Wanne-Eickel-Historie


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Die wechselvolle Geschichte von Haus Crange

Herrenhäuser

Vom Herrensitz zur „gepflegten Ruine“


Wer heute durch Alt-Crange spaziert und den ehemaligen Rittersitz von Haus Crange aufsucht, oder besser was davon übriggeblieben ist, kann sich kaum vorstellen, dass hier einmal eine mächtige Wehranlage das umliegende Land beherrschte. Die wechselvolle Geschichte die im September 2012 der Öffentlichkeit übergebenen "gepflegten Ruine" als Parkanlage, ist damit abgeschlossen.

Die älteste schriftliche Überlieferung zu Crange betrifft einen Johann, genannt Krangen, der am 25. Juni 1286 in einem Pfandbrief in Essen genannt wird. Dieser wohnte in einer Windung, einem Krang der Emscher. Erstmals urkundlich erwähnt wird Haus Crange in einer Essener Stadtrechnung vom 10. November 1433. Damals wurde ein Stadtbote zu einem Diderich von Ekel "oppen Krange" gesandt. Eine weitere Erwähnung findet sich im Jahre 1437. Die strategisch günstige Lage im Schutz der noch wilden Emscher legt den Schluss nahe, dass hier auch schon im ersten Jahrtausend ein Wehrbau stand.

Weitgehend gesichert ist, dass Derick (oder auch Dirk) von Eickel 1441 von Herzog Adolf von Cleve, Graf von der Mark, mit Haus Crange belehnt wird. Dieser lässt eine wehrhafte Burg errichten, denn hier im Grenzgebiet zwischen der Grafschaft Mark und dem Vest Recklinghausen waren handfeste wirtschaftliche Interessen zu sichern. Denn das nordöstlich gelegene Vest bildete eine kurkölnische Exklave, und die Erzbischöfe der Domstadt zeichneten sich nicht gerade durch Bescheidenheit in Machtfragen aus. Ihr Expansionsbestreben wurde vor allem vom märkischen Adel mit Sorge betrachtet. Im 14. Und 15. Jahrhundert kommt es mehrfach zu Kämpfen.

Derick von Eickel soll wahrscheinlich in seiner Amtszeit die Umflut der Emscher geschaffen haben, einen künstlichen Wasserarm, der Burg und Dorf Crange zur künstlichen Insel machte. Da nur hier eine Brücke die Emscher überquerte, konnte Derick den Zugang zum kurkölnischen Vest kontrollieren und gleichzeitig Einfluss auf die Wildpferdezucht im Emscherbruch geltend machen. Die Wildpferde auch Emscherbrücher Dickköppe genannt, die dort (bis ins 19. Jahrhundert) lebten, waren ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Lageplan von Haus und Dorf Crange, aufgenommen im September 1823 durch den Geometer Karl Krause.

Der Besitz an Haus Crange wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach geteilt, blieb aber bis ins frühe 17. Jahrhundert im Eigentum der Familie von Eickel. Im Jahre 1637 starb die männliche Linie aus. Petronella, die Tochter des letzten von Eickel heiratete den Freiherren Christoph von Rump zu Valbert, der Haus Crange am 26. März 1637 durch Belehnung vom Großen Kurfürst Georg Wilhelm zu Brandenburg erhält.

Im Jahre 1761 fallen die Gebäude einem Feuer zum Opfer. Auf dem gotischen Kellergewölbe wird der Herrensitz wieder aufgebaut.

1812 zieht die Familie Rump nach Lütgendortmund ins geerbte Haus Dellwig. Haus Crange wird verpachtet und kommt 1875 durch Heirat an die Grafen von Landsberg-Velen in Borken, die es 1884 an die Harpener Bergbaugesellschaft veräußert.

















Haus und Dorf Crange um 1896.

Haus Crange um 1900.

Haus Crange um 1920.

Im Jahre 1905 kauft die Kanalbaugesellschaft Haus Crange und das umliegende Gelände. Die Gräften werden trocken gelegt und verfüllt. Über die Essener Steinkohle AG gelangt Haus Crange 1962 an den Bauunternehmer Robert Heitkamp, der so den drohenden Abriss des Gebäudes verhindert. Mit dem Architekten Professor Hermann Gieseler plante Heitkamp Anfang 1974 die Renovierung und einen umfangreichen Ausbau, ohne dass dieser zur Ausführung gelangte, da unter anderen Bergschäden dem im Wege standen und auch das Westfälische Amt für Denkmalpflege sein Veto einlegte, da der Entwurf einer altdeutschen Ordensburg glich. Das Haus war somit dem Verfall preisgegeben.




















