Wanne-Eickel-Historie


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Die Stadthalle

Gebäude

Zwischen Kurhaus und Kirche, die "Käseglocke"


Die ehemalige Stadthalle war ein Zeugnis aufstrebenden Bürgerstolzes. Und selbst in der Bezeichnung "Käseglocke", die man ihr wegen der Form gegeben hatte, war nicht unbedingt etwas Abschätzendes. Die "Käseglocke", war seit der Stadtwerdung im Jahre 1926 immerhin so etwas wie ein kulturelles Bindeglied zwischen Wanne und Eickel.

Der Plan eine Stadthalle zu errichten, schwebte eigentlich schon lange im Raum. Immer, wenn die drei Gemeinden gemeinsam größere Veranstaltungen, wie etwa Werbewochen, planten, wurde eine großer Saale schmerzhaft vermisst, denn bis dahin konnte keiner der Gemeinden einen solchen Saal vorweisen.


Nachdem man sich endlich gemeinsam auf einen Standort geeinigt hatte, konnte das Grundstück zwischen St. Josephs Kirche und Kurhaus von der Witwe des Bauunternehmers August Franke erworben werden. Das Bauwerk ein etwa 1500 Quadratmeter großen Kuppelbau mit drei angrenzenden Sälen entstand nach den Entwürfen des Wanner Beigeordneten und Baumeisters Bruno Lehmann. Die Haupthalle mit einer Grundfläche von rund 800 Quadratmeter bildete ein regelmäßiges Achteck, das sich nach oben stufenförmig verjüngte. Durch den ein wenig gedrungenen wirkenden Eingang der Halle trat der Besucher in den ungefähr 15 Meter hohen Innenraum. Die Seitenwände waren aus Bimsdielen in Schalenbauweise errichtet worden. Das Tageslicht fiel gedämpft durch große Oberlichtfenster und Öffnungen an den Seiten. Der Innenraum des große Kuppelbaus bot Platz für etwa 1200 Besucher, wurde eine Bühne aufgebaut, reduzierte sich das Fassungsvermögen auf genau 952 Plätzen. Seitlich schlossen sich Nebengebäude an. Im späteren südlichen Flügel war das Heimatmuseum untergebracht, im anderen Nebenbau waren Versammlungsräume und Platz für Turngeräte.

Gruppenfoto der Mitarbeiter, die für die Außenanlagen zuständig waren.

26. Juli 1925, die Stadthalle wird feierlich eingeweiht.

Zur Eröffnungsveranstaltung am 26. Juli 1925 präsentierten sich in der neuen Stadthalle der Verkehrsverein Wanne-Eickel, der Kunstverein Wanne-Eickel, die Gesellschaft für Heimatkunde, sowie Handel und Gewerbe zur Werbewoche Wanne-Eickel - Röhlinghausen. War man bei der Eröffnungsveranstaltung noch froh, in Zeiten der leeren Gemeindekassen ein so großes Gebäude errichte zu haben, scheiterten aber des weiteren die guten Vorsätze für gemeinsame Veranstaltungspläne der Erbauer am eng geschnürten Stadtsäckel. So stand die Stadthalle meistens leer. Dies änderte sich schlagartig zum Tag der "Stadtwerdung", wie die Wanne-Eickeler Zeitung am 1. April 1926 berichtet: Punkt 17.00 Uhr wurde an diesem Tag für die Neubürger ein Stunden- Mannschaftsrennen der Radfahrer ausgetragen. Der Sport hatte fortan einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Stadthalle, obgleich sie dafür gar nicht so gut geeignet war. So mussten Sportgeräte provisorisch hinter Vorhängen versteckt werden, da entsprechende Räumlichkeiten noch nicht vorhanden waren. Für die Ausstattung der Turngeräte hatte sich der Gymnasiallehrer Paul Käse eingesetzt. Ihm zu Ehren und wohl auch wegen der äußeren Form des Bauwerks, stand sein Name Pate, als die Stadthalle im Volksmund den Beinamen "Käseglocke" erhielt.

Ansicht der Stadthalle von der Ecke Haupt- und Kurhausstraße um 1930.

Ansicht der Stadthalle von der Ecke Langekamp- und Kurhausstraße, um 1930.

Im März 1927 eröffnete im Südflügel der Halle die 1925 gegründete Gesellschaft für Orts- und Heimatkunde ein Heimatmuseum. Es wurden sechs Abteilungen gebildet, aufgegliedert in eine kulturgeschichtliche, eine prähistorische eine diluviale für Fundstücke aus dem Hafenbecken, eine mineralogische, ferner Sammlung von Schriften, Bildern, Graphiken und Plastiken des Kunstvereins Wanne-Eickel, sowie alten Waffen. Die Bevölkerung war dem Museum recht angetan und belohnte dieses durch häufige Besuche mit Kindern, Verwandten und Freunden. Weniger an der mangelhaften Resonanz als an der schlechten Akustik der Halle scheiterte dagegen die Bemühungen des Volksbildungsverbandes Wanne-Eickel. Die "Lieder zur Laute" oder die Konzerte des heimischen Orchestervereins fanden im wahrsten Sinne des Wortes nicht ausreichend Gehör. Fortan gab es der besseren Vermittlung wegen Lichtbildervorträge. Besonderer Aufmerksamkeit erfreute sich eine Volksschulausstellung und Jugendbuchwoche im Dezember 1929. Rund 18000 Besucher sahen sich die musikalischen und rhythmischen Darbietungen der Schüler der Königin-Luisen-Schule an.

Manch Besucher ließ sich auch vom Leibesübungsabend des Arbeiter-Sport- Kartells Wanne-Eickel im Februar 1931 anlocken, der unter dem Motto: "Unser Körper in Formung - Schulung - Kraft" stand.

Innenansicht des Kuppelbaus der Stadthalle.

Blick auf die Bühne, der ca. 800 Quadratmeter großen Haupthalle.
Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne.


Weniger frohsinnig ging es dann ab 1930 in der Stadthalle zu. Nationalsozialistische Auftritte aller Couleur und Großkundgebungen wechselten einander ab, man ließ hitlersche Reden per Rundfunk in die Halle übertragen. Höhepunkt dieses Trubels war der 9. November 1933. Es war jener Tag, an dem Oberbürgermeister Günnewig den Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger der Stadt Wanne-Eickel proklamierte.

Zu "... immer noch Ehrenbürger unserer Stadt “, schreibt OB. Manfred Urbanski am 20. März 1979 folgende Stellungsnahme :

Dass Adolf Hitler eindeutig nicht Ehrenbürger unserer Stadt ist!

Es sind keine “Formaljuristischen Hinweise“, wenn ich feststelle, dass das Ehrenbürgerrecht mit dem Tode des Beliehenen automatisch erlischt und im Neugliederungsfalle ein Übergang von Ehrenbürgerrechten von lebenden Personen auf die neue juristische Person des öffentlichen Rechts (Stadt) nicht erfolgen kann. Da - wie bereits oben erwähnt - das Ehrenbürgerrecht mit dem Tode des Ehrenbürgers endet, ist die in der Gemeindeordnung NW geregelte Entziehung des Ehrenbürgerrechts nur so lange möglich, als der Betreffende lebt.


Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne.



Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne.


17 Jahre nach der feierlichen Eröffnung kam dann das Aus für die Stadthalle. Am 17. Januar 1942 äscherte ein Brand gegen 21.15 Uhr nach einem Konzert des Reichsmusikzuges des Reichsarbeitsdienstes die Halle bis auf die Grundmauern ein. Die Stadthalle wurde nicht wieder aufgebaut. Seitdem benutzen die Wanne-Eickeler den städtischen Saalbau im Wanner Stadtgarten.

Heute erinnert an dem Ort wo einst die Stadthalle stand eine Info-Tafel der Gesellschaft für Heimatkunde.






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Quellennachweis: Wanne-Eickeler Zeitung vom 25. Juli 1925.
Unsere Stadt, Bürgerillustrierte der Stadt Herne, S. 26 ff. Architekturführer Herne, S. 45.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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