das Grubenrettungswesen und die Grubenfeuerwehr umfasst. Außerdem befindet sich dort auch der Arbeitsmedizinische Dienst.

Darüber hinaus wurde auf dem Gelände der früheren Schachtanlage das Zentrallabor der DSK AG errichtet, welches als Ruhranalytik GmbH auch Aufträge von außen annimmt.

Seit 2000 plante der Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Maßregelvollzugsklinik für Forensische Psychiatrie an der westlichen Stadtgrenze von Wanne, auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Pluto Wilhelm zu errichten. Gewählt wurde ein Standort auf dem südlich angrenzenden Gelände der Zeche Pluto. Die Arbeiten wurden im Jahre 2011 abgeschlossen. Am 2. Februar 2011 wurden 36 Patienten aus der LWL-Klinik Lippstadt und der Wilfried-Rasch-Klinik in Dortmund nach Bickern überstellt. Die Klinik auf dem ehemaligen Zechengelände an die Wilhelmstraße bietet Platz für 90 psychisch kranke Straftäter.


Heftige Bürgerproteste gingen dem Bau der Maßregelvollzugsklinik für Forensische Psychiatrie voraus.

Eine fünfeinhalb Meter hohe Betonmauer umschließt das gesamte Klinikgelände. Die Mauer ist kletterabweisend angelegt und wird elektronisch und videotechnisch überwacht.

Die Plutohalde die inzwischen begrünt und der Bevölkerung zugänglich ist, wurde in den Jahren 1973 bis 1981 in einer Mächtigkeit von etwa 30 Meter aus Bergematerial aufgeschüttet und anschließend in großen Teilbereichen mit Gehölzen aufgeforstet. Auf dem "Gipfel" 75 Meter hohen Plutohalde befindet sich eine Aussichtsplattform. Sie bildet den höchsten Punkt in Wanne-Eickel. Die Kosten beliefen sich auf 450.000 Euro. Etwa zwei Jahre dauerte der Bau der neuen Landmarke und des neuen Zugangs an der Thiesstraße.

Auf der 75 Meter hohen Plutohalde befindet sich die Aussichtsplattform.

Die Erzbahntrasse parallel zum Hüller Bach wurde durch den Kommunalverband Ruhr (KVR) im Rahmen des Grünzuges D zu einem Wander- und Radweg vom Rhein-Herne-Kanal (Emscher-Landschaftspark) bis zur Jahrhunderthalle in Bochum ausgebaut.

Der Dorneburger Mühlenbach mündet an der Stadtgrenze in den Hüller Bach. Dieser fließt ungefähr parallel zur Stadtgrenze und mündet dann in die Emscher. Beide Bäche sollen noch in diesem Jahrzehnt renaturiert werden. Die Renaturierung des Dorneburger Mühlenbaches ist dabei inzwischen bis zum Stadtteil Eickel abgeschlossen.


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Quellennachweis:
Chronik der Schachtanlage Pluto 1856-1976, im März 1976 durch Markscheider Heinz Brüntgens.
Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, 2. erweiterten Auflage, Herne 1997.
Octel Manufacturing: Mit 100-jähriger Kopetenz in die Zukunft. Herne 2005.
LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne: Behandlung hinter hohen Mauern. Herne 2009.
Tageszeitung aus den Jahren 1981, 1984, 1992, 1994 und 2014.
Weiter Infos unter: www.lwl-forensik-herne.de

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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