Ansicht von Haus Crange um 1955.

Ansicht von Haus Crange um 1962.

Foto: Bildarchiv der Stadt Herne

Modell von Haus Crange von 1974,
Architekt Professor Hermann Gieseler.




Haus Crange, Zustand 1981.

Am 10. August 1983 wird der Herrensitz Crange unter Denkmalschutz gestellt. Vier Jahre später, im Januar 1987 wird dem Bauunternehmer Robert Heitkamp eine Ordnungsverfügung durch die Untere Denkmalsbehörde der Stadt Herne zur Sicherung des stark angegriffenen Haus Crange, zugesandt. Heitkamp legt Widerspruch gegen die Ordnungsverfügung ein. Am 15. April 1988 entscheidet die Stadt Herne die Aufhebung der Ordnungsverfügung, mit der Begründung: Die Sicherungsmaßnahmen am ehemaligen Herrensitz Haus Crange sind dem Eigentümer nicht zumutbar.

Im Jahre 1989 erfolgte der Vorschlag, Haus Crange als Projekt in die IBA (Internationale Bauausstellung Emscher Park) auf zu nehmen. Zur gleichen Zeit (März 1989) liefen Bemühungen, eine Behindertenwerkstatt im Haus Crange einzurichten.

Im Frühjahr 1990 reißt ein Sturm Teile des Daches ein. Daraufhin gründet sich am 14. Februar 1991 zur Rettung Haus Crange der Förderverein "Haus Crange". Ein Jahr später, am 22. Januar 1992 beschließt der Rat der Stadt Herne, Haus Crange als "gepflegte Ruine" zu erhalten. Vorausgegangen war eine Zusage des Landes NRW Haus Crange durch eine Beteiligung von 50 % der Sicherungskosten, den Herrensitz für die Nachwelt zu erhalten. Daraufhin wurden außerplanmäßige Haushaltsmittel von 200 000,- DM bereitgestellt. Die Kosten sahen wie folgt aus:
Ausräumen der Ruine von Schuttmassen, Abbruch des Restdachstuhls und loser Mauerwerksteile 124 000,- DM, Aufstellen und Vorhalten eines umlaufenden Gerüstes 20 400,- DM, Mauerwerksicherung durch Trägerverbindung 18 000,- DM, Provisorisches Abdecken der Mauerwerkskronen mit Mörtel 7 000,- DM und Sicherung des Kellergewölbes gegen eindringende Feuchtigkeit mit einer leichten Holzkonstruktion und einer Papplage 12 000,- DM. Für Gutachten und Statik wurden 18 600,- DM veranschlagt - zusammen 200 000,- DM.

Nach Aussage des Landeskonservators werden die Wirtschaftsgebäude nicht erhalten.

Die Wirtschaftsgebäude von Haus Crange um 1962.

Im November 1992 wird mit den Arbeiten begonnen, nachdem das Bauunternehmen Heitkamp das Anwesen als Schenkung der Stadt Herne überlassen hat.

Haus Crange, Zustand 1992.

Im Frühjahr 1993 aber mussten die Arbeiten schon eingestellt werden. Der Grund: Die für die Arbeiten bereit gestellten Mittel waren verbraucht. Daraufhin wurden weitere Mittel in Höhe von 100 000,- DM zur baulichen Sicherung von Haus Crange für den kommenden Haushalt 1994 angemeldet, aber nicht genehmigt.

Im Frühjahr 1994 werden neue Pläne zu Errichtung einer Ausbildungsstätte für 100 benachteiligte junge Menschen zur Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe bekannt. Eine Erweiterung auf 120 Plätze wurde gleich mit ins Konzept aufgenommen. So konkret diese Pläne auch waren, so ungewiss war auch die Finanzierung von 16 Millionen Mark. Es wurden Kontakte zur IBA Emscher Park aufgenommen.

Neue Sorgen bereite dem Förderverein im Oktober das Torhaus, das mit rund 30 000,- DM Sicherungskosten über den Winter gebracht werden musste. Die Kassen des zuständigen Hochbauamtes waren aber am Jahresende leer.


Haus Crange, Zustand März 1993.

Haus Crange, Zustand März 1994.

Im Juli 1996 berichtet die Tagespresse: "In diesen Tagen ist europaweit ein Architektenwettbewerb für das Hotelprojekt Haus Crange ausgeschrieben worden". Daraufhin wurden bis September 112 Wettbewerbsarbeiten eingereicht, die ein Preisgericht begutachtete. Die Höhe des Preisgeldes betrug 39 000,- DM. Das Rennen machte das Berliner Büro Abcarius und Bruns.

Im Februar 1997 verabschiedete sich der Internationale Bund für Sozialarbeit aus finanziellen Gründen von ihrem ehrgeizigen Projekt. Es heißt: "Wegen der schlechten Finanzlage des Internationalen Bundes, könne das Vorhaben nicht verwirklicht werden. Als freier Träger verfügt die IB nicht über die notwendigen Eigenmittel, und Kredite können nicht aufgenommen werden". Dennoch hält die Internationale Bauausstellung Emscher Park an dem Vorhaben fest.

Während die denkmalgerechte Renovierung der Zechensiedlung Teutoburgia bereits abgeschlossen und die Hülsmann-Bebauung so gut wie fertig war, schlief das Haus Crange noch immer den Dornröschen Schlaf. Die Suche nach einem Investor ging weiter, aber ohne Erfolg.

Im Juli 1999 heißt es in der Tagespresse: "Die Natur erobert Haus Crange zurück. Der Ehemalige Herrensitz ist vom Verfall gezeichnet - Umbau zu kostspielig". Daraufhin nahm sich das Grünflächenamt der Stadt Herne das verfallende Haus Crange an. Mitarbeiter schnitten die starke Vegetation mit Motorsägen zurück. Der Zutritt der Ruine von Haus war nicht mehr möglich.

Im August 2000 drängte die Bezirksvertretung auf eine Lösung in Sachen Haus Crange. Zwei Varianten standen an. Für die Erste machte sich die CDU stark. Sie schlug vor, Haus Crange aus der Denkmalliste zu streichen und abzureißen. Die andere Variante hieß: Haus und Grünfläche als "gepflegtes Denkmal" herzurichten. Die zweite Variante wurde Einstimmig angenommen. Daraufhin beauftragte der Bezirk die Verwaltung dafür die Kosten zu ermitteln.

Haus Crange, Zustand August 2002.

Im September 2008 begannen dann die Arbeiten, das Baudenkmal in eine "gepflegte Ruine" als Park umzugestalten, damit die historische Stätte von geschichtsinteressierten Bürgern besichtigt werden kann. Die Kosten hierzu belaufen sich auf 45 000,- Euro.

Haus Crange, Zustand September 2008.

Nachdem das Gelände von wuchernden Sträuchern befreit wurde, wurden die gefährdeten Bauwerksteile des Herrensitzes abgebrochen. Nach und nach wurde von Mitarbeitern der Gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft (GBH) das Pflaster des Innenhofes frei gelegt und Wege angelegt, sowie die verbliebenen Mauerreste von Bewuchs und losen Material befreit und verfugt. Außerdem wurde der alte Verlauf der Gräfte im nordöstlichen Bereich, allerdings nicht maßstabsgerecht, in der historischen Situation herausgearbeitet. Um dem Alter der Anlage Rechnung zu tragen, wurden an dem Rundweg 60 verschiedene alte Obstbäume wie: Birnen, Äpfel, Pflaumen, Kirschen Quitten und Nussbäume, gepflanzt.

Haus Crange, Zustand Juni 2012.

Viele Ideen für die Zukunft des Hauses Crange hatte es in der Vergangenheit gegeben. Genauso viel Steuergeld wurde hierfür ausgegeben. Was aus allem geworden ist, kann seit dem 29. September 2012 besichtigt werden.

Das ehemalige Torhaus von Haus Crange.

Haus Crange als gepflegte Ruine am 29. September 2012.

Die Natursteinverblendungen an der Nord- und Ostseite wurde zu achtzig Prozent nach Originalvorlagen aufwändig rekonstruiert.


Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel einst und jetzt, 1903, S. 31 ff.
Hegler, Gustav: Aus den Väter Tagen, 1911, S. 215 f.
500 Jahre Dorf und Crange und Cranger Kirmes, 1935.
Führer durch Wanne-Eickel-Röhlinghausen, 1925, S. 35 f.
Giesler Hermann: Haus Crange - Bollwerk Crange einst ein Rittersitz des Droste Dierk von Eickel zu Crange.
Der Emscherbrücher, Heft 1/1975, S. 22 ff.
Schulte, Eduard: Der Bochumer Droste Dierk von Eickel, Bauherr zum Crange um 1390-1445.
Der Emscherbrücher, Heft 1/1975, S. 10 ff.
Schulte, Eduard: Geschichtsbilder der Rittersitze Crange im Emscherbruch und Weitmar bei Bochum, 1977.
Haus Crange: Förderverein Haus Crange, 2001. Denkmalschutzliste der Stadt Herne.
Haus Crange im Spiegel der Presse, 1989-2012.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.




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