Wanne-Eickel-Historie


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Die Westfalen und der Teufel

Geschichte

Die Westfalen und der Teufel


Viele Sagen gehen im Volke umher. Diese Sage hat der Kartäusermönch Werner Rolevink (Bild: So könnte er ausgesehen haben) erzählt. Er lebte um 1425 und war selbst ein Kind Westfalens:

Als Satan vor den Herrn trat, fragte ihn der Herr, woher er käme. Satan antwortete, er habe sich auf der Erde umhergetrieben. Sprach wiederum der Herr: "Hast du auch das Westfalenvolk gesehen, das harte, unbekehrbare und allen Gläubigen so lästige?" Und Satan: "Ei, ja wohl hab' ich es gesehen; wenn du es mir gäbest, dann sollte es dir nicht mehr zur Last fallen!" "Nun, ich geb' es dir, doch unter der Bedingung, daß du es aus der Welt hinausschaffest." Da ging Satan vergnügt und froh hinweg und richtete einen großen Sack her, in den er alle Westfalen steckte und dann in die Luft flog, um dieselben aus der Welt fortzuschaffen.

Als aber diesen die Sache verdächtig vorkam, begannen sie zu knurren und bereiteten ihrem Träger so viel Last, daß er vor Müdigkeit auf einem Berg den Sack niedersetzen mußte.

Kaum fühlten dieselben sich wieder auf festem Boden, da sie alsbald den Sack zerrissen und davon flohen, daß keiner seiner Nächsten mehr gedachte, und so ist es gekommen, daß sie in alle Welt zerstreut wurden. Als aber Satan wieder zum Herrn kam, machte dieser ihm Vorwürfe und sprach: "Nun, was hast du tun wollen? Ich hatte dir die Westfalen gegeben, damit du sie aus der Welt fortschaffen solltest, und du hast sie im Gegenteil über die ganze Welt zerstreut!" Jener aber: "Halt es mir zugute, Herr! Du kennst ja das Volk, wie hartnäckig es ist; weder auf mich noch auf dich wollen sie hören. Siehe, ich geb' sie zurück in deine Hände; mache mit ihnen, was dir gut dünkt!"

Historische Anmerkung

Werner Rolevinck, der älteste Sohn wohlhabender Bauern aus Laer bei Horstmar war Mönch im Kartäuserkloster St. Barbara in Köln. Er war Verfasser von 55 Schriften. Sein Werk: Ein Buch zum Lobe Westfalens, des alten Sachenlandes (De laude antiquae Saxoniae nunc Westphaliae dictae) gilt als die älteste Kulturgeschichte einer deutschen Landschaft und machte ihn weit über die Grenzen berühmt. Er starb am 26. August 1502 an der Pest, nachdem er sieben pestkranke Mitbrüder die Sakramente gespendet hatte.

Diese zum Schmunzeln anmutende Sage aus der Predigtliteratur wird in vielen Sagenbücher erzählt. Werner Rolevinck charakterisiert hiermit die noch unbekehrten, "verstockten" heidnischen Westfalen. Er verbindet angeborene Heftigkeit (der Teufel kann die randalierenden Westfalen nicht halten) und Auswanderungs- und Unternehmergeist (sie zerstreuen sich in allen Richtungen, und zwar jeder auf eigene Faust) mit Kräften der Bodenhaftung, Standfestigkeit, Zähigkeit (kaum fühlen sie festen Boden unter sich, da wurden sie aktiv). Und weiter bemerkt Rolevinck: "Du kannst gehen, wohin du willst, wo findest du nicht überall treue Westfalen?"

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Quelle : Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S. 9 ff.
Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.



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