Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Der überlistete Wilde

Geschichte

Der überlistete Wilde


Der frühere Amtmann Koch von Crange erzählte folgende eigenartige Pferdegeschichte:

"Nicht weit von Crange, dicht an der Cranger Heide, wohnten in der "Bickerndörne" auf Stöckmanns Kotten der Kötter Heinrich Stöckmann, der seine beiden Pferde, Wallach und Stute, wie es damals vielfach Sitte war, nachts in der nicht eingefriedeten Umgebung seines Hauses weiden ließ. Das Besitztum des Stöckmann wurde bei Tagesanbruch regelmäßig von einem Wildhengst besucht, wenn dieser auf seinem Wechsel von der Weide zu Holze zog. Hierbei belästigte der Wilde den Wallach, sei es, das dieser ihm nicht ebenbürtig erschien, sei es, dass er mit der bäuerlichen Stute kokettieren wollte. Jedenfalls fand allmorgendlich zwischen dem Wilden und dem Zahmen eine Mensur statt, bei welcher der Wallach anfänglich zahllose "Blutige", endlich aber, als sein Mut wegen der größeren Gewandtheit und Kraft des wildgewordenen Gegners erschlafft war, eine solche Abfuhr erlitt, dass Stöckmann die Sache leid wurde.

Er führt seinen Wallach in die nächste Schmiede und lässt ihm Stolleneisen unterschlagen, die noch härter sind als die festen Hufe des Wildhengstes. Beim folgenden Morgengrauen bringen die beiden Pferde durch langandauerndes Gegeneinanderklappen der Hufe, durch Wiehern, Stampfen und Schnauben dem Bäuerlein ein Ständchen. Dieser eilt ans Fenster und sieht, wie der am ganzen Leibe zerschundene Wilde mit herabhängenden Hautfetzen sich zum Walde zurückzieht, nicht in den gewohnten Galoppsprüngen, sondern in hinkender Flucht. Der Sieger aber grast getrost weiter.


























Heinrich Koch, Gemeindevorsteher in Crange von 1861-1866.

Historische Anmerkung:

Das Emscherbruch, ein Sumpfland zu beiden Seiten des mäandernden (sich windenden) Flusses, ist ein Abflusstal des Schmelzwassers des Inlandeises (Eiszeit) in Richtung Rhein. Es hat wenig Gefälle. So haben sich an den kleinen Nebenflüssen und Bächen und am Emscherufer Sümpfe gebildet. In dieses unwegsame Gebiet trauten sich nur Kenner. Das Waldgebiet war sehr wildreich, besonders an Rotwild. In den unwegsamen Wäldern und Heiden, letztere waren Grasland mit Gebüsch, Heide und Sumpf, hielten sich bis 1834 noch Rudel von Wildpferden auf. Als die Marken des Emscherbruches aufgeteilt, besiedelt und beackert wurden, war das Ende der Emscherbrücher "Dickköppe" gekommen.


Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664 wird in der "Bauerschaft Bickern" unter dem Grundherren "Hugenpoth zur Horst" ein "Stöckmann, Kötter eines Feuerplatzes" erwähnt. Der Stöckmannshof gehörte wahrscheinlich zu den Höfen des Gutes Hörstgen, könnte aber auch ein Unterhof des Gutes Gosewinkel gewesen sein. Der Begriff "Stöckmann" bezeichnet ursprünglich eine handwerkliche Tätigkeit: Stöckmann war derjenige, der die Bäume heranzog und das Pflanzgut, genannt Heister, für die Aufforstung lieferte.

zurück...


Quelle: Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S.158 ff.
Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.
Fotonachweis: Archiv Heinrich Lührig


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü