Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Die Zeche Königsgrube

Bergbau

Die Männer "der ersten Stunde"


Für die Männer, die es um die Mitte des 19. Jahrhunderts wagten, ein Bergwerksunternehmen zu gründen, musste die Steinkohle schon eine große Zukunft haben. Solche Gedanken wird wohl auch der Bergbaubeflissene Franz Hilgenstock aus Mühlheim an der Ruhr gehabt haben, als er 1849 vom Bergamt Bochum den beantragten Schürfschein nach Steinkohle erhielt. Hilgenstock setzte das Bohrloch „Glückauf Anna“ in der Gemarkung Günnigfeld an. Es brachte kein Erfolg. Der Berggeschworene konnte die Abbauwürdigkeit des 8,5 Zoll mächtigen Flözes nicht anerkennen.

Mit einem anderen Schürfschein hatte Hilgenstock in der Gemeinde Eickel aber schon das zweite Bohrloch „Glückauf Elise“ angesetzt. Hier konnte am 22. Januar 1851 sein Bohrmeister Thielker dem Bergamt das Erreichen des Steinkohlengebirges melden. In einer Tiefe von 68 Lachtern, etwa 142 Metern, wurde ein Flöz von 27 Zoll Mächtigkeit durchbohrt. Für diesen Fund beantragte Hilgenstock ein Grubenfeld und legte Mutung ein, um das Finderrecht zu wahren.

Auch Theodor Mayer, Betriebsdirektor der ersten deutschen Eisenbahngesellschaft in Langenberg und Mitbesitzer der Kuxe von „Glückauf Anna“ und „Glückauf Elise“, war ein halbes Jahr später in der Gemarkung Röhlinghausen beim 3. Bohrloch „Glückauf Lina“ fündig geworden.

Mayer wollte nun, gemeinsam mit den anderen Mutern, die Fundpunkte der 3 Mutungen konsolidieren, d.h. vereinigen. Die Gründungsversammlung dafür fand am 25. August 1851 statt. Die zusammengelegten Grubenfelder nannte man „Ida Maria“. Als Besitzer der Kuxe wiesen sich neben Hilgenstock und Mayer noch der Rentmeister Friedrich Scherenberg aus Steele und Inspektor Klein aus Köln aus. Die ersten Gewerken der späteren Zeche Königsgrube waren gewiefte Geschäftsleute, die mit ihrem Geld spekulierten. Das Direktionsprinzip des Staates war zwar schon zwei Jahre vorher, am 12. Mai 1851, eingeschränkt worden. Diese staatlichen Fesseln hatten den wirtschaftlichen Aufschwung lange gehemmt. Hatte vorher die staatliche Bergbaubehörde den Abbau bestimmt, den Absatz besorgt und Preise und Löhne festgesetzt, trat durch diese Bergrechtsform mit der Aufhebung des Direktionsprinzips an Stelle des Bergamtes das freie Unternehmertum. Bereits am 10. März 1853 verkauften Scherenberg, Hilgenstock und Mayer den größten Teil ihrer Anteilscheine mit einem gesunden Aufschlag an den Rentier Hermann Wolters aus Düsseldorf. Nun wirkt sich aber für die Eigentümer der „frühen Zeche Königsgrube“ eine Zirkularverfügung des preußischen Ministers für Handel vom 2. November 1853 recht günstig aus. Danach konnte die Verleihung des Bergwerkseigentums unter bestimmten Voraussetzungen schon vor der Niederbringung eines Schachtes erfolgen, wenn die Existenz und die abbauwürdige Beschaffenheit einer Lagerstätte auf einer benachbarten Zeche nachgewiesen worden war.








Entwurf der Verleihungsurkunde für die Zeche Königsgrube aus dem Jahre 1856. Der Text laute:

"Nachdem die Eigenthümer der Steinkohlen Bergwerke Glückauf Lina und Glückauf Elise, beide verliehen am 5ten September 1854 und das Steinkohlen Bergwerk Glückauf Maria, verliehen am 13ten July 1855, in den Gemeinden Eickel, Röllinghausen und Hordel, im Kreise Bochum, Regierungs-Bezirk Arnsberg, bergamtl. Berzirk Bochum, Ober-Bergamths District Dortmund, in Folge der gewerkschaftlichen Beschlüsse vom 20ten September 1855 über die Consolidation der genannten Bergwerke, den Vertrag vom 27ten Oktober geschlossen haben, wird die Vereinigung des einzeln verliehenen Berg-Eigenthums zu einem unzertrnnlichen Ganzen unter dem Namen "Königsgrube" als bergwirtschaftlich zulässig hierdurch genehmigt. Urkundlich unter Anschluß des Consolidations Vertrages vom 27. October 1855, der Verleihungs-Urkunden und des Consolidations-Risses zur Berechtigung des Besitztitels im Berg-Hypothenbuch ausgefertigt. Berlin, den 23. August 1856 :Siegel: Der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeit"



Für die Mutung „Glückauf Elise“ und „Glückauf Lina“ wurde die Verleihungsurkunde am 5. September 1854 vom Bergamt Bochum ausgehändigt. Bei der Vermessung des Grubenfeldes in Röhlinghausen am 17. März 1855, bei der man die Lochsteine zur Abgrenzung der Felder setzte, waren folgende Grundbesitzer und Landwirte anwesend: Wilban und Röhlinghaus zu Röhlinghausen, Monstadt zu Günnigfeld, Hüllen zu Hüllen, Niermann zu Hordel, Vogelsang zu Eickel, Middeldorf zu Eickel.

Diese Namen sind nicht nur in Katasterkarten zu finden, sondern sie kommen auch heute noch in der Umgebung unserer Heimat vor. Für die unergiebige Mutung „Glückauf Anna“ beantragte Hilgenstock zusammen mit dem Kaufmann Johann Brüning aus Steele einen Schürfschein für das 4. Bohrloch „Glückauf Maria“. Dort fanden sie am 4. Oktober 1854 in 55 Lachter Teufe ein Kohlenflöz von 27 Zoll Mächtigkeit. Bei Befahrungen der Mergelsohle im Jahre 1958 konnten diese mit verfüllten Bohrlöcher noch besichtigt werden. Notarielle Urkunden bezeugen, dass die meisten Gewerken ihre Kuxe an eine Magdeburger Kaufmannschaft verkauft hatten. Dies waren der Justizrat Hermann Alexander Ludwig Zuckschwerdt, Rittergutbesitzer, die Kaufleute Louis Kricheldorff, Stadtrat, Martin Gottlieb Hasenkamp, Gustav Schneider, Christian Friedrich Budenberg, und der Mechaniker Bernhard Schaeffer, sowie der Justizrat Gustav Philipp Harte.

Die Männer "der ersten Stunde" - der Vorstand der Zeche Königsgrube.


Alle hatten ihren Wohnsitz in Magdeburg. Die drei verliehenen Grubenfelder wurden nun unter dem Namen Königsgrube vereinigt. Der Konsolidationsvertrag trägt das Datum vom 27. Oktober 1855. Dieser Tag gilt daher auch als Gründungstag der Zeche Königsgrube. Repräsentant der Magdeburger Kaufleute blieb Friedrich Scherenberg, für dessen Wahl sein Wohnsitz in Essen-Steele ausschlaggebend war, da nach dem Gesetz der Repräsentant nicht im Ausland und nicht weiter als 10 Meilen vom Bergamt wohnen durfte. Ihre Königstreue hatten die Magdeburger Kaufleute wohl veranlasst, den Namen Königsgrube zu wählen: Friedrich Wilhelm IV. aus dem Hause Hohenzollern regierte von 1840 bis 1858 in Berlin als König von Preußen.

Die geologischen Verhältnisse im Grubenfeld der Zeche Königsgrube


Das Grubenfeld der Zeche Königsgrube bedeckte eine Fläche von 3.099.443 qm. Es war also gegenüber anderen Zechen relativ klein. Die Ausdehnung des Feldes von Osten nach Westen betrug 2,44 km, von Norden nach Süden 1,27 km. Das Feld lag in den Stadtteilen Röhlinghausen und Eickel. Im Süden und Westen griff es auch noch ein wenig über die Ortsteile Hordel, Günnigfeld und Hüllen. Die östliche Grenze bildeten die Markscheiden der Zechen Shamrock 3/4 und Hannibal, die westlichen die Zechen Rheinelbe und Alma. Die Zeche Pluto-Thies lag nördlich und die Zeche Hannover 1/2/5 südlich des Königsgruber Grubenfeldes.

Die unterirdischen Verhältnisse im Grubenfeld der Zeche Königsgrube waren recht günstig. Sie gehörten, von ihrem Kohlevorkommen her, zu den wertvollsten Zechen im ganzen Ruhrgebiet. Das Grubenfeld lag nämlich über dem Muldentiefsten und auf dem nördlichen Flügel der Essener Mulde. Die Lage der Zeche Königsgrube ist durch die Angabe: in der Essener Mulde und im Graben von Königsgrube geologisch eindeutig festgelegt. Die Zeche besaß, einmal durch ihre Lage im Innern einer Mulde, zum anderen dadurch, dass gerade dieser Teil der Mulde noch einmal in einem großen Grabenbruch tiefer abgesunken war, einen sehr hohen Kohlevorrat. Dieser große Grabenbruch, der von Süden nach Norden verläuft, wird von den Geologen und in der Fachliteratur als „Graben von Königsgrube“ bezeichnet. Er ist durch zwei gegeneinander fallende Querstörungen im östlichen und westlichen Teil des Grubenfeldes gebildet worden. Allen Königsgruber Bergleuten waren diese mächtigen Störungen unter den Namen Primus-Sprung und Julia-Constantin-Sprung bekannt. Wegen dieser Lage besaß die Zeche Königgrube Kohlenvorräte aus der Gasflammkohlenpartie bis zur Magerkohlengruppe. Ihr oberstes Flöz hieß Bismarck. Bereits in 750 Meter Teufe wurden die Fettkohlenschichten erreicht. Auch das Deckgebirge, das im Feld Königsgrube etwa 120 Meter mächtig ist, war in dem „Graben von Königsgrube“ mit eingesunken. Die größte Deckgebirgsschicht wird vom blaugrauen Emschermergel gebildet, der etwa 70 Meter stark war und als guter Wasserstauer gilt.

Die Zeche Königsgrube galt in Fachkreisen als schlagwetterarme Zeche und ist in ihrer 112jährigen Geschichte von schweren Grubenunglücken gottlob verschont geblieben.

