Wanne-Eickel-Historie


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Die Fleuthe-Brücke

Gebäude

Die Fleuthe-Brücke ein Zeugnis vergangener Jahrhunderte


Die historische Fleuthe-Brücke im Resser Wald an der Stadtgrenze von Herne und Gelsenkirchen ist ein technisches Kulturdenkmal aus vorindustrieller Zeit. Die Steinbogenbrücke liegt zu einem Viertel auf Gelsenkirchener und zu drei Viertel auf Wanne-Eickeler (Herner) Stadtgebiet.

Der Schlussstein der Brücke mit der Jahreszahl "1853 / 15. 1.".

Im Jahre 1992 wurde das Brückenbauwerk in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne und Gelsenkirchen eingetragen.

Die historische Steinbogenbrücke, die früher einmal den Fleuthe-Bach, ein heute ausgetrockneter Seitenarm der Emscher überspannte, ist knapp sechs Meter breit und sieben Meter lang. Sie wurde aus Ruhrsandstein in Quadertechnik im Jahre 1853 erbaut, worauf der Schlussstein der Brücke mit dem Datum "1853 / 15.1." hinweist.

Über diesen Verkehrsweg transportierte man Steinkohle von den frühen Zechen des südlichen Ruhrgebiets mit Esels- und Pferdefuhrwerken bis in die Nähe von Dorsten. Dort wurde die Kohle eingeschifft und bis nach Holland transportiert.

Der erste Ausbau dieses Kohlentransportweges, der als befestigter Fuhrweg angelegt wurde, nutzte Teilstrecken Jahrhunderte alter Wege, die schon die Römer bauten. Der sogenannten Gahlenschen Kohlenwege oder auch märkischen Kohlendamme wurde 1766-1769 von Hattingen nach Bochum über Haus Dahlhausen nach Schloss Nosthausen bei Eickel, weiter über einer Brücke über die Emscher bei Crange nach Haus Grimberg und von dort in nordwestlicher Richtung über Erle (Cranger Straße) und Buer, Polsum und Dorsten zum sogenannten "Kohlhaus" (das Haus wurde auf Anordnung Friedrich des Großen 1766/67 durch den Architekten Wanters errichtet - Teile des Gebäudes existieren heute noch) am Lippehafen bei Gahlen, auf clevischem Gebiet geführt.

Unterbrochen wurde dieser rund 40 km lange, in Süd-Nord-Richtung verlaufene Weg, von Schlagbäumen die ca. alle 5 Kilometer standen, an denen Zoll für die Wegstrecke erhoben wurde. So zum Beispiel in der Nähe von Schloss Nosthausen bei Eickel. Hier existierte bis Ende 1874 ein Schlagbaum an der Lönsmühle, ebenso in der Nähe der Fleuthe Brücke. Hier mussten die Fuhrleute ihre Abgaben bezahlen, die sich nach der Höhe der Last richtete. So brachte ein in Bochum Riemke angebrachter Schlagbaum, den ein ehemaliger Unteroffizier bediente, die Summe von 28 114 RM ein.

Der Holzmangel in der Region des Niederrheines hatte die Nachfrage nach dem Energielieferanten Kohle derartig erhöht, dass ein geeigneter Transport von den Lagerstätten im Ruhrtal bis zur Verschiffung gesucht wurde (die Ruhr war zu dieser Zeit noch nicht schiffbar). Die Lippe jedoch hat in Gahlen einen Hafen für die Treidelschifffahrt (Lippekrähne werden flussaufwärts an Seilen über seitliche Treidelwege mit Pferden gezogen. Flussabwärts treiben sie mit dem Flusslauf bis zum Rhein).

Im Rahmen des "Kunststraßenbaus" Preußens ab 1815 wurde der Kohlenweg aufgrund des hohen Transportaufkommens nach ersten Befestigungsarbeiten 1846 vom Gahlenschen Kohlenweg zur Dorstener Chaussee (1849-54) ausgebaut. Die Straße erhielt eine Breite von 8,6 Meter, außerdem musste der Fleuthe Bach (der Bachverlauf führte von Recklinghausen Hochlarmark über das Gebiet des heutigen Ewaldsees und mündete im Bereich des Stadtteils Unser Fritz in die Emscher) überquert werden. So entstand ein neues Brückenbauwerk als Verbindungsstück zum fertiggestellten Gahlenschen Kohlenweg.

Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Emscher in diesem Bereich nach Norden verlegt wurde, fiel der Fleuthe-Bach trocken. In das ehemalige Emscherbett legte man den Rhein-Herne-Kanal als neue Schifffahrtsstraße.

Nach vielen Um- und Ausbauphasen der Dorstener Straße - der heutigen Bundesstraße 226 - wurde die Brücke und ein Teil der Trasse nicht mehr benötigt und geriet in Vergessenheit.

Die Fleuthebrücke, abseits der Dorstener Straße gelegen, wurde im März 1994 im Auftrage der Stadt Gelsenkirchen grundlegend renoviert.


Die Fleuthebrücke diente einst als Zollstelle der Herren von Schloss Grimberg, aufgenommen im im Mai 1994.

Erst mit der Planung für den Regionalen Grünzug D, ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park, erinnerte man sich des historischen Bauwerks. So wurde im Jahre 1992 das Brückenbauwerk in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne und Gelsenkirchen eingetragen. Im Jahre 1994 wurde die Fleuthebrücke mit 150 000 DM Fördergelder des Landes NRW instandgesetzt und durch den Ausbau eines Fuß- und Radweges wieder nutzbar gemacht. Heute gehört dieses Bauwerk zur Route der Industriekultur.

Vom Flussbett ist heute nur noch ein 100 Meter langes Teilstück zum Resser Wald erhalten geblieben.

Durch die Instandsetzung des Bauwerks, wurde auch der Fuß- und Radwege wieder nutzbar gemacht.




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Quellennachweis: Wanne-Eickeler Anzeiger vom 21. Februar 1953. Ruhrnachrichten vom 16. November 1955. Westfalenspiegel Ausgabe Nr. 4 1969. WAZ vom 19. Oktober 1993 und 16. Mai 1994.
Alexander von Knorre: Der Gahlensche Kohlenweg, Kunststraße zwischen Ruhr und Lippe, ohne Jahrgang.

Fotonachweis: Heinrich Lührig.


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