Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Die Zeche Pluto Thies

Bergbau

Die Bergbau-Aktiengesellschaft Pluto


Im Jahre 1855 verkauften Freiherr Levin von Elverfeldt aus Martfeld bei Schwelm und Kammerherr von Lilien aus Obherdicke bei Unna den konsolidierten Felderbesitz Pluto und ihre Mutungsrechte an den Bergamtsassessor a.D. Heinrich Thies aus Essen. Der Name der Zeche „Pluto“ ist der griechische Göttersage entnommen. Pluto, einer der drei Söhne des Göttervaters Kronos erhielt bei der Aufteilung der Welt das unterirdische Reich. Sein Bruder Zeus bekam das oberirdische Reich und Poseidon das Meer. Das Grubenfeld lag besonders günstig zu der im Jahre 1847 eröffneten Köln-Mindener Eisenbahn, die damals noch die einzige Eisenbahnstrecke im Ruhrgebiet war. Heinrich Thies beabsichtigte nun, im Grubenfeld Pluto, den Steinkohlenabbau vorzubereiten. Das hierzu benötigte Kapital glaubte er am besten durch die Bildung einer Aktiengesellschaft beschaffen zu können. Durch Anzeigen in Zeitungen und Handschreiben an bekannte Geldgeber forderte er am 29. März 1856 zur Bildung einer Aktiengesellschaft auf.

Der Zeitpunkt war nicht schlecht gewählt, denn der Bedarf an Steinkohle nahm von Jahr zu Jahr zu. Für die Beschaffung des Aktienkapitals bestanden also keine großen Schwierigkeiten. Heinrich Thies ließ sich aber noch von einem Fachmann mit Ruf ein geologisches und bergtechnisches Gutachten anfertigen. Es war der spätere Direktor der Zeche Pluto und Berggeschworene Karl Barth. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass man zunächst 470.000 Taler benötige. Vom Spatenstich bis zur Aufnahme der ersten Förderung setzte er vier Jahre an. Er errechnete bei einer Förderung von 20.000 Scheffeln täglich und 300 Arbeitstagen im Jahr einen Jahresgewinn von 400.000 Talern. Bei diesen guten Aussichten waren bald alle Aktien gezeichnet. Insgesamt waren es 1.600 Aktien zu je 500 Taler, also ein Grundkapital von 800.000 Talern.

Die konstituierende Generalversammlung wurde für den 10. Juli 1856 nach Essen einberufen. Deshalb gilt der 10. Juli 1856 auch als Gründungsdatum der Zeche Pluto. In Essen wurde folgender erster Verwaltungsrat gewählt: Bergamtsassessor a.D. Heinrich Thies, Essen, Dr. jur. Friedrich Hammacher, Essen, Kommerzienrat Julius Scheidt, Kettwig und Bankier Gustav Runde, Braunschweig. Stellvertreter waren: Maschinendirektor Heinrich Kirchweger, Hannover, Bankier Wilhelm Schieß, Magdeburg. Zum 1. Vorsitzenden wurde Dr. jur. Friedrich Hammacher gewählt. Die Regierung ernannte zum staatlichen Kommissar für die Bergbau AG Pluto den Major a.D. und Domänenrat Keller aus Essen. Das Statut der neuen Bergwerksgesellschaft wurde vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. am 11. Mai 1857 genehmigt. Nun erwarb der neugebildete Verwaltungsrat die an Heinrich Thies verliehenen Steinkohlefelder für 330.000 Taler.

Die Verwaltung kaufte in der zweiten Hälfte des Jahres 1856 von den Landwirten Bönnebruch, Steinberg und Haumann ein 4,32 Hektar großes zusammenhängendes Gelände für einen Preis von 40.832,71 Mark. Dieses Gelände lag im Norden unmittelbar an der Köln-Mindener Eisenbahn und wurde im Westen durch einen Weg begrenzt, der später zur Gelsenkircher Straße ausgebaut wurde.

Das Betriebsgelände war sehr geschickt gewählt, da leicht ein Eisenbahnanschluss herzustellen war.

Solange kein Bahnhof vorhanden war, konnte das Material von der Bahnstation in Gelsenkirchen oder von Herne-Bochum über diese Landstraße herantransportiert werden.


Übersicht über die Standorte der Pluto Thies Schächte.
Quellennachweis: Kartongraphie Auszug des Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Herne.

Mit der Leitung der Abteufarbeiten für den 1. Schacht bestellte man den Steiger Vietinghoff. Dieser 1. Schacht erhielt bald den Namen „Thies“, weil der Verwaltungsrat dadurch besonders den Gründer der Zeche Pluto ehren wollte. Der Name Pluto Thies stand bald für die gesamte Zechenanlage, die in Röhlinghausen lag. Am 1. Januar 1858 übernahm Betriebsführer Worch von der Zeche Carolinenglück die Abteufarbeiten. Am 21. Dezember 1858 wurde bei 149,34 Meter Teufe das Steinkohlengebirge angefahren. Bei 191,1 Meter wurde das Füllort für die 1. Bausohle angesetzt. Der Schacht Pluto Thies hatte einen rechteckigen Querschnitt. Die lichte Länge betrug 7,15 Meter und die lichte Breite 5,19 Meter. Bis zu einer Teufe von 163,71 Metern wurde er ausgemauert. Der Schachtteil unterhalb dieser teufe erhielt eine Bolzenschrotzimmerung. Bei den Ausmauerungsarbeiten ereignete sich am 4. August 1859 durch eine Ansammlung von Methangas unterhalb der Sicherheitsbühne eine Explosion, bei der zwei Tote und mehrere Verletzte zu beklagen waren. Der Schacht Thies wurde nach der Ausmauerung noch bis auf 258,40 Meter geteuft. Die 2. Sohle wurde bei einer Teufe von 243,9 Metern angesetzt.

Über Tage wurde im Jahre 1859 der 30 Meter hohe Malakowturm über dem Schacht Pluto Thies fertig gestellt und ein Jahr später eine Fördermaschine von 120 PS Leistung installiert. Diese Maschine wurde von der Bergbehörde für die Seilfahrt und den Materialtransport zugelassen. Im Jahre 1861 erfolgte dann der Gleisanschluss zur Köln-Mindener Eisenbahn, so dass ab 1862 die Förderung im Großen aufgenommen werden konnte. Bereits im Jahre 1865 wurden erstmalig 100.000 Tonnen Kohle im Jahr gefördert.



Die Zeche Pluto Thies von der Halde aus gesehen (links im Bild um 1905, rechts im Bild um 1920). Im Hintergrund der 30 Meter hohe Malakowturm über Schacht I. Dieser wurde im Jahre 1859 fertiggestellt. Im Vordergrund Schacht IV, er wurde ab 1899 abgeteuft. Er war sowohl ausziehender Wetterschacht als auch Förderschacht.



Bis 1873 arbeitete die Zeche Pluto Thies nur mit einem Schacht. Die Wetterführung wurde mittels des Schonsteins des Kesselhauses bewerkstelligt. Da dieses Verfahren aber bald nicht mehr ausreichte, wurde 1863/64 über Tage ein Wetterofen aufgestellt, mit dem die Wetterführung erheblich verbessert wurde. Bei Gasen und beim natürlichen Wetterzug beschleunigte der durch Erwärmen hervorgerufene Auftrieb die Erzeugung des Zuges im Schonstein. Die Bergbehörde hatte schon am 26. Mai 1862 die bisher offenen Grubenlampen verboten und wegen der Schlagwettergefahr die Verwendung von Ölsicherheitslampen angeordnet.

Mit dem Abteufen des 2. Schachtes, der zu Ehren des deutschen Kaisers den Namen Wilhelm erhielt, wurde am 3. Mai 1873 begonnen. Die Lage dieses Schachtes wurde an der schon damals vermessenen Eisenbahnlinie Wanne nach Unser Fritz gewählt. Auch die Nähe des geplanten Rhein-Herne-Kanals spielte bei der Auswahl eine Rolle.

Aus wettertechnischen Gründen wurde es 1875 erforderlich, noch einen 3. Schacht im Plutofeld zu teufen. Im Jahre 1908 erhielt dieser Schacht nach einigen Erweiterungsarbeiten dann den Namen Schacht 6. Er lag an der Straße Auf der Wilbe/Plutostraße.



Der frühere Wetterschacht 6 wurde im Jahre 1875 als dritter Schacht im Plutofeld geteuft. Er wurde 1908 erweitert und erhielt dann die Bezeichnung Schacht 6. Das Bild zeigt ein Entgasungsventil. Auf dem Schild stehen die genauen Lagekoordinaten des Schachtes und der Durchmesser.


Die Tagesanlage auf der Zeche Pluto Thies bestanden somit aus dem Schachtturm, dem Fördermaschinenhaus, der Kaue und dem Magazin, das noch einige Büros und Dienstwohnungen erhielt. Weiter waren ein Kesselhaus, eine Schreinerei, eine Schmiede, eine Sieberei mit Wäsche und eine Kokerei vorhanden. Für die Herstellung der Ziegel, die in großen Mengen für den Zechen- und Wohnungsbau gebraucht wurden, kaufte man eine in der Nähe befindliche Ziegelei auf. Zur Abfuhr der Kohlen und zur Anfuhr des Materials diente die zusammen mit der Zeche Königsgrube erbaute Anschlussbahn an den Bahnhof Herne. Im Jahre 1871 wurde eine Wasserleitung von der Zeche Königsgrube zum Schacht Thies gebaut, die erstmals den ungestörten ganzjährigen Betrieb der Kokerei und der Wäsche sicherstellte.

Am 10. Mai 1882 ereignete sich auf der Zeche Pluto Thies ein schweres Grubenunglück. Bei einer Schlagwetterexplosion in 405 Meter Teufe kamen 67 Bergleute ums Leben. Die Unglücksursache ist niemals richtig geklärt worden. Wahrscheinlich war der Funke einer offenen Grubenlampe die Ursache der Explosion. Ein Extrablatt der Essener Zeitung vom 12. Mai 1882 berichtete über die schreckliche Katastrophe in der Geschichte des Wanne-Eickeler Steinkohlenbergbaus:

Heute Vormittag verbreitete sich hier schnell die Schreckenskunde von einem grässlichen Grubenunglück. Auf der Zeche Pluto bei Wanne war gestern abend 20 Minuten vor neun Uhr eine Explosion schlagender Wetter erfolgt, welche mit einem Schlag 59 Menschenleben dahinraffte.

Insgesamt umfasste die Belegschaft der Zeche Pluto damals 1.600 Mann. Gefördert wurde pro Jahr rund 300.000 Tonnen Kohle. Die Opfer kamen aus folgenden Ortsteilen: 17 Bergleute aus Eickel, 27 aus Röhlinghausen, 11 aus Bickern, vier aus Holsterhausen, zwei aus Crange und sechs kamen von auswärts. Tausende nahmen an dem Begräbnis der verunglückten Plutoknappen teil. Heute erinnert noch ein Grabstein auf dem evangelischen Friedhof an der Lohofstraße in Eickel an die Opfer. Auf dem Marien-Friedhof an der Herzogstraße in Eickel stehen ein Kreuz und ein Denkmal an der Stelle, wo einst Pfarrer Johannes Hachmann die Grabrede hielt.



Die Gedenkstätte auf dem evangelischen Eickeler Friedhof an der Lohofstraße.

Die Gedenkstätte auf dem katholischen Marien-Friedhof an der Herzogstraße.

Auch in der deutschen Literatur hat die Zeche Pluto ihren Platz gefunden, und zwar in dem Roman „Hundejahre“ von Günter Grass. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 ziehen vertriebene Menschen und Tiere nach Westen, darunter ein Walter Matern und der ehemalige Wolfshund des „Führers“ aus dem Geschlecht des berühmten Wolfshundes Perkun. Mensch und Tier trauern der Vergangenheit nach, der Wolfhund umso mehr, da er jetzt keinen Namen mehr hat. Grass schreibt:

Namenlos schlagen sie sich über den Lippe-Seiten-Kanal in die Haard, einen mäßig hügeligen Forst. Eigentlich will er mit namenlosen Hund quer durch den Mischwald bis Marl – Soll er Kuno oder Thor heißen? – aber dann biegen sie mit dem Weg links ab – Audifax? – bis sie, schon außerhalb des Forstes auf die Eisenbahnstrecke Dülmen – Haltern – Recklinghausen stoßen. Und hier gibt`s Zechennamen, die können auch als Hundenamen taugen: Hannibal, Regent, Prosper? – In Speckhorn finden Herr und namenloser Hund ein Bett.
Schlag nach, zähl auf. In Granit und Marmor. Namen, Namen. Die Geschichte besteht daraus. Kann soll darf man einen Hund Totila nennen, Etzel oder Kaspar Hauser? Wie heißt der erste der langen Reihen? Perkun. Vielleicht sollten die restlich Götternamenspenden: Potrimp oder Pikoll?
Wer wälzt sich und schläft nicht, weil ihm Namen, doch nun privat, die keinen Hund kleiden möchten, den Rücken unruhig machen? Früh, bei Bodennebel halten sich beide an den Eisenbahndamm, treten auf Schotter, lassen überfüllte Morgenzüge vorbei. Ruinenscherenschnitte: das ist Recklinghausen oder schon Herne, rechts Wanne, links Eickel. Notbrücken führen über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal. Namenlose sammeln Kohle im Nebel. In Fördertürmen schweigen oder drehen sich Seilscheiben über namenlose Zechen. Kein Lärm. Alles auf Watte gebettet. Allenfalls spricht der Schotter oder Krähen wie üblich: namenlos. Bis etwas abzweigt nach rechts und einen Namen hat. Schienen, eingleisig, kommen von Eickel und wollen nicht nach Hüllen. So kann man bei offener Einfahrt auf verwittertem Namensschild Großbuchstaben lesen: Abzweig Pluto.
Der tut`s: „Hierher Pluto. Pluto Platz. Bei Fuß Pluto. Fass zu Pluto. Brav Pluto. Kusch bring, friss Pluto. Such Pluto. Meine Pfeife Pluto!“ „Pluton steht Pate, der das Getreide und die Moneten scheffelte, der, Hades ähnlich – oder dem alten Pikollos – die unteren Geschäfte besorgt: Schattengeschäfte, tempellose Geschäfte, unsichtbare Geschäfte, Untertagegeschäfte, die große Pension, die Seilfahrt zum Schachtsumpf, da kannst Du rein und nicht raus, bei dem ist Bleibe, den besticht keiner, alle, alle müssen zu Pluto, den niemand verehrt. Nur Matern und die Eleer stapeln auf dem Altar: Herz, Milz und Nieren für Pluto!“
Sie folgen der Abzweigung. Unkraut zwischen den Gleisen meint, hier fuhr schon lange kein Zug, und die Schienen stumpfte Rost ab. Matern probiert den neuen Namen aus, laut und leise. Seitdem er von dem Hund Besitz ergriffen hat, lässt seine Heiserkeit nach. Es klappt mit dem Namen. Zuerst Erstaunen, dann wird mit Eifer gehorcht. Der Hund hat Schule gehabt. Das ist kein X-beliebiger. Pluto steht und liegt ab nach Pfiffen mitten im Kohlenpütt. Auf halber Strecke, zwischen Dortmund und Oberhausen, zeigt Pluto, was er gelernt hat und nicht vergessen, nur ein wenig verdrängt, weil die Zeiten so unruhig herrenlos waren. Kunststücke. Schon gerinnt der Nebel und verschluckt sich eigenhändig.
Sogar eine Sonne gibt es hier so gegen halb fünf.
Diese Manie, einmal täglich die eigene Lage zu peilen: Wo sind wir denn? Ecke! Links Schalke-Nord mit Wilhelmine-Viktoria, rechts Wanne ohne Eickel, hinterm Emscher Bruch hört Gelsenkirchen auf, und hier, wo die Abzweigung mit rostigen Schienen und Unkraut hinwill, liegt unter altmodischen knickbeinigem Förderturm, halbzerbombt und stillgelegt, jene Zeche Pluto, die dem schwarzen Schäferhundrüden Pluto den Namen gab.

Im Jahre 1891 wurden auf der Zeche Pluto Thies in 606 Meter Tiefe im Liegenden von Flöz Sonnenschein starke Solezuflüsse angefahren. Diese Sole verdankt das Sol- und Thermalbad Eickel-Wanne seinen Ursprung. Die Sole wurde von der Zeche Pluto, Schacht Thies, durch eine Pumpe zu Tage gefördert und floss in einer besonderen Leitung zum Solbad. Am 19. September 1893 erfolgte die Verleihung des Feldes Wilhelmsquelle. Das Sol- und Thermalbad Wilhelmsquelle wurde im Jahre 1894 durch den Bauunternehmer August Franke in Wanne errichtet und zunächst auf eigene Rechnung betrieben. Franke schloss am 9. Mai 1894 einen Vertrag mit der Gelsenkirchener Bergwerks AG über die Lieferung der erwähnten Sole ab. Mit dem 1. Januar 1898 ging dann die gesamte Badeanlage einschließlich des Kurhotels in den Besitz einer von Franke gebildeten Aktiengesellschaft über.

Das Bad wurde von dieser AG, deren Vorstand August Franke blieb, bis zum Jahre 1920 betrieben. Im Jahre 1920 erwarb dann die Gemeindevertretung Wanne die gesamten Aktien des Sol- und Thermalbades. Das chemische Laboratorium Fresenius in Wiesbaden bescheinigte nach einer Analyse im Jahre 1970 den Stadtwerken Wanne-Eickel AG u.a.:

Nach der vom Chemischen Laboratorium Fresenius durchgeführter „Kleinen Heilwasser Analyse` enthält das Wasser der `Solequelle` in Wanne-Eickel 32 252 mg gelöste feste Bestandteile pro Kilogramm Wasser. Der zur Kennzeichnung eines Wassers als `Sole` geforderte Mindestanteil an Natrium- und Chlorid-lonen wird von dem Wasser der `Solequelle` in Wanne-Eickel erheblich überschritten. Das Wasser der `Solequelle` in Wanne-Eickel ist nach den `Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen` des Deutschen Bäderverbandes als eine `Sole` zu kennzeichnen“.


Anzeige der Stadtwerke Wanne-Eickel zur Wiedereröffnung des neuen Sol- und Thermalbad. Der Neubau des Bades wurde im Rahmen eines Festaktes seiner Bestimmung übergeben.

Die enge Verbundenheit des Bades mit dem Bergbau wird durch diese Anzeige aus dem Jahre 1954 dokumentiert.

Der Gruben- und Hüttenverein, Abteilung Pluto (1899-1906)

Die günstige Entwicklung und die guten Ergebnisse besonders in den Jahren 1871 bis 1874 waren u.a. mit Veranlassung zur Gründung der Zeche Wilhelm im Jahre 1873. Die Verkaufspreise für Kohle und Koks standen gerade damals in einem außergewöhnlich guten Verhältnis zu den Selbstkosten.

Dem Schalker Gruben- und Hüttenverein fehlte eine gute Kohlenbasis, obwohl ihm die Mehrheit der Kuxe der Zeche Viktor in Rauxel gehörte. Er suchte daher 1899 die Fusion mit der Zeche Pluto, die unmittelbar vor seinem Hüttenwerk lag. Die Fusion beider Gesellschaften wurde auf der außerordentlichen Generalversammlung am 30. Oktober 1899 beschlossen. Zu dieser Zeit gehörte Pluto schon zu dem bedeutendsten Bergwerke des Ruhrgebietes. Im Jahre 1900 wurde z.B. auf der Zeche Pluto-Thies 525.000 Tonnen Kohle gefördert, auf Pluto Wilhelm 430.000 Tonnen und auf der Zeche Königsgrube 559.000 Tonnen. Auf Pluto Thies begann man 1899 mit dem Abteufen des Schachtes 4, der sowohl ausziehender Wetterschacht als auch Förderschacht werden sollte. Das war dem Gelände der Zeche Pluto Thies der 3. Schacht. Im Jahre 1901 erreichte man die 6. Sohle. 1903 erfolgte das Weiterteufen des Schachtes 1 (Thies) bis zur 7. Sohle in 704,5 Meter Tiefe.

Blick auf die Zeche Pluto Thies im Jahre 1912. Im Vordergrund überquert die Bahnstrecke Kray-Wanne die Plutostraße. Links hinter der Brücke befinden sich die Beamtenhäuser der Zeche Pluto Schacht Thies.

Nach der Fusion im Jahre 1899 wurde die im Bau befindliche Kokerei auf der Zeche Pluto Thies fertig gestellt, die 1901 auf 45 Koksöfen vergrößert wurde. Ab 1902 besorgte dann eine Seilbahn den billigen Transport des Kokses zu den Hochöfen in Hüllen. Diese Seilbahn überquerte in Röhlinghausen die damalige Heinrichstraße (heute Edmund-Weber-Straße) und verlief parallel zur heutigen Gelsenkirchener Straße und der Köln-Mindener Eisenbahn.

In der Generalversammlung vom 28. Oktober 1904 wurde beschlossen, dass der Schalker Gruben- und Hüttenverein mit der Gelsenkirchener Bergwerks AG eine Interessengemeinschaft eingehen sollte, die am 1. Januar 1905 beginnen sollte. Die völlige Verschmelzung der Interessengemeinschaft vollzog
sich 1907. Vertragsschließende waren für die Gelsenkirchener Bergwerks AG Geheimer Kommerzienrat Emil Kirdorf und Bergwerksdirektor Dr. jur. Jakob Haßlacher; für den Schalker Gruben- und Hüttenverein Generaldirektor Franz Burgers und Direktor Wilhelm Erdmann.



Blick in die Plutostraße im Jahre 1915. Links befindet sich die, für diese Zeit aufwendig und repräsentativ gebauten Beamtenhäuser der Zeche Pluto Thies. Die Seilbahn im Hintergrund der Zechenanlage überquert mit ihren Loren die Plutostraße.


Die Materialseilbahn der Zeche Pluto Thies in Röhlinghausen, die von 1902 bis 1927 Pluto-Thies mit den Hochöfen in Gelsenkirchen-Hüllen verband. Das Bild entstand um 1906 und zeigt die Pluto-Kolonie zwischen Tiefenbruchstraße und Humboldtstraße.


Ansicht der Zeche Pluto Schacht Thies um 1920 von der Plutostraße aus gesehen. Links im Bild die Bahnunterführung, sie ermöglichte den Fußgänger und Radfahrer den weitermarsch.

Die Gleiskörper der Köln-Mindener Bahnstrecke aufgenommen im April 1993. Diese viel befahrene Bahnstrecke an der Plutostraße in Röhlinghausen, stellt heute noch viele Bürger auf eine harte Probe. Hier gibt es die im Volksmund scherzhaft genannte "Glückaufschranke".

Die Zeche Pluto unter der Gelsenkirchener Bergwerksaktiengesellschaft (1907-1926)

Auf der Zeche Pluto Thies wurde das im Jahr 1906 begonnene Abteufen des Schachtes 5 fortgeführt. Er lag an der heutigen Heinrich-Imbusch-Straße und Bulmker Straße. 1908 kam er mit der 5. Sohle zum Durchschlag und diente als ausziehender Wetterschacht. Nun musste auch der Schacht 1, Schacht Thies genannt, noch umgebaut werden. Dieser stand, wie schon berichtet, nur bis 164 Meter in Mauerausbau, darunter, bis zur 6. Sohle, hatte er eine Bolzenschrotzimmerung aus Holz. Durch den schachtnahen Abbau war er stark in Anspruch genommen worden. Er musste dadurch immer wieder kostspielig repariert werden und stand außerdem noch 1,5 Meter aus dem Lot. Bis auf 89 Meter Teufe wurde der vorhandene Schacht ohne Veränderung übernommen. Bis zu dieser Teufe wurde er verfüllt und am 1. Juni 1911 mit dem Abteufen und Erweitern des Schachtes auf 6 Meter Durchmesser begonnen. Am 17. Dezember 1912 wurde die Seilfahrtsgenehmigung erteilt. Die Mauerung verlief jetzt durchgehend bis zur 7. Sohle. Eine neue Koepe-Fördermaschine nahm 1913 die Förderung im Schacht 1 (Thies) wieder auf. Ab 1909 wurde die 7. Sohle nun auch Hauptfördersohle.


Ansicht des Schacht Pluto V um 1915. Er lag am Ende der heutigen Heinrich-Imbusch-Straße und Bulmker Straße, und diente ab 1908 als ausziehender Wetterschacht.

Die Zeche Pluto unter der Vereinigten Stahlwerke (1926-1934)


Am 1. April 1926, als die Stadt Wanne-Eickel gegründet wurde, schlossen sich auch eine Anzahl bedeutender Bergwerks- und Hüttengesellschaften zur Vereinigten Stahlwerke AG zusammen. Unter den Gründungsgesellschaften, deren Bergwerksbesitz in der „Hauptabteilung Bergbau der Vereinigten Stahlwerke AG“ mit Sitz in Essen zusammengefasst wurde, befand sich auch die Gelsenkirchener Bergwerks AG. Diese Bergbauabteilung war das größte private Bergwerksunternehmen Europas. Der Felderbesitz, der sich über das gesamte Ruhrgebiet erstreckte, war mit 41 Zechen und 26 Kokereien in die vier Betriebs- und Verwaltungsgruppen Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen und Hamborn eingeteilt worden. Die Zeche Pluto gehörte wegen ihrer Lage zur Gruppe Gelsenkirchen. Im Zuge eines großen Rationalisierungsprogramms wurde bereits am 1. Oktober 1926 die gesamte Förderung des Plutofeldes von der Schachtanlage Pluto Wilhelm übernommen. Für ein Weiterbestehen zweier selbständiger Förderanlagen war das Grubenfeld Pluto jedoch zu klein. Den Ausschlag für die Zusammenlegung der Förderung auf der Zeche Pluto Wilhelm gab schließlich die günstige Verkehrslage zum werkseigenen Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal und die Tatsache, dass die Tagesanlage auf Pluto Thies veraltert waren. Auch die Einrichtung einer Zentralkokerei auf der Nachbaranlage Zeche Alma in Gelsenkirchen machte die Aufrechterhaltung des stark überholungsbedürftigen Kokereibetriebes auf Pluto Thies überflüssig. Die auf der Zeche Pluto Thies noch betriebenen Öfen der Firma Dr. Otto wurden daher am 29. Juni 1927 endgültig stillgelegt und mit anderen Tagesanlagen abgebrochen. Auch die Seilbahn, die durch den Stadtteil Röhlinghausen führte, wurde nun abgebaut. Vom 1. Juli 1927 verlor die Zeche Pluto Thies nach 71 Jahren ihre Bedeutung. Der Abbau und die Ausrichtung des Grubenfeldes Thies wurden nun von der Hauptschachtanlage Pluto-Wilhelm aus vorgenommen. Die Schächte 1 (Thies) und 4 blieben auf der Zeche Thies auch weiterhin Einziehschächte für die Bewetterung und Schacht 5 und 6 ausziehende Wetterschächte.

Damals, im Jahre 1927, hatte Pluto Thies einen Grundbesitz von etwa 250 Hektar. Sie besaß 334 Arbeiter- und 75 Beamtenwohnhäuser mit 138 Beamten- und 1.3008 Arbeiterwohnungen. Sie lagen in der Kolonie I. an der Plutostraße und Im Distelkamp (Baujahr 1870 / 1884 / 1907) und in der Kolonie II. an der Rolandstraße, Römerstraße, Tiefenbruchstraße usw. (Baujahr 1875 / 1899 / 1902-06 / 1919).

Im Krieg wurde am Wetterschacht 5 ein Ausländerlager eingerichtet. Bei einem alliierten Bombenangriff am 23. Februar 1945 wurde das Kriegsgefangenenlager am Schacht 5 sehr stark beschädigt. 125 Kriegsgefangene fanden den Tod.

In den fünfziger Jahren wurde der Wohnungsbau noch einmal stark forciert, weil die Belegschaft der Pluto-Schachtanlagen um 1.500 Mann aufgestockt wurde. Zeugen dieses Baubemühens sind die Siedlungshäuser an der Lötzener Straße, in der Bickernsiedlung, an der Rolandstraße und der Tiefenbruchstraße und die Eigenheimsiedlung an der Heinrich-Imbusch-Straße.



Schacht V der Zeche Pluto wurde 1906 abgeteuft. Nach der Stilllegung in den 70er Jahren wurde der Wetterschacht verfüllt und 1978 aus der Bergaufsicht entlassen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1965.


Im Jahre 1963 wurde dann Schacht 1 (Thies) verfüllt, und bald darauf wurde das Fördergerüst abgebrochen.

Seit 1966 befindet sich der Ortsverband Wanne-Eickel des Technischen Hilfswerks (THW) in den ehemaligen Gebäuden der Zeche Pluto Thies an der Plutostraße. In ehrenamtlicher Arbeit baute er sich einen Schulungsraum, einen Veranstaltungssaal, Fahrzeughallen sowie das Freigelände für Übungen aus. Der Ortsverband wurde bereits 1952 gegründet und gehört zu den ältesten Einheiten des THW in Deutschland.


Die ehemaligen Kaue der Zeche Pluto Thies an der Plutostraße im April 1993. Im diesem Gebäude befanden sich die Räume des Billard-Clubs "Grün Weiss Wanne-Eickel e.V.", gegründet 1943.

Die Betriebsgebäude der ehemaligen Zeche Pluto Thies an der Plutostraße im Mai 2007.

Die Betriebsgebäude der ehemaligen Zeche Pluto Thies dienen heute dem Technischen Hilfswerk (THW) als Betriebs-, Trainings- und Lagerräume. Im THW-Ortsverband Wanne-Eickel sind rund 80 aktive Helfer tätig.


zurück...

Quelle: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, 2. erweiterte Auflage, Herne 1997, S. 56 ff.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü