Wanne-Eickel-Historie


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Die katholische Kirchengemeinde St. Joseph

Gebäude

…ein Stück Italien am Rande der Hauptstraße in Wanne-Süd – Die katholische Kirchengemeinde St. Joseph


So manche Kirche in Wanne-Eickel verdankt ihre Existenz der Kohle. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Bahnhof gebaut und die Bergwerkgesellschaften die ersten Schächte abteuften, fanden in diesen Orten Tausende einen Arbeitsplatz. Der rasante Bevölkerungszuwachs in der Emscherzone war so groß, dass neben der Pfarrei St. Marien in Eickel, ab 1871 in Bickern ein Seelsorgebezirk entstand, der 1890 zur Pfarrei erhoben wurde: St. Laurentius. Von diesen beiden Pfarreien, St. Marien und St. Laurentius, wurde am 1. November 1907 die Pfarrei St. Joseph abgepfarrt und zur selbstständigen Pfarrei erhoben.

Die Gründung der Pfarrei St. Joseph ging auf die Rektoratsschule in Wanne-Süd zurück. Die Bischöfliche Behörde in Paderborn ernannte Johannes Schmidt zum Rektor dieser Schule, die zu Ostern 1894 eröffnet wurde. Der Unterricht wurde zunächst in einem Haus in der Strünkeder Straße (Am Alten Amt) erteilt, dann nach Fertigstellung des neuen Schulgebäudes in der Schulstraße abgehalten. In Rektor Johannes Schmidt hatte die Pfarrei den ersten Geistlichen. Er feierte die heilige Messe zuerst in einem dem Bauunternehmer August Franke gehörigen Neubau in der Schulstraße 4, der ohne Innenwände blieb, um vielen Gläubigen Platz zu bieten. Schon gleich bei der Eröffnung dieser Kapelle (12. November 1894), zeigte sich dieser gottesdienstliche Raum als zu klein. Der Bauunternehmer August Franke veranlasste darauf seinen Bruder, einen Saal zu bauen, der in seiner Größe von 320 Quadratmetern für die nächsten Jahre als Notkirche diente. Die Einweihung dieses Gotteshauses fand am 23. September 1897 statt. Zu dieser Zeit gehörte die Gemeinde noch zu den Mutterpfarreien St. Marie in Eickel und St. Laurentius in Wanne-Nord. Als Nachfolger von Johannes Schmidt wurde im Jahre 1904 der aus St. Marien in Eickel stammende Vikar Joseph Luft berufen. Die Chronik berichtet von ihm, dass er zunächst ein entscheidender Gegner der neuen Pfarrwerdung gewesen sei. Die Bischöfliche Behörde ihn aber durch die Ernennung als Rektor von Wanne-Süd zu einem eifrigen Freund dieses Gedanken machte. Seine Bemühungen zahlten sich aus, denn am 1. November 1907 erfolgte die Erhebung des Rektorates zur Pfarrei und somit Heimat für 3000 Gläubige. Vikar Joseph Luft selber wurde am 3. Januar 1908 zum Pfarrer ernannt.

Zwischen zeitlich hatte man sich um ein Baugrundstück für die neue Kirche bemüht. Die Bemühungen hatten erfolg, der Landwirt Heinrich Lechtape und der Bauunternehmer August Franke stiftete je zur Hälfte das erforderliche Baugelände. Am 22. Januar 1909 wurde von der Bischöflichen Behörde die Genehmigung zum Bau der Kirche erteilt, die die Regierung in Arnsberg am 15. Juni 1909 bestätigte.

Am 7. September 1909 erfolgte der erste Spatenstich und 17. April 1910, am Schutzfest des heiligen Josef erfolgte die Grundsteinlegung. Bei der Wahl des Baustils des Gotteshauses entschied man sich für die berühmte Basilika San Zeno in Verona als Vorbild.

Nach den Plänen des Bochumer Architekten Karl Pinnekamp und unter der Bauleitung von August Franken entstand in der Zeit von 1908 bis 1911 das monumentale Bauwerk aus Ruhrsandstein.
Am 8. Oktober 1911 wurde das Allerheiligste feierlich aus der Notkirche in die Josephskirche übertragen. Am 17. November 1912 konnte dann das Kirchweihfest durch Carl Joseph Schulte, Bischof von Paderborn begannen werden.

Die St. Josephkirche in Wanne-Süd, von der Ecke Hauptstraße und Langekampstraße aus gesehen, um 1915.

Gedenkstein der Pfarrkirche St. Joseph angebracht an der Nordostseite der Kirche.

Bei dem monumentalen Bauwerk handelt es sich um eine neuromanische Basilika mit einem dreischiffigen Langhaus, einem Querhaus, Choranlage, Vierungsturm mit Flachdach und monumentalem Westturm. Ursprünglich waren über dem Westwerk der Hauptfassade zwei sechzig Meter Türme mit spitzen Helmen geplant. Aus Kostengründen verzichtete man auf das obere Turmgeschoß und die Helme und beendete die Turmhöhe bei 40 Metern einschließlich der zwei niedrigen Pyramidenförmigen Dächer. Charakteristisch ist die allseitige gelbweiß, massiv wirkende Ruhrsandverkleidung.

Die Kirche wird gegliedert durch Gesimse und Friese, Blendbogen und Zwillings- bzw. Drillingsfenster. Ebenso eindrucksvoll gestaltet ist das durch zwei Giebel bekrönte Doppelportal, dessen Säulen von drei liegenden Löwen-Skulpturen getragen werden, die eine Ziege, ein Widder und einen Hund zwischen den vorderen Klauen halten. Deshalb wird die Pfarrkirche im Volksmund auch oft Löwenkirche genannt. Die Grundfläche der Kirche beträgt 46,69 Meter x 22,66 Meter.

Im Inneren des Gotteshauses erhielten die Decken im Haupt- und Querschiff Holzbalkendecken mit Stabbretterschalung. Seitenschiff, Vierung, Chor und Seitenkapellen mit Altarnischen haben Gewölbedecken.

Die St. Josephkirche in Wanne-Süd, von der Hauptstraße in Höhe Kurhausstraße aus gesehen, um 1930.

Innenansicht der St. Joseph Kirche mit Blick auf die Vierung um 1930.

Die St. Josephkirche in Wanne-Süd, von der Hauptstraße in Höhe Gabelsbergerstraße aus gesehen, um 1950.

Die St. Josephkirche in Wanne-Süd, von der Gabelsbergerstraße aus gesehen, um 1960.

Im Jahre 1908 erfolgte auch der Bau des Pfarrhauses, das bereits im Jahre 1909 bezugsfertig war. Es ist ein zweigeschossiges Gebäude mit Dachziegeldeckung. Die Ausführungen der Bauarbeiten übernahm die Baufirma Kassemeyer. Im Erdgeschoß befinden sich die Räume für die Verwaltung, Bücherei und Sitzungszimmer. Im Obergeschoß befindet sich die Wohnung des Pfarrers.

Bei dem monumentalen Bauwerk handelt es sich um eine neuromanische Basilika mit einem dreischiffigen Langhaus, einem Querhaus, Choranlage, Vierungsturm mit Flachdach und monumentalem Westturm, aufgenommen von der Langekampstraße aus im September 2010.

Die Kirche blieb vor Schäden im Zweiten Weltkrieg nicht verschont. Das Dach wurde verschiedentlich schwer beschädigt. Auch mussten wiederholt Löscharbeiten vorgenommen werden, da Brandbomben eingeschlagen waren. In der Nacht vom 6. zum 7. November 1944 brannte die Kuppel nach einen Bombenangriff vollständig aus. Später stürzten die Gewölbe der Vierung und des Chores durch das Eindringen von Regenwasser ein. Den größten Schaden aber erlitt das Gotteshaus in der Nacht vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen, verursacht durch eine Explosion einer Panzersperre vor der Kirche. Die Folgen der Explosion waren furchtbar. Die Haupteingangstür mit Windfängen, die Dächer, Fenster, Gewölbe der Seitenschiffe, Altäre, sowie die Bänke wurden zerstört, bzw. schwer beschädigt. Die Orgel, die auf der Empore im Turm aufgestellt und im Jahre 1941 neu angeschafft wurde, viel der Zerstörung zum Opfer.

Auch die Kirchturmglocken fielen dem Krieg zum Opfer. Am 30. und 31. Dezember 1941 wurden die Glocken im Turm verschlagen. Die Überreste wurden zu Rüstungszwecke eingeschmolzen.

Die schweren Zerstörungen des Krieges machten in der Nachkriegszeit einen leicht veränderten Wiederaufbau des Gotteshauses notwendig.

Zunächst einmal wurden die entstandenen Schäden zum größten Teil beseitigt. Dabei galt es, das Gebäude winterfest zu machen. Zu diesem Zweck wurde das Dach, mit verzinkten, bzw. verkupferten Blech - Holz und Schiefer stand nicht zur Verfügung - behelfsmäßig gedeckt.

Ferner erhielten die Fenster eine vorläufige Verglasung. Mit der Zeit wurden dann nach und nach die eingestürzten Gewölbe durch neue ersetzt.

Bei den Instandsetzungsarbeiten wurde die Deckenhöhe des Kirchenschiffes aus akustischen Gründen verringert und das Niveau des Chorraumes wegen einer besseren Sicht für die Gläubigen um 3 Stufen, etwa 0,54 Meter angehoben.

Fronleichnam 1948 war es dann soweit: Der erste Gottesdienst nach dem Krieg konnte gefeiert werden.


Die St. Josephkirche in Wanne-Süd von der Hauptstraße
aus gesehen, um 1957.

Innenansicht der St. Joseph Kirche mit Blick auf die Vierung
und den Chor mit der Apsis um 1960.

Um dem Kirchengebäude ein adäquates und würdiges Geläut wiederzugeben, wurde für eine monatliche Glocken-Kollekte gesammelt. Die Kirchenkollekte brachte im Laufe der Jahre soviel ein, dass die Glockengießerei Petit und Gebrüder Edelbrock aus Gescher den Auftrag für den Guss von vier Bronzeglocken erhielt. Der Glockenguss fand am 28. Februar 1956 statt. Am 15. März wurden die Glocken nach einer feierlichen Rundfahrt durch die Gemeinde durch Monsignore Dekan Henneke, Pfarrer in Erwitte feierlich geweiht. Jede Glocke schmückt das Bild ihres Patrons und trägt eine Inschrift in lateinischer Sprache.

Die tiefe Glocke, ist die Josephsglocke (Ton h0, 3000 Kg. schwer). Die Inschrift lautet: "Schutzherr unserer Pfarrgemeinde und der ganzen Kirche, Patron der Sterbenden, bitte für uns".

Die zweite Glocke ist dem heiligen Petrus geweiht (Ton d, 1800 Kg. schwer). Auf ihr ist ein Wort des Breviers zu lesen: "Du bist der Hirt der Herde, der Fürst der Apostel. Dir übergab Christus die Schlüssel des Himmelreichs".

Die Paulusglocke (Ton e, 1200 Kg schwer) kündet die Mahnung des Kolosserbriefes; 3, 14-15: "Über alles aber habet die Liebe, denn sie ist das Band der Vollkommenheit; und der Friede Christi juble in euren Herzen".

Die kleine Glocke (Ton g, 680 Kg. schwer), die täglich die Botschaft des Engels läutet, ist der Mutter Gottes geweiht. Wir lesen darauf das Schriftwort: Johannes 2,5: "Da sagte seine Mutter: "Alles, was Er euch sagen wird, das tuet".

Die katholische Pfarrkirche St. Joseph und die Fassade des Pfarrhauses an der Hauptstraße 140 wurden im Januar 1992 in der Denkmalliste der Stadt Herne aufgenommen. Der Denkmalwert beider Objekte wurde darin gesehen, dass sie gestalterisch und funktionell in einem engen Zusammenhang stehen und bedeutend sind für die Entwicklung des Ortsteiles Eickel. Die Kirche ist ein exemplarisches Beispiel der Phase des Historismus, in der bei sorgfältiger stilistischer Ausbildung aller Details eine monumentale Strenge bleibt. In dieser Größe hat sie auch in städtebaulicher Hinsicht Bedeutung als wichtiger Bezugspunkt auf der Hauptstraße.

Ebenso eindrucksvoll gestaltet ist das durch zwei Giebel bekrönte Doppelportal, dessen Säulen von drei liegenden Löwen-Skulpturen getragen werden, die eine Ziege, ein Widder und einen Hund zwischen den vorderen Klauen halten. Deshalb wird die Pfarrkirche im Volksmund auch oft Löwenkirche genannt.

Das durch zwei Giebel bekrönte Doppelportal ziert im linken Giebel ein Spruchband: Haus Gottes und Himmelspforte.
Im rechten Giebel lautet die Innschrift: Gehet zu Joseph.

Innenansicht der St. Joseph Kirche mit Blick auf die Vierung und den Chor mit der Apsis sowie das Chorgestühl links und rechts im Altarraum aufgenommen im September 2010.

Der neue Hochaltar in der Pfarrkirche St. Joseph. Er wurde im Mai 2006 durch den Paderborner Weihbischof Karl-Heinz Wiesemann geweiht. Der alte Hochaltar, der 1913 errichtet worden war, kam durch Spenden einer Vereinigung von Lokomotivführern und Heizern zustande und wurde im Zuge einer Innenrenovierung 1973 zerstört. Der neue Hochaltar orientiert sich stilistisch am alten und wurde anhand von Fotografien wiederhergestellt.

Bildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich Lührig

Die Pieta, ein Geschenk der Baufirma August Kassemeyer.

Die bis heute dritte Kirchen Orgel aus dem Jahre 1962. Es ist eine Kreienbrink Orgel die in Osnabrück gebaut wurde. Sie verfügt über 38 Regiestern.

Bildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich Lührig
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Quellennachweis:
50 Jahre St. Josef Wanne-Eickel, Ostern 1958.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, ein Ausflug in die Vergangenheit, S. 98 ff. 1984.
Antrag zur Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Herne, November 1991.

Weitere Infos unter: www.youtube

Weitere Infos unter: Panoroma Bild

Fotonachweis: Heinrich Lührig.

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