Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Die Geschichte vom Herrenhaus Bönninghausen

Herrenhäuser

Die Geschichte vom Herrenhaus Bönninghausen – auch Haus Kumpsthoff genannt


Das ehemalige Adelsgut "Haus Bönninghausen" lag an der heutigen Burgstraße im ehemaligen Bezirk "Bönynkhusen". In unmittelbarer Nähe befand sich auch der im Jahre 1959 eingeebnete Bauernhof "to Bönykhusen".

Im Jahre 1411 wurde in "villa Boninchusen" ein Zinspflichtiger "Hermann van Bonynchusen" erwähnt. Seine Nachkommen behielten den Gutsbesitz bis 1630. Im Anschluss kam das Gut an die Familie Kumpsthoff aus Dinslaken bei Wesel. Die Familie gehörte dem clevischen Kleinadel an. Georg Willebrand Kumpsthoff, Doktor der Rechte, respektive Kurfürstlich Brandenburgischer Droste, war von 1659 bis 1688 Richter in Bochum. In dieser Zeit lagen noch Justiz und Verwaltung in einer Hand, diese wurde erst 1753 getrennt. Georg Willebrand Kumpsthoff war ein "besitzvermögender" Mann. Über seine Besitzungen gibt ein von ihm aufgestelltes Verzeichnis:
Die Bevölkerung des Amtes Bochum, Aufschluss, dass unter diesem Titel veröffentlicht wurde.

Im Jahre 1650 wird in der Geschichte auch ein Johannes Bönninghausen erwähnt. 1796 besaß ein Gerhard Wilbrand Lenning, Königlicher Kämmereirat in Cleve, Haus Bönninghausen. Er war von 1764 bis 1772 erster Bürgermeister in Bochum. Im Jahre 1837 wurde das Gut mit 30 Morgen Land und Weide an Peter Jakob Muckenheim verpachtet, der es im Jahre 1855 käuflich erwarb (von dieser Zeit an, sprach der Volksmund nur noch von dem "Haus Muckenheim"). Die Familie Muckenheim betrieb hier bis zum Verkauf der Ländereien an die Stadt Wanne-Eickel im Jahre 1928 eine Gärtnerei und Samenhandlung. Der letzte Eigentümer von Haus Bönninghausen war Heinrich Muckenheim, er verstarb am 14. September 1950.

Das Adelshaus war aus Backstein (Feldbrand) gebaut. Der Erbauer ist nicht bekannt. Das Gebäude hatte drei steinerne Erkersätze, die jedoch nie einen Erker getragen haben. Der Innenhof war von einer meterdicken Bruchsteinmauer umzogen. Vor dem Zugang rechts stand ein viereckiger, trutziger Wehrturm aus Bruchstein. Vielleicht hat man ihn in die Gräfte hineingestellt. Die vier Eckpfeiler, durch Rundbogen miteinander verbunden, lassen diesen Schluss zu. Der Wachturm hatte ursprünglich zwei übereinander liegende Räume mit schlüssellochförmigen Schießscharten. War unten vielleicht der Raum für die Wache, dann war darüber die Stube des Wächters. Der Turm muss höher gewesen sein. Er wird eine steinerne Plattform gehabt haben. Die vier Torbögen sind mit Bruchsteinen verpackt.

Eine Gräfte, am Eingang von einer Zugbrücke überbrückt, trennte die Wirtschaftsgebäude, die westlich des Gutshauses lagen, vom Adelshaus. Dies war der Wasserschutz der Besitzung. Als die Zeche Königsgrube im Ortsteil Röhlinghausen abgeteuft wurde, verlor diese ihr Wasser, ein sumpfiges Gelände blieb zurück. Durch Anlegung einer Kanalisation wurde aus dem einstmals sumpfigen Gelände fruchtbares Gartenland.

Die Keller des Hauses lagen einen Meter über dem Wasserspiegel der Schlossgräben. Ein unterirdischer Gang, der Bönninghausen mit der Dorneburg verbunden haben sollte, (nach einer Sage: Die drei Schwestern als Bote des Todes) konnte weder beim Entfernen der Pfahlroste der Dorneburg noch beim Abbruch der Ruine Bönninghausen an der Burgstraße, festgestellt werden.


Adelsgut Bönninghausen mit Wehrturm und Hauptportal um 1900.

Adelsgut Bönninghausen mit Wehrturm und Hof Bönninghaus 1910.

In früherer Zeit sind Teile von dem Gut Bönninghausen abgetrennt worden. Es waren der Hof Vogelsang und der Bönninghaus Hof an der Reichsstraße.

Ansicht von Adelsgut Bönninghausen mit Wehrturm und zwei Löwen am Portal um 1920.

Ansicht von Adelsgut Bönninghausen mit Wehrturm um 1930. Das Herrenhaus stand etwa 500 Meter entfernt,
wo heute die Burgstraße und die Straße An der Burg zusammentreffen.

An der Freitreppe befanden sich zwei steinerne Löwen, die eine Wappenkatusche hielten, sie wurden im Jahre 1914 aufgestellt. Über dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Hauseingang befand sich ein Wappen, wahrscheinlich das der Familie Kumpsthoff, weil es im weißen Felde drei Kumpstköpfe (Kappusköpfe) zeigte. Der Eingang führte in den großen Saal, an den sich ein kleiner anschloss. Beide haben wahrscheinlich als Waffen- und Rittersaal gedient. Der große Kaminherd hatte einem moderneren Platz machen müssen, jedoch blieb der Rauchfang, in der sich die Einsteigeklappe für den Schonsteinfeger befand, erhalten. Das Geländer der Eichentreppe wies schöne Schnitz- und Stecharbeiten auf. Der Fußboden in den oberen Räumen war aus halbmeterbreiten Eichenbohlen zusammengefügt. Altertümer und Kunstwerke gab es im Haus nicht. Es wurde berichtet, dass sich im Hause eine wertvolle Bibliothek und eine sehenswerte Waffensammlung befunden haben soll. Die Sammlungen sollen damals, als die Familie Muckenheim das Haus erwarb, zum Teil nach Münster geschafft, zum Teil den Erben von Kumpsthoff zurückgegeben worden sein.

Zwei Löwen als Wappenhalter am Hauptportal. Sie wurden 1914 an der Freitreppe aufgestellt und
überstanden zusammen mit dem Wachturm die Bombenangriffe des zweiten Weltkrieges.

Im zweiten Weltkrieg wurde die letzte Eickeler Burg im Winter 1944/45 durch Luftminen zerstört. Im Jahre 1955 kaufte die Stadt Wanne-Eickel die Ruine mit dem umliegenden Gartengrundstück auf.

Blick auf die Höfe Vogelsang links und Bönninghausen rechts um 1928. Beide Höfe blieben bis nach dem zweiten Weltkrieg in Familienbesitz. Hof Vogelsang wurde 1961 und Hof Bönninghaus 1959 durch die Stadt Wanne-Eickel aufgekauft und abgebrochen. Von Hof Vogelsang blieben lediglich Teile der Begrenzungsmauer (in Höhe Reichsstraße 37) übrig. Bei dem Pfingststurm 2014 wurde die Grenzmauer zerstört und später endsorgt.

Als die Stadt im April 1960 die Überreste des einstigen Adelsgutes Bönninghausen von einer Bochumer Abbruchfirma abreißen ließ, hatte sie zuvor beim Landeskonservator in Münster die Abbruchgenehmigung für "Haus Muckenheim" beantragt (so wurde das Haus auch nach dem letzten Eigentümer benannt). Da Muckenheim nicht im Adelsregister verzeichnet war, wurde die Genehmigung erteilt. Nachdem der Landeskonservator davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass es sich beim "Haus Muckenheim" um das im Adelsregister verzeichnete "Haus Bönninghausen" handelte, und dieses unter Denkmalschutz steht, war der irrtümlich genehmigte Abbruch bereits zum Teil vollzogen.

Voran gegangen war ein Brief von Dietrich Rodenbeck, der den Landeskonservator die Geschichte des Hauses in einem Brief bereitstellte. Die Reaktion auf den Brief war, dass der Oberstadtdirektor Alfred Hufeld die Abbrucharbeiten sofort einstellen ließ. In einem Schreiben an den Oberstadtdirektor hieß es, dass der Landeskonservator von der Bedeutung des Anwesens nichts gewusst habe.

Nachdem die Abbrucharbeiten eingestellt worden waren, war man sich sicher, den noch vorhandenen 6,80 Meter hohen trutzigen Wehrturm des Gutes Bönninghausen zu erhalten.


Der trutzige Wehrturm von Haus Bönninghausen um 1900.

Wehrturm mit Schießscharten um 1955.

Eine Schießscharte ist im Festungswesen eine Öffnung innerhalb einer Befestigung, die einem Schützen den Einsatz einer Fernwaffe bei gleichzeitiger hoher Deckung erlaubt. Schießscharten treten in vielfältigen Formen vor allem an spätmittelalterlichen Burgen und neuzeitlichen Festungen auf. Die Form ergibt sich in erster Linie aus der Funktionsweise der jeweiligen Waffe, für welche die Scharte angelegt wurde.
(Quelle: Wikipedia)

Der Landeskonservator in Münster regte in einem Schreiben an die Stadt Wanne-Eickel an, die alten Gräften als rasenbesetzte Senke zu erhalten und das Fundament des Schlosses etwas hochzumauern. Die heimatliche Bedeutung sei nicht zu unterschätzen, vor allem wenn der Wehrturm in denkmalpflegerisch einwandfreien Zustand gebracht würde.

Aber auch hier wurde nichts draus. Nach Beratung durch die Stadt Wanne-Eickel und dem Landeskonservator in Münster wurden die Abbrucharbeiten am 5. Oktober 1960 wieder aufgenommen. Zu weit war der Abbruch schon betrieben worden, dass man hier noch Teile hätte retten können. Somit ist mit Haus Bönninghausen ein baugeschichtliches Denkmal, welches mit vielseitigen Familiengeschichten vergangener Geschlechter verbunden war, für immer verloren gegangen.


Der Wehrturm von Haus Bönninghausen im September 1960.

Der Wehrturm von Haus Bönninghausen im Oktober 1960.

An der Straße "An der Burg", wo sich einst wogende Kornfelder zwischen der Ruine Bönninghausen und dem evangelischen Friedhof Wanne-Süd befanden, entstand im Jahre 1960 ein neues Wohnviertel mit sechs Seitenstraßen. An der Stelle wo sich einst die Gutshausruine befand wurde eine Pavillonschule errichtet, die im Jahre 1988 abgebrochen wurde.

Die Brachfläche wo sich einst die Pavillonschule befand von der Burgstraße aus gesehen, aufgenommen im März 2013.

Blick von der Reichsstraße in Richtung des ehemaligen Herrensitzes Bönninghausen, wo sich heute die Tennishalle des Tennis-Club Parkhaus Wanne-Eickel e.V. Reichsstraße 40 befindet.


Zurück...


Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903, S. 189 ff.
Rodenbeck, Dietrich: Aufzeichnungen zu Haus Bönninghausen, 1960.
Keinhorst, Hermann: Eickel, vom Jahre 774 bis zur Neuzeit, S. 26 ff.
Tagepresse von 1960-1961.
Schulte, Eduard: Geschichtsbilder der Rittersitze Crange im Emscherbruch und Weitmar bei Bochum, S. 52 f.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel, S. 33 f.
Lührig, Heinrich: Eickel, ein Heimatbuch in Bildern, S. 7 f., 19 f.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü