Wanne-Eickel-Historie


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Die Zeche Hannibal II

Bergbau

Zeche Hannibal II - vom Bergwerk zum Chemiewerk


Die Schachtanlage der Zeche Hannibal II lag im Stadtteil Eickel, an der Eickeler Straße. Hier wurde ab 1872 mit dem abteufen von Schacht II (Nosthausen) begonnen. Der Schacht wurde 900 Meter nordwestlich von Schacht I angesetzt.

Hannibal, auch Hannibal Barkas genannt stand Pate für die Namensgebung der Schachtanlage. Er gilt als einer der größten Feldherren der Antike. Im Jahr 218 überschritt er die Alpen. Während des Zweiten Punischen Krieges (218-201 v. Chr.) fügte er dem Römischen Reich mehrere schwere Niederlagen zu. Der phönizische Name Hannibal bedeutet wörtlich "Baal ist gnädig".

Die Schürfrechte für das Feld "Hannibal" stammten vom 31. Juli 1846. Im Frühjahr 1848 wurde mit dem Abteufarbeiten der Schachtanlage I in Bochum-Hofstede begonnen und 1854 die erste Kohle gefördert. Die Zeche war eine der ersten, die den Kreidemergel nördlich von Bochum durchteufte. Am 3. März 1855 wurden die Felder "Vereinigte Hannibal" und "Hannibal I und II" zu "Vereinigte Hannibal" konsolidiert. Die Fördermenge betrug 1865 fast 89.000 Tonnen Steinkohle bei 460 Beschäftigten. Im Jahr 1869 wurden die Felder "Nosthausen I und II" erworben, die 1870 zu "Vereinigte Hannibal" konsolidiert wurden.

Im Jahr 1872 wurde auf dem Gelände zwischen Eickeler- und Herzogstraße die Schachtanlage Hannibal II abgeteuft. Im Jahr 1874 erreichte der Schacht II bei einer Teufe von 134 Metern das Karbon. Im Jahr 1876 wurde im Schacht II bei einer Teufe von 140 Metern die 1. Sohle und im Laufe des Jahres bei einer Teufe von 212 Metern die 2. Sohle angesetzt. Noch im selben Jahr wurde mit der Förderung begonnen. Im Jahr 1877 wurde im Schacht II bei einer Teufe von 283 Metern die 3. Sohle angesetzt. Im Jahr 1883 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Im Jahr darauf wurde im Schacht II bei einer Teufe von 326 Metern die Mittelsohle angesetzt. Im Jahr 1887 wurde bei einer Teufe von 367 Metern die 4. Sohle angesetzt. Diese Sohle wurde wenige Jahre später bei einer Teufe von 400 Metern neu angesetzt. Im Jahr 1892 wurde im Schacht II bei einer Teufe von 505 Metern die 5. Sohle angesetzt.


Die Schachtanlage Hannibal II. mit dem großen Holzplatz für Grubenstempel, aufgenommen um 1910. Gleich daneben wurden die Werkstätten und die Ringofenziegelei errichtet.

Gruppenbild der Zeche Hannibal II. aus dem Jahre 1919, mit Kohlehauer, Obersteiger, Fahrsteiger, Reviersteiger und Steiger mit Häckel und Geleucht (Bild Mitte).

Im Jahr 1899 beschloss die Gewerkenversammlung, das Bergwerkseigentum Vereinigte Hannibal zu verkaufen. Als Kaufpreis wurden 7 350 Mark pro Kux festgelegt. Mit Wirkung vom 1. Juli desselben Jahres ging die Zeche Vereinigte Hannibal für 7,5 Millionen Mark in das Eigentum der Friedrich Krupp AG über. Die Zeche wurde nun gemeinsam mit der Zeche Hannover (Hannover-Hannibal) verwaltet.

Blick in die Maschinenhalle der Zeche Hannibal II in Eickel um 1920.

Am 20. März 1926 wurde die Förderschachtanlage II stillgelegt, der Schacht diente jedoch weiter als Wetterschacht. Der Betriebsteil Hannibal II wurde mit dem Betriebsteil Hannibal I/III zusammengelegt.

Ansicht der Zeche Hannibal II von der Eickeler Straße in Höhe der heutigen Alfredstraße aus gesehen. In der Bildmitte ist der Kirchturm der Kirchengemeinde St. Marien in Eickel zu sehen.

Die Schachtanlage Hannibal II in Höhe der heutigen Hannibalstraße aus gesehen, im Vordergrund befindet sich die Eickeler Straße.

In den freigewordenen Räumen von Hannibal II an der Eickeler Straße wurde eine Lehrwerkstatt eingerichtet. Durch schwere Bombenangriffe im November wurde diese Einrichtung stark zerstört. Bis zum Wiederaufbau wurde die Lehrwerkstatt im alten Magazin der Zeche Hannover untergebracht. Nach einer Bauzeit von 12 Monaten konnten im Frühjahr 1953 die Lehrwerkstatt und die Bergbauberufsschule, die dort eigene Räume bezog, wieder untergebracht werden. Eine weitere Attraktion auf dem Gelände der Schachtanlage II war das Freibad, das nach der Stilllegung dort gebaut wurde und den Berglehrlingen zur sportlichen Ertüchtigung diente. Später in den 1960er Jahren wurde es als Werksschwimmbad für die Mitarbeiter und deren Familien genutzt.

Das Freibad auf dem Gelände der Schachtanlage II, das den Berglehrlingen zur sportlichen Ertüchtigung diente, um 1960und 1975.

Am 10. Mai 1937 begann man auf dem Gelände von Hannibal II an der Herzogstraße mit dem Bau eines Treibstoffwerkes und einer Schwefelanlage. Hier wurde das "Fischer-Tropsch-Verfahren" (Kohleverflüssigung) zur Treibstoffgewinnung und das "Krupp-Lurgi-Verfahren" (Kohlevergasung) praktiziert. Das erste Benzin lief im Oktober 1938, die Schwefelanlage wurde im Januar 1939 in Betrieb genommen. Diese Fabrikation sicherte 1 000 Arbeitsplätze.

Während des Krieges wurde das Werk mehrfach erheblich durch feindliche Angriffe in Mitleidenschaft gezogen. Der schwerste Angriff am 18. November 1944 veranlasste die Stilllegung des Werkes.

Am 10. April 1945 erfolgte die Besetzung der Anlage durch die Amerikaner. Nach dem Krieg wurde der Name des Werkes in "Krupp Kohlechemie GmbH" umgewandelt. Im Jahre 1947, nach teilweiser Behebung der Kriegsschäden, wurde auf Anweisung der britischen Militärregierung das Werk wieder in Betrieb genommen, um dem damaligen Mangel an Rohstoffen für Waschmittel und Seifen abzuhelfen. Im März 1961 verkaufte Krupp das Werk an die Hibernia-Chemie. Heute befinden sich auf dem 25 Hektar großen Gelände die chemischen Anlagen der Evonik Degussa GmbH.

Die imposante Rohrlandschaft der 25 Hektar großen Chemieanlage der Evonik Degussa GmbH. zwischen Magdeburger Straße und Herzogstraße, aufgenommen im Oktober 2015.

Im Jahr 1973 wurde der gesamte Betrieb auf Hannibal II eingestellt und die Schachtanlage bis 1975 verfüllt. Der imposante Malakowturm von Hannibal II wurde im Dezember 1978 in einer Nacht- und Nebelaktion abgebrochen, um die beabsichtigte Unterschutzstellung als Denkmal zu unterlaufen. Auf dem Areal befinden sich heute verschiedene Gewerbebetriebe. Die ehemalige Maschinenhalle wird heute als "Kaisersaal" mit angegliederter Gastronomie für verschiedene Veranstaltungen genutzt.

Ansicht des Malakowturm von Hannibal II, aufgenommen um 1976.

Protegohaube von Hannibal Schacht II.

Die ehemalige Maschinenhalle der Zeche Hannibal II wird heute als "Kaisersaal" mit angegliederter Gastronomie für verschiedene Veranstaltungen genutzt.

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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne, einst und jetzt. Geschichte der beiden Ämter, Siegen 1903.
Bödefeld, Petra, Brandt, Heinz: Hordel einst und jetzt, Bochum 1988.
Lange, Fritz, Keinhorst, Herrmann: Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Zeche Hannover und Hannibal, o,J.
Tagespresse aus: 1974, 1975, 1978, 1998.
www.kaisersaal-eickel.info

Fotonachweis: Heinrich Lührig.



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