Wanne-Eickel-Historie


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Die Grenzsteinrücker

Geschichte

Der Grenzsteinrücker von Eickel


Es sind schon viele Jahre vergangen, seit man oft nachts in der Zwiebelgasse in Eickel einen Bauern traf, der stöhnend einen großen Grenzstein auf seinen Schultern trug und in klagenden Worten ausrief: „Wo shall ick en laten, wo shall ick en laten?“ (Wo soll ich ihn lassen?) Eines Nachts begab sich ein Knecht, den wohl der Fusel im Wirtshaus besonders mutig gemacht hatte, auf den Heimweg, der rief dem Bauern zu : „Du Narr, setz ihn doch dahin, wo du ihn weggenommen hast!“ Da seufzte der Steinträger tief auf und sagte: „Gelobt sei Jesus Christus, auf dies Wort warte ich seit bald hundert Jahren, hab’ Dank, du hast mich erlöst!“ Damit verschwand die Gestalt. Der ruhelose Geist war der eines Eickeler Bauern, der durch Versetzen der Grenzsteine sich unrechtes Land „erworben“ hatte und der nun verwünscht war. Er musste solange allnächtlich mit dem Grenzstein auf den Schultern umherwandeln, bis ein beherzter Mensch kam und ihm einen Ort nannte, wo der Grenzstein hingehörte


Anmerkung:


Der Grenzstein, auch Schäidstäin, Pünte, Puinte oder Lookstein genannt, war in alten Zeiten wie auch heute noch das Besitztum eines Bauerns und Bürgers, das den seinen von dem eines anderen unterschied / trennte.

„Me mutt üm op de Pünte passe“ - man muss auf die Puinte achten, sagte der Volksmund. So sprach er die Warnung aus, dass man einem Menschen, der zur Unredlichkeit neigt, nicht zu sehr vertrauen soll. Nur wenige kennen wohl noch den ursprünglichen Wert der Worte. Sagen von Grenzsteinrückern werden in mehreren Städten erzählt.


Ein Grenzstein auf der Wegstrecke von Eickel nach Hordel.


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Quelle: Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S.113 ff.

Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.
Fotonachweis: Archiv Heinrich Lührig



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