Die Magdeburger Bergwerks-Aktien-Gesellschaft (MBAG)


Die Erwerber der drei ursprünglichen Grubenfelder hatten am 11. August 1855 zum Zwecke der Ausbeutung des Bergwerks Königsgrube eine Aktiengesellschaft gegründet. Sie hatte ihren Sitz in Magdeburg. Das Aktienkapital betrug 500.000 Reichstaler oder 1.000 Aktien. Der erste Verwaltungsrat bestand aus Kommerzienrat Kricheldorff, Magdeburg (Vorsitzender), Justizrat Harte, Magdeburg (Stellvertretender Vorsitzender), Hermann Zuckschwerdt, Magdeburg, Friedrich Grillo, Essen, Scherenberg, Steele.

Friedrich Grillo zählte zu den Unternehmergestalten des Ruhrgebiets. Der Kaufmannssohn aus Essen gilt als Begründer der Schalker Industrie und gründete u.a. 1863 die Schachtanlage Consolidation in Gelsenkirchen-Schalke.

Für den Bau der Schächte und der notwendigen Gebäude wurden vom ersten Verwaltungsrat 26 Morgen Land aufgekauft. Im März 1856 begann man mit dem Abteufen der beiden Schächten Ernestine und Luise. Im Februar 1859 erreichte man im Schacht Ernestine eine Teufe von 175 Metern, wovon 48 Meter im Karbongebirge standen. Bei 170 Meter wurde die Wettersohle ausgesetzt.

Der Schacht Luise erreichte am 7. September 1860 eine Gesamtteufe von 227 Metern. Bei 221,5 Meter wurde die 1. Bausohle angesetzt, und man begann am 1. Oktober 1860 mit der Kohlenförderung. Bereits die Abteufarbeiten zeigten, mit welchem „königlichen“ Kohlenreichtum man rechnen konnte. Es wurden mehrere Flöze mit reiner Kohle durchfahren. Im Frühjahr 1863, als man die 2. Bausohle in 246 Meter Teufe im Schacht Luise angesetzt hatte, war die Königsgrube so weit ausgebaut, dass der Betrieb nach nunmehr siebenjähriger Bauzeit voll aufgenommen werden konnte.


Wegen der steigenden Belastung bei der Schachtförderung baute auch die Zeche Königsgrube zwei moderne und massive Malakowtürme. Wir können ganz in unserer Nähe auf der ehemaligen Zeche Hannover 1/2/5 in Bochum-Hordel noch heute so einen Schachtturm aus dem Jahre 1857 bewundern.



Ansicht der Zeche Königsgrube um 1870. Diese Aufnahme ist wohl vermutlich die älteste Fotografie der Zeche. Gut zu erkennen sind die beiden Malakowtürme über den Schächten Ernestine (rechts) und Luise (links) im Bild. Der Gebäudekomplex dazwischen war das Kesselhaus mit dem großen Scheinstein in der Mitte. Hier war die zentrale Dampferzeugung der Zeche Königsgrube untergebracht.

Westansicht der drei Schachtanlagen der Zeche Königsgrube im Jahre 1905. Gut zu erkennen, wie die neuen eisernen Fördergerüste aus den Malakowtürmen herausragen. Links im Bild befindet sich der 1903/04 errichtete Schacht Gustav.

PDF Datei öffnen

Raumbildliche Darstellung im Graben von Königsgrube mit den Grubenfeldern von Königsgrube, Hannover und Hannibal. Blick von West nach Ost. Im Vordergrund der Primussprung, im Hintergrund der Julia-Constantin-Sprung. Im Süden der Zeche Königsgrube liegt die Zeche Hannover, im Norden die Zeche Pluto-Thies.

Grundriß der 7. Sohle der Zeche Königsgrube in 486 Meter Tiefe. In der Mitte die Schächte Gustav, Luise und Ernestine.


Für den Absatz ihrer Kohlen waren Verkehrsverhältnisse einer Zeche von entscheidender Bedeutung. Seit 1847 fuhren zwar die Dampfzüge durch das heutige Wanner Stadtgebiet, aber die nächsten Bahnstationen lagen in Gelsenkirchen und Herne. Nach längeren Verhandlungen mit der Nachbarzeche Pluto-Thies, die nur vier Kilometer nördlich der Zeche Königsgrube entfernt lag, und der Eisenbahngesellschaft, gelang es, bis März 1861 eine Güterzugstrecke zum Bahnhof Herne herzustellen. Die Kosten dieser Strecke, die später zur Güterbahn Wattenscheid-Wanne-Eickel wurde, mussten für das Stück zwischen der Zeche Königsgrube und der Zeche Pluto-Thies von der Zeche Königsgrube allein, für die weitere Verbindung nach Herne von beiden Bergwerken gemeinsam getragen werden. Diese Anschlussbahnen der beiden Röhlinghauser Zechen wurde später durch Verkauf Eigentum der Eisenbahn. Der Verkauf brachte für beide Zechen den Vorteil, dass die Eisenbahnverwaltung auf Wanner Gebiet 1869 den „Plutobahnhof“ anlegte, aus dem später der Hauptbahnhof Wanne-Eickel entstand. Auch die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft erklärte sich bereit, auf eigene Kosten einen Bahnanschluss von der Zeche Königsgrube zum Bahnhof Bochum-Nord zu bauen. Diese Zweigbahn, Vorläufer der späteren Eisenbahnstrecke Bochum-Nord-Wanne-Eickel, nahm 1869 den Betrieb auf. Die Gewährung günstiger Tarife und die kostenlose Herstellung des Eisenbahnanschlusses nach Bochum verdankt die Zeche Königsgrube dem wachsenden Wettbewerb zwischen der Köln-Mindener und der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft. Diese Konkurrenz fand mit der Verstaatlichung der Eisenbahn in Deutschland während des Kaiserreiches 1876-1887 ihr Ende.


Die Zeche Königsgrube entschloss sich 1873, als Nebenbetrieb eine Dampfziegelei zu gründen. Die geförderten reinen Tonschieferberge aus der Grube eigneten sich vorzüglich für die Herstellung von Ziegelsteinen. Aus dieser Ziegelei stammte der berühmte Königsgruber Klinkerstein, der infolge eines Ölzusatzes eine schöne lasurartige Oberfläche besaß. Um die Jahrhundertwende erreichte die Ringofenziegelei eine Jahresproduktion von 5 Millionen Steinen. Die Steine dienten nicht nur dem Eigenbedarf der Zeche, sondern wurde größtenteils auch verkauft. Die evangelische Kirche in Röhlinghausen wurde mit Königsgruber Klinkersteinen erbaut. Als um 1930 eine Absatzkrise im Ziegeleigewerbe eintrat, lohnte sich die Fortführung des inzwischen veralterten Betriebes nicht mehr. Deshalb wurde diese zecheneigene Dampfziegelei 1936 stillgelegt.


Die Dampfziegelei der Zeche Königsgrube im Jahre 1910. Im Hintergrund befindet sich die Halde. Davor liegt der mächtige Ringofen, in dem der berühmten Königsgruber Klinkerstein gebrannt wurden. Die Ziegelei war von 1873 bis 1936 im Betrieb.

Das Bild aus der Zeit um 1915 wurde von der Berghalde auf die Zeche Königsgrube aufgenommen. Es zeigt in der Bildmitte die drei Schachtgerüste. Im Vordergrund die Ringofenziegelei mit ihren mächtigen Schonstein. Links am Bildrand sieht man noch Teile der Halde, danach folgen Kühl- und Wasserturm. Im Haus am Kühlturm wohnte früher der Zechenbote Karl Grimberg.

Im gesamten Ruhrgebiet standen die vielen Zechengesellschaften bis 1893 in einem scharfen Wettbewerb. Sie warben untereinander nicht nur die Arbeitskräfte ab, sondern unterboten auch ständig die Preise ihrer Erzeugnisse. Die oft eintretenden Konjunkturschwankungen störten deshalb die gedeihliche Entwicklung jeder einzelnen Zeche. Nach mühevollen Verhandlungen zwischen den einzelnen Unternehmen gelang es 1893, das Rheinisch-Westfälische-Kohlen-Syndikat mit Sitz in Essen zu gründen. Diese gemeinschaftliche Absatzorganisation von Kohle und Koks regelte von diesem Zeitpunkt die Förderung der Zechen nach Maßgabe des Bedarfs. Diese Einrichtung wurde erst 1945 aufgelöst. Auch die Zeche Königsgrube gehörte dieser Absatzorganisation an.

Zur Verbesserung der Wetterführung teufte man von 1888 bis 1891 auf der Zeche Königsgrube einen neuen Wetterschacht. Er lag südlich des Förderschachtes Ernestine an der Güterzugstrecke Wattenscheid-Wanne. Dieser Wetterschacht hatte einen runden Querschnitt und war bis zur 5. Sohle, also 410 Meter tief, abgeteuft. Die ersten 160 Meter hatten einen lichten Durchmesser von 2,3 Metern, die restlichen Meter bis zur 410 m-Sohle einen Querschnitt von vier Metern. Dieser Wetterschacht wurde 1937 verfüllt und wegen seines geringen Querschnitts im oberen Teil endgültig abgeworfen. Seit dieser Zeit war Ernestine Wetterschacht.

Von 1894 bis 1904 entschloss sich die MBAG zu Erneuerungen- und Erweiterungen im Übertage- und Untertagebetrieb. Seit Gründung der Zeche Königsgrube waren 40 Jahre vergangen.

Daniel Bonacker war seit 1894 als Betriebsführer und ab 1896 als Bergwerksdirektor tätig. Über die mehr als 30jährige Tätigkeit dieses Direktors wird an einer anderen Stelle noch zu berichten sein.

Seit 1894 wurden nacheinander die hölzernen Schachtgerüste der Schächte abgebrochen und durch eiserne ersetzt. Das äußere Bild der Zeche änderte sich dadurch entscheidend. Seit 1897 ragten aus den Malakowtürmen der Zeche Königsgrube eiserne Fördertürme heraus.

Seit 1892 wurde im Grubenbetrieb die mechanische Hauptstreckenförderung mit Seilbahn angelegt. Dadurch sparte man 40 Grubenpferde ein, die bisher die Kohlenwagen zum Füllort brachten. Die Pferdeförderung beschränkte sich seit dieser Zeit nur noch auf die Abbaubetriebe und fand 1924/25 ihr vollständiges Ende.

Um die Beteiligungsziffer beim Rheinisch-Westfälische-Kohlen-Syndikat zu erhöhen, entschloss sich das Unternehmen, den Schacht Gustav als 4. Schacht auf der Zeche Königsgrube zu teufen. Dieser Schacht hatte einen lichten Durchmesser von 5,5 Metern und wurde vom 15. März 1903 bis 21. April 1904 auf eine Teufe von 420 Metern gebracht. Später war der Schacht bis zur 750 m-Sohle abgeteuft. Die kreisrunde Schachtscheibe enthielt eine Haupt- und eine Hilfsförderung, allen Königsgrubern unter dem Namen „Großer und Kleiner Gustav“ bekannt.


Blick auf die Zeche Königsgrube um 1920 von der Ottostraße aus gesehen. Das Bild vermittelt die dörfliche Idylle im Vordergrund sowie die geballte Industrie im Hintergrund.

Die Zeche Königsgrube von der Halde an der Siegfriedstraße (Schübbes-Kolonie) gesehen. Man blickt auf den Zechenplatz. Links der Wasserturm, zur linken des Kesselhauskamins Schacht Luise, rechts Schacht Gustav.

Die vorzügliche Beschaffenheit der Königsgruber Gaskohle gestattete bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges einen Absatz ohne jede weitere Aufbereitung. Als Förderkohle war sie besonders bei Gaswerken bis ins Ausland beliebt und bekannt. An die französische Staatsbahn wurde u.a. Förderkohle mit 8% Aschengarantie geliefert. Die zunehmenden Qualitätsansprüche nach dem Ersten Weltkrieg zwangen aber schließlich auch die Zeche Königsgrube zur Auftrennung des Fördergutes. Im Jahre 1920/21 baute man daher eine Sieberei, die Stückkohle, ungewaschene Nusskohle der Sorte I bis IV und ungewaschene Feinkohle lieferte. Es kam für die einzelnen Zechen nach 1918 darauf an, unter den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen die früheren Ertragsfähigkeit zurückzugewinnen. Aus diesem Grunde lief in den Jahren 1924/25 im gesamten Ruhrbergbau das erste große Rationalisierungs- und Mechanisierungsprogramm an. Die Fördermittel im Untertagebetrieb wurden vollkommen mechanisiert. Man ging vom Örterbau zum Strebbau über, d.h. man gab die vielen kleinen Abbaubetriebe auf und konzentrierte sich auf ein paar größere Kohlereviere. Für die Zeche Königsgrube war diese Lage besonders ungünstig, weil man sich nicht nur auf die Rationalisierung und Mechanisierung im Untertagebetrieb einstellten musste, sondern gleichzeitig auch die völlig heruntergewirtschafteten Tagesanlagen erneuern musste. So war aus der einst stolzen Königsgrube ein „Klamottenpütt“ geworden, den man im Volksmund auch „Zeche Schrotthaufen“ nannte. Alte Bergleute berichteten, dass die ganze Verladung und Hängebank wackelte, wenn das Schwingsieb der Sieberei in Betrieb war.

Jetzt zeigte sich auch die unglückliche Dividendenpolitik der MBAG, mit der man schon 1866 begonnen hatte. Zwischen 1873 und 1917 zahlte die MBAG an ihre Aktionäre z.B. 32.294.000 Mark Dividenden. In den Jahren 1910 bis 1921 wurden durchschnittlich 28,72% an Dividenden gezahlt. Bei einer Betrachtung der Tagesanlagen musste sich auch damals schon die Frage aufdrängen, ob die verteilte Dividende nicht zu reichlich bemessen war, und ob es nicht richtiger gewesen wäre, etwas geringere Dividenden zu verteilen und dafür die Anlagen so auszubauen, wie es mit Rücksicht auf die Zukunft erforderlich gewesen wäre. Das Stammkapital der Gesellschaft, das seit der Gründung der Zeche auf 800.000 Taler angewachsen war, wurde 1973 durch Ausgaben von neuen Stammaktien auf 1 Millionen Taler (-3 Millionen Mark) erhöht. In Deutschland wurde 1873 unter Kaiser Wilhelm I. die Goldmark als Währung eingeführt. Durch weitere Kapitalerhöhungen in den Jahren 1916 bis 1924 stieg das Stammkapital auf 17.600.000 Mark an.

Die Belegschaft der Zeche Königsgrube betrug um 1920 rund 1.950 Mann. Die Zeche förderte rund 500.000 Tonnen Kohle im Jahr und besaß einen Grundbesitz von 103 Hektar. Das bedeutete, dass in Röhlinghausen etwa 36% des Bodens der Zeche gehörte. Weiterhin besaß die Zeche 796 Werkswohnungen. Über 8.000 Menschen lebten von der Arbeit auf der Zeche Königsgrube, das waren 60% der damaligen gesamten Röhlinghauser Bevölkerung.


Schematische Darstellung eines Grabenbruches im Karbon. Der schwarze Streifen ist das Flöz. Die unterschiedlichen Schraffierungen zeigen die verschiedenen Gesteinsschichten im Karbongebirge.


Schematische Darstellung für die Aufsichtsräte, auf welche der Kohlenreichtum im Königsgruber Graben gezeigt werden soll. Deutlich sind die Störungen erkennbar, links der Primus-, rechts der Julia-Constantin-Sprung. Auf der Oberfläche die drei Grubenfelder des Konzerns; oben Königsgrube, darunter Hannover, rechts Hannibal.


Dieses Gruppenbild entstand 1926 und zeigt Mitarbeiter der Fördermaschine-Gustav der Zeche Königsgrube.

Stolz stellen sich die Lokführer und Rangierarbeiter der Königsgruber Zechenlok Nr. IV., um 1940 vor ihrem Arbeitsgerät.


Die Deutsche Erdöl-Aktiengesellschaft (DEA)


Investitionen aus eigenen Mitteln waren für die MBAG nach dem Ersten Weltkrieg nur schwer möglich. Es musste ein finanzkräftiger Geldgeber gesucht werden. Bergwerksdirektor Daniel Bonacker hätte es gern gesehen, wenn die Zeche Königsgrube den Krupp-Zechen Hannover-Hannibal angegliedert worden wäre.

Die MBAG blieb zunächst jedoch noch bestehen. Gewinne wurden für den Um- und Neubau angelegt, denn es sollte alles mit eigenen Geldern bestritten werden. Das Kohlenvorkommen der Königsgrube war so wertvoll, dass sich der völlige Umbau der Tages- und Grubenanlagen lohnte.

Der neue Bergwerksdirektor Bergassessor Heinrich Kost, später Generaldirektor der Rheinpreußen AG in Homberg (Niederrhein), löste am 1. Juli 1925 den Direktor Daniel Bonacker ab. Nach sorgfältigen Planungsarbeiten wurde die Zeche in den Jahren 1927 bis 1930 für die Verarbeitung einer Tagesförderung von 3.000 Tonnen völlig erneuert. Die Königsgruber Straße, die bis dahin die Tagesanlagen trennte, wurde abgesperrt und dem Zechenglände zugeschlagen. Um den Zechenbahnhof gefahrlos zu überqueren, baute man die Röhlinghauser „Asthmabrücke“. Der Umbau der Tagesanlagen wurde von der Firma Jucho aus Dortmund ausgeführt. Neu gebaut wurden Schachthallen, Verladeräume, Sieberein, Werkstättengebäude, Zechenbahnhof, Kesselhaus, Generator- und Kompressorgebäude und das Schalthaus. Umgebaut wurden die Schachtgerüste mit den dazugehörigen Förderanlagen. Um das benötigte Gefälle zu erhalten, musste die Hängebank 6 Meter höher gelegt werden. Während des Umbaus wurde der gesamte Zechenbetrieb aufrechterhalten. Der Malakowturm am Schacht Luise wurde abgebrochen. Der Schacht Ernestine wurde 1937/38 zum alleinigen Wetterschacht ausgebaut. Auch der Malakowturm am Schacht Ernestine verschwand. Die Seilbahn in den Hauptförderstrecken des Untertagebetriebes wurde ausgebaut. Deren Aufgabe übernahmen Dieselloks.

Im Jahrbuch des Ruhrkohlebezirks aus dem Jahre 1933 wurde der Grund- und Hausbesitz der Zeche Königsgrube mit 98.739 Hektar angegeben. In den zecheneigenen Wohnungen wohnten 4.345 Personen. In den Jahren von 1930 bis 1934 wurden auf der Zeche Königsgrube 275 Freischichten verfahren.

Nach Bergwerksdirektor Heinrich Kost waren die Bergassessoren Bruch, Fröhlich und Rakoski als Werksdirektoren auf der Zeche Königsgrube tätig. Sie wohnten alle in der „weißen Villa“ an der Königsgruber Straße.

Nachdem die Zeche Königsgrube am 1. Januar 1935 von der MBAG an die DEA bereits verpachtet worden war, wurde sie am 15. Dezember 1936 endgültig Eigentum der Deutschen-Erdöl-Aktiengesellschaft in Berlin. Damit war nach 81jährigem Bestehen die Magdeburger Bergwerks-Aktiengesellschaft ausgelöscht.

Die Deutschen-Erdöl-Aktiengesellschaft, die in Gelsenkirchen-Bismarck noch einen wesentlich größeren Bergwerksbesitz besaß, verwaltete die Zeche Königsgrube mehr und mehr von Gelsenkirchen aus. Die Inschrift des Firmenstempels lautete: Deutschen-Erdöl-Aktiengesellschaft Zeche Graf Bismarck und Königsgrube.

Die Belegschaftsmitglieder der Königsgrube erinnern sich heute noch gerne an die Zeit, als die Zeche noch der DEA gehörte. Die Königsgrube war ein schöner „Familienpütt“. In der Weihnachtszeit wurden an alle Belegschaftsmitglieder zusätzlich zwei Pakete Weihnachtskerzen verteilt.

Im Jahre 1931 setzte man die 8. (680 Meter-) Sohle an, die dann nach dem Krieg Hauptfördersohle war. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Zechenanlagen und der Hausbesitz erheblich beschädigt. Der Grubenbetrieb konnte aber immer aufrechterhalten werden. Die höchste Förderung auf der Zeche Königsgrube wurde im Jahre 1942 mit 694.883 Tonnen Kohle erreicht. Daran hatten die Fremdarbeiter, die in einem Lager an der Bochumer Straße (heute Edmund-Weber-Straße) untergebracht waren, eine hohen Anteil. Anfang der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden die 1. (150 Meter-) Sohle und die A (250 Meter-) Sohle neu angesetzt, um den Abbau stehen gebliebener Flöze zu ermöglichen.

Durch Vertrag vom 22. März 1954 verkaufte die DEA die Zeche Königsgrube zu einem Preis von 21.153.000 DM an die Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal AG. Die Deutschen-Erdöl-Aktiengesellschaft, die zu dieser Zeit ihren Hauptsitz schon in Hamburg hatte, entschloss sich zum Verkauf, weil das Grubenfeld der Zeche Königsgrube von ihrem nächsten Zechenbesitz in Gelsenkirchen-Bismarck zu weit entfernt lag
.

Blick von der Hannoverstraße, im Volksmund auch "Ettrich-Kolonie", nach einem hier ansässigen Milchhändler benannt, auf die Schachtanlage der Zeche Königsgrube um 1930. Das Koloniehaus ist das Haus Südstraße 2/4, heute Im Lakenbruch. Wir sehen auf die Wohnungen 2b und 4b.

Blick auf die Tagesanlage der Zeche Königsgrube um 1930. Links im Bild liegt die Ringofenziegelei mit dem mächtigen Schornstein und den Kühltürmen sowie der Wasserturm. Daneben erhebt sich der Malakowturm vor Schacht Ernestine sowie die Schächte Luise und Gustav.

Lohnkarte 1939 des Johann Kaluzny (Vorderseite).


Lohnkarte des Johann Kaluzny (Ausschnitt der Innenseite).


Der „entflochtene“ Krupp-Konzern kauft die
Zeche Königsgrube


Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges beschlossen die Siegermächte, in der deutschen Schwerindustrie die Bereiche Rohstoffe, Hüttenwerke und die Verarbeitung von Eisen zu Stahl voneinander zu trennen. Von dieser Anordnung wurde u.a. auch die Firma Krupp in Essen besonders stark betroffen. Der gesamte deutsche Steinkohlenbergbau musste danach neu geordnet werden.

Am 16. Februar 1954 wurde die Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal AG in Bochum-Hordel mit einem Grundkapital von 35 Millionen DM neu gegründet. Beide Zechen, sowohl Hannover als auch Hannibal, gehörten schon immer zum Krupp-Konzern. Durch die Entflechtungsanordnung der Alliierten wurde für die neue Aktiengesellschaft aber auch die Möglichkeit geschaffen, die der Deutschen-Erdöl-Aktiengesellschaft in gehörende benachbarte Zeche Königsgrube zu erwerben. Der Kaufvertrag kam am 22. März 1954 zustande, und für einen Preis von 21. 153.000 DM kam die Zeche Königsgrube zum Krupp-Konzern. Im Vorstand der neu gegründeten Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal AG saßen die Herren Dr. Ing. Fritz Lange, Dr. jur. Alfons Althaus und Arbeitsdirektor Walter Heinig. Alle drei Zechen Hannover, Hannibal und Königsgrube wurden seitdem zu einem Verbundbergwerk ausgebaut.

Dr. Ing. Fritz Lange.


Der Aufbewahrungs- und Ausgaberaum für die CO-Filter-Selbstretter im Jahre 1956. Vor der Ausgabe stehen Bergleute mit brennenden Handlampen, die ihre CO-Filter in Empfang nehmen.


Blick in die Markenkontrolle. Links der Ständer mit den verschiedenen Schichtmarken (Morgenschicht rund, Mittagsschicht viereckig, Nachtschicht dreieckig).


Bergassessor Hans Rakoski (rechts) und Betriebsratsvorsitzender Otto Hermann nach einer Grubenfahrt im Jahre 1954. Sie prüfen die Gelenkverbindungen eines Moll-Grubenausbaus.


Auf der Hängebank am Schacht Luise mit dem Anschläger und der Tafel mit der elektrischen Signalanlage (links östliche Seite, rechts westliche Seite).


Maschinelle Schrämarbeit im Untertagebetrieb der Zeche Königsgrube an einer stempelfreien Abbaufront.


Das efeubewachsene Verwaltungsgebäude der Zeche Königsgrube, Mitte der fünfziger Jahre. In diesem alten Gebäude waren das Magazin, die Magazinverwaltung und die Markscheiderei untergebracht. Hier befanden sich die Büros der Vermessungsfachleute der Zeche für den Über- und Untertagebetrieb.

Auf der Zeche Königsgrube waren alle Schächte bis zum Jahre 1953 bis zur 8. (680 Meter-) Sohle geteuft. Seit 1955 begann nun der unterirdische Verbund mit der benachbarten Zeche Hannover zunächst durch das Teufen des Gesenks 7.500 von der 680 Meter-Sohle der Zeche Königsgrube zur 750 Meter-Sohle der Zeche Hannover. Am 16. Januar 1956 erfolgte der Durchschlag. Auf der Zeche Königsgrube wurde die eigene Kohlenaufbereitung nun eingestellt. Die Kohlen von der 8. (680 Meter-) Sohle wurden unter Tage zur Zeche Hannover transportiert. Die Gaskohlen aus den oberen Königsgruber Sohlen wurden dagegen über Tage zur Zeche Hannover geschickt. Gleichzeitig begann man von der 950 Meter-Sohle der Zeche Hannover aus in das Grubenfeld der Zeche Königsgrube die Ausrichtung voranzutreiben.


Der Verbindungsquerschlag Hannover-Königsgrube in einer künstlerischen Darstellung. Der Durchschlag des Querschlages erfolgte in Wirklichkeit auf den Zentimeter genau.


Räumliche Darstellung der Grubenfelder der Zeche Königsgrube und Hannover mit dem Verbindungsquerschlag auf der 750 Meter-Sohle.


Im Jahre 1960 wurden alle Aktien der Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal AG von der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG aufgekauft. In dieser Gesellschaft waren alle Hütten- und Bergwerkinteressen der Firma Friedrich Krupp zusammengefasst. Aus den einst verfeindeten Mächten waren nach 15 Jahren befreundete Nationen geworden. Deshalb durften auf Grund einer Genehmigung der Hohen Behörde die auseinander gerissenen Teile der Firma Krupp durch Aktienerwerb wieder zusammengeführt werden. Der Krupp`sche Zechenbesitz wurde nach 1960 in drei Bergwerksdirektionen aufgeteilt: Essen-Rossenray, Hannover-Hannibal und Constantin der Große. Alle drei Bergwerksdirektionen waren schon immer mit der Firma Krupp in Essen verbunden.


Aufnahme für die Aufsichtratssitzung der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG am 15. Oktober 1958 in Bochum-Hordel. Die Zeche Königsgrube hat danach eine Grubenfeldgröße von 3,08 Millionen Quadratmetern, der Ankauf war 1954 getätigt worden und kostete 21.153.000 DM.


Förderung in den Jahren 1956 bis 1958. Dieses Schaubild verdeutlicht die erhöhte Förderung in den Jahren 1956 bis 1958. Es wächst aber auch der Bergeanteil um 3,02 %. Eine tägliche Förderung von 9.563 Tonnen bedeutet daher auch, dass etwas mehr als 3.134 Tonnen Steine gefördert werden mussten, also fast 1/3 der Gesamtförderung. Täglich konnten als im Jahre 1958 nur 6.736 Tonnen Kohlen verkauft werden.


Die Zeche Königsgrube im Jahre 1963 mit Blick auf die Verladung von der Westfalenstraße aus. Rechts im Bild Häuser der Straße Am Bollwerk, Wassertürme und Kühltürme; im Hintergrund des Bildes Schacht 2 der Zeche Hannover; im Vordergrund befindet sich das Gelände der Gärtnerei Makolla und Grabeland. Die Stelle ist heute mit den Häusern Westfalenstraße 45a-d bebaut.


Die Zeche Königsgrube im Jahre 1963. Man blickt von der Königsgruber Straße auf die Markenkontrolle; rechts befindet sich Schacht Gustav, links Schacht Luise. Rechts mündet die frühere Bahnhofstraße, heute Albert-Kelterbaum-Straße, in die Königsgruber Straße.


Der Kohlenvorrat der Schachtanlagen Hannover, Hannibal und Königsgrube. Dieses Schaubild verdeutlicht, dass sich durch den Ankauf der Zeche Königsgrube im Jahre 1954 der Kohlevorrat der drei Schachtanlagen bis zu einer Gesamtteufe von 1.200 Metern auf 157 Millionen Tonnen erhöhte. Davon entfielen 83 Millionen Tonnen auf die Zeche Königsgrube und 74 Millionen Tonnen auf die beiden Zechen Hannover und Hannibal. Durch den Ankauf der Zeche Königsgrube erhöhte sich der Kohlevorrat für alle drei Bergwerke also um über 100%.


Lebensdauer der Bergwerke Hannover, Hannibal und Königsgrube. Ohne den Ankauf der Zeche Königsgrube hätte die Zechen Hannover und Hannibal bis zu einer Teufe von 1.200 Metern (11. Sohle) noch eine Lebensdauer von 55 Jahren gehabt. Durch den Ankauf der Zeche Königsgrube erhöhte sich die Lebensdauer der drei Bergwerke auf 75 Jahre, gerechnet von 1958 an bis zu einer Teufe von 1.200 Metern (Lebensdauer bis ins Jahr 2033). Bis zu einer Teufe von 1.500 Metern erhöhte sich die Lebensdauer auf 102 Jahre (Lebensdauer bis ins Jahr 2060).


Die Absatzschwierigkeiten, die seit dem Jahre 1958 ein nicht erwartetes Ausmaß annahen, veranlassten die Firma Krupp, die Förderung auf der Zeche Königsgrube im Jahre 1961 einzustellen. Die Rezessionsphase des Bergbaus traf die Zeche in der südlichen Emscherzone besonders hart. Diese Region zeigte von Beginn der Industrialisierung an eine gefährliche wirtschaftliche Neigung zur bergbaulichen Monostruktur.

Die Belegschaft der Zeche betrug im Jahre 1963 noch 810 Mann, die fast ausschließlich im Grubenbetrieb beschäftig waren. Im Jahre 1967 wurde der gesamte Betrieb auf der Zeche Königsgrube eingestellt. Die Lichter der „Lichtburg“ der Zeche Königsgrube erloschen nach 112 Jahren.

An das Steinkohlenbergwerk Hannover-Hannibal AG erinnert heute noch die Werkszeitung „Die Grubenlampe“, die von 1952 bis zum Ende des Jahres 1959 an alle Belegschaftsmitglieder kostenlos verteilt wurde. Das einst als Hauszeitung des Ledigenheims „Am Klärbrunnen“ 1952 gegründete Presseorgan wurde in Bochum-Hordel besonders unter der Redaktion von Frau Liebetraut Rothert über Wanne-Eickels Grenzen hinaus geschätzt und bekannt.


Zum 150jährigen Jubiläum der Firma Krupp im Jahre 1961 erhielten alle Belegschaftsmitglieder einen Betrag von 150 DM und eine schwarze Eisenkunstguß-Plakette. Sie zeigt auf der linken Seite das Profil von Friedrich Krupp (1811) und auf der rechten Seite das Profil von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1961). Der Entwurf dieser Plakette stammte von Jean Sprenger aus Essen. Den (Original-) Kunstguß fertigte die Friedrichshütte in Laaspe Westfalen, an. Die Plakette hat eine Größe von 21,5 cm x 14,0 cm.


Quelle: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, 2. erweiterte Auflage, Herne 1997, S. 33 ff.

Luftaufnahme aus dem Jahre 1968, Freigegeben durch den
Reg.-Präsidenten Münster Nr. 344/65.
Diese Hochansicht, ein Jahr nach Schließung der Zeche Königsgrube aufgenommen, vermittelt dem Betrachter eine Übersicht über die gesamte Zechenanlage. Teile der Schachthalle sind schon der Spitzhacke zum Opfer gefallen, denn diese reichte bis an die Grundstücksmauer im Vordergrund.



zurück...


Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig und Gerhard Schmitz.


